{"id":1783,"date":"2012-11-08T13:49:47","date_gmt":"2012-11-08T12:49:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1783"},"modified":"2012-11-08T15:35:31","modified_gmt":"2012-11-08T14:35:31","slug":"07-11-2012-legenden-um-die-keyflower","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2012\/11\/08\/07-11-2012-legenden-um-die-keyflower\/","title":{"rendered":"07.11.2012: Legenden um die Keyflower"},"content":{"rendered":"<p><em>Es gibt wenigstens drei verschiedene M\u00f6glichkeiten, die biologische Funktion des Spiels richtig zu deuten. Da ist erstens die Auffassung des Spiels als Erziehung: die Katze spielt mit der Maus und erzieht sich dadurch in der Geschicklichkeit, deren es bedarf, um M\u00e4use zu fangen; alle unsere menschlichen Spiele sind \u00dcbungen in F\u00e4higkeiten, die das Leben erfordert, und deshalb fahren wir in England fort, dem Herzog von Wellington den Ausspruch zuzuschreiben, da\u00df die Schlacht von Waterloo auf den Spielpl\u00e4tzen von Eton gewonnen worden sei.<\/p>\n<p>Dann gibt es eine Auffassung des Spieles, nach welcher die \u00fcbersch\u00fcssigen Kr\u00e4fte, die in der praktischen Arbeit des Lebens ungenutzt blieben, in der Kunst verausgabt werden. Diese erweiterte und harmonsierende Funktion des Spiels, die sich auf niederen Stufen im Trivialen ersch\u00f6pft, f\u00fchrt auf h\u00f6heren zur Sch\u00f6pfung der herrlichsten Menschenwerke.<\/p>\n<p>Aber es gibt noch einen dritten Begriff vom Spiel, demzufolge dieses einen unmittelbaren innerlichen Einflu\u00df \u2013 gesundheitsbringend, entwickelnd und ausgleichend \u2013 auf den Gesamtorganismus des Spielenden selber aus\u00fcbt. &#8230; In diesem Sinne darf man davon reden, da\u00df auch die Sexualit\u00e4t eine Spielfunktion hat. Sie betrifft das Physische und das Psychische zugleich. Sie regt den ganzen komplexen Zusammenhang des Organismus zu gesunder T\u00e4tigkeit an. Zugleich befriedigt sie die tiefsten Bed\u00fcrfnisse des Gef\u00fchlslebens und bringt die verschiedenen Triebe des Geistes in Harmonie.<\/em><br \/>\n(aus Havelock Ellis: \u201eLiebe als Kunst\u201c)<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Die Legenden von Andor&#8221;<\/strong><br \/>\nTrotz des m\u00e4rchenhaften Titels macht der Autor Michael Menzel mit dem Thema seines Erstlingswerk nicht viel Federlesens: \u201eJeder Spieler schl\u00fcpft in die Rolle eines <strong>Helden von Andor<\/strong> und erlebt fantastische Abenteuer\u201c hei\u00dft es ganz lapidar. Die Abenteuer erleben wir im W\u00fcrfelkampf gegen Gors, Skale, Trolle, Wardraks und \u00e4hnliche Elemente aus dem schwedischen W\u00f6rterbuch.<\/p>\n<p>Das Spielbrett zeigt eine m\u00e4rchenhafte Landschaft aus Burg, Wald und Wiese; hier hat der begnadete Menzel seine Talente als Illustrator gekonnt demonstriert. In der Landschaft stehen verstreut unsere fabelhaften Gegner herum und schleichen (das bezieht sich auf ihre Geschwindigkeit, nicht auf ihre Verstecktheit) auf vorgegebenen Pfaden alle in Richtung Burg. Wenn mehr Fabelhafte in die Burg eingedrungen sind, als dort Platz ist, haben wir menschlichen Teilnehmer verloren. Wir m\u00fcssen ihnen also mit vereinten Kr\u00e4ften in den Weg treten und sie in einem eleganten W\u00fcrfelkampf besiegen.<\/p>\n<p>Wenn wir das schaffen, zugleich auch noch den Zaubertrank f\u00fcr den kr\u00e4nklichen K\u00f6nig auf die Burg gebracht haben, und rechtzeitig die Festung der B\u00f6sen erst\u00fcrmt haben, sind wir Sieger. Alle zusammen, es gibt keinerlei singul\u00e4re Lorbeerbl\u00e4tter f\u00fcr denjenigen, der sich im W\u00fcrfelkampf besonders ausgezeichnet hat.