{"id":1739,"date":"2012-07-26T13:21:30","date_gmt":"2012-07-26T12:21:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1739"},"modified":"2012-07-26T14:14:04","modified_gmt":"2012-07-26T13:14:04","slug":"27-07-2012-elektronik-auf-der-seidenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/07\/26\/27-07-2012-elektronik-auf-der-seidenstrasse\/","title":{"rendered":"27.07.2012: Elektronik auf der Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Traditionsgem\u00e4\u00df wird der Auswahl zum &#8220;Spiel-des-Jahres&#8221; am Westpark (und in anderen Vielspielerkreisen) mit einer gewissen Skepsis entgegengesehen. Ohne G\u00fcnther kam der diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4ger \u201eKingdom Builder\u201c auf glatte 5 Punkte. Am Samstag verschickte G\u00fcnther per Email seine eigenen Eindr\u00fccke dazu:<br \/>\n<em>\u201eIch habe gestern bei den Spuiratzn zweimal Kingdom Builder gespielt.<br \/>\nAls Familienspiel ist es schon recht komplex &#8211; speziell durch mehrere erworbene Eigenschaften und den mehreren Siegpunktbedingungen. Ja, es verf\u00fchrt sogar zum Gr\u00fcbeln &#8211; was in einigen Runden problematisch werden kann. Trotzdem spielt es sich recht flott- so ca. 1 Stunde braucht man f\u00fcr eine Viererpartie. In den ersten handvoll Runden muss man sehr aufpassen, denn es ist extrem wichtig, sich die f\u00fcr die weiteren Runden notwendigen Eigenschaftspl\u00e4ttchen zu sichern.<br \/>\nIch gebe dem Spiel 7 Punkte- wenn der Gr\u00fcbelfaktor nicht w\u00e4re, sogar etwas mehr &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Octago&#8221;<\/strong><br \/>\n2008 hat die PublicSolutions GmbH in Dresden unter dem Namen \u201eYvio\u201c eine elektronische Spielkonsole herausgebracht, die das Herzst\u00fcck f\u00fcr eine ganze Serie von neuen Brett- und Party-Spielen sein sollte. Die Konsole steuert den Spielablauf, sie \u00fcbernimmt all die l\u00e4stigen Aufgaben wie Erkl\u00e4ren, Vorgeben, Verteilen, Z\u00e4hlen und Werten, und kommentiert in wohlproportionierten Abst\u00e4nden den Spielverlauf. Eigentlich eine gute Idee.<figure id=\"attachment_1742\" aria-describedby=\"caption-attachment-1742\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/yvio.jpg\" alt=\"Yvio Konsole\" title=\"Yvio Konsole\" width=\"350\" height=\"339\" class=\"size-full wp-image-1742\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/yvio.jpg 350w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/yvio-150x145.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/yvio-300x291.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1742\" class=\"wp-caption-text\">Die Yvio Konsole<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Auch die Ausf\u00fchrung ist technisch sauber und spielerisch einladend gelungen. Trotzdem war das Konzept kein Markterfolg. Vielleicht hat es an dem hohen Preis von 70 bis 80 Euro pro Spiel-Realisierung gelegen. Die Firma ging geradewegs in den Konkurs und G\u00fcnther hat aus der Konkursmasse f\u00fcr nur 50 Euro gleich 3 Spiele erstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In \u201eOrtaco\u201c zieht jeder Spieler mit seinem P\u00f6ppel auf einem runden Spielbrett beliebige Felder vorw\u00e4rts oder r\u00fcckw\u00e4rts auf rote, gr\u00fcne, gelbe oder blaue Kreise, Sterne, Dreiecke oder Quadrate in einer roten, gr\u00fcnen, gelben oder blauen Region. Je l\u00e4nger eine Farbe oder Form nicht betreten wurde, desto mehr Form-Farben-Punkte gibt es f\u00fcr das Betreten des Feldes. Diese Punkte werden virtuell jedem Spieler zugeordnet und regionsspezifisch hochgez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Durch Dr\u00fccken der Wertungstaste kann ein Spieler jederzeit seine Form-Farben-Punkte einer Region in Siegpunkte umwandeln. Dabei wird die Punktanzahl mit einem Faktor multipliziert, der umso h\u00f6her ist, je l\u00e4nger die vorhergehende Wertung in dieser Region zur\u00fcckliegt. Ganz