{"id":1758,"date":"2012-09-06T14:27:13","date_gmt":"2012-09-06T13:27:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1758"},"modified":"2012-09-21T09:02:11","modified_gmt":"2012-09-21T08:02:11","slug":"05-09-2012-luminaria-eruditio-praecox","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/09\/06\/05-09-2012-luminaria-eruditio-praecox\/","title":{"rendered":"05.09.2012: Luminaria eruditio praecox"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;<strong>Kickstarter<\/strong>&#8221; ist eine Internetplattform zur Finanzierung von Projekten \u00fcber das Sammeln von Geldern aus einer breitgetreuten \u00d6ffentlichkeit (&#8220;crowdfunding&#8221;). Die Kapitalsucher, vor allem K\u00fcnstler und Erfinder, geben eine Mindestsumme vor, die erreicht werden muss, damit ihr Projekt realisiert wird. Ist die Summe beisammen und wird das Produkt \u2013 eine Symphonie, ein Film, ein Spiel &#8211; hergestellt, so erhalten die Kapitelgeber ein Exemplar davon. (Eine Garantie f\u00fcr die Lieferung der versprochenen Leistungen oder f\u00fcr die zweckgerechte Verwendung des zugesagten Geldes gibt es allerdings nicht.)<\/p>\n<p>Aaron, G\u00fcnther und Moritz haben sich an Crowdfunding-Projekten f\u00fcr Spiele beteiligt. Moritz war jetzt der erste Gl\u00fcckliche, dessen Projekt verwirklicht wurde. Mit nur minimalen Schwierigkeiten beim M\u00fcnchener Zoll und mit nicht ganz so minimalen Aufschl\u00e4gen f\u00fcr Porto und Verpackung konnte er sein subskribiertes \u201eRoad to Enlightenment\u201c in Empfang nehmen. Dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Bullenparty&#8221;<\/strong><br \/>\nVorab zum Warming-Up das Hornochsenspiel von letzter Woche. Wir ersteigern Hornochsenkarten, um sie sauber aufsteigend geordnet auf unserem einen Siegpunktstapel abzulegen oder weniger geordnet auf ein bis viele Strafpunktstapel zu verteilen.<\/p>\n<p>Horst als Neuling versuchte sich mit der nat\u00fcrlichen kleckerigen Vorgehenweise, jeweils wenige aber passende Karten zu ersteigern, um m\u00f6glichst ohne Strafpunkte auszukommen. Die anderen drei hatten schon G\u00fcnther klotzige Raffstrategie verinnerlicht und nahmen alles mit, was sich anbot, Hauptsache viel. F\u00fcr eine gro\u00dfen Geist sind die Strafstapel keine Abschreckung.<\/p>\n<p>G\u00fcnther war trotz der beiden gleichfalls allesfressenden Konkurrenten der weitaus erfolgreichste Bulle. Irgendwie schaffte er es, nicht nur viele, sondern vor allem auch dicke Hornochsen auf seinem Haben-Konto zu verbuchen. Das eigentlich ganz einfache Kartenspiel enth\u00e4lt doch mehr Facetten taktischer Feinheiten als der gesunde Menschenverstand es anfangs vermuten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Moritz war trotzdem nicht zufrieden: \u201eDas Spiel gef\u00e4llt mir immer weniger. Man mu\u00df einfach dumpf alle Karten nehmen! Das Spiel ist nicht direkt spannend.\u201c Dass es mit dem dumpfen Kartennehmen allein nicht getan ist, zeigte G\u00fcthers deutlicher Sieg. Man braucht auch ein geschicktes Strafkartenstapelmanagement. F\u00fcr mehr Moritzsche Spannung schlug G\u00fcnther vor, bei der n\u00e4chste Auflage Orcs anstatt Hornochsen aufzudrucken. Damit ist allerdings dessen Bed\u00fcrfnis nach eleganten Kampfw\u00fcrfeln noch nicht befriedigt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Horst bliebt mit seinen 6 Punkten weitestgehend im WPG-Durchschnitt.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Road to Enlightenment&#8221;<\/strong><br \/>\nMoritz hatte sich letzte Woche auf dieses sein Kickstarter-Spiel vorbereitet. F\u00fcr heute hatte er leider schon wieder alles vergessen. Etwas m\u00fchselig und beladen schleppten wir uns durch die 11 eng bedruckten Seiten h\u00f6chst anspruchsvoller Spielanleitung.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1763\" title=\"roadtoenlight_b1\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b1.jpg\" alt=\"Road to Enlightenment card\" width=\"200\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b1.jpg 200w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b1-102x150.jpg 102w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/p>\n<p>Der Spielplan zeigt Europa nach dem 30-j\u00e4hrigen Krieg. Das maltr\u00e4tierte Deutschland ist zersplittert von Oslo bis Neapel. Kompakt pr\u00e4sentieren sich darum herum die stolzen Nationen wie England, Frankreich, \u00d6sterreich, Polen, Schweden, und ein bisschen abseits Russland und Spanien. Diese Nationen warten nur darauf, sich das eine oder andere St\u00fcck vom Nachbarland unter den Nagel zu rei\u00dfen. Ganz von der Ferne k\u00f6nnte hier das phantastische \u201eFriedrich\u201c Inspirationswellen ausgesendet haben.