{"id":183,"date":"2008-04-10T10:51:31","date_gmt":"2008-04-10T10:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=183"},"modified":"2008-04-10T10:51:31","modified_gmt":"2008-04-10T10:51:31","slug":"08042008-metropolys-im-stone-age","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/04\/10\/08042008-metropolys-im-stone-age\/","title":{"rendered":"08.04.2008:  Metropolys im Stone Age"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;L\u00e4stern&#8221; kommt zweifellos von &#8220;Lust&#8221; und nicht von &#8220;Last&#8221;, das k\u00f6nnen wir am Westpark an jedem Spielabend best\u00e4tigen. Episoden aus dem richtigen Leben oder Ungereimtheiten innerhalb von Spielregeln sind allemal eine Portion erfrischenden Spotts wert, der wie beim Triumpfgeschrei der Wildg\u00e4nse die Truppe in Lust und Laune zusammenschwei\u00dft. Schon vor 200 Jahren sagte ein Sp\u00f6tterfreund: &#8220;Jede Lobhudelei ist langweilig, jede Sp\u00f6tterei dagegen kurzweilig\u0085&#8221;.<br \/>Wenn Walter in seinen n\u00e4chtlichen Session-Reports unsere Spielstimmung wiedergeben will, dann m\u00f6chte er unserer L\u00e4sterei nat\u00fcrlich einen erheblichen Stellenwert einr\u00e4umen. Doch mu\u00df er dabei scharf aufpassen: was im Allerheiligsten unserer Spielh\u00f6lle durchaus noch erlaubt ist, hat auf der \u00f6ffentlichen B\u00fchne einer Internetseite oft nichts zu suchen hat. Manchmal sticht ihn allerdings der Hafer und er galoppiert \u00fcber die wohlberatenen Grenzen hinaus.<br \/>Wie urteilt dar\u00fcber der Volksmund: &#8220;Wer lacht, z\u00fcndet ein Feuer im Ofen an; wer spottet, z\u00fcndet das Haus des Nachbarn an.&#8221; Gl\u00fccklicherweise gibt es unter uns mindestens einen verantwortlichen Feuerwehrmann, der dann Alarm schl\u00e4gt und aus Walters Bericht die sch\u00e4rfsten Pointen herausl\u00f6scht. Deutlich sichtbar in unserem letzten Session Report. Und er sah, da\u00df es gut war. Hei\u00dft es doch schon beim Chronisten: &#8220;Treibe den Sp\u00f6tter hinaus, so gehen Zank und Hader weg, und es kehren ein eitel Freude und Wohlgefallen.&#8221;<br \/><strong>1. &#8220;Stone Age&#8221;<\/strong><br \/>Tummelhofer &#8211; ihr wi\u00dft schon, der von &#8220;Sankt Petersburg&#8221; &#8211; hat wieder zugeschlagen. Mit &#8220;Stone Age&#8221; geht er dieses Jahr wieder ins Rennen um den Deutschen Spielepreis, und die Vorkritiken sind alle sehr gut.<br \/>G\u00fcnther wurde am Montag bei Hans-im-Gl\u00fcck vom Sohn des Autors pers\u00f6nlich in das Regelwerk eingeweiht und konnte es noch ganz br\u00fchwarm an uns weitergeben. Jeder Spieler verf\u00fcgt \u00fcber eine Reihe von Manschgerln, mit denen er seine Spielz\u00fcge ausf\u00fchrt. Wie bei &#8220;Agricola&#8221; kann man sie vermehren und mu\u00df regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr ihre Ern\u00e4hrung sorgen. Ihre Hauptaufgabe ist das Sammeln von Rohstoffen, die \u00fcber Bauwerke und \u00fcber Sonderkarten in Siegpunkte verwandelt werden. Die Ertr\u00e4ge werden ausgew\u00fcrfelt. Je mehr Manschgel man z.B. in den Wald schickt, mit desto mehr W\u00fcrfeln darf man ausw\u00fcrfeln, wieviele B\u00e4ume gef\u00e4llt werden. Legt man sich rechtzeitig Werkzeug zu, kann man am W\u00fcrfelergebnis noch etwas drehen. Wer sich einen Kartoffelacker zulegt, braucht weniger Energie in die Ern\u00e4hrung zu investieren.