{"id":1663,"date":"2012-02-16T04:02:32","date_gmt":"2012-02-16T03:02:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1663"},"modified":"2012-02-16T16:12:17","modified_gmt":"2012-02-16T15:12:17","slug":"15-02-2012-karten-koepfe-und-kamele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/02\/16\/15-02-2012-karten-koepfe-und-kamele\/","title":{"rendered":"15.02.2012: Karten, K\u00f6pfe und Kamele"},"content":{"rendered":"<p>\u201eBei Sex bin ich immer dabei!\u201c Mit ausdr\u00fccklicher Genehmigung seiner lieben Frau durfte Horst diese erwartungvolle Botschaft an die Teilnehmer-Registration am Westpark schicken. Doch im letzten Moment sagte Andrea noch ab; da waren es nur noch f\u00fcnf.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;On the cards&#8221;<\/strong><br \/>\nEin Stichkartenspiel mit den normalen Romm\u00e9-Canasta-Bridge-Karten. F\u00fcr die vielen m\u00f6glichen Mechanismen zum Teilen, Karten-Auspielen, Stich-Definition, Stich-Gewinnen und Spiel-Ziel haben die Autoren die Stichspiele der Welt durchforstet und eine ganze Latte verschiedener Regeln zusammengestellt, die wir in st\u00e4ndig wechselnder Kombination durchspielen. Z.B.:<\/p>\n<ul>\n<li>Beim Austeilen erh\u00e4lt jeder Spieler mal 5, 7, 8, 10 oder gar 13 Karten, die \u00fcbrigen Karten werden gelegentlich nachgezogen oder kommen aus dem Spiel<\/li>\n<li>Beim Ausspielen legen wir mal eine einzelne beliebige Karte, mal Poker-Kombinationen auf den Tisch, mal m\u00fcssen wir maumau-artig der Farbe oder dem Kartentyp des Vorg\u00e4ngers folgen, mal mu\u00df unsere Karte h\u00f6her sein, mal sind die Zweien Joker und d\u00fcrfen anstelle jeder anderen Karte eingesetzt werden<\/li>\n<li>Ein Stich ist fertig, wenn entweder alle Spieler reihum gepa\u00dft haben, wenn drei Karten einer Farbe auf dem Tisch liegen, wenn man wieder an der Reihe ist und selber bereits die h\u00f6chstwertige Karte auf den Tisch gelegt hat, un wat et nich al jibt<\/li>\n<li>Man gewinnt oder verliert Punkte f\u00fcr gemachte Stiche, f\u00fcr die Anzahl Karten in den gemachten Stichen, f\u00fcr den letzten bzw. vorletzten Stich, f\u00fcr die Restkarten in der Hand, un wat et nich al jibt<\/li>\n<li>un wat et nich al jibt<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn eine Kartenhand abgespielt ist, bekommt der Gewinner einen Siegpunkt, anschlie\u00dfend wird eine der Verteil-Ausspiel-Stich-Gewinn-Regeln ver\u00e4ndert. Moritz hielt diese Methode f\u00fcr einen \u201eSpiel-des-Jahres-Generator\u201c.<br \/>\nBei jeder Regel\u00e4nderung diskutierten wir mindestens f\u00fcnf Minuten lang \u00fcber die Konsequenzen und Randbedingungen, z.B. ob man mit einem Joker zwei Pik-Asse ausspielen darf, wer den Stich bekommt, wenn mittels Joker zweimal die gleiche h\u00f6chste Karten auf dem Tisch liegt, ob man freiwillig passen darf oder nur wenn man den Ausspielregeln nicht folgen kann, wie es mit Spieler und Stich weitergeht, wenn einer seine letzte Karte gespielt hat, und dergleichen mehr. Eine Minute sp\u00e4ter war die Hand abgespielt und die n\u00e4chste Regel\u00e4nderung stand an.<\/p>\n<p>Moritz sah eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr Kartenpflege, aber er verriet sie nicht. Zumindest nicht \u00fcberzeugend. In einem Chaos von f\u00fcnf Mitspielern mit ungez\u00e4hlten M\u00f6glichkeiten 1, 2 oder 3 Karten hinzulegen ohne die begonnene Kartenfarbe bedienen zu m\u00fcssen, wo man sogar kartenpflegerisch passen und \u00fcberhaupt keine Karte zugeben kann, ist es gewi\u00df nicht der M\u00fche wert, sich alle gespielten Karten zu merken, um auf den noch \u00fcbrig gebliebenen Restkarten eine Gewinnstrategie aufzubauen. Kaum freut man sich \u00fcber die nahezu unschlagbare Poker-Kombination von drei Assen in der eigenen Hand, wird man von den billigen Joker-Karten des Nachbarn \u00fcberstochen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (interessant, macht aber nicht genug Spa\u00df), G\u00fcnther: 5 (ein Drittel der Regelauswahl k\u00f6nnte f\u00fcr ein m\u00f6gliches Spiel dienen, ein Zehntel davon w\u00fcrde vielleicht sogar ein gutes Spiel ergeben), Horst: 5 (hat sich durch geschleppt), Moritz: 7 (lustig), Walter: 3 (kein Spielspa\u00df, kein \u201eto have a plan\u201c).