<\/p>\n<p>Der Motor des Spiels sind 134 verschiedene, h\u00f6chst elegante Kampfkarten, mit Pers\u00f6nlichkeiten aus den Gebieten Milit\u00e4r, Politik, Wissenschaft, Kunst und Religion. Daraus sucht sich jeder frei Hand (aber verdeckt) ein zehnk\u00f6pfiges Ensemble zusammen, mit dem er in den Ring steigt. Bei jedem Zug darf ein Spieler all seine Kampfkarten ausspielen, entweder in einem oder zwei Angriffen, f\u00fcr Gelderwerb (der Krieg ist teuer und ern\u00e4hrt sich keinesfalls selber) oder f\u00fcr Erfolge in seiner Aufkl\u00e4rung. Ein Spieler darf auch ein paar Karten zur\u00fcckhalten, um sie sp\u00e4ter zur Verteidigung einzusetzen, wenn er selber einmal angegriffen werden sollte.<\/p>\n<p>Bei einem Angriff werden die St\u00e4rkepunkte jeder gespielten Karte (Werte zwischen 0 und 5) zusammengez\u00e4hlt, dazu noch das Angriffspotential einer Nation (Werte zwischen 4 und 10) und ggf. ein Angriffsbonus seines Maximo Leader (0 bis 2). F\u00fcr jeden hier aufaddierten Punkt darf man einen eleganten Kampfw\u00fcrfel in die Hand nehmen und damit um den Sieg w\u00fcrfeln. Schafft man es, mit allen Kampfw\u00fcrfeln zusammen insgesamt vier Sechsen zu w\u00fcrfeln, so ist die Schlacht gewonnen und die gegnerische Stadt eingenommen. Der Theorie nach sollte man das im Durchschnitt mit vierundzwanzig W\u00fcrfeln schaffen, wir brauchten heute in der Praxis deutlich mehr und so mancher hoffnungsvolle Angriff versandete in l\u00e4ppischen Zweien und Dreiern.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1765\" title=\"roadtoenlight_b2\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b21.jpg\" alt=\"Road to Enlightenment board\" width=\"450\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b21.jpg 450w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b21-150x122.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/roadtoenlight_b21-300x243.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/>Walters massiver Angriff auf das katholische Schlesien wurde hingegen schon im Entstehen von Moritz mit einer einzigen Kampfkarte abgew\u00fcrgt: Papst Innozenz XI luchste ihm mittels seiner Finanzkraft mehr als die H\u00e4lfte aller Kampfw\u00fcrfel ab. Das brachte den schwedischen K\u00f6nig Karl XII nat\u00fcrlich gewaltig in Harnisch. Sein Wunschtraum, eine Nacht in der M\u00fcnchener Residenz verbringen zu k\u00f6nnen, war zerstoben. Am liebsten h\u00e4tte er das bereits zwei Stunden lang dahind\u00fcmpelnde Spiel unverz\u00fcglich abgebrochen. Doch er fand daf\u00fcr bei seinen Mitk\u00f6nigen keine Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>\u201eRoad to Enlightenment\u201c ist ja auch kein Kriegsspiel. Moritz betonte es immer wieder und verfolgte in seinem Vorgehen auch eine ganz andere, vielversprechendere Strategie. Er brach keinen einzigen Krieg vom Zaun, dagegen arbeitete er hartn\u00e4ckig, konsequent und ununterbrochen an seiner Aufkl\u00e4rung. In Wissenschaft und Kunst war er bald auf unerreichten H\u00f6hen, und schlu\u00dfendlich konnte er die Waagschale auch noch zugunsten des Katholizismus kippen lassen. Das brachte ihm den Sieg.<\/p>\n<p>Doch das Spiel funktioniert nicht. Hier nur ein Ausschnitt aus der M\u00e4ngelliste:<\/p>\n<ul>\n<li>Kein Spannungsbogen, von Anfang bis Ende der gleiche, z\u00e4h Ablaufmechanismus<\/li>\n<li>F\u00fcr den gleichf\u00f6rmigen Spielverlauf sind drei Stunden Spielzeit \u2013 bei nur vier von sieben Mitspielern! \u2013 viel zu lange<\/li>\n<li>Die milit\u00e4rischen Aktionen sind viel zu aufwendig und viel zu wenig honoriert. Davon sollte man die Finger lassen. Damit aber sind 90% des Spielbretts \u00fcberfl\u00fcssig und der ganze Kampf reduziert sich auf ein Herumgeschiebe auf den drei Entwicklungsachsen Religion, Wissenschaft und Kunst.