{"id":1865,"date":"2013-03-07T15:03:19","date_gmt":"2013-03-07T14:03:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1865"},"modified":"2013-03-07T16:00:04","modified_gmt":"2013-03-07T15:00:04","slug":"06-03-2013-dicht-dran-an-der-ruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/03\/07\/06-03-2013-dicht-dran-an-der-ruhr\/","title":{"rendered":"06.03.2013: Dicht dran an der Ruhr"},"content":{"rendered":"<p>Aarons Coming-Out (Oh Gott, ist dieser Begriff hier richtig verwendet?) als begnadeter Spieleautor \u00fcbersteigt alle Erwartungen. Sein \u201eYunnan\u201c wird bei Argentum produziert und erscheint im Oktober in Essen. Auch beim Hippodice Autorenwettbewerb (dem traditionsreichsten deutschen Wettbewerb f\u00fcr angehende Spieleautoren) kam es in die Endausscheidung, wurde dann aber nicht mehr gespielt, weil es bereits einen Verlag hat.<br \/>\nDaf\u00fcr kam jetzt sein zweites Spiel \u201eTrawler\u201c bei Hippodice auf die Empfehlungsliste. \u00dcbermorgen werden die Entscheidungen bekanntgeben, die auch bei Verlagen h\u00f6chste Beachtung finden. Vielleicht kommt dann mehr oder weniger zeitgleich noch ein zweites Aaron-Spiel auf den Markt. Und f\u00fcr seine dritte Erfindung, f\u00fcr das kleine Kartenspiel \u201eDiggers\u201c habe sich auf der internationalen Spieleerfinder Messe in Haar auch gleich zwei Verlage eingehend interessiert.<\/p>\n<p>Die tr\u00e4nenreiche Erfahrung, dass Spieleerfinden eine frustreiche und brotlose Freizeitbesch\u00e4ftigung ist, bleibt Aaron in diesem Jahr gl\u00fccklicherweise erspart.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Dicht dran&#8221;<\/strong><br \/>\nWenn Aaron heutzutage ein Spiel auf den Tisch legt, wird am Westpark schon gefragt: \u201eIst das ein Spiel von Dir?\u201c. War aber nicht. \u201eDicht dran\u201c ist vom Spieleautor Reinhard Staupe, der mit immerhin schon f\u00fcnf seiner Spiele (Basari, Cincinatti, Edel, Stein &amp; Reich, Shit! und Speed) auf unserer Internetseite vertreten ist. Aaron hat das Spiel auf der Messe in N\u00fcrnberg erstanden; ihm ging der Ruf voraus, \u201ebesser zu sein als 6-nimmt\u201c!<\/p>\n<p>Wir arbeiten ebenfalls mit Zahlenkarten, diesmal nur von 1 bis 100. Statt \u201eHornochsen\u201c sind darauf \u201eKnallschoten\u201c abgebildet, als Hobbykoch w\u00fcrde ich sie f\u00fcr simple Pepperoni halten. Eine Karte liegt als Diskriminante in der Tischmitte, darum herum liegen kreisf\u00f6rmig angeordnet vier weitere Karten. In einem zyklischen Verfahren werden immer zwei Kreis-Karten ausgew\u00e4hlt und bilden die \u201eL\u00fccke\u201c.<\/p>\n<p>Aus seiner Kartenhand w\u00e4hlt jetzt jeder Spieler verdeckt eine Karte aus; alle Spieler decken gleichzeitig auf. Wer am n\u00e4chsten an der Diskriminante ist, bekommt diese und die darauf abgebildten Pepperonis als Siegpunkte gutgeschrieben. Wer eine Zahl innerhalb der gegebenen L\u00fccke spielt, darf die Karten sang- und klang- und straflos abgeben. Wer eine Zahl au\u00dferhalb der L\u00fccke spielt, muss soviele neue Karten vom Stapel nachziehen, wie Pepperonis auf seiner ausgespielten Karte abgebildet sind.<\/p>\n<p>Lustig, chaotisch, nicht unbedingt berechenbar, nicht so planbar, aber immerhin von ferne so etwas wie das geniale \u201e6 nimmt\u201c.<\/p>\n<p>Unbefriedigend fanden wir den Spielablauf gegen Ende des Spiel. Wenn ein Spieler nur noch eine Karte auf der Hand hat, dann hat er keine Wahl, er muss diese eine Karte spielen. Wenn diese Karte nicht die Diskriminante gewinnt (was h\u00f6chstwahrscheinlich ist) und die Zahl darauf auch nicht innerhalb der L\u00fccke liegt (wof\u00fcr die Wahrscheinlichkeit ebenfalls bei 75%liegt), so muss der Spieler diese eine Karte ablegen und daf\u00fcr eine Karte nachziehen. Danach steht er vor der gleichen unbefriedigenden Spielsituation vom Freiheitsgrad 0. Hier hat eindeutig eine z\u00fcndende Schlussidee gefehlt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (das Spiel hat einen negativen Spannungsbogen; das Endspiel ist nicht ausgereift), G\u00fcnther: 4 (ein Um-die-Ecke-Denken, daf\u00fcr [leider auch noch] zuf\u00e4llig), Walter: 6 (eigentlich spa\u00dfiger Ablauf, die Mechanik des Hinlegens und die Auswahl von Diskriminante und L\u00fccke sind leicht unhandlich, gegen Schlu\u00df wird man gespielt).