<\/em><\/p>\n<p>Solange die SdJ-Jury den begehten Spielepreis nicht ausw\u00fcrfelt, sollte man doch besser aus den existierenden Regeln f\u00fcr Stichkartenspiele eine feste-beste Kombination analysieren und damit auf den Markt kommen. Minderwertige Kombinationen verw\u00e4ssern die Suppe und reine Regel-Gags punkten auch nur f\u00fcr ein paar Sekunden. Wenn \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;X Pasch&#8221;<\/strong><br \/>\nHorst hatte das 16 Jahre alte Spiel aus seiner Sammlung mitgebracht, weil es das erste Spiel auf unserer Internet-Seite sein wird, das mit dem Buchstaben X beginnt. In einem Karten-W\u00fcrfel-Kombinationsspiel ziehen wir Firmenkarten vom verdeckten Stapel in unsere Kartenhand und w\u00fcrfeln mit jeweils 3 W\u00fcrfeln um die Genehmigung, eine Karte davon auszulegen oder uns an den bereits ausgelegten Firmen der Mitspieler zu beteiligen. F\u00fcr manche Firmenkarten mu\u00df man Paschs oder W\u00fcrfelsummen von 16 und mehr Augen w\u00fcrfeln, daf\u00fcr zahlen diese Firmen sp\u00e4ter auch gleich 8 bis 9 Euros als Rendite. Billigheimer hingegen werden schon f\u00fcr die Augenzahl 3 angeboten, bringen aber nur einen griechischen Euro als Rendite ein.<\/p>\n<p>F\u00fcr Besitz oder Beteiligung an einer Firma legen wir eine definierte Anzahl von Vorstandsmitgliedern (Holzk\u00f6pfe) auf die entsprechende Karte. Zum besseren Z\u00e4hlen d\u00fcrfen 5 Holzk\u00f6pfe durch eine Holzlatte oder \u201eStange\u201c ersetzt werden. Diese Wortassoziation lieferte heute den meisten Spa\u00df. Spieler mit der l\u00e4ngsten Stange konnten reihenweise die Firmen \u00fcbernehmen und Horst fand es geil, an einer einzigen Position zwei Stangen zu haben.<br \/>\nWenn ein Spieler an der Reihe ist, wird ermittelt, an wievielen Firmen er die relative Mehrheit besitzt. Von all diesen Firmen bekommt er die Euro-Rendite als Siegpunkte gutgeschrieben. Danach w\u00fcrfelt er und modelt die Besitzverh\u00e4ltnisse entsprechend um. Man muss also mindestens eine ganze Runde lang Mehrheitsaktion\u00e4r sein und kein Mitspieler darf einem hier verdr\u00e4ngt haben, bevor man die Rendite bekommt.<\/p>\n<p>Aarons Image entsprechend hatte er nur die schlechtesten Firmenkarten gezogen und die ungl\u00fccklichsten W\u00fcrfelw\u00fcrfe hingelegt. Um ihm Balsam auf die frustrierte Zunge zu streichen, verriet ihm Horst selbstlos sogar W\u00fcrfelkombinationen, die ihn in seinen eigenen Firmen entmachteten. Wenn 20 oder 30 Firmenkarten auf dem Tisch liegen, ist es auch nicht mehr so durchsichtig, wie man die Augenzahlen kombinieren mu\u00df, um dem sch\u00e4rfsten Konkurrenten die m\u00f6glichst besten Firmen zu nehmen und\/oder sich die m\u00f6glichst besten Firmen unter den Nagel zu rei\u00dfen oder zu sichern. Selbst eine halbwegs befriedigende L\u00f6sung kostet dabei schon eine Menge Denk- und Kombinierzeit. Leider.<\/p>\n<p>Hier besitzt das Spiel auch erhebliche Kingmaker-Effekte, vor allem in den Schlu\u00dfrunden, wenn man nicht mehr selber gewinnen kann. Welchem Konkurrenten man dann in welchen Firmen die Mehrheiten wegnimmt, ist meist nicht mehr rational begr\u00fcndbar. F\u00fcr Aaron war die letzte Runde nur noch eine \u201eSt\u00e4nkerrunde\u201c.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (zu gro\u00dfe Downtime), G\u00fcnther: 6 (sch\u00f6ne Grundidee, der Feinschliff fehlt), Horst: 6 (war heute auf W\u00fcrfelspiel eingestellt), Moritz: 4 (sollte in einer 3er Runde besser zu spielen sein; man kann sich nicht wehren), Walter: 5 (lustiges W\u00fcrfelspiel, will auch nicht mehr sein).