sch\u00f6n abstrakt, mit Hilfe der Spielkonsole aber kinderleicht zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Reiner Knizia hat sich das ausgedacht und die damalige Presse hat es als \u201efantastisches neues Strategiespiel\u201c propagiert. \u00dcbliche journalistische Fehlinformation. &#8220;Octago&#8221; ist begrenzt phantastisch und enth\u00e4lt Null Strategie. Daf\u00fcr gen\u00fcgend Raum f\u00fcr opportunistische Taktik: Es gewinnt der, der ein gutes Ged\u00e4chtnis hat und sich am besten merken kann, auf welchen bunten Formen er und seine Mitspieler in j\u00fcngster Zeit gestanden haben.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (funktioniert, fraglicher Wiederspielreiz), G\u00fcnther: 5 (das yvio-Spielprinzip als solches erh\u00e4lt 7 Punkte), Walter: 5 (die elektronische F\u00fchrung ist gelungen, f\u00fcr einen \u00e4lteren Herrn zuviel Memory-Bedarf).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Quizzen&#8221; in der &#8220;Partytime&#8221;<\/strong><br \/>\nEbenfalls ein Spiel aus der Serie f\u00fcr die yvio-Spielkonsole. Diemal macht uns die Konsole einen geilen Quizmaster. Er f\u00fchrt uns akkustisch durch ein Quiz, <strong>\u201edas Euch in den Wahnsinn treiben wird\u201c<\/strong>. Es werden Auswahlfragen gestellt, die alle Mitspieler gleichzeitig mit einer der Antwortkarten A, B, C oder D beantworten sollen. Die schnellste richtige Antwort bringt zwei Punkte, eine langsame richtige Antwort einen Punkt und f\u00fcr eine falsche Antwort wird ein Punkt abgezogen.<\/p>\n<p>Die Fragen sind von einem mittleren G\u00fcnther-Jauch-Schwierigkeitsgrad. Z.B. \u201eWas haben die Waisen aus dem Morgenlande nicht dabei? A: Gold? B: Seide? C: Myrrhe? oder D: Weihrauch? Zwischen die Fragerunden sind Intermezzos eingestreut, bei denen die F\u00fchrenden etwas Federn lassen m\u00fcssen und dem Letzten ein paar Trostpunkte zugeschustert werden. Sachgerecht und partygerecht.<\/p>\n<p>Lustig \u2013 zumindest f\u00fcr die erste Begegnung \u2013 sind die Kommentare des Quizmasters. Er bescheinigt einem <strong>\u201eintellektuellen Schlu\u00dflicht\u201c<\/strong> schon mal eine <strong>\u201ebesonders erheiternde Unf\u00e4higkeit\u201c<\/strong>. F\u00fcr Fragen, die kein einziger Spieler richtig beantwortet hat, kommt der Kommentar <strong>\u201cIhr habt alle verkackt\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p>Wenn sich die lustigen Spr\u00fcche wiederholen, ist ein Gro\u00dfteil des Spielreizes wohl dahin. In unserem einen Quiz-Durchgang passierte das erst ansatzweise, doch die Tendenz ist erkennbar. Dann bleibt nur noch das Quiz \u00fcbrig. Immerhin k\u00f6nnen acht Spieler daran teilnehmen. Manche m\u00f6gens\u2019s hei\u00df.<\/p>\n<p><em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Unterhaltungsspiel, das im richtigen Teilnehmerkreis die Wogen hochschlagen lassen kann.<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Yunnan&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron legte mit Freuden der Dreierrunde den aktuellen Stand seiner Eigenentwicklung \u00fcber den Handel auf der Tee- und Seidenstra\u00dfe auf. Das vierte Mal allein in diesem Jahr (22. Februar, 11. April, 11. Juli) und seine beiden Mitspieler waren keineswegs nur aus H\u00f6flichkeit eifrig bei der Sache.<\/p>\n<p>Beim letzten Mal hatten wir in einer 5er Runde die sagenhaften M\u00f6glichkeiten der Abstauber-Rolle in der Bank kennengelernt. Wer in den ersten beiden Runden zweimal hintereinander die Spielereins\u00e4tze auf seine Seite bringen konnte, dem ist der Gesamtsieg wohl nicht mehr zu nehmen. Doch Aaron hat hier jetzt eine Bremse eingebaut: Wer in die Bank geht, mu\u00df in der gleichen Runde auf alle Entwicklungsfortschritte verzichten: er darf keine Lager errichten, keine H\u00e4ndler einstellen, seinen Einflu\u00df nicht st\u00e4rken und seine Reichweite nicht erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Dessen ungeachtet ging G\u00fcnther als Startspieler mit seinem ersten P\u00f6ppel unverz\u00fcglich auf die Bank los. Aaron und Walter konterten mit einer Allianz und teilten das Angebot an Entwicklungsrichtungen zu billigsten Preisen unter sich auf. G\u00fcnther konnte gerade soeben mal sieben Y\u00fcan auf sein Konto buchen.