{"id":187,"date":"2008-05-22T10:22:28","date_gmt":"2008-05-22T10:22:28","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=187"},"modified":"2008-05-22T10:22:28","modified_gmt":"2008-05-22T10:22:28","slug":"21052008-romische-zufalle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/05\/22\/21052008-romische-zufalle\/","title":{"rendered":"21.05.2008: R\u00f6mische Zuf\u00e4lle"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Fernseher im Erdgescho\u00df lief die Champignons Lieg. Im Dachgescho\u00df versammelte sich ein harter Kern der Westpark-Gamers und ignorierte die Meisterschaftsentscheidung in der h\u00f6chsten Flu\u00dfball-Klasse mit der gleichen Ignoranz wie der Pr\u00e4sident des FC Bayern die Meisterschaftsfeier auf dem Marienplatz. Vom Kaiser von China ganz zu schweigen. Wir nahmen uns statt dessen die Kaiser des alten Roms zur Brust.<br \/><strong>1. &#8220;History of the Roman Empire&#8221;<\/strong><br \/>Moritz versprach eine verk\u00fcrzte Version von &#8220;History of the World&#8221;. Nur 7 Runden dauert das Spiel, falls Peters U-Bahn einen Strich durch die Rechnung machen sollte, k\u00f6nnten wir immer noch nach 6 Runden abbrechen. Es k\u00e4me dann ohnehin nichts spektakul\u00e4r Neues mehr ins Spiel.<br \/>Die Freude an der Art dieser Simulations-W\u00fcrfel-Kampfspiele schwang bei jedem Satz mit, mit dem er die Regeln vortrug. Er konzentrierte sich dabei sogar auf die sachlichen Fakten und war in knapp 20 Minuten damit durch. So im Groben und Ganzen. Dann \u00fcbernahm Peter das Regelheft und das Korrekturlesen, sowie das begleitende Nachschauen. Jeder tat halt das, was er kann, jeder im Sinne des Spiels und des Spielens; der eine ein Quentchen mehr f\u00fcr den eigenen Vorteil, der andere ein Quentchen mehr f\u00fcr die juristische Unanfechtbarkeit.<br \/>Die Spieler f\u00fchren je einen Barbarenhaufen und einen r\u00f6mischen Legionsverband. Jeder darf gegen jeden k\u00e4mpfen, die Barbaren nat\u00fcrlich vorwiegend gegen die R\u00f6mer und ungekehrt, aber auch R\u00f6mer gegen R\u00f6mer ist an der Tagesordnung. Wie im richtigen Leben.<br \/>Die Bodenk\u00e4mpfe werden mit W\u00fcrfeln ausgetragen, je nach Gel\u00e4ndemerkmal oder nach ausgespielter Zusatzkarte mit 1, 2 oder 3 W\u00fcrfeln gegen 1, 2 oder 3 W\u00fcrfel des Gegners, wobei f\u00fcr jeden Kampf noch W\u00fcrfelbonus und Tiebreaker-Vorteil in Ansatz gebracht werden k\u00f6nnen. (Eine neue leichte \u00dcbung f\u00fcr unseren G\u00fcnther, die Gewinnchancen bei jeder W\u00fcrfel-Konstellation zu berechnen. Beispielsweise gewinnt man gegen den Tie-Breaker mit 1:1 W\u00fcrfeln in ca. 42% aller F\u00e4lle, mit 2:1 W\u00fcrfeln in ca. 58 % aller F\u00e4lle und mit 3:1 W\u00fcrfeln in ca. 66% aller F\u00e4lle.)<br \/>Nach seinem Zug z\u00e4hlt jeder Spieler seine Siegpunkte zusammen. Einfache Pr\u00e4senz, relative Mehrheit und absolute Kontrolle in Provinzen und Dekanaten ergeben Multiplikationsfaktoren zum Besitzstand auf dem Spielbrett. Dazu kommen Bonusse f\u00fcr wohlbehaltene und zerst\u00f6rte St\u00e4dte, wobei Barbaren und R\u00f6mer sowie Rom und der Rest der Welt jeweils nach eigenen Schemata verg\u00fctet werden.