<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr \u201eDicht dran\u201c liegt unserer Wertung voll im Trend der Westpark-Noten f\u00fcr Reinhard Staupe. Deshalb wird Aaron vor seinem n\u00e4chsten Spielekauf sicherheitshalber die Rezensionsliste auf unserer Internetseite bez\u00fcglich des Spieleautors konsultieren.<\/p>\n<p>G\u00fcnther fand diese Konstanter-Trend-Schlussfolgerung f\u00fcr \u201estarken Tobak\u201c, so leichtfertig sollte man keinen Autor diskreditieren. Doch immerhin schrieb Moritz schon vor acht Jahren in seiner Rezension zu \u201eEdel, Stein &amp; Reich\u201c: <em>\u201cThe basic mechanics are perhaps more fully realized in other games, and the draw of event cards introduces a high luck element that can either lead to incredible gains or totally useless cards.\u201d Zumindest dieser Trend scheint immer noch beibehalten zu sein.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Ruhrschifffahrt&#8221;<\/strong><br \/>\nEin gro\u00dfes Aufbauspiel um Kohlef\u00f6rderung und Abtransport entlang der Ruhr. Wir sind Kohlebarone und steigen mit unserem Schiffchen ins Gesch\u00e4ft ein. Die wesentliche Aufgabe pro Zug ist es, an einer beliebigen Stelle mit Kohlef\u00f6rderung an der Ruhr \u2013 derer gibt es auf dem Spielplan reichlich viele \u2013 anzulanden, die Kohle zu laden und zu einer Stadt oder einer Schmiede oder gar zum Exporthafen Duisburg-Ruhrort flu\u00dfabw\u00e4rts abzutransportieren. Daf\u00fcr gibt es Geld entsprechend der Qualit\u00e4t der Kohle. Mit dem Geld bauen wir Schleusen (damit die Kohle beim dem mehrmaligen Umladen nicht an Qualit\u00e4t verliert), errichten Lagerh\u00e4user oder beteiligen uns an neuen Kohlegruben.<\/p>\n<p>Normalerweise k\u00f6nnen wir flu\u00dfabw\u00e4rts nur eine kurze Strecke treiben, dann muss ein Abnehmer gefunden sein. Doch mit einem Lotsen, den wir kostenlos engagieren d\u00fcrfen, k\u00f6nnen wir jede beliebige Strecke flu\u00dfabw\u00e4rts zur\u00fccklegen. Um wieder ruhraufw\u00e4rts zu kommen, m\u00fcssen wir \u201etreideln\u201c (ein h\u00fcbsches, heute l\u00e4ngst schon ausgestorbenes Wort, nach Wikipedia: \u201edas Ziehen von Schiffen auf Wasserwegen durch Menschen oder Zugtiere\u201c). Das kostet Geld. Und wenn flu\u00dfaufw\u00e4rts gerade keine Kohle zum Abtransport ansteht, m\u00fcssen wir schnell noch welche f\u00f6rdern. Das kostet ebenfalls Geld. Mit ein bi\u00dfchen Geld ist es nicht schwierig, die Wirtschaft in Gang zu halten, aber eigentlich wollen wir unser Geld ja f\u00fcr siegpunkt-tr\u00e4chtige Investitionen in Schleusen und Lagerh\u00e4user ausgeben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1874\" aria-describedby=\"caption-attachment-1874\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/AaronUndGuentherRuhrschifffahrt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1874\" alt=\"Aaron und G\u00fcnther hinter der Ruhrschifffahrt\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/AaronUndGuentherRuhrschifffahrt-300x282.jpg\" width=\"300\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/AaronUndGuentherRuhrschifffahrt-300x282.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/AaronUndGuentherRuhrschifffahrt-150x141.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/AaronUndGuentherRuhrschifffahrt.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1874\" class=\"wp-caption-text\">Aaron und G\u00fcnther hinter der Ruhrschifffahrt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sehr wichtig ist das richtige Timing beim Ausw\u00e4hlen vom Zielort-Typ: Stadt, Schmiede oder Ruhrort. Wir erhalten daf\u00fcr verschiedenfarbige \u201eEntwicklungssteine\u201c, die uns in bestimmten Kombinationen, z.B. 2 mal Schmiede + 1 mal Stadt, Privilegien gew\u00e4hren, z.B. das Bauen von Lagerh\u00e4usern in der Stadt Essen oder die Kohlef\u00f6rderung in der Grafschaft Mark. Am schnellsten die richtigen Kombinationen erzielt zu haben, bringt uns nahe an den Sieg, denn die Privilegien sind (kostenlos aber) limitiert: wer sie nicht mehr bekommt, verliert leicht pro Privileg zwei bis drei Thaler, die den Gegenwert von ca. zwei Siegpunkten darstellen. G\u00fcnther behauptet zwar, man k\u00f6nne auch durch Auslandsinvestitionen gewinnen, doch er selbst ist diese Schiene (zu seinem Kantersieg) heute nicht gefahren.