{"id":168,"date":"2007-11-29T02:48:56","date_gmt":"2007-11-29T02:48:56","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=168"},"modified":"2007-11-29T02:48:56","modified_gmt":"2007-11-29T02:48:56","slug":"28112007-essen-2006-2007-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2007\/11\/29\/28112007-essen-2006-2007-2008\/","title":{"rendered":"28.11.2007: Essen 2006, 2007, 2008"},"content":{"rendered":"<p>Schon voriges Jahr auf der Essen 2006 waren Moritz und Aaron dem englichen Spieleautor Alan Paull begegnet, der mit seinem Spiel &#8220;Confucius&#8221; schwanger ging. Aaron fand die Spielidee schon durchaus pr\u00e4sentabel, doch Alan meinte, er m\u00fcsse noch mindestens 2 Jahre daran arbeiten. Das sind die Zeitspannen, in denen wirklich ambitionierte Spieleerfinder denken und arbeiten m\u00fcssen.<br \/>Dieses Jahr hat Alan uns versprochen, eine Testversion seines Spieles zur Begutachtung zu \u00fcbersenden. Jetzt kam das Spiel an, Moritz hat es \u00fcbernommen und uns damit das Vergn\u00fcgen eines neuen Spiels und zugleich die Pflicht einer kritischen Beurteilung geboten. Hier ist der erste Eindruck.<br \/><strong>1. &#8220;Confucius&#8221;<\/strong><br \/>Die Material der nagelneuen Testausstattung besa\u00df einen professionellen Anstrich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die frische Farbe an den gro\u00dfen Holzp\u00f6ppeln duftete, als w\u00e4ren sie gerade erst beim chinesischen Spiele-T\u00dcV durchgefallen. Doch ansonsten war das Material von bestechender Qualit\u00e4t. Alle Teile fein ausgestanzt und handbeklebt. Karten und Geldscheine waren einzeln in eine Plastikh\u00fclle eingeschwei\u00dft, damit der Zahn der Zeit nicht so schnell daran nagen kann. Ein schwarzes S\u00e4ckchen aus edler chinesischer Seide mit einem aufgestickten goldenen Drachen dient dem verdeckten Nachziehen von Ministerialbeamten. Von beeindruckendender Eleganz, doch nach Moritz &#8220;das unwichtigste Teil des Spiels&#8221;.<br \/>Hans durfte die Vorgaben zur Startaufstellung vorlesen. Allein das dauerte seine 10 Minuten. Dann \u00fcbernahm Moritz die Regie und begann mit der Erkl\u00e4rung der Spielregeln: 20 Seiten Regelheft mit durchaus noch unausgegorenen Formulierungen vor kritischen Westparkern vorzutragen, ist schon eine Herausforderung. Mehrmals ging er freiwillig in die Defensive und entschuldigte sich daf\u00fcr, da\u00df er selber die Regeln noch nicht beherrschte. Er nahm auch gleich prophylaktisch einer entstehenden Ungeduld den Wind aus den Segeln: &#8220;Das Spiel ist wahnsinnig kurz und wir erkl\u00e4ren ewig lang!&#8221; Doch keiner hatte ihn angegriffen, wir hingen alle ganz geduldig an seinen Lippen und waren hingerissen von der F\u00fclle an Regelwerk, das auf dem Spielbrett untergebracht war. Nach einer guten Stunde intensiven Studiums waren wir durch und konnten anfangen.<br \/>Denken, lavieren, schlechte Z\u00fcge zur\u00fccknehmen (ohne Widerspruch), normale Z\u00fcge zur\u00fccknehmen (mit Widerspruch), argumentieren, warum die normalen Z\u00fcge schlechte Z\u00fcge waren (wegen des Widerspruchs), lavieren, denken. So zog sich das Spiel in die L\u00e4nge.<br \/>Es geht um Macht und Einflu\u00df am chinesischen Hof. Pro Runde haben die Spieler 3-5 Aktionen frei, in denen sie<br \/>&#8211; sich Geld- oder Einflu\u00dfscheine besorgen<br \/>&#8211; Beamte in den Ministerien unter ihren Einflu\u00df bringen<br \/>&#8211; sich selbst als Kandidaten f\u00fcr das kaiserliche Examen bewerben<br \/>&#8211; Armeen oder Schiffe kaufen und sie in Einsatzgebiete entsenden<br \/>&#8211; Geschenke kaufen und sie ihren Mitspielern als Bestechung darreichen<br \/>Wenn eine Aktion nicht gerade Geld einbringt, dann kostet sie welches; deshalb m\u00fcssen die Spieler regelm\u00e4\u00dfig einen Teil ihrer Z\u00fcge in die Geldbeschaffungsaktionen investieren.<br \/>Um den Einflu\u00df auf Beamte gibt es einen Verdr\u00e4ngungswettbewerb unter den Spielern, jeder kann den anderen ausbooten. Wer zuletzt zahlt, macht das Rennen. Hans wunderte sich, doch der erfahrene Aaron konnte ihn beruhigen &#8220;So funktioniert Korruption!&#8221;<br \/>Billige Beamte sind besonders beliebt, sie wechseln schnell mal f\u00fcr zwei, drei Mark die Seiten. Die teueren Beamten f\u00fcr sechs, sieben Mark bleiben l\u00e4nger im Besitz eines Spieler, daf\u00fcr werden sie umso lieber in Zuge des \u00c4mterkarussels durch die examinierten Kandidaten ersetzt.