<br \/>Es gibt eine ganze Menge ganz einfacher Dinge zu tun, viele haben einen kumulativen Effekt, aber alle sind sehr leicht \u00fcberschaubar. Ein Spieler, der die Augen von 7 W\u00fcrfeln zusammenz\u00e4hlen kann, kann vollwertig mitspielen, dazu braucht er gewi\u00df keine 10 Jahre alt zu sein, wie es auf der Schachtel empfohlen ist.<br \/>Peter durchbrach unser traditionelles Ritual zum Bestimmen des Startspielers: er sa\u00df auf Moritz&#8217; Platz, machte aber Walter zum Moritz und w\u00fcrfelte ihn mit einer Eins zum Startspieler.<br \/>G\u00fcnther mu\u00dfte uns (sitzplatzm\u00e4\u00dfig) den Aaron machen und reklamierte auch sofort dessen sprichw\u00f6rtliches W\u00fcrfel(un)gl\u00fcck f\u00fcr sich. Bei den ersten schlechten W\u00fcrfen meinte er noch gro\u00dfm\u00fctig: &#8220;Ich w\u00fcrfele heute wie ein Weltmeister&#8221;. Als es sp\u00e4ter nicht besser wurde, h\u00e4tte er gerne wieder seinen Stammplatz eingenommen. Doch beim genauen Hinschauen gab es fast nur Aarons am Tisch. Peter beschwerte sich, da\u00df er mit 4 W\u00fcrfeln keine einzige Sechs geworfen hatte. Dann griff er zum Taschenrechner und beruhigte sich mit dem Ergebnis, da\u00df die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr eine Sechs deutlich unter 50% liegt: 1-(5\/6) hoch 4  = 0,42.<br \/>Bald ging uns das h\u00f6lzerne Baumaterial aus. Nach Moritz&#8217; (des anderen) Aussage darf man sich hier mit Ersatzmaterial behelfen. Im Zeitalter der Nichtraucher gibt es keine Streichh\u00f6lzer mehr, die sehr gut gepa\u00dft h\u00e4tten. Als Aushilfe standen die Baugleise aus &#8220;Trans Europa&#8221; oder sch\u00f6ne gl\u00e4serne Go-Steine zur Auswahl. Das kaiserliche Spiel hat gewonnen, auch wenn es in der Form unterlegen war. Es lag halt griffbereit im Regal.<br \/>Wie schon gesagt, reicht f\u00fcr eine normale Spielbeherrschung die erste Klasse Grundschule. Nur um gezielt miesnickelig zu spielen, braucht man etwas mehr mentale Reife. Loredana vermasselte Walter einen Zug, bei dem er das letzte Bauwerk eines Stapel gebaut und damit das Spiel als Sieger beendet h\u00e4tte. B\u00f6sartig blockierte sie mit allen ihren Manschgerln das Goldbergwerk und Walter konnte sich das noch ben\u00f6tigte Gold nicht besorgen. Als Vergeltung h\u00e4tte ihr Walter im Gegenzug ein Bauwerk vermasselt, das mit 7 mal Gold 42 Siegpunkte wert gewesen w\u00e4re, wenn das nicht bereits G\u00fcnther f\u00fcr ihn getan h\u00e4tte.<br \/>Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Und der Vierte. In der Schlu\u00dfwertung zogen G\u00fcnther und Peter weit an Walter und Loredana vorbei. Hier werden nochmals nach unterschiedlichen Kriterien Sondernpr\u00e4mien ausgesch\u00fcttet. Allein durch konsequentes Sammeln von Zivilisationkarten (analog der Adeligen-Strategie in Sankt-Petersburg) kann man hier zus\u00e4tzliche 64 Siegpunkte ergattern. Diese Karten sind der Kn\u00fcller, zumindest solange die Konkurrenz das noch nicht wei\u00df.<br \/>Das Spiel funktioniert, zeigt in Aufbau und Reife die Handschrift eines Meisters, war vom Anfang bis Ende recht kurzweilig, dauert f\u00fcr die einfachen sich wiederholenden Grundmechanismen aber vielleicht ein weniges zu lang: Publikum zwei Stunden lang, spielte ohne Bumerang.