<\/p>\n<p>Einen klaren Vorteil hat der jeweilige Startspieler. Das ist derjenige, der sein Schifflein an der ruhrobersten Stelle eingesetzt hat. Hier langsam die lukrativen Kohlehalden abzugrasen, und daf\u00fcr zu sorgen, dass die Kohlequellen nicht versiegen, das \u00f6ffnet die g\u00fcnstigsten Gewinnm\u00f6glichkeiten in Gegenwart und Zukunft. Ein h\u00fcbsch intergriertes Spielelement.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (viele nette Elemente, aber trockenes Denkerspiel, ein wenig wuselig; f\u00fcrchtet die Wartezeit in einer 4er Runde), G\u00fcnther: 6 (schwiegiger Zugang, es wird besser bei der Wiederholung. [AbN: Du hast es doch schon zweimal gespielt, warum nur 6 Punkte?]), Walter: 6 (h\u00fcbsch, gut dosierte Interaktion, aber etwas z\u00e4h und keine Steigerung gegen Ende).<\/em><\/p>\n<p>Das Spiel hat das Potential zu einem 9 Punkte Spiel. Die Geographie stimmt, das Thema stimmt, die Spielelemente sind h\u00fcbsch und \u00fcberschaubar, es ist konstruktiv und zielgerichtet. Aber irgendwann wird der Spielablauf zu repetitiv, unsere Aktionen und daraus resultierenden Siegpunkte pendeln sich auf einem konstanten Niveau ein, das wir dann \u00fcber mehrere Runden bis zum Schluss durchhalten m\u00fcssen. Noch ein bi\u00dfchen Steigerung, noch ein bi\u00dfchen Spannung gegen Spielende w\u00e4ren erw\u00fcnscht. Aaron fragte ganz lapidar, nicht einmal provozierend: \u201eUnd warum ist das Spiel 12 Runden lang?\u201c Schon f\u00fcr das &#8211; identische! &#8211; 8 Runden-Spiel k\u00f6nnten die Noten durchschnittlich um 1 Punkt besser sein.<\/p>\n<p>Ein weiterer Punkt w\u00e4re gewonnen, wenn die b\u00f6sen Zufallseinfl\u00fcsse bei den Sonderoptionen schlichtweg weggelassen w\u00fcrden. Warum muss mir hier ein zuf\u00e4lliges \u201eHeute keine Lotsen\u201c die gesamte Rundenplanung \u00fcberhauf werfen?!<\/p>\n<p>Morgen kommt mein Lieblingsneffe mit seiner Familie aus Essen zum Fu\u00dfballspiel Bayern \u2013 Fortuna an. Mal sehen, ob ich ihm hinterher noch die \u201eRuhrschifffahrt\u201c auflegen kann. Damit sie ihre \u201eBayern-Packung\u201c leichter nach Hause transportieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nNachdem Diggers bei zwei Verlagen auf dem Pr\u00fcfstand steht, wollte Aaron ausprobieren, wie das Spiel mit weniger Karten (zur Reduktion der Produktionskosten) ankommt.<\/p>\n<p>Es kam an, auch wenn in einer Dreierrunde andere Mengenverh\u00e4ltnisse herrschen als zu viert. Der Mechanismus ist jedenfalls sehr pfiffig und \u2013 wenigstens f\u00fcr uns \u2013 neu. Die Anfangsphase wird von Kartenpflege beherrscht; hier gibt es ein h\u00f6chst spannungsvolles Lavieren und sich gegenseitig Beluren, auch wenn bewu\u00dft noch keine Siegpunkte eingefahren werden. Doch dann bricht der Damm und die Punkte purzeln nur so heraus. Vor allem f\u00fcr den, der in der Phase der Kartenpflege die richtigen Weichen gestellt hat.<\/p>\n<p><em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><\/p>\n<p>Beim Herumstreichen auf der Tee- und Pferderoute weit hinter der T\u00fcrkei ist Aaron einer gut gesch\u00fctzten hinterindischen Erkenntnis auf die Spur gekommen: \u201eWarum m\u00f6gen Frauen so gerne Schokolade?\u201c Doch am hellerlichten Tage wird dieses Geheimnis hier nicht gel\u00fcftet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aarons Coming-Out (Oh Gott, ist dieser Begriff hier richtig verwendet?) als begnadeter Spieleautor \u00fcbersteigt alle Erwartungen. Sein \u201eYunnan\u201c wird bei Argentum produziert und erscheint im Oktober in Essen. 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