{"id":186,"date":"2008-05-08T14:36:30","date_gmt":"2008-05-08T14:36:30","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=186"},"modified":"2008-05-08T14:36:30","modified_gmt":"2008-05-08T14:36:30","slug":"07052008-eggert-faktor-fur-toledo-und-oregon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/05\/08\/07052008-eggert-faktor-fur-toledo-und-oregon\/","title":{"rendered":"07.05.2008: Eggert-Faktor f\u00fcr Toledo und Oregon"},"content":{"rendered":"<p>In seinem letzten Podcast &#8220;Why Games Are Loud or Silent&#8221; hat Moritz den &#8220;Eggert-Faktor&#8221; eingef\u00fchrt, einen Indikator daf\u00fcr, wie laut es am Spieltisch zugeht. Er hat auch gleich einige Kriterien aufgez\u00e4hlt, die ein Spiel laut oder leise machen. Zwei-Personen-Spiele sind naturgem\u00e4\u00df leiser als Mehrpersonenspiele, strategische Spiele sind leiser als Spiele mit W\u00fcrfeln und \u00dcberraschungen. Am leisesten ist f\u00fcr ihn das k\u00f6nigliche Schach, der strategische Zweikampf um Kraft, Raum und Zeit auf einem 8&#215;8-Felder-Brett: Eggert-Faktor 0.<br \/>Ein bi\u00dfchen vermisse ich dabei die psychologische Betrachtung des Ambiente, das einen gro\u00dfen Einflu\u00df auf die Lautst\u00e4rke des Spielablaufes hat. Vor vielen Jahrzehnten lernte ich in einer kleinen Gruppe das kaiserliche Go kennen: In dem 100%ig hoch-strategischen Spiel setzen die Spieler abwechselnd schwarze und wei\u00dfe Glaskugeln auf die insgesamt 361 Kreuzungspunkte der 19&#215;19 Linien eines Spielbrettes. Dabei werden Ketten gebildet, Gebiete abgesteckt, gegnerische Steine umzingelt und in einem m\u00f6rderischen Erstickungskampf die Freiheiten der Strukturgebilde abgez\u00e4hlt. Doch das ganze war &#8211; zumindest in unserer Gruppe &#8211; kein schweigendes Ringen der Geistesgr\u00f6\u00dfen, es war immer ein ausgelassenes Spielen und lautstarkes Kommentieren des Geschehens auf dem Spielbrett.<br \/>Schon allein das Material reizt zum Ger\u00e4usche Machen. Das laute Klacken beim Aufsetzen der Glassteine auf das Holzbrett klingt wie exotische Musik, und das rhythmische Wechseln von schnellen, aggressiven Stakkato-Z\u00fcgen mit eingestreutem Killmayer-Schweigen f\u00fcr die Denkpausen schafft eine eigenartige akkustische Atmosp\u00e4re von geilem Spa\u00df und Vergn\u00fcgen. Wenn hier einer die Idee aufbringen m\u00f6chte, die Go-Steine zur Schalld\u00e4mmung \u00e4hnlich wie die Schachfiguren mit Filzpolstern zu versehen, der w\u00fcrde unweigerlich ans Irrenhaus verwiesen werden.<br \/>Unsere Go-Runde ging solange gut, bis unser humorloser Gastgeber, ein Schachclub, unser lustvolles Spielen nicht mehr aushalten konnte, und uns herz- und schmerzlos vor die T\u00fcr setzte. Da sieht man mal wieder die Schachspieler \u0085<br \/>Doch wohl in jedem Spiel gibt es sonne und sonne. Ich kann mich an ganz verbissene Skatrunden mit meiner Oma erinnern, die in schweigender Spannung verliefen, wo jedes Kontra der Enkelkinder wie eine Majest\u00e4tsbeleidigung aufgefa\u00dft wurde, vor allem wenn es erfolgreich war. Dabei ist Skat doch ein lockeres Spiel, und jede gelungene Aktion des Alleinspielers oder der Gegenspieler sollte eher mit einem vergn\u00fcglichen Gel\u00e4chter begleitet sein.