<\/p>\n<p>Bei Spielbeginn sind wir noch schwach und sollten nicht alleine gegen einen Troll antreten. Aber zu zweit haben wir schon ganz gute Aussichten, unsere eigenen Lebenslichter zu erhalten und diejenigen des b\u00f6sen Geistes alle auszupusten. Nach jeden Sieg erhalten wir weitere Lebenslichter oder Geld, das wir auf bestimmten H\u00e4ndler-Feldern des Spielbretts in St\u00e4rke umwandeln k\u00f6nnen. Die St\u00e4rke ist ein direkter additiver Posten, mit dem wir unsere W\u00fcrfelergebnisse aufmotzen. Nach ein paar Runden haben wir leicht eine St\u00e4rke von 7 oder mehr erreicht und brauchen uns vor niemandem mehr zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>In die recht lineare Plattmach-Orgie sind ein paar \u00dcberraschungen eingebaut: Sporadisch tauchen auf ausgew\u00fcrfelten Spielfeldern neue Monster auf, oder wir verlieren bei zuf\u00e4llig ungl\u00fccklicher Positionierung ein paar Lebenslichter. Doch jeder hat genug davon, um das verschmerzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aarons gr\u00f6\u00dfte Freude &#8211; im gesamten Spiel! &#8211; war, auf dem Spielbrett das Feld Nummer 15 zu finden. Die Felder sind n\u00e4mlich nicht sequentiell durchnummeriert, sondern mit erheblichen Chaos. Feld 15 ist ganz unten versteckt in der Ecke zwischen 7 und 9. Die Felder 73-79 haben wir gar nicht gefunden; vielleicht gibt es sie gar nicht, und die Zauberwelt f\u00e4ngt erst wieder bei 80 an. Herr Menzel wird schon wissen warum das so ist, wir wissen es nicht. Leider kann Aaron diese seine Findefreude nur einmal im Keyflower-Leben genie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Lacher gab es bei Aarons weltbekannt-schlechten W\u00fcrfelw\u00fcrfen: F\u00fcr den Kampf durfte er nacheinander bis zu f\u00fcnf Hexaw\u00fcrfel werfen und bei einer ihm genehmen Augenzahl aufh\u00f6ren. Und wirklich: Er warf nur Einsen und Zweien. Doch noch bemerkenswerter: Als er sp\u00e4ter die F\u00e4higkeit erworben hatte, einen beliebigen W\u00fcrfel auf die R\u00fcckseite zu drehen, d.h. aus einer Eins eine Sechs und aus einer Zwei eine F\u00fcnf zu machen, w\u00fcrfelte er schlagartig nur noch Dreien und Vieren! Ausschlie\u00dflich! Ungelogen! Ohne report-dichterische Freiheit hier niedergeschrieben! An seinem W\u00fcrfelruf scheint doch etwas dran zu sein.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (kann dieser Art von Spielen nichts abgewinnen), G\u00fcnther: 4 (ich bin halt doch kein Rollenspieler), Moritz: 7 (die erste Legende &#8211; die er mit seinem 5-j\u00e4hrigen Milo gespielt hat \u2013 war interessanter), Walter: 4 (hat das dumpfe Gef\u00fchl, dass wir irgendetwas falsch gemacht haben m\u00fcssen, es gab keine einzige logistische Herausforderung).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Keyflower&#8221;<\/strong><br \/>\nIn Essen der Sieger auf der Top-Liste von \u201eFair-Play\u201c. Ein Ersteigerungsspiel mit den Betriebsmitteln Arbeiter (rote, gr\u00fcne, gelbe und blaue), Rohstoffe (Holz, Stein, Eisen und Gold) und Werkzeuge (Amboss, Hacke und S\u00e4ge) um Ackerland zum Gewinnen von Arbeitern, Rohstoffen, Werkzeugen und Siegpunkten.<\/p>\n<p>Auf dem Tisch liegen eine Reihe von hexagonale Ackerfl\u00e4chen, die es zu ersteigern, zu nutzen und zu veredeln gilt. Das Ersteigern erfolgt mittels Arbeitern, die h\u00f6chste Kopfzahl gewinnt, der \u00dcberbotene darf seine Arbeiter abziehen und ihnen neue Aufgabengebiete zuweisen. Bei einer Belegschaft von 10 bis 20 Arbeitern pro Spieler eine ziemlich z\u00e4he Angelegenheit.<figure id=\"attachment_1790\" aria-describedby=\"caption-attachment-1790\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/keyflower1.jpg\" alt=\"\" title=\"Keyflower\" width=\"450\" height=\"344\" class=\"size-full wp-image-1790\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/keyflower1.jpg 450w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/keyflower1-150x115.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/keyflower1-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1790\" class=\"wp-caption-text\">Diese fingierte Keyflower-Szene enth\u00e4lt mindestens 5 sachliche Fehler. Wer die meisten findet bekommt 1 Flasche Wein!