{"id":1767,"date":"2012-10-04T14:23:26","date_gmt":"2012-10-04T13:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1767"},"modified":"2012-10-04T15:48:11","modified_gmt":"2012-10-04T14:48:11","slug":"03-10-2012-teufeleien-in-der-industrie-von-santa-cruz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/10\/04\/03-10-2012-teufeleien-in-der-industrie-von-santa-cruz\/","title":{"rendered":"03.10.2012: Teufeleien in der Industrie von Santa Cruz"},"content":{"rendered":"<p>Die Dreier-Runde schwelgte im reichlichen Platzangebot am runden Tisch vom Westpark. Horst machte den Moritz, Walter machte den G\u00fcnther und Aaron versuchte eine neue Stellung auf dem Stammplatz von Loredana.<\/p>\n<p>Horst war hochbegl\u00fcckt, sich gleich mit drei seiner Spielvorschl\u00e4gen durchsetzen zu k\u00f6nnen. Kein vermeintlicher alter Platzhirsch dominierte die Auswahl.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Santa Cruz&#8221;<\/strong><br \/>\nEin Besiedelungsspiel von Marcel-Andr\u00e9 Casasola-Merkle. Schon beim Regelvortrag lie\u00dfen seine einfachen, sauberen, wohlkonstruierten Mechanismen einen gef\u00e4lligen Vorgeschmack aufkommen.<\/p>\n<p>Jeder Spieler erh\u00e4lt einen unterschiedlichen Satz von Bewegungskarten, um per Schiff, per Kanu oder zu Fu\u00df die Insel \u201eSanta Cruz\u201c zu betreten, hierauf herumzulaufen und durch das Bauen von H\u00e4usern, T\u00fcrmen und Kirchen ein paar kleckrige Siegpunkte zu erwerben.<\/p>\n<p>Die Lage der Baupl\u00e4tze ist auf dem Spielplan festgelegt, die zul\u00e4ssige Bebauungsart wird erst offenbart, wenn man sich dem Bauplatz n\u00e4hert. Dann erkennt man auch dessen Sondereigenschaften wie: Fischreichtum, Schafsherden, Goldadern, Salzgruben oder Vogelnester.<\/p>\n<p>Das spielentscheidene Element sind unterschiedlichen Wertungskarten, von denen jeder Spieler drei St\u00fcck in der Hand h\u00e4lt, mit denen er zu einem beliebigen Zeitpunkt eine Besitzstandswertung ausl\u00f6sen kann. Wer dann z.B. ein Haus mit Fischreichtum besitzt oder vier H\u00e4user am Fluss gebaut hat, bekommt einen richtig klotzigen Siegpunkt-Bonus.<\/p>\n<p>Eine Wertung gilt f\u00fcr alle Spieler, nicht nur f\u00fcr den, der sie ausl\u00f6st. Zum guten Spiel geh\u00f6rt es demnach, seine Wertungskriterien m\u00f6glichst schnell zu erf\u00fcllen und die Wertung auszul\u00f6sen, bevor die Mitspieler die Kriterien ebenfalls erf\u00fcllt haben. Dahinter steckt nat\u00fcrlich auch eine gute Portion Gl\u00fcck; weniger in der Technik, sich selbst zu belohnen, aber umso mehr darin, bei den Wertungen der Mitspieler mitzuprotifieren. Vor allem, da zu Spielbeginn nicht bekannt ist, welche Wertungen \u00fcberhaupt im Spiel sind.