<br \/>Bei uns Westpark-Gamers darf gelacht werden. In jedem Spiel. Schadenfreude wird von Siegern und Verlieren gleicherma\u00dfen akzeptiert und getragen. Bei meinem Nachbarn ist das schon anders. Wenn ich ihm in einem &#8220;Bluff&#8221;-Spiel &#8211; kommt einmal in zwei Jahren vor &#8211; vier W\u00fcrfel auf einmal abkn\u00fcpfen kann, werde ich das immer mit eisenem Schweigen quittieren. Schachspieler \u0085<br \/>Ist eigentlich allgemein anerkannt, da\u00df beim Spielen ein gr\u00f6\u00dferer Lautpegel ein Qualit\u00e4tsmerkmal ist? Zumindest f\u00fcr die soziale Qualit\u00e4t sollte es wohl so sein. Deswegen besitzen die Spiele von 1860 ja auch einen wesentlich h\u00f6heren Spa\u00dffaktor als die vom FC Bayern. Fr\u00fcher f\u00fcrs eigene Publikum, heute f\u00fcr das des Gegners. Revised Eggert-Faktor (rEF) = 10 (Maximum)!<br \/><strong>1. &#8220;Toledo&#8221;<\/strong><br \/>Die Spieler d\u00fcrfen ihre Z\u00fcge beim Kaufen von Eisen und Edelsteinen, beim Schmieden von Schwertern (aus Eisen und Edelsteinen), in der Taverne (nutzlose Wartezeit mit dem Bonus von drei Geldscheinen) oder beim K\u00fcnstler (Siegpunkte f\u00fcr das Erstehen von Gem\u00e4lden) verbraten. Und beim Bauen von Gesch\u00e4ften zum Erwerben von Eisen, Edelsteinen und Schwertern. Erst pflastert man den Weg zum Alcazar mit seinen Gesch\u00e4ften, in denen sich jeder entsprechend bedienen dann, zieht man seine P\u00f6ppel mittels Bewegungskarten auf die gepflasterten Felder und erledigt sein Gesch\u00e4ft.<br \/>Es gibt Duelle, die ziemlich zuf\u00e4llig entschieden werden. Dann mu\u00df der unterlegene P\u00f6ppel zur\u00fcck an den Anfangspunkt. Nicht nur dieses Prinzip erinnerte Aaron heftig an &#8220;Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht&#8221;, wovon ihn selbst der massive Hinweis auf das bunte Gesch\u00e4ftetreiben nicht abbringen konnte. &#8220;Deswegen wird Toledo noch lange kein Caylus!&#8221; Auch sonst machte er uns heute den Peter: Er motzte als erster \u00fcber das Spiel und spielte es gleichzeitig von Anfang an am brilliantesten.<br \/>In der vorz\u00fcglichen Spielanleitung &#8211; &#8220;wie immer bei Kosmos&#8221; &#8211; fehlt n\u00e4mlich ein entscheidender Spieltipp: Jeder Spieler sollte in seinen ersten Z\u00fcge ausschlie\u00dflich Gesch\u00e4fte plazieren. Es gibt n\u00e4mlich weitaus mehr legbare Gesch\u00e4ftepl\u00e4ttchen in den Spielerh\u00e4nden als freie Felder, auf die sie gelegt werden k\u00f6nnen. Wer hier nicht gleich aktiv wird, mu\u00df im weiteren Spielverlauf alle seine Gesch\u00e4fte f\u00fcr teures Geld in den Besitzt\u00fcmern der Mitspieler erledigen. Aaron hatte diesen Mechanismus als einziger durchschaut und alle seine Gesch\u00e4ftspl\u00e4ttchen gelegt, bevor den anderen das Licht aufging.