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Tuareg&#8221;<\/strong><br \/>\nEin Karten-Sammel-Spiel mit einer mehrstufigen Sammeltechnik.<\/p>\n<ul>\n<li>Wir nehmen jeweils drei Karten vom verdeckten Nachziehstapel auf die Hand.<\/li>\n<li>Wir legen eine Karte aus der Hand auf den \u00f6ffentlichen Nachziehstapel.<\/li>\n<li>Wir legen Karten aus den Hand oder vom \u00f6ffentlichen Nachziehstapel in zwei private Ablagestapel.<\/li>\n<li>Wir kaufen mit Karten aus unserer Kartenhand bzw. mit Karten aus unseren privaten Ablagestapeln die Erlaubnis, weitere Ablagestapel anzulegen oder Karten aus den Ablagestapeln der Mitspieler zu klauen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Ganze ist eingekleidet in eine Nomadengeschichte aus Timbuktu: Die Karten hei\u00dfen Warenkarten f\u00fcr Gold, Salz, Knoblauch und Wasser, die Ablagestapel hei\u00dfen Kamele, der \u00f6ffentliche Nachziehstapel hei\u00dft Markt und die Karten f\u00fcr Sondererlaubnisse hei\u00dfen Esel, H\u00f6hle oder Dieb.<\/p>\n<p>Wenn der verdeckte Nachziehstapel aufgebraucht ist, erfolgt die erste Wertung: Wer die meisten Karten einer Warensorte gestapelt hat, bekommt je nach Ware 3, 4, 5 oder 6 Punkte, die anderen gehen leer aus. Dann werden alle abgelegten Karten neu gemischt und ein zweites Mal durchgearbeitet. Wer dann die meisten Punkte hat, ist Sieger.<\/p>\n<p>Walter schaffte die reife Leistung, auch nach der zweiten Wertung immer noch keinen einzigen Siegpunkt auf seinem Konto zu haben. Vielleicht eine Spiel-Premiere am Westpark. Aber mit Sicherheit ein Zeichen f\u00fcr mangelndes Spieldesign. Wenn 44 Warenkarten in 3er Packungen von 5 Spielern weggenommen werden, dann ist nach nicht einmal 3maliger Entnahme pro Spieler das Spiel zu Ende. Auch wenn man noch weitere 3 Spielz\u00fcge f\u00fcr Kartenablage oder Kauf investieren kann, ist das doch noch viel zu wenig f\u00fcr einen Spielaufbau. Das funktioniert h\u00f6chstenfalls f\u00fcr deutlich weniger Spieler. Dann h\u00e4tte man das Spiel aber nicht f\u00fcr 5 Mitspieler freigeben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Da &#8211; neben marginalen Chancen f\u00fcr Sonderpunkte \u2013 im ganzen Spiel nur 2 mal f\u00fcr 4 Kriterien Siegpunkte vergeben werden, klopft \u00fcberall nur Hunger und Elend ans Fenster.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 3 (vermutet, dass das Spiel mit weniger Mitspielern funktioniert), G\u00fcnther: 3 (3 reale Punkte f\u00fcr eine 5er Runde, 5 virtuelle Punkte f\u00fcr eine 3er Runde), Horst: 4 (netter Mechanismus), Moritz: 1 (f\u00fcr die 5er Runde), Walter: 1 (f\u00fcr die 5er Runde).<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nBei noch 14 ausstehenden W\u00fcrfeln fing G\u00fcnther mit 5 mal die F\u00fcnf an. Moritz zweifelte an und deckte seinen Becher auf: 3 mal keine F\u00fcnf. Aaron deckte auf: 4 mal keine F\u00fcnf, Walter deckte auf: 2 keine F\u00fcnf. Drei mal gro\u00dfes Gel\u00e4chter. G\u00fcnther deckte auf: 4 mal die F\u00fcnf und einmal der Stern. Drei mal gro\u00dfes Entsetzen!<\/p>\n<p>Horst und Moritz waren mit der vorletzten U-Bahn abged\u00fcst, und Walter war Zuschauer im langwierigen 5:5 Endkampf zwischen Aaron und G\u00fcnther. Spannend ist das Zuschauen allemal, befriedigend f\u00fcr ihn war noch dazu, dass beide Kontrahenten konsequent seine Immer-4-Strategie verfolgten. Kann es sein, dass trotz mathematisch-statistischer Gegenhypothese die 1-mal-die-Vier-Vorgabe einfach den gr\u00f6\u00dferen psychologischen Reiz aus\u00fcbt?<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eBei Sex bin ich immer dabei!\u201c Mit ausdr\u00fccklicher Genehmigung seiner lieben Frau durfte Horst diese erwartungvolle Botschaft an die Teilnehmer-Registration am Westpark schicken. Doch im letzten Moment sagte Andrea noch ab; da waren es nur noch f\u00fcnf. 1. &#8220;On the cards&#8221; Ein Stichkartenspiel mit den normalen Romm\u00e9-Canasta-Bridge-Karten. 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