<\/p>\n<p>Das \u00e4ndert sich nach dem ersten Durchgang. Jetzt werden alle Geb\u00e4ude abger\u00e4umt und mit den gleichen Karten bei aufgedeckten Baupl\u00e4tzen und bekannten Wertungen ein zweiter, ganz analoger Durchgang gespielt. Der Spieler, der aktuell hinten liegt, darf seinen Satz an Bewegungs- und Wertungskarten mit dem eines beliebigen Mitspielers tauschen. Hier sollte er vor allem auf Synergien bei den Wertungskarten achten. Wenn z.B. in zwei Wertungen das gleiche Kriterium (Fischreichtum) honoriert wird, dann kann man durch eine einzige Besitzart \u2013 fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u2013 gleich zweimal daf\u00fcr Siegpunkte einheimsen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (schnell, locker, nette Mechanismen, Wiederspielreiz), Horst: 7 (m\u00f6chte in seinen Wertungen seri\u00f6ser werden), Walter: 7 (spielerisch, konstruktiv, Planungbarkeit und Zufallseinflu\u00df gut kombiniert).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Little Devils&#8221;<\/strong><br \/>\nAn jeden Spieler werden je 9 Karten mit unterschiedlichen Zahlenwerten ausgeteilt. Der erste Spieler spielt eine beliebige Zahl aus, der zweite Spieler legt eine beliebige Zahlenkarte dazu und (quasi) so tun es alle weiteren Spieler. Dann wird der \u201cStich\u201d gewertet: Ist die Karte des zweiten Spielers h\u00f6her als die des ersten Spielers, so bekommt derjenige den Stich, der die insgesamt h\u00f6chste Zahl ausgespielt hat. Ist die Karte des zweiten Spielers niedriger als die des ersten Spielers, so bekommt derjenige den Stich, der die insgesamt \u2026 niedrigste (claro) Zahl ausgespielt hat.<\/p>\n<p>Stiche zu bekommen, ist kontraproduktiv, denn jede Karten z\u00e4hlt entsprechend der aufgedruckten Anzahl von Teufelsk\u00f6pfen (bei \u201e6 nimmt\u201c entspricht das den Hornochsen) negativ. Man sucht das tunlichst zu vermeiden. Wie macht man das? Leichter gesagt als getan. Der Ausspieler bekommt den neuen Stich offensichtlich niemals. Der zweite Spieler bekommt den Stich ebenfalls nicht, wenn er einen unmittelbar benachbarten Zahlenwert legt. Dann muss (bei drei Spielern) der dritte Spieler notgedrungen in den sauren Apfel bei\u00dfen. Hat der zweite Spieler aber keine benachbarte Karte, so spielt er halt eine <strong>m\u00f6glichst<\/strong> naheliegende Karte und kann nur hoffen, dass der dritte Spieler keine Karten mit einem Zahlenwert dazwischen hat. So einfach ist das. Es soll Schlimmeres geben.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (vielleicht ist es ab 4 Personen besser), Horst: 6, Walter: 4 (allein f\u00fcr Preis\/Leistung; mehr oder weniger ein D\u00f6delspiel, keine Strategie, keine Taktik, keine Kartenpflege, klein Plan).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Industria&#8221;<\/strong><br \/>\nIn Zweifel, ob das 12 Jahre alte Spiel in unserer heutige Runde+Stimmung geeignet war, haben wir schnell mal beim gesch\u00e4tzten H@LL9000 nachgeschaut. Dort schrieb Kathrin Nos: \u201e<em>Wer bereit ist, sich auch \u00fcber eine Kennlern-Partie hinaus mit Industria zu besch\u00e4ftigen, und Versteigerungsspielen nicht generell abgeneigt ist, wird mit einem anspruchsvollen, spannenden und herausfordernden Spiel belohnt und erh\u00e4lt einen vielschichtigen strategischen Leckerbissen serviert.<\/em>\u201c Das klingt doch mehr als vielversprechend!<\/p>\n<p>Das Regelheft l\u00e4\u00dft uns ein zum Steuern unserer \u201e<em>Dynastie durch die industriellen Epochen von der Tongrube bis zum Roboterwerk. Erleben Sie die Entdeckung und Nutzung der Dampfkraft, die ersten Maschinen und die Elektrizit\u00e4t. Errichten Sie Fabriken und sichern sie ihrer Dynastie Wege und Schiffffahrtsrechte.