<br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7, Loredana: 6, Peter: 6, Walter: 7.<\/em><br \/>Walter schreibt eine Rezension.<br \/><strong>2. &#8220;Metropolys&#8221;<\/strong><br \/>Ein Stadtplan mit Stadtteilen, H\u00e4userzeilen, Stra\u00dfen und Fl\u00fcssen. Jeder Spieler hat 13 Holzkl\u00f6tzchen (H\u00e4user) mit den Werten 1 bis 13. Die Spieler setzen reihum ein Holzkl\u00f6tzchen auf das Spielbrett. Jedes Kl\u00f6tzchen mu\u00df benachbart zum Vorg\u00e4nger sein und einen h\u00f6heren Wert aufweisen. Wer das letzte (h\u00f6chst-wertige) Kl\u00f6tzchen gesetzt hat, hat eine Zugfolge gewonnen. Er darf dieses letzte Kl\u00f6tzchen stehen lassen und die n\u00e4chste Zufolge in einer beliebigen H\u00e4userzeile starten. Alle anderen Kl\u00f6tzchen werden abger\u00e4umt.<br \/>Die Werte, die den Spielern noch \u00fcbrig bleiben, werden immer niedriger. Durch die auf dem Spielplan stehenbleibenden Kl\u00f6tzchen entstehen schnell Sackgassen, auf denen ein Spieler seine niedrig-wertigen Kl\u00f6tchen loswerden kann und immer noch am Zug bleibt.<br \/>Sobald ein Spieler alle seine Holzkl\u00f6tzchen verbaut hat, ist Schlu\u00df und die Belegung des Stadtplans wird bewertet.<br \/>Das Spiel zeigt neue, elegante Zugmechanismen, die Bebauung der Stadt \u00f6ffnet \u00fcberraschende topologische Winkelz\u00fcge. Es geht alles ganz flott \u00fcber die B\u00fchne und ist doch ein dankbares Feld f\u00fcr strategische \u00dcberlegungen.<br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 8, Loredana: 8, Peter: 8, Walter: 8.<\/em><br \/>Das Spiel ist eine Rezension wert.<br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>G\u00fcnther ging mit 3:1 W\u00fcrfeln ins Endspiel gegen Walter. F\u00fcr ihn gibt es hier nur eine wahre Vorgabe: 1 mal die F\u00fcnf. Walter hob auf 1 mal Stern. Das war eine Suggestiv-Antwort, aber was versucht man nicht alles, wenn man mit dem R\u00fccken zur Wand steht.<br \/>G\u00fcnther hob auf 3 mal die Vier. Was kann man daraus schlie\u00dfen? Hat er Walter den Stern geglaubt oder nicht?<br \/>Post Mortem ist es klar, da\u00df G\u00fcnther selber einen Stern und mindestens eine Vier haben sollte. Walter h\u00e4tte mit dem Stern, den er tats\u00e4chlich unter seinem Becher hatte, auf 2 mal Stern heben m\u00fcssen. Doch auch daf\u00fcr h\u00e4tte G\u00fcnther noch einen Konter parat gehabt: Er hatte neben dem Stern n\u00e4mlich gleich zwei Vierer; mit 4 mal die Vier h\u00e4tte er den Sack zugemacht.<br \/>Er wurde allerdings schon im Prae-mortem angezweifelt und durfte seinen letzten Pfeil im K\u00f6cher behalten.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;L\u00e4stern&#8221; kommt zweifellos von &#8220;Lust&#8221; und nicht von &#8220;Last&#8221;, das k\u00f6nnen wir am Westpark an jedem Spielabend best\u00e4tigen. Episoden aus dem richtigen Leben oder Ungereimtheiten innerhalb von Spielregeln sind allemal eine Portion erfrischenden Spotts wert, der wie beim Triumpfgeschrei der Wildg\u00e4nse die Truppe in Lust und Laune zusammenschwei\u00dft. 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