{"id":1751,"date":"2012-08-23T13:01:02","date_gmt":"2012-08-23T12:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1751"},"modified":"2012-08-23T16:27:51","modified_gmt":"2012-08-23T15:27:51","slug":"22-08-2012-die-evolution-der-meilensteine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/08\/23\/22-08-2012-die-evolution-der-meilensteine\/","title":{"rendered":"22.08.2012: Die Evolution der Meilensteine"},"content":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfes Regengebiet kam von Augsburg her in Richtung M\u00fcnchen gezogen. Die Warnsignale standen schon alle auf rot. Doch dann l\u00f6ste es sich ganz friedlich auf, und der Niederschlagsradar lie\u00df bis weit in die Nacht hinein auf eitel Sonnenschein schlie\u00dfen. <figure id=\"attachment_1753\" aria-describedby=\"caption-attachment-1753\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/NiederschlagMuenchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/NiederschlagMuenchen-300x194.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"194\" class=\"size-medium wp-image-1753\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1753\" class=\"wp-caption-text\">Niederschlagsradar M\u00fcnchen<\/figcaption><\/figure>Zum ersten Mal in diesem Jahr spielten wir am Westpark wieder im Freien auf der Terrasse. Zum ersten Mal wurde der sonst \u00fcbliche Rotwein durch einen Wei\u00dfwein ersetzt. Mit oder ohne Sprudel. Mit oder ohne Aperol. Prost.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Dominant Species \u2013 The Card Game&#8221;<\/strong><br \/>\nZu dem aufw\u00e4ndigen (gef\u00e4lligen und offensichtlich auch gesch\u00e4ftlich erfolgreichen) Brettspiel hat GMT Games unter dem gleichen Namen jetzt ein Kartenspiel herausgebracht, um auf der Spezies-Welle noch ein bi\u00dfchen herumzureiten. Doch au\u00dfer dem Titelbild hat das Kartenspiel mit dem Brettspiel nichts gemein.<\/p>\n<p>Jeder bekommt sechs Spezies-Karten in die Hand. Darauf sind verschiedene Tierklassen (Insekten, Spinnen \u2013 keine Insekten!, Reptilien, V\u00f6gel und Affenartige) abgebildet. Da das Spiel einen rein abstrakten Spielcharakter besitzt, h\u00e4tte man hier auch einfach, und sogar f\u00fcr mehr \u00dcbersichtlichkeit, die simplen Farben rot, gr\u00fcn, gelb oder blau etc. draufmalen k\u00f6nnen. Daneben besitzt jede Karte zwei St\u00e4rkeeigenschaften: einen absoluten \u201eNahrungsketten\u201c-Wert, und einen relativen Nahrungs-Wert, der sich auf eine bestimmte Nahrung (W\u00fcrmer, Wasser, Licht, Luft und Sonne) bezieht.<br \/>\nReihum spielen die Spieler jeweils eine Karte aus. Insgesamt beliebig viele. Wer keine Karte mehr spielen will, pa\u00dft; die anderen k\u00f6nnen ihren Kartenvorrat bis zur bitteren Neige verausgaben. Am Ende zieht jeder zwei neue Karten nach. Offensichtlich: Wer sein Kartenpotential in der ersten Runde vollst\u00e4ndig verspielt, mu\u00df in allen folgenden Runden von den zwei nachgezogenen Karten leben. Wer hingegen neun Runden lang pa\u00dft, dem stehen in der letzten Runde 24 (= 6 + 9 * 2) Karten zur Verf\u00fcgung. Die richtige Dosis im Kleckern und Klotzen bei der Kartenzugabe ist die Herausforderung des Spiels.<\/p>\n<p>Die Karten spielt man aus, um damit ein offen ausliegendes \u201eBiome\u201c zu ersteigern. Nach LEO ist das ein Organismenkollektiv, bei \u201eDominat Spezies\u201c versteht darunter eine Nahrungskombination, bestehend aus W\u00fcrmern, Wasser &#8230; . Sind auf dem Biome z.B. W\u00fcrmer abgebildet, so erh\u00e4lt der Spieler, der in dieser Runde auf seinen ausgespielten Spezieskarten die meisten W\u00fcrmer hat, 1 &#8211; 3 Siegpunkte. Zus\u00e4tzlich erh\u00e4lt der Spieler, dessen ausgespielte Spezies-Karten in der Summe den h\u00f6chsten Nahrungsketten-Wert aufweist, eine von Runde zu Runde wachsende Anzahl von Siegpunkten, und er steigt auf dem \u00dcberlebenspfad (ebenfalls ein Siegpunkt-tr\u00e4chtiges Spielelement) eine Stufe h\u00f6her.