{"id":1766,"date":"2012-09-27T15:03:52","date_gmt":"2012-09-27T14:03:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1766"},"modified":"2012-09-27T17:06:30","modified_gmt":"2012-09-27T16:06:30","slug":"26-09-2012-rauf-und-runter-auf-der-seidenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/09\/27\/26-09-2012-rauf-und-runter-auf-der-seidenstrasse\/","title":{"rendered":"26.09.2012: Rauf und Runter auf der Seidenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Anfang September war Aaron auf einem dreit\u00e4gigen Seminar \u00fcber \u201eGrundlagen der Spiele-Entwicklung\u201c. Der (auch in der Spielszene) engagierte Christwart Conrad (u.a. \u201ePfeffers\u00e4cke\u201c) vermittelt hoffnungsvollen und hoffnungslosen Spiele-Autoren das R\u00fcstzeug, in ihren wild wuchernden Ideen m\u00f6glicherweise genie\u00dfbare Fr\u00fcchte zu erkennen und sie durch fachm\u00e4nnisches Beschneiden in bek\u00f6mmliche Bahnen zu lenken.<\/p>\n<p>Am Ende gab Lother Hemme von den \u201eRavensburgern\u201c noch einen Einblick in das quirlige Leben, das sich bei renommierten Spielverlagen am Eingangstor f\u00fcr Autoren abspielt. 1500 Spiele-Ideen werden jedes Jahr bei den Ravensburgern eingereicht. Ein Gro\u00dfteil davon sind (leider nur) Varianten von Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht, Monopoly und Kniffel. Solche werden a priori aussortiert. Etwa 500 Spiele schaffen es durch das Eingangsfilter. Die anschlie\u00dfenden Testprozeduren in ausgew\u00e4hlten Spielerkreisen ben\u00f6tigen nochmals bis zu einem ganzen Jahr. Solange muss der Autor warten, bis er erf\u00e4hrt, ob sein Spiel angenommen wird oder nicht. Nur etwa 20 der urspr\u00fcnglich 1500 eingereichten Spiele schaffen die Reifepr\u00fcfung und werden produziert. Bei den Ravensburgern im Durchschnitt in einer Auflage von immerhin 65.000 St\u00fcck. Mit einem Honorar von 3 bis 6% des H\u00e4ndler-Einkaufspreises ist der Autor dann dabei.<\/p>\n<p>21 Teilnehmer waren zur Fortbildung angetreten. Jeder hatte mindestens ein eigenes Spiel in der Tasche. Manchmal nur das Material, manchmal nur die Idee, meist aber auch beides. Aaron war mit seinem \u201eYunnan\u201c angetreten. Die Resonanz war positiv. Es gibt sogar schon einen Verlag, der daf\u00fcr sein Eingangstor aufgemacht hat. Ausreichend Gr\u00fcnde, die Effekte der neuesten Beschneidungsma\u00dfnahmen mal wieder unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Yunnan&#8221;<\/strong><br \/>\nSo nebenbei hatte Aaron auf dem Seminar gelernt, wie man richtige Spielschachteln bastelt. Flugs hatte er sein Wissen umgesetzt: aus einer perfekten Box mit gef\u00e4lligem Design und professionellen Aufschriften f\u00fcr Spieleranzahl, Spiedauer und Schwierigkeitsgrad brachte er seine P\u00f6ppel, Scheiben, Kl\u00f6tzchen, Spielplan, und Kurzanleitungen hervor. (Siehe Bild!)<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Yunnan-mood.jpg\" alt=\"Yunnan box &amp; contents\" width=\"400\" height=\"267\" class=\"alignright size-full wp-image-1768\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Yunnan-mood.jpg 400w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Yunnan-mood-150x100.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/Yunnan-mood-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\nWir managen H\u00e4ndler, Schl\u00e4gerbanden, Pferde, Kontore und Bergstra\u00dfen. Wir ersteigern die Steigerung der Potenz oder wir gehen zur Bank und kassieren Teile des \u00f6ffentlichen Potenzsteigerungserl\u00f6ses. Wir machen Gewinne, die wir in Siegpunkte umwandeln oder uns f\u00fcr unsere n\u00e4chsten Investitionen in Bargeld aussch\u00fctten lassen.<\/p>\n<p>Aarons letzte \u00c4nderungen gingen im Wesentlichen gegen die \u00dcberm\u00e4chtigkeit der Bank: Wer sich auf den Entwicklungsleisten engagiert hat, darf jetzt nicht mehr in die Bank gehen, und wer in die Bank gegangen ist, darf sich nicht mehr entwickeln. Zudem zahlt die Bank nur noch einen Bruchteil des dort eingesammelten Geldes. Die Kontore wurden lukrativer gemacht und ein zu einseitiges Vorpreschen der H\u00e4ndler wurde erschwert. Moritz grummelte: \u201eKomisch, dass Du immer die Regeln gegen die Strategien \u00e4nderst, mit denen ich jeweils gewonnen habe!