<\/figcaption><\/figure> Zur Nutzung stellt man einen Arbeiter auf eine bereits ersteigerte oder noch \u00f6ffentlich ausliegende Ackerfl\u00e4che. Man darf auch auf beliebige Fl\u00e4chen der Mitspieler setzen und damit deren F\u00e4higkeit nutzen. Der Nutz-Arbeiter wandert hinterher allerdings in die Belegschaft der Konkurrenz.<\/p>\n<p>Zur Veredlung mu\u00df man Rohstoffe oder Werkzeuge einsetzen und eine Arbeitsfl\u00e4che vom Typ \u201eVeredelung\u201c nutzen.<\/p>\n<p>Am Ende sprudeln eine Reihe von Siegpunktquellen f\u00fcr den Sieg, als da sind:<\/p>\n<ul>\n<li>die ersteigerten und veredelten Ackerfl\u00e4chen<\/li>\n<li>zusammenh\u00e4ngende Wege oder Kan\u00e4le auf unserem Ackerland<\/li>\n<li>Arbeiter als Einzelpersonen oder in wohldefinierten Brigaden<\/li>\n<li>Rohstoffe als Einzelteile oder in wohldefinierten Kombinationen<\/li>\n<li>Werkzeuge als Einzelteile oder im Kasten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Siegpunktquellen sprudeln aber nicht unisono f\u00fcr alle; sie sind selber Hexateile, die wie Arbeitsfl\u00e4chen ersteigert werden m\u00fcssen, und nur f\u00fcr den Besitzer je nach seinem Besitztum Siegpunkte liefern. Das bringt nat\u00fcrlich eine positive Vielfalt in die Interessen der Grundbesitzer. Wem z.B: Rohstoffe honoriert werden, engagiert sich in Bergbau, und wem Werkzeuge honoriert werden, engagiert sich in der Schmiede.<\/p>\n<p>Leider ist das nicht ganz so einfach. Denn der Gro\u00dfteil der Hexateile f\u00fcr die Siegpunkt-Kriterien kommen erst in der letzten Runde ins Angebot. Jetzt h\u00e4ngt es stark vom Mitspielerchaos an Besitztum, Interessen, Ersteigerungspotential und Miesnickeligkeit ab, ob man das begehrte Kriterium bekommt oder nicht. Walter wurde in der letzten Runde &#8211; mehr oder weniger zuf\u00e4llig &#8211; Startspieler und konnte sich einen Rohstoff-Belohner sichern, der ihm 60% seiner Siegpunkte einbrachte. Immerhin der zweite Platz. Jeder andere Mitspieler h\u00e4tte ihm das begehrte Siegpunkt-Hexateil durch einen einzigen der seltenen gr\u00fcnen Arbeiter wegschnappen k\u00f6nnen. Das h\u00e4tte dann weit abgeschlagen den letzten Platz bedeutet.<\/p>\n<p>Die enorme Optimierungsaufgabe, alle etwa 10 \u00f6ffentlichen und 20 privaten Ackerfl\u00e4chen bei jedem Spielzug genau zu sondieren und daraus das beste an Besitz und Nutzung f\u00fcr sich herauszusuchen, ggf. noch dabei die Biet-Resourcen und Ambitionen der Mitspieler im Auge (im Ged\u00e4chtnis) zu behalten, pa\u00dft nicht zum enormen Zufall, mit dem am Ende die Siegpunktkriterien unter den Spielern aufgeteilt werden.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (dauert zu lange), G\u00fcnther: 7 (\u00fcberschaubare Komplexit\u00e4t), Moritz: 6 (elegantes, durchdachtes Design), Walter: 6 (zu viele, teils unw\u00e4gbare Optimierungsaufgaben).<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8220;Gebrechlichkeit in Dativ und Akkusativ&#8221;<\/strong><br \/>\nManche Westparker werden immer j\u00fcnger und goldiger, andere dagegen reifer und silberner. Doch auch auf letzteren ruht so mancher wohlgef\u00e4llige weibliche Blick, gerade wenn der Mens noch sana ist, der Corpor aber schon ziemlich debilis ist, den man vorsichtshalber besser \u201ean <strong>die<\/strong> Wand nageln\u201c sollte. Nach einem frivolisierten Wortgepl\u00e4nkel im Wasserbad h\u00f6rte jetzt ein Westparker die durchaus hoffnungsvolle Einschr\u00e4nkung: \u201eSie m\u00fcssen mich schon an <strong>der<\/strong> Wand nageln.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt wenigstens drei verschiedene M\u00f6glichkeiten, die biologische Funktion des Spiels richtig zu deuten. 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