<\/p>\n<p>Soweit ist das Ganze ja noch \u00fcbersichtlich und linear. Jeder Spieler kann beim Zugeben von Karten kalkulieren, ob er in dieser Runde noch berechtigte Hoffnung hat, von allen Mitspielern z.B. die meisten W\u00fcrmer auf den Tisch legen zu k\u00f6nnen, oder ob er seine W\u00fcrmerkarten besser f\u00fcr sp\u00e4tere Runden aufheben soll. Doch etwa die H\u00e4lfte aller Spezieskarten beinhalten einen zus\u00e4tzlichen negativen Effekt auf Karten der Mitspieler: sie machen gesunde Tiere krank, so dass sie nur noch die H\u00e4lfte ihrer St\u00e4rke besitzen, und sie machen kranke Tiere tot, mit einer entsprechend noch drastischeren Auswirkung auf ihre Potenz. Wie es sich f\u00fcr ein ordentlich-chaotisches Spiel geh\u00f6rt, ist der betroffene Mitspieler und seine ausliegende Spezies-Karte frei w\u00e4hlbar. Ein bew\u00e4hrtes Mittel, sich Feinde zu schaffen.<\/p>\n<p>Damit das Ganze noch ein bi\u00dfchen witziger wird, sind unter die Spezies-Karten auch noch Sonder-Karten eingestreut, die zum Teil den Wert der eigenen Auslage f\u00f6rdern, zum gr\u00f6\u00dften Teil aber die Auslage der Mitspieler gravierend beeintr\u00e4chtigen, wie z.B.<\/p>\n<ul>\n<li>Eliminiere alle ausliegenden Karten einer von dir frei w\u00e4hlbaren Tieart<\/li>\n<li>Eliminiere alle kranken Tiere<\/li>\n<li>Mache zwei beliebige fremde Tiere krank oder ein gesundes Tier ganz tot<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur Kleckern- oder Klotzen-Herausforderung des Spiels kommt demnach noch die L\u00f6sung folgender drei Aufgaben<\/p>\n<ul>\n<li>Spiele deine Karten so in der Reihenfolge, dass du m\u00f6glichst wenig gesch\u00e4digt werden kannst: die billigen Karten also zuerst (= nobrainer)<\/li>\n<li>Spiele deine Karten so in der Reihenfolge, dass du deine Mitspieler m\u00f6glichst viel sch\u00e4digst: die m\u00e4chtigsten Karten also zuletzt (= nobrainer)<\/li>\n<li>Spiele deine Karten so, dass du dir m\u00f6glichst wenig Feinde machst, damit sie hinterher nicht geballt alle auf dich losgehen. (Das entspricht eher schon der Quadratur des Kreises)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aaron fand, das Spiel sei \u201eein Stochern im Nebel\u201c. Von Walter darauf aufmerksam gemacht, dass \u201eStochern\u201c so etwas wie ein Ziel voraussetzen w\u00fcrde, verbesserte er auf \u201eein Torkeln im Nebel\u201c. Auch st\u00f6hnte er dazwischen: \u201eDiese Karte ist so ein Schei\u00df, aber ich spiele sie schon mal.\u201c Damit hatte er die Empfindungen von der H\u00e4lfte der heutigen Teilnehmer auf den Punkt gebracht. Die andere H\u00e4lfte war eher euphorisch.<\/p>\n<p>Moritz als Erster auf dem \u00dcberlebenspfad bekam in der Schlu\u00dfwertung daf\u00fcr sogar noch weitere 5 Siegpunkte; Walter als Letztem wurden 5 Siegpunkte abgezogen. Reine Tautologie. Die Ungarn sagen dazu: \u201eA kutya is oda szarik, ahol m\u00e1r van.\u201c Die Deutschen haben ein \u00e4hnliches Sprichwort mit dem Teufel statt des Hundes.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 3 (verst\u00e4ndliche Regeln), Horst: 8 (w\u00fcrde ich jederzeit wieder spielen), Moritz: 7 (locker), Walter: 3 (das Spiel funktioniert, doch es macht mir kein Vergn\u00fcgen, mir von anderen in die Suppe spucken zu lassen. Das Umgekehrte \u00fcbrigens auch nicht.)