\u201c<\/p>\n<p>Aber Moritz w\u00e4re nicht Moritz, wenn er nicht sofort eine neue aussichtsreiche Strategie ausfindig machen w\u00fcrde. Er behielt immer nur genau soviel Geld zur\u00fcck, wie er f\u00fcr den n\u00e4chsten genau anvisierten Entwicklungsschritt ben\u00f6tigte und legte den Rest unverz\u00fcglich in Siegpunkten an. Damit kam er vom Start weg auf der Siegpunktleiste voran und drohte, vorzeitig die Sieg-Ende-Bedingung zu erf\u00fcllen. Sofort machte sich auch Walter diese Strategie zu eigen, und zwar so erfolgreich, dass er nach wenigen Runden weit vor Moritz, Aaron und G\u00fcnther (sic!) die Ziellinie \u00fcberschritt.<br \/>\nVergeblich versuchte G\u00fcnther zu argumentieren, dass diese offensichtliche Siegstrategie eigentlich keine Strategie sei, dass es mathematisch gesehen absolut unerheblich sei, zu welchem Zeitpunkt man sein Geld in Siegpunkte verwandelt, wenn man es nur rechtzeitig vor Schluss t\u00e4te. Er drang damit nicht durch. Wer h\u00f6rt schon auf den Letzten! The winner takes it all!<\/p>\n<p>Neue Regeln, neue Erfahrungen. Aaron schlug gleich eine zweite Runde mit ein paar bereits vorbereiteten Erweiterungen vor. Frohgemut wurde der Vorschlag angenommen. Lust und Frust in der Seidenstra\u00dfe waren weiterhin ungebrochen.<\/p>\n<p>Nun kamen zufallsgestreute Ereigniskarten ins Spiel, die auf das H\u00e4ndlerget\u00fcmmel in der Seidenstra\u00dfe einwirkten: in jeder Region wird die Anzahl der H\u00e4ndler begrenzt. Von den \u00fcberz\u00e4hligen H\u00e4ndlern werden diejenigen mit den schw\u00e4chsten Schl\u00e4gerbanden entfernt. Diese Neuerung erwischte heute immer wieder Moritz. Entweder hatte er die schw\u00e4chsten F\u00e4uste aufzuweisen oder er war gem\u00e4\u00df Zugreihenfolge der Betroffene: ein, zwei, ja sogar drei seiner H\u00e4ndler mussten zur\u00fcck in die Heimatfront bef\u00f6rdert werden. Diese Schl\u00fcsselzuweisung ging ihm gewaltig auf den Keks. \u201eDann h\u00f6re ich sofort auf!\u201c t\u00f6nte er aufgebracht, als er mal wieder zwei H\u00e4ndler verlieren sollte. Er wollte die Belastung auf mehrere K\u00f6pfe verteilt sehen. Nur mit vereinten Engelszungen lie\u00df er sich doch noch umstimmen, die Original-Spielregel des Autors unver\u00e4ndert zu akzeptieren. Doch er lie\u00df zu Protokoll geben: \u201eIch finde diese Regel Schei\u00dfe!\u201c Wie kann man eine kreative K\u00fcnstlernatur auch dazu zwingen, lebenswichtige Spielz\u00fcge unerbittlich genau dann zu tun, wenn sie notwendig sind!<\/p>\n<p>Sein Spieleifer war gebrochen, nur noch \u201eaus H\u00f6flichkeit\u201c spielte er bis zum Ende weiter. \u201eMan wird gespielt! Es werden zu wenig Zugm\u00f6glichkeiten geboten, und \u00fcber die muss man auch noch lange nachdenken!\u201c Ach Gott, wie lange w\u00fcrde ein Spiel am Westpark dauern, wenn es zu <strong>viele<\/strong> Zugm\u00f6glichkeiten g\u00e4be, \u00fcber die man auch noch lange nachdenken k\u00f6nnte!<\/p>\n<p>Die unstreitig eingeschr\u00e4nkte Zugauswahl lag heute auch daran, dass kein einziger Spieler in die Bank ging. Die paar Kr\u00f6ten, die es dort gab, waren den Verzicht auf jeglichen Entwicklungsfortschritt nicht wert. Diese Restriktion mu\u00dfte gelockert werden. Auf zum dritten Versuch. Immer noch mit Begeisterung. Ohne Gegenstimme. Mit freiem Zutritt zur Bank!<\/p>\n<p>Beim dritten Spiel durfte man wieder gleichzeitig entwickeln und banken. G\u00fcnther ging als Startspieler schnurstracks in die Bank. Da gerade in der Startphase f\u00fcr die Entwicklung keine Kosten gescheut werden, wurde er hier auch bei dem geringeren Bruchteil an Geld-Aussch\u00fcttung so reichlich mit Finanzmitteln eingedeckt, dass er die sp\u00e4tere Materialschlacht um H\u00e4ndler, Pferde und Kontore mit gro\u00dfem Vorsprung gewinnen konnte. Die Fl\u00fcgel der Banken m\u00fcssen wieder beschnitten werden. Aaron wei\u00df schon, wie.<\/p>\n<p><em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entwicklungsphase.<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8220;PS: Schachtel&#8221;<\/strong><br \/>\nBei MS-WORD habe ich ein Synonym f\u00fcr das Wort \u201eSchachtel\u201c gesucht. Was glaubt Ihr wohl, was dort alles angeboten wird?! Von \u201eDose\u201c und \u201eBeh\u00e4lter\u201c gelangt man \u00fcber \u201eBeleidigung\u201c bis hin zur \u201eFrau\u201c! \u2013 Ach, meine schmutzige Phantasie will die Synomye jetzt nicht weiter hinterfragen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang September war Aaron auf einem dreit\u00e4gigen Seminar \u00fcber \u201eGrundlagen der Spiele-Entwicklung\u201c. 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