<br \/>Ein jeder Spielzug kann ganz sch\u00f6n lange dauern, bis man seine 6 bis 12 Legionen und seine abz\u00e4hlbar vielen Barbarenhorden auf die Schlachtfelder gef\u00fchrt und die jeweiligen K\u00e4mpfe ausgew\u00fcrfelt hat. Selbst Moritz, der in dieser Spielkategorie der unbestrittene Meister ist, konstatierte eine gewisse &#8220;unn\u00f6tige Kompliziertheit&#8221;. Als Loredana zum ersten Mal dran war, hatte sie bereits zum zweiten Male herzhaft geg\u00e4hnt. Dabei war Walter noch \u00fcberhaupt nicht zum Zug gekommen. Der ist mit solchen Spielen ohnehin rettungslos \u00fcberfordert und war froh, die anderen beim lustigen Eroberungsw\u00fcrfeln beobachten zu k\u00f6nnen, bevor er sich selber in das Schlachten st\u00fcrzen mu\u00dfte. Anschlie\u00dfend w\u00fcrfelte er wie ein Quadrat-Aaron und nur die Piet\u00e4t gegen\u00fcber dem heiligen Moritz hielt ihn davon ab, nach jedem Wurf in das def\u00e4tistische Westpark-Gamers-St\u00f6hnen &#8220;I like it&#8221; auszubrechen.<br \/>Peter strahlte wie ein Honigkuchen-Titus, als er den Tempel in Jerusalem zerst\u00f6ren konnte. Gleich darauf, nicht ganz in historischer Chronologie, lie\u00df er als Jubel-Nero auch noch Rom in Flammen aufgehen. Dabei ging es ihm nicht mal um die besten Baupl\u00e4tze, sondern nur um schn\u00f6de Augenblickspunkte, denn als Moritz ihn kurz darauf wieder aus Rom verdr\u00e4ngte, bekannte er in der ihm eigenen Lustmolch-Pyromanie. &#8220;Ich wollte ja nur Rom anz\u00fcnden&#8221;.<br \/>Moritz beschlo\u00df ganz kaltbl\u00fctig, als R\u00f6mer sogar seine eigene Stadt zu pl\u00fcndern, doch Peter konnte mit dem Regelheft in der Hand noch rechtzeitig darauf hinweisen, da\u00df dies in der &#8220;History&#8221;, ganz im Gegensatz zu den \u00fcblichen Verfahren der damaligen r\u00f6mischen Halbstarken, nicht honoriert wird. Hier ist es eine Null-Summen-Elimination, es sei denn, man kann sich dabei en-passant noch zum Alleinherrscher in einer Provinz aufschwingen.<br \/>Das Spiel bietet ausreichend Gelegenheiten zur Kingmakerei, denn mit seinen Zusatzkarten kann man willk\u00fcrlich irgendwelche Mitspieler sch\u00e4digen. Da\u00df dies meistens zu Lasten des F\u00fchrenden eingesetzt wird, d\u00fcrfte man jedoch wohlwollend als gelungenes Spielprinzip anerkennen. Es mag aber auch Zufall sein.<br \/>\u00dcberhaupt gibt es eine Menge Zufall: nicht nur beim Kampfw\u00fcrfeln, beim Zerst\u00f6ren von St\u00e4dten, bei Rebellionen, beim Zuteilen der m\u00e4chtigsten Anf\u00fchrer, beim Auftreten neuer Barbarenhorden, sogar beim Ausw\u00fcrfeln von Siegpunkten. Wenn allein die Kampfentscheidungen etwas rationaler durchgef\u00fchrt w\u00fcrden, h\u00e4tte das durchaus substanztr\u00e4chtige Spiel von uns sicherlich h\u00f6here Noten bekommen. Es hat selbstverst\u00e4ndlich einige handwerkliche Regelprinzipien f\u00fcr spannende Endspiele eingebaut:<br \/>&#8211; Von Runde zu Runde steigendes Kampfpotential mit steigenden Siegpunkt-Quoten<br \/>&#8211; Ausgleich von zugeteilten Potenzschw\u00e4chen durch Vorteile in der Zugreihenfolge. Der schw\u00e4chste darf immer zuerst ran.