{"id":1696,"date":"2012-05-03T02:10:40","date_gmt":"2012-05-03T01:10:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1696"},"modified":"2012-05-03T09:05:07","modified_gmt":"2012-05-03T08:05:07","slug":"02-05-2012-housebreaking-at-nightfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/05\/03\/02-05-2012-housebreaking-at-nightfall\/","title":{"rendered":"02.05.2012: Housebreaking at Nightfall"},"content":{"rendered":"<p>Letzten Donnerstag ist im Domizil der Westpark-Gamers eingebrochen worden. Als der Hausherr von einem Bridge-Turnier nach Hause kam, war die Haust\u00fcr von innen mit einem Stuhl verrammelt. Wollte sich die beste aller Ehefrauen etwa gegen eine unerwartete R\u00fcckkehr des besten aller &#8230; sch\u00fctzen? Nein, sie war es nicht gewesen, das Haus war leer und stockdunkel. Nur die Terrassent\u00fcr stand sperrangelweit offen und im ersten Stock hing ein Fenster schr\u00e4g im Rahmen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/EinbruchFenster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/EinbruchFenster-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" class=\"alignright size-medium wp-image-1698\" \/><\/a><br \/>\nWie man es von Film und Fernsehen wei\u00df, hatten die ungebetenen G\u00e4ste Schr\u00e4nke, Kommoden, Schubladen und Nachtischk\u00e4stchen durchsucht und dabei ihren Inhalt (relativ s\u00e4uberlich) auf dem Boden verstreut. Sie waren allerdings sehr geschmacklerisch: F\u00fcr Computer, P\u00e4sse, Kreditkarten und \u00e4hnliche Dinge zeigten sie keinerlei Interesse. \u201eStone Age\u201c, \u201eBluff\u201c und sogar ein fabrikneu eingeschwei\u00dftes \u201e1830\u201c w\u00fcrdigten sie keines Blickes. Mengen von Gummib\u00e4rchen, Crossies und Kartoffelchips, sowie der gesamte Weinkeller blieben unangetastet. Nur Bargeld \u2013 ausgerechnet ungarische Forinth \u2013 und Modekluncker fanden sie auflesenswert. Kein einziges der vielen, frei herumh\u00e4ngenden Original-Gem\u00e4lde der Hausfrau lie\u00dfen sie mitgehen. Dabei h\u00e4tten sie sich damit bei der K\u00fcnstlerin wahrscheinlich sogar ein bi\u00dfchen Sympathien erwerben k\u00f6nnen &#8230;<br \/>\nDie Polizei kam um Mitternacht. Zuerst ein Streifenwagen zum Verfizieren, dass keine Finte vorlag. Die beiden gr\u00fcnen M\u00e4nnchen vermittelten auch gleich einen 2-Tages-Psycho-Kurs bei der Polizei, auf dem sich die Hausherren von ihrem Schock erholen k\u00f6nnen. Dann kamen drei Kriminale zur Vernehmung, und schlie\u00dflich ein Spezialist von der Spurensicherung, der auch auf Anhieb den zun\u00e4chst r\u00e4tselhaften Einbruchsweg zum Fenster im ersten Stock ermittelte. Um halb vier Uhr morgens war die Arbeit beendet, zur gleichen Zeit wie einen Tag vorher der WPG-Spielbericht. (Und wie der von heute.)<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Nightfall&#8221;<\/strong><br \/>\n\u201eEinbruch der Dunkelheit\u201c \u00fcbersetzt LEO den Titel. Das wird wohl auch die Stunde vom Einbruch bei den Westparkgamer gewesen sein. In \u201eNightfall\u201c sind es keine Einbrecher, mit denen wir fertig werden m\u00fcssen, wir sind eher selber welche. In Form von Monster-Karten. Alle Spieler bekommen zu Spielbeginn ein identisches Kartendeck mit Anfangs-Monstern. Jedes Monster k\u00e4mpft oder verteidigt, erzeugt Schadenspunkte und Wunden, verliert Leben und wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in die Spielschachtel zur\u00fcck &#8220;verbannt&#8221;.