<\/li>\n<li>Kein einziges Mal wurde gegen Mitspieler gek\u00e4mpft. (Alles brotarme Erobern ging gegen das beklagenswerte Deuschland.) Warum sollte man auch zuerst eine teure Diplomatiekarte ausspielen um dann in einen riskanten Mitspielerkrieg zu ziehen, wo man gegen das neutrale Deutschland doch alles viel billiger und sicherer bekommt?<\/li>\n<li>Polen focht keinen einzigen Seekampf. Dazu ist seine Hausmacht auch viel zu klein. Warum wird diese Alternative dann aber \u00fcberhaupt angeboten? England focht ausschlie\u00dflich Seek\u00e4mpfe. Notgedrungen. Warum hat es dann aber \u00fcberhaupt eine (mickrige) Landstreitkraft?<\/li>\n<li>Die 134 verschiedenen Kampfkarten sind unn\u00f6tig kompliziert, m\u00fchsam zu h\u00e4ndeln und auszurechnen, und doch &#8211; au\u00dfer bei einigen chaotischen Sonderwirkungen \u2013 ist ihr Effekt zu monton. Weniger w\u00e4re mehr.<\/li>\n<li>Der Geldetat der verschienden Nationen ist absolut funktionslos. Bei dem wenigen Krieg, den man sinnvollerweise f\u00fchren sollte und kann, ist die Kriegskasse immer voll. Man braucht keinerlei Anstrengung auf den Gelderwerb zu verwenden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Ungereimtheiten des Spiels ernteten aber bald kein mi\u00dfbilligendes Nasenr\u00fcmpfen mehr, sie wurden eher mit einem schallenden Gel\u00e4chter quittiert. Moritz fiel dazu eine Situation aus dem englischen Fernsehen ein, die ebenfalls schallendes Gel\u00e4chter ausl\u00f6ste. Der erste Teil der Pointe war: \u201eWie kann man sich nur \u00fcber etwas so Winziges derart freuen!\u201c<\/p>\n<p>Auf der Positiv-Seite sei vermerkt, dass das Spielmaterial h\u00f6chst professionell hergestellt ist: bester Karton, Hochglanz-Karten, saubere Gulden und griffige Kl\u00f6tzchen in einer stabilen Schachtel. So wird das Material wohl auch in die ewigen Jagdgr\u00fcnde eingehen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 2 (der Autor h\u00e4tte die jahrelange Arbeit, 134 verschiedene Pers\u00f6nlichkeiten zu skalieren, besser in funktionierende Spielmechanismen investiert), Horst 3 (es ist ein Wargame ohne War), Moritz: 4 (f\u00fcr den Entwicklungsaufwand des Autors. Viele h\u00fcbsche Ideen sind angedacht, doch das Spiel hat Probleme), Walter: 3 (Flei\u00dfarbeit in Geographie und Geschichte macht noch kein spielbares Spiel).<\/em><\/p>\n<p>Aaron und G\u00fcnther fiebern schon ihren eigenen Crowdfunding-Spielen entgegen. Jetzt mit noch erh\u00f6hter Zitterfrequenz. Moritz freut sich schon darauf, die Kickstarter-Variation f\u00fcr \u201e1830\u201c in die Pfanne zu hauen.<\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>\nDie Diskussion, ob man beim Bau des Schienennetzes zuerst in seiner eigenen Schwerpunktecke, oder eher im gemeinsamen Zentrum anfangen soll, hat nach wie vor keinen kl\u00e4renden Abschlu\u00df gefunden. Wie sollte man das auch entscheiden?<\/p>\n<p>Walter versuchte es mit folgender Aufgabenstellung: Jeder bekam die gleichen St\u00e4dte London, Warschau, Riga, St. Petersburg und Sofia zugeteilt und sollte geheim aufschreiben, an welcher Stelle er anfangen w\u00fcrde. Zwei Fraktionen sch\u00e4lten sich heraus: Die \u201eBerliner\u201c fingen im Zentrum an, die \u201eWarschauer\u201c auf ihrerer eigenen Seite. Doch welche Fraktion w\u00e4re besser aufgestellt gewesen? Kann da jemand Entscheidungshilfe beisteuern?<\/p>\n<p><em>Kein neue WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nKeine besonderen Vorkommnisse. Horst konnte die Absackerpartie mit 5:0 f\u00fcr sich entscheiden.<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8220;PS&#8221;<\/strong><br \/>\n1. Nicht Horst\u2019s Nachbar ist abgebrannt, nur dessen Hecke. Es war aber ein beeindruckendes Schauspiel.<br \/>\n2. Hallo Aaron, hast Du die \u00e4gyptischen Korallen-Nixen alle selber flicken k\u00f6nnen und hast Du dazu die Hilfe von Basti in Anspruch nehmen m\u00fcssen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Kickstarter&#8221; ist eine Internetplattform zur Finanzierung von Projekten \u00fcber das Sammeln von Geldern aus einer breitgetreuten \u00d6ffentlichkeit (&#8220;crowdfunding&#8221;). Die Kapitalsucher, vor allem K\u00fcnstler und Erfinder, geben eine Mindestsumme vor, die erreicht werden muss, damit ihr Projekt realisiert wird. 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