<\/em><\/p>\n<p>Moritz 7 Punkte verhinderten, dass \u201eDominat Spezies\u201c ein Kandidat f\u00fcr unseren Preis \u201eHorst des Monats\u201c wird. Wobei ich mich manchmal frage, ob hinter Horsts Wertungsnoten nicht ein gutes St\u00fcck Verarschung steckt. (Entschuldigung)<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Milestones&#8221;<\/strong><br \/>\nAuf Deutsch hei\u00dft das wohl \u201eMeilenstein\u201c. Moritz kannte noch eine andere Bedeutung des englischen Wortes, er verriet sie aber nicht. Der Themenkreis war aber eindeutig. Es wird wohl so etwas wie ein \u201eJoystick\u201c sein. Die Wortspiele um die herrlichsten Dinge der Welt lie\u00dfen heute die Arbeit an den Meilensteinen der Welt von Stefan Dorra und Ralf zur Linde munter fortflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auf einem h\u00fcbschen Parcours, l\u00e4\u00dft jeder seinen P\u00f6ppel um f\u00fcnf Stationen kreisen:<\/p>\n<ul>\n<li>seine Arbeiter auf den seinen Feldern arbeiten zu lassen, um Rohstoffe (Stein, Sand, Holz) sowie Getreide und M\u00fcnzen zu gewinnen<\/li>\n<li>im Handelshaus mit M\u00fcnzen neue Felder resp. Arbeiter einzukaufen.<\/li>\n<li>via Bauamt aus Rohstoffen \u00f6ffentliche Stra\u00dfen, H\u00e4user und M\u00e4rkte zu bauen und daf\u00fcr Siegpunkte zu kassieren<\/li>\n<li>in der M\u00fchle das Getreide zu Mehl zu mahlen und damit die M\u00e4rkte versorgen. Auch dabei springen Siegpunkte heraus.<\/li>\n<li>in der Burg seine \u00fcberz\u00e4hligen Vorr\u00e4te abgeben und eine Ruhepause einlegen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jeder kann den Parcours so schnell wie er will zur\u00fccklegen und dabei beliebig viele Stationen auslassen. Nur in der Burg mu\u00df er eine Pause einlegen und verliert auch einen Arbeiter. Ansonsten ist es ein ewiger \u2013 und leider auch ziemlich gleichf\u00f6rmiger \u2013 Kreislauf um den Erwerb und die Nutzung von Rohstoffen.<\/p>\n<p>Interaktion ist Mangelware. Es ist eher ein simultanes Solit\u00e4rspiel f\u00fcr 2 bis 4 Mitspieler. Die gebauten Stra\u00dfen, H\u00e4user und M\u00e4rkte werden an den verschiedenen Stellen des Spielplans unterschiedlich honoriert und jeder m\u00f6chte nat\u00fcrlich an die besten Baupl\u00e4tze herankommen. Doch bei der Unberechenbarkeit des gemeinsam gebauten Wegenetzes ist dieser Konkurrenzeffekt eher vernachl\u00e4ssigbar. Keiner von uns hat auch nur einmal zwei Z\u00fcge vorausgeplant, um sp\u00e4ter an der besten erreichbaren Stelle den gr\u00f6\u00dften Profit einzuheimsen; jeder hat seine Arbeiter auf Anschaffe geschickt und dann mehr oder weniger opportunistisch von der Hand in den Mund geschaut, was er daf\u00fcr bekommt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (un\u00fcbersichtliche Punktez\u00e4hlerei f\u00fcr 1-2 Zusatzeinheiten), Horst: 4 (unspannend, wenig planbar, h\u00e4lt Ludoversums Einsch\u00e4tzung: \u201enach Village der n\u00e4chste Kracher auf dem Markt\u201c f\u00fcr eine Frechheit, Moritz: 4 (ein paar nette Ideen, insbesondere der Parcours, ansonsten passiert zu wenig), Walter: 4 (nach 2-3 Runden hat sich das Spiel eingeschwungen, dann l\u00e4uft alles im gleichen Trott).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;6-nimmt&#8221;<\/strong><br \/>\nDer alte Klassiker lie\u00df gleich wieder unsere Diskussion aufflammen, ob es sich hier um ein taktisch-strategisches Spiel oder um ein Gl\u00fcckspiel handelt. Vor Jahren war unser Thomas schon mal mit dem Gl\u00fccksspiel-Beweis gescheitert, als er alle seine auszuspielenden Karten nach einem blinden Zufallsverfahren ausw\u00e4hlte. Er landete damals weit unter Durchschnitt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite verficht Walter lautstark den taktischen Charakter. Heute geriet er mit seinen kritischen Post-Mortem-Kommentaren, wann und wo Moritz seine \u201e104\u201c h\u00e4tte einsetzten sollen, leicht in den Geruch von Klugschei\u00dferei. Dann lie\u00dfen sich die beiden auf ein Experiment ein: Moritz durfte ihm eine beliebige Kartenhand vorgeben (es waren die Karten 1 bis 6 und 101 bis 104), mit der er gegen die regul\u00e4r ausgeteilten Karten der drei Mitspieler antreten sollte. Experiment gegl\u00fcckt: Walter landete mit 13 Minuspunkten deutlich \u00fcber Durchschnitt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfes Regengebiet kam von Augsburg her in Richtung M\u00fcnchen gezogen. 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