<br \/>Der nat\u00fcrliche Vorw\u00e4rtsdrang, unsere P\u00f6ppel in den Zielbereich zu bringen, den wir mit &#8220;Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht&#8221; seit unseren Kindertagen im Blut haben, ist in Toledo nicht angebracht. Es gewinnt nicht der erste, der drei seiner P\u00f6ppel ins Ziel gebracht hat und damit das Spiel beendet, sondern derjenige, der unterwegs in der richtigen Reihenfolge die richtigen Gesch\u00e4fte besucht, dort in rauhen Mengen Eisen und Edelsteine erwirbt, damit eines oder zwei der wertvollsten Schwerter schmiedet und sie ins Ziel bringt.<br \/>Wer wie ein Irrer seine P\u00f6ppel ins Ziel treibt und dort mit leeren H\u00e4nden ankommt, kann zwar auf die verbleibenden Mitspieler einen gewissen Druck aus\u00fcben, gewinnen kann er die Partie nicht.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (es fehlt was), Loredana: 5, Peter: 5 (schwach f\u00fcr Kosmos, schwach f\u00fcr Martin Wallace), Walter: 6 (wenigstens ist es schnell)<\/em><br \/>Revised Eggert-Faktor = 2-3.<br \/>Walter wird eine Rezension schreiben.<br \/><strong>2. &#8220;Oregon&#8221;<\/strong><br \/>Bevor wir uns dem jungfr\u00e4ulichen Land der wei\u00dfen Westen zuwendeten, f\u00fchrte uns Peter am Rechner noch schnell seine j\u00fcngsten Eroberungen bei UPorn und\/oder PornTube oder wie das hei\u00dft vor. Was wir dabei zu sehen und zu h\u00f6ren bekamen, das erfahrt ihr am besten von ihm pers\u00f6nlich \u0085<br \/>In Oregon sind wir Siedler, bringen Geb\u00e4ude und P\u00f6ppel auf das Spielbrett und punkten damit. An Geb\u00e4uden gibt es Eisenbahn- und Poststationen, L\u00e4den, Hafen, Kirchen, Kohle- und Goldgruben. Jedes Geb\u00e4ude bringt andere Vorteile in Form von Siegpunkten, sofern sie in der N\u00e4he unserer P\u00f6ppel sind. Doch weder Geb\u00e4ude noch P\u00f6ppel k\u00f6nnen frei plaziert werden. Jeder Spieler zieht zuf\u00e4llige Koordinatenkarten, die die m\u00f6glichen Zielfelder auf dem Spielbrett bestimmen.<br \/>Wer am Zug ist, kann jetzt \u00fcber alle m\u00f6glichen Zielfelder f\u00fcr P\u00f6ppel und Geb\u00e4ude eine Gewinn- und Verlustrechung aufstellen und danach seinen n\u00e4chsten besten Zug machen. Anschlie\u00dfend wartet er auf das Ergebnisse der gleichartigen Denkprozesse aller seiner Mitspieler. Wer kein geborener Buchhalter ist, erspart sich die Bilanzierung von vielleicht zw\u00f6lf oder mehr Alternativen pro Zug und zieht einen P\u00f6ppel auf das n\u00e4chstbeste freie Feld..<br \/>Welche Zielfelder einem Spieler dabei geboten werden, ist reines Gl\u00fcck. Es gibt keine Kartenpflege, kein Ansparen von Kraft und Energie, nur Zug um Zug das Nutzen von Fortunas aktueller Gunst.<br \/>Gegen Ende des Spiels erkannten wir eine Regelwidrigkeit: Mit den Jokern wird nicht nur der Freiheitsgrad beim Errichten von Geb\u00e4uden gehoben, sondern sie gelten auch beim Plazieren von P\u00f6ppeln. Damit \u00e4ndert sich nat\u00fcrlich gewaltig die Potenz der Joker, doch leider nur wenig die Potenz des Spiels.<br \/>Gem\u00e4\u00df unserem Westpark-Gamers-Kodex durfte Aaron, der sich am meisten benachteiligt f\u00fchlte, die Gelegenheit zum Spielabbruch nutzen. Keiner erhob dagegen Widerspruch.