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig kaufen wir uns mit unserem Kartendeck neue und st\u00e4rkere Monster und reichern damit unser Kartendeck an. Diese systematische Verbesserung der Kartenhand erinnerte Moritz an \u201eDominion\u201c. Wohlwollend. In \u201cNightfall\u201d geht es n\u00e4mlich nicht konstruktiv darum, mit einem guten Kartendeck m\u00f6glichst viele Siegpunkte f\u00fcr sich selbst zu erwerben, es geht ausschlie\u00dflich destruktiv darum, mit dem Kartendeck die Mitspieler m\u00f6glichst viel zu sch\u00e4digen. Wer am Schlu\u00df die wenigsten Wunden hat, ist Sieger, alles andere z\u00e4hlt nicht: auch keine Super-Totschl\u00e4ger und Wunderheiler, die man unter Vertrag hat.<br \/>\nNach einer vorgegebenen Farb-Harmonie-Regel schicken wir die Monster in den Kampf. Wer sich an die Farb-Harmonie gut angepa\u00dft hat, kann einen Gro\u00dfteil seiner Kartenhand zum Einsatz bringen, wer hier nicht aufgepa\u00dft hat oder vom Gl\u00fcck weniger beg\u00fcnstigt ist, macht sich als Solist auf die Socken. Letzteres allerdings nicht besonders erfolgreich. Hei\u00dft es doch schon in der Spielregel: &#8220;Sei aggressiv! Du kannst die unbarmherzige Welt von Nightfall nicht beherrschen, wenn du nur dasitzt und wartest.&#8221;<\/p>\n<p>Gegen welchen Mitspieler wir losziehen, ist unserer Willk\u00fcr \u00fcberlassen. Dass damit von Haus aus eine gewaltige Portion Kingmakerei in das Spielgeschehen integiert ist, st\u00f6rt einen geborenen Warrior nat\u00fcrlich nicht. Er findet dahinter vielleicht sogar eine Logik.<\/p>\n<p>Moritz schlug die ersten Wunden bei Aaron und erhielt postwendend von Aaron die ersten Wunden zur\u00fcck. Walter war beide Male lachender Dritter und hoffe schon auf eine Allianz der reiferen Generation gegen den jungen Spielebesitzer. Schon aus tiefster Freude an diesem Genre schlug auch er auf Moritz ein. Als Aaron auch noch seinen zweiten Schag \u2013 6 vollst\u00e4ndige Wunden \u2013 komplett bei Moritz unterbringen wollte, regte sich von dort rhetorischer Widerstand. Das kann doch kein rationaler Vorgang sein! Um zu gewinnen m\u00fcsse sich Aaron unbedingt gegen Walter wenden. Und was dergleichen Argumente mehr sind, um in einem chaotischen Rundumschlagsmodell die Schl\u00e4ge von sich abzuwenden. Nenne man diesen Vorgang jetzt taktisches Jammern oder nicht. Impliziert die Aussage: &#8220;Wir spielen es nachher nochmal <strong>richtig<\/strong>!&#8221;, dass wir &#8211; wer immer das war &#8211; es jetzt <strong>falsch<\/strong> gespielt haben?<\/p>\n<p>Lautstark wurden Argumente ausgetauscht, denen geglaubt werden konnte oder auch nicht. Die Vergleiche bei der Unterstellung von spiel-relig\u00f6sem Fanatismus reichten von Benedikt XVI bis zu den Zeugen Jehovas. Aaron lies sich nicht erweichen; Moritz mu\u00dfte seine geballte Monsterschlagkraft einstecken und war quasi schon aus dem Spiel. Doch moralisch war die Front aufgeweicht; in den n\u00e4chsten Z\u00fcgen gingen die Senioren dann schon gegenseitig aufeinander los und h\u00e4uften Wunde f\u00fcr Wunde auf ihr Altenteil. Als der Wundendampf verzogen war, war Aaron mit 9 Wunden Sieger, ganz knapp vor Moritz und Walter. Es hatte sich also doch gelohnt, zun\u00e4chst mal erst den einen Gegner total auszuschalten, bevor man sich an den zweiten heranmacht. H\u00e4tte aber auch schief gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (1 Punkt weniger als Dominion, mag keine Deck-Building-Spiele), Moritz: 9 (genausoviel wie \u201eDominion\u201c), Walter: 2 (genausoviel wie \u201ePergamemnon\u201c, hat keine Lust, irgendwelche Schadenspunkte nach einem nicht verstandenen Algorithmus auf seine Mitspieler zu verteilen).