<br \/>&#8211; Limitierungen des Handlungsspielraums der F\u00fchrenden<br \/>In unterhaltsamem Kampfw\u00fcrfeln spielten wir drei Stunden lang drei Runden lang und beschlossen dann einstimmig aufzuh\u00f6ren. Wir h\u00e4tte es problem- und frustlos, plan- und hoffnungsvoll auch noch l\u00e4nger ausgehalten. Doch dann stand das Elfmeterschie\u00dfen an, und das bekam sogar noch eine h\u00f6here Priorit\u00e4t einger\u00e4umt als Peters Wunsch nach einem verl\u00e4ngerten Ausklang mit Bluff.<br \/><em>WPG-Wertung: Loredana: 6 (zu lange f\u00fcr den irgendwann monoton werdenden Splelablauf), Moritz: 6 (die originellen Ideen waren in &#8220;History of the World&#8221; alle schon mal vorhanden), Peter: 7 (funktioniert, aber es fehlt ein Pfiff), Walter: 6 (gigantischer Zeitvertreib).<\/em><br \/>Sicherlich wird Moritz die &#8220;History&#8221; irgendwann in irgendeinem Podcast nochmals erw\u00e4hnen.<br \/><strong>2. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Rinaldo verscho\u00df seinen Elfmeter, trotzdem haben die Blauen nicht gewonnen und Ballack hat seinen Traum vom Sieg in der K\u00f6nigsklasse immer noch nicht Wirklichkeit werden lassen k\u00f6nnen. Bei uns reichte es reichte noch zu einem Bluff.<br \/>Moritz begann, seine Erstansagen auszuw\u00fcrfeln. Er hatte &#8211; a priori vermutbar, a posteriori erwiesen &#8211; immer gen\u00fcgend Sterne unter dem Becher. Im Endspiel mit 4:2 gegen Peter zog er pl\u00f6tzlich seine Vorgabe von 2 mal Stern auf 1 mal Stern zur\u00fcck. Was kann man daraus schlie\u00dfen? Peter zweifelte an, doch Moritz hatte nur eine durchschnittliche Sternzahl auf eine sichere Sternzahl reduziert.<br \/>Bei Stand von 2:1 hatte Peter mit seinem einen W\u00fcrfel selber einen Stern gew\u00fcrfelt und fing mit 2 mal die F\u00fcnf an. Das war eine Siegwahrscheinlichkeit von zwei Dritteln minus die H\u00e4lfte von einem Sechstel (ungef\u00e4hr). Moritz mit einer Zwei und einer Vier unter dem Becher hatte keine Probleme, das Spiel f\u00fcr sich zu entscheiden.<br \/>Wie w\u00e4re es gekommen, wenn Peter mit 1 mal die Eins begonnen h\u00e4tte? H\u00e4tte dann die Siegwahrscheinlichkeit f\u00fcr ihn auch nur bei ca. 58 % gelegen?<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Fernseher im Erdgescho\u00df lief die Champignons Lieg. Im Dachgescho\u00df versammelte sich ein harter Kern der Westpark-Gamers und ignorierte die Meisterschaftsentscheidung in der h\u00f6chsten Flu\u00dfball-Klasse mit der gleichen Ignoranz wie der Pr\u00e4sident des FC Bayern die Meisterschaftsfeier auf dem Marienplatz. Vom Kaiser von China ganz zu schweigen. 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