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4, Loredana: 4, Peter: 3 (keine Bemerkung zu HiG), Walter: 5<\/em><br \/>Revised Eggert-Faktor = 3, f\u00fcr das regul\u00e4re Spiel. Als wir anfingen, den Spielmechanismus zu durchschauen und zu kritisieren, sowie die eigenen Z\u00fcge und die der Mitspieler lautstark zu kommentieren, stieg der rEF auf 6, zweifellos ein sozialkritischer Gewinn, nicht unbedingt einer des spielerischen Vergn\u00fcgens.<br \/><strong>3. &#8220;K\u00f6nig von Siam&#8221;<\/strong><br \/>Trotz des Desasters von letzte Woche und trotz Peters heftiges Dr\u00e4ngen nach einem &#8220;Bluff&#8221; mu\u00dften die beiden Riedlbergers erst noch eine Kostprobe des neuesten Erzeugnisses von Histogames zu sich nehmen. Damit das &#8220;Spiel ohne Noten&#8221; doch noch Noten bekommt.<br \/>Wenigstens ging es schnell.<br \/>Es ist immer noch ungekl\u00e4rt, wie man im 4-Personenspiel konsequent die Unsymmetrien erzeugt und auf seine Seite bringt, die f\u00fcr einen Sieg notwendig sind. Im Endeffekt liegt der Sieg an der Unf\u00e4higkeit aller anderen Mitspieler, ihre Chancen zu erkennen und zu nutzen. Oder sind die winzigen Chancen, die sich dem einen oder andere Spieler fr\u00fcher oder sp\u00e4ter vielleicht mal bieten, doch nur das zuf\u00e4llige Ergebnis einer im Grunde chaotischen Spielentwicklung?<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, Loredana: 5, Peter: 4, Walter: 4<\/em><br \/>rEF = 2! Das Absprechen von Planungen der Partner ist per Spielanleitung ausdr\u00fccklich verboten. Was bleibt dann noch anderes \u00fcbrig, als \u00fcber www.PetersPornPropaganda.net zu sprechen?<br \/><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Walter verlor im ersten Spiel gleich drei W\u00fcrfel. Befriedigt schauten seine drei Mitspieler in die Runde. Doch er schaffte es noch, das 2:2-Endspiel gegen Peter zu seinen Gunsten zu drehen.<br \/>Als sich beide auf 1:1 heruntergeschraubt hatten, durfte Peter vorgeben. Dabei leistete es sich einen b\u00f6sen Schnitzer: Erst legte er 1 mal die F\u00fcnf vor, doch nach einem Z\u00f6gern von Sekundenbruchteilen nahm er das auf 1 mal die Vier zur\u00fcck. Hatte er hier erst seine Vorlieben zwischen G\u00fcnther&#8217;s und Walter&#8217;s Lieblingsstrategien ins Gleichgewicht bringen m\u00fcssen?<br \/>Nein, sowohl die F\u00fcnf als auch die Vier mu\u00dften richtig sein. Dazu pa\u00dfte nur ein Stern unter dem Becher! So war es dann auch. Wer durchschaut ist, hat verloren!<br \/>Revised Eggert-Faktor: 7. Spielvergn\u00fcgen 10!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem letzten Podcast &#8220;Why Games Are Loud or Silent&#8221; hat Moritz den &#8220;Eggert-Faktor&#8221; eingef\u00fchrt, einen Indikator daf\u00fcr, wie laut es am Spieltisch zugeht. Er hat auch gleich einige Kriterien aufgez\u00e4hlt, die ein Spiel laut oder leise machen. Zwei-Personen-Spiele sind naturgem\u00e4\u00df leiser als Mehrpersonenspiele, strategische Spiele sind leiser als Spiele mit W\u00fcrfeln und \u00dcberraschungen. 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