<\/p>\n<p>Jetzt ging niemand mehr in die Bank. Der fr\u00fcher so begehrte Abstauberposten hatte seinen Glanz verloren. Doch f\u00fcr den Spielverlauf war das kein Verlust an Spa\u00df und Dynamik. Es taten sich neue \u00fcberraschende Spielz\u00fcge aus, deren Reichweite auch f\u00fcr die Analysten vom Westpark noch lange nicht auskalkuliert sind. Und die Bank blieb eine st\u00e4ndige Droh-Option f\u00fcr den Fall, dass die Mitspieler versuchen sollten, sich zu hohen Preisen gleich mehrfach Entwicklungsfortschritte an Land zu ziehen.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher als in fr\u00fcheren Spielen wurde bereits in der vierten Runde der Endspurt angezogen. Ein spannender Moment, der aber auch schon im Vorbereitungsgerangel der ersten Runden st\u00e4ndig in den K\u00f6pfen parat ist und parat sein mu\u00df. Eine Runde sp\u00e4ter war der Kampf entschieden. Den Schaden, den G\u00fcnther mit seiner Geldgier in der ersten Runde erlitten hatte, war nicht mehr gut zu machen.<br \/>\nAlle waren bereit, sofort ein zweites \u201eYunnan\u201c zu absolvieren. Diesmal ging im gesamten Spielverlauf keiner in die Bank. Die gr\u00f6\u00dfere Reichweite unter Vernachl\u00e4ssigung der Body-Check-Qualit\u00e4ten bei taktisch-richtigem Ausnutzen der Zugreihenfolge gab den Ausschlag. G\u00fcnther leitete noch fr\u00fcher, n\u00e4mlich schon in der dritten Runde, den Endspurt ein und war &#8211; bei leicht \u00fcberdurchschnittlicher Denkarbeit &#8211; nach 25 Minuten Spielzeit Sieger.<\/p>\n<p><em>Noch keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><\/p>\n<p><strong>Black Jack<\/strong><br \/>\n\u00dcber die sch\u00f6nsten Dinge des Lebens, \u00fcber Internet-Fernsehen und Niederschlagsradar kam die After-Work-Diskussion zu Black Jack. Wu\u00dftet Ihr, dass bei optimalem Vorgehen (Einsatz Verdoppen, Splitten, Versichern etc.) ein Spieler seinen Basis-Einsatz durchschnittlich um 11,67% erh\u00f6ht und am Ende <strong>NUR<\/strong> 0,53% pro Spiel verliert (Wikipedia)! Dieser Verlust ist noch deutlich geringer als beim Roulette! Und das macht es plausibel, dass man durch genaues Beobachten der verbrauchten Karten und entsprechendes Setzverhalten an einem \u201ehei\u00dfen\u201c Tisch den Gewinn-Erwartungswert \u00fcber die Nullgrenze heben kann. Vielleicht!<\/p>\n<p>Trotzdem bin ich beim Black Jack immer schneller mein Geld los als beim Roulette. Eine Runde ist ja auch viel schneller durchgezogen (gesch\u00e4tzte drei\u00dfig Sekunden dauert eine Austeilung gegen\u00fcber etwa zwei Minuten zwischen zwei \u201eRien-ne-va-plus\u201c). Und ich mu\u00df ununterbrochen meinen Einsatz t\u00e4tigen, w\u00e4hrend ich beim Roulette abwarten kann, bis meine Favoritenzahlen lange genug nicht gekommen sind!<\/p>\n<p>Um 2 Uhr 30 war heute die Bank gesprengt und die Runde l\u00f6ste sich auf. Zwei Stunden sp\u00e4ter (!) als die Spielbank in Garmisch, der ich eine Woche zuvor mit meiner Tochter einen Besuch abgestattet hatte, und die bei einer noch geringeren Beteiligung als heute am Westpark gegen Mitternacht die Pforten schlo\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Traditionsgem\u00e4\u00df wird der Auswahl zum &#8220;Spiel-des-Jahres&#8221; am Westpark (und in anderen Vielspielerkreisen) mit einer gewissen Skepsis entgegengesehen. Ohne G\u00fcnther kam der diesj\u00e4hrige Preistr\u00e4ger \u201eKingdom Builder\u201c auf glatte 5 Punkte. Am Samstag verschickte G\u00fcnther per Email seine eigenen Eindr\u00fccke dazu: \u201eIch habe gestern bei den Spuiratzn zweimal Kingdom Builder gespielt. 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