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>\u201eEntdecken\u201c und \u201eerleben\u201c ist ziemlich euphemistisch ausgedr\u00fcckt. Es ist ein simples pomadiges Ersteigern, das uns mit diesen technischen Errungenschaften konfrontiert, die als m\u00e4\u00dfig bunte Kartonpl\u00e4ttchen offen ausliegen. Haben wir ein Objekt-Pl\u00e4ttchen ersteigert, haben wir zus\u00e4tzlich die vorgeschriebenen Rohstoffe zum Errichten des Objekts zur Hand, und legen wir auch noch einen vorgeschriebenen Geldbetrag drauf, dann k\u00f6nnen wir unser S\u00e4gewerk, unsere Eisenh\u00fctte, die Kokerei oder die gentechnische Fabrik auch in Betrieb nehmen und Holz, Eisen, Koks oder Homunculi f\u00fcr den Eigen- bzw. Fremdbedarf erzeugen.<\/p>\n<p>Der ach so spannende Verteigerungsprozess ist ein totgeborenes Kind. Reihum wechselnd w\u00e4hlt ein Versteigerer eines von drei ausliegenden Pl\u00e4ttchen zur Versteigerung aus und jeder Mitspieler darf genau einmal einen Geldbetrag darauf setzen. Am Ende entscheidet der Versteigerer, ob er den h\u00f6chsten gebotenen Geldbetrag nimmt oder sich das versteigerte Pl\u00e4ttchen lieber selber aneignet. Und zwar kostenlos! Nimmt er es selber, so darf der n\u00e4chste Spieler das n\u00e4chste Pl\u00e4ttchen versteigern. Nimmt der Versteigerer lieber den Geldbetrag und l\u00e4sst einem Mitspieler das gebotene Pl\u00e4ttchen, so beh\u00e4lt er die Versteigerungsrolle und darf auch das n\u00e4chste Pl\u00e4ttchen versteigern. Und so weiter &#8230;<\/p>\n<p>Aus Sicht der Mitbietenden ist das ziemlich witzlos, denn f\u00fcr ein attraktives Pl\u00e4ttchen k\u00f6nnen sie soviel bieten wie sie wollen, am Ende nimmt es der Versteigerer \u2013 \u00e4tscheb\u00e4tsch \u2013 doch an sich, und zwar ohne R\u00fccksicht auf die auktionistischen Bem\u00fchungen aller Mitspieler. Unattraktive Pl\u00e4ttchen kann ein Versteigerer schon mal abgegeben. Dann bekommt er kostenlos ein bisschen Geld (falls es einem Mitspieler das wert erscheint). Von den \u00fcbrigen ausliegenden Pl\u00e4ttchen kann er sich sp\u00e4ter immer noch das beste unter den Nagel rei\u00dfen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Versteigerer ist es allerdings ein gewisses Risiko, nur mal so aus Jux und Tollerei unattraktive Pl\u00e4ttchen zu versteigern. Unter Umst\u00e4nden bleibt er darauf hocken und muss nun seine Versteigerungsrolle abgeben. Gegen dieses Wie-die-Jungfrau-zum-Kinde-Kommen hilft nur die Triviall\u00f6sung: jeweils das beste St\u00fcck zur \u201eVersteigerung\u201c ausw\u00e4hlen und es sich selber aneignen! Das ist einfach und macht das Spiel schnell. Der ganze hier vorgeschaltete Versteigerungsmechanismus ist schlichtweg f\u00fcr die Katz.<\/p>\n<p>Auch sonst l\u00e4uft das Spiel ziemlich z\u00e4h ab. Die Spieler haben nicht das geforderte Baumaterial, um ihre Fabriken zu bauen. Nicht-gebauten Fabriken k\u00f6nnen das f\u00fcr andere Fabriken geforderte Baumaterial nicht herstellen. In jeder Epoche fehlt es an Saft und an Kraft. Und wenn ich dann doch mal mit Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen eine Eisenh\u00fctte errichten konnte, dann gibt es im gesamten Spiel maximal mal drei Abnehmer, die Interesse an meinen Produkten haben, und ich kann mit maximal drei Gulden Einkommen mein Konto begl\u00fccken. (Was immer das auch wert sein mag.)