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Die Tore der Welt \u2013 Das Kartenspiel&#8221;<\/strong><br \/>\nSehr \u00e4hnlich wie im Brettspiel sammeln wir die \u201eG\u00fcter\u201c Baumaterial, Tuch, medizinischen Wisses und Fr\u00f6mmigkeit, um sie bei g\u00fcnstiger Gelegenheit in Siegpunkte umzutauschen.<br \/>\nIm Gegensatz zu \u201eNightfall\u201c handelt es sich um ein absolut friedliches, kontemplatives Spiel. Keiner kann dem andern etwas am Zeug flicken, ganz im Gegenteil: Indem man seinen eigenen Zuwachs an G\u00fctern optimiert \u2013 hierauf legt man wohl das einzige Augenmerk- , schustert man auch den Mitspielern nur Gutes zu.<\/p>\n<p>Ab und zu einmal kommen Kirche und Staat vorbei und verlangen ihren Obolus. Den sollte man beizeiten angespart haben, um bei Siegpunkten keine Verlust zu erleiden. Aber weh tut es auch nicht, wenn man Papst und Kaiser leer nach Hause schicken muss.<\/p>\n<p>Ja, nichts tut weh in diesem Kartenspiel. Das Ansammeln von G\u00fctern und der Umtauschkurs von G\u00fctern in Siegpunkte bleibt w\u00e4hrend des gesamten Spiels ann\u00e4hernd konstant. Hier haben wir ein bi\u00dfchen Dynamik vermi\u00dft. Und wenn es auch nur eine gr\u00f6\u00dfere Fressgier seitens der Kirche gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (1 Punkt weniger als das Brettspiel), Moritz: 4(langweilig, ich wei\u00df nicht, ob ich es noch einmal spielen wollte), Walter: 4 (zu flach).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Mondo sapiens&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Landschaftslegespiel von letzter Woche wurde am Wochenende mit dem Fortuna-D\u00fcsseldorf-Neffen Thilo (44 Jahre) und seinem Sohn Jonas (14 Jahre) wiederholt. Als schneller Absacker vor dem Schlafen-Gehen kam es recht gut an, 6 Punkte vom Neffen und 8 Punkte vom Gro\u00dfneffen (\u201eanspruchsvoll\u201c).<\/p>\n<p>Heute durfte es Moritz kennenlernen. Mit der Topologie der Landschaft kam er bestens zurecht. Erstaunlich wie konstruktiv bis fehlerfrei er seine Felder und Wiesen, Wege und Regionen, Holzhacker und Sch\u00e4ferinnen in Szene setzte. Selbst f\u00fcr die Optimierungen nach der Expertenregel hatte noch gen\u00fcgend Gehirnwindungen frei.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Moritz blieb mit seinen 7 Punkten beim bisherigen Durchschnitt (\u201eDas Spiel ist zwar recht solit\u00e4r, daf\u00fcr aber kurz.\u201c, \u00dcberlegt ernsthaft, ob er es f\u00fcr seinen Milo (4 Jahre) anschafft).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Donnerstag ist im Domizil der Westpark-Gamers eingebrochen worden. Als der Hausherr von einem Bridge-Turnier nach Hause kam, war die Haust\u00fcr von innen mit einem Stuhl verrammelt. Wollte sich die beste aller Ehefrauen etwa gegen eine unerwartete R\u00fcckkehr des besten aller &#8230; sch\u00fctzen? 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