<br \/>Irgendwann werden die Mehrheitsverh\u00e4ltnisse in den Ministerien ausgewertet und daf\u00fcr Siegpunkte verteilt. Es ist nicht immer einfach zu erkennen, wer bei den verschiedenen Wertungskriterien die Nase vorn hat. Die Einflu\u00dffaktoren Machtanteile, aktive Bestechung, Zugreihenfolge, F\u00fchrungsposition und Geldmittel spielen ziemlich kompliziert ineinander. Am Ende winkte hier die Erkenntnis: Nur hohe Bestechungen zahlen sich aus. Ein Mittelma\u00df ist selbst bei Bestechungen keinen Pfifferling wert.<br \/>Siegpunkte bekommt man auch f\u00fcr ausreichend Schiffe in den Zielgebieten und f\u00fcr Armeen in vollst\u00e4ndig eroberten L\u00e4ndern. Zu seiner ersten Eroberung zog Moritz ganz alleine aus. Doch weil das ohne Hilfstruppen zu teuer ist, bot er seine gesamte \u00dcberzeugungskraft auf, die Mitspieler reihum in den Krieg zu locken. Nach einigen Fehlversuchen mangels Masse oder aus Regelunkenntnis lies sich Hans schlie\u00dflich &#8220;f\u00fcr sichere Siegpunkte&#8221; dazu \u00fcberreden, seine Pflugscharen in Schwerter zu verwandeln.<br \/>Dabei hatte Moritz absolut recht: die Siegpunkte sind allgemein sehr d\u00fcnn ges\u00e4t und man mu\u00df dankbar und gl\u00fccklich sein, wenn man beim harten Gerangel um Posten und Positionen ein paar wenige, nicht mehr wegnehmbare Siegpunkte auf seine Seite gebracht hat. Dieses flache Punktegef\u00e4lle geht nat\u00fcrlich zu Lasten der Spannung. Wer kann heutzutage schon f\u00fcr einen einzigen Siegpunkt seine Emotionen hochsteigen lassen? Die elendige Rechnerei bei der Vorausschau auf Teilergebnisse und die nicht steuerbaren Abl\u00e4ufe durch die unbekannten Ambitionen der konkurrierrenden Mitspieler, denen man wehrlos ausgeliefert ist, kann man nur mit einer gelassenen, konfuzianischen Lebenseinstellung \u00fcber sich ergehen lassen. Doch diese hatten wir.<br \/>Es gibt noch einiges zu tun, bis &#8220;Confucius&#8221; wirklich ein spritziges Kampfspiel ist. Konfuzius meinte: Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln; erstens durch Nachdenken, das ist das Edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist das Leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist das Bitterste. Den bitteren Weg hat der gute Alan Paull noch vor sich.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, Hans: 7, Moritz: 7, Walter: 6.<\/em><br \/>Moritz schreibt einen Testbericht, doch der wird sicherlich nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sein.<br \/><strong>2. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Den \u00dcbergang von der Schwerstarbeit mit &#8220;Confucius&#8221; zu unserem Standardabsacker kommentierte Hans mit: &#8220;Erst die Arbeit, dann das Vergn\u00fcgen&#8221;.<br \/>Er durfte das Endspiel mit 3:3 W\u00fcrfeln gegen Moritz beschreiten. Moritz legte einmal die drei vor und Hans hob auf zweimal Stern. Das war bereits deutlich \u00fcber Schnitt, doch Moritz hatte selber zwei Sterne unter seinem Becher. Er unterstellte Hans keine Bluff-Tollk\u00fchnheit und hob auf drei mal den Stern. 3:2 f\u00fcr Moritz!<br \/>In Unterzahl mu\u00dfte Hans etwas riskieren. Er hob Moritz nichtssagende Vorgabe auf 2 mal die F\u00fcnf. Diesmal unterstellte ihm Moritz eine Bluff-Tollk\u00fchnheit, was es auch war: Keine einzige F\u00fcnf lag auf dem Tisch. Kantersieg f\u00fcr Moritz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon voriges Jahr auf der Essen 2006 waren Moritz und Aaron dem englichen Spieleautor Alan Paull begegnet, der mit seinem Spiel &#8220;Confucius&#8221; schwanger ging. Aaron fand die Spielidee schon durchaus pr\u00e4sentabel, doch Alan meinte, er m\u00fcsse noch mindestens 2 Jahre daran arbeiten. Das sind die Zeitspannen, in denen wirklich ambitionierte Spieleerfinder denken und arbeiten m\u00fcssen.Dieses &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2007\/11\/29\/28112007-essen-2006-2007-2008\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">28.11.2007: Essen 2006, 2007, 2008<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-168","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende"],"views":1833,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=168"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/168\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}