<\/p>\n<p>Eine totale Fehlkonstruktion ist das \u201eS\u00e4gewerk\u201c. Sein Bau kostet 3 Gulden, Siegpunkte liefert es keine und siegpunkttr\u00e4chtige Au\u00dfenwirkungen besitzt es auch nicht. Es liefert lediglich Holz, das unter Umst\u00e4nden 2-3 Gulden einbringt. Ein glattes Verlustgesch\u00e4ft. Der ungl\u00fcckliche Besitzer des Baugel\u00e4ndes l\u00e4sst diesen seinen Bauplan besser in der Schublade.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (das Potential in Idee und Aufbau nicht genutzt, der Versteigerungsmechanismus ist \u201ebroken\u201c), Horst: 6 (dr\u00fcckte sich selber in seinem Seri\u00f6sierungsprozess um einen Punkt), Walter: 5 (siehe Aaron).<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber die Kernenlern-Partie hinaus werden wir uns wohl nicht mehr mit \u201eIndustria\u201c besch\u00e4ftigen. Mein Gott, Bernd, Du hast 5 von 6 Punkten daf\u00fcr vergeben! Da scheint der Michael mit seinen 3 Punkten doch eher unseren Geschmack zu repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Trawler&#8221;<\/strong><br \/>\nDer Abend war noch jung und Aaron durfte mit \u201eTrawler\u201c seine zweite Eigenentwicklung unserem Hebammenteam vorstellen. Mit Trawler und Kutter schippern wir durch Wattenmeer und Hochsee, fangen Haie und kleine Fische, verscherbeln sie auf dem Jahrmarkt oder stellen damit ausgew\u00e4hlte Einkaufsk\u00f6rbe zusammen.<\/p>\n<p>Aaron hat am Preistableau gedreht, ein neues Tiefk\u00fchlfach eingebaut und l\u00e4sst fischelnde Fische verbrauchergesetzlich auf dem M\u00fcll landen. Die Balance des Ganzen sollte neu unter die Lupe genommen werden.<br \/>\nLeider hat uns der Autor zu Spielbeginn eine ganz wichtige Regel falsch handhaben lassen: Die Fische fliegen nicht von selber in unsere Lader\u00e4ume, sondern wir m\u00fcssen einen Teil der Energiepunkte unserer Fischereiflotte f\u00fcr deren Einladen ausgeben und k\u00f6nnen nicht alles allein f\u00fcr das Aufsuchen lukrativer Fischgr\u00fcnde verbrauchen.<\/p>\n<p>Durch diesen Fehler waren alle viel agiler als vorgesehen. Die Lader\u00e4ume wurden voll, die Fischgr\u00fcnde leer, die Kunden satt und das Spiel zu Ende. Leider keine einzige neue Erkenntnis \u00fcber die aktuelle Balance. Aber in jedem Fall gen\u00fcgend Vorfreude auf den n\u00e4chsten Test.<br \/>\n<em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><\/p>\n<p><strong>PS<\/strong><br \/>\nHallo Birgit, gr\u00fc\u00df\u2019 mir bitte den Bei\u00dfa!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dreier-Runde schwelgte im reichlichen Platzangebot am runden Tisch vom Westpark. Horst machte den Moritz, Walter machte den G\u00fcnther und Aaron versuchte eine neue Stellung auf dem Stammplatz von Loredana. Horst war hochbegl\u00fcckt, sich gleich mit drei seiner Spielvorschl\u00e4gen durchsetzen zu k\u00f6nnen. 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