{"id":1879,"date":"2013-03-28T17:30:19","date_gmt":"2013-03-28T16:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1879"},"modified":"2013-03-28T17:36:03","modified_gmt":"2013-03-28T16:36:03","slug":"27-03-2013-ora-et-formica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/03\/28\/27-03-2013-ora-et-formica\/","title":{"rendered":"27.03.2013: Ora et Formica"},"content":{"rendered":"<p>Zu der Zeit kam eine gro\u00dfe Teuerung \u00fcber das ganze Land. Eine Weile hielt das Volk geduldig aus; als aber kein Ende war, sannen sie darauf, wie sie sich dagegen helfen k\u00f6nnten, und erfanden allerlei Mittel. Und so wurde um diese Zeit das W\u00fcrfelspiel, das Kn\u00f6chelspiel, das Ballspiel und alle anderen Arten von Spielen erfunden, mit der Ausnahme des Brettspiels [; denn dessen Erfindung halten sich die Lyder nicht zugute.] Mit diesen Spielen erwehrten sie sich des Hungers, indem sie an einem Tag spielten, um ihre E\u00dflust vergessen zu machen, am anderen a\u00dfen sie aber und lie\u00dfen das Spiel und erhielten sich auf diese Weise achtzehn Jahre am Leben. (Diese Geschichte ist kein verfr\u00fchter Aprilscherz. Herodot, um 450 v. Chr, erz\u00e4hlt sie in seinen Historien, lange bevor der 1. April erfunden wurde.)<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Myrmes&#8221;<\/strong><br \/>\n<figure id=\"attachment_1881\" aria-describedby=\"caption-attachment-1881\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesLeereSchuesseln.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesLeereSchuesseln-300x225.jpg\" alt=\"Myrmes: Nach 3 Stunden Spielzeit sind die Vorratssch\u00fcsseln alle leer\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-1881\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesLeereSchuesseln-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesLeereSchuesseln-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesLeereSchuesseln.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1881\" class=\"wp-caption-text\">Myrmes: Nach 3 Stunden Spielzeit sind die Vorratssch\u00fcsseln alle leer<\/figcaption><\/figure>Die Humanisten finden im Namen etwas von Achilles und seinem Ameisenvolk, den Myrmidonen. Ystari hat ein \u201eY\u201c darin gefunden und das reichte ihm f\u00fcr seine traditionelle Namensgebung. Wir spielen im Ameisen-Millieu und lassen unsere Ammen tanzen. Sie erzeugen Larven, Arbeiter, Soldaten und neue Ammen, graben Ausg\u00e4nge aus unserem Ameisenhaufen, lassen uns auf der Entwicklungsleiter zu verbesserten Zugoptionen voranschreiten und setzen unser Besitztum in das Gros der zu erzeugenden Punkte um. Die Arbeiter-Ameisen graben die Erde um (zum Einsammeln von Sand, Erde, und Nahrung, aber auch ein paar Siegpunkte k\u00f6nnen dabei herausspringen), die Soldaten-Ameisen t\u00f6ten herumkrabbelnde Insekten und liefern sie als Nahrung und Siegpunkte nach Hause).<br \/>\nEigentlich liefern sie die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit nicht selber ab: nach jedem Beutemord hauchen sie ihr eigenes Ameisenleben aus. Das Spiel ist ein st\u00e4ndiges Erzeugen und Opfern von Arbeitern und Soldaten, die jeweils nur eine einzige Lebensaufgaben erf\u00fcllen, um dann wieder f\u00fcr die n\u00e4chste Reinkarnation zur Verf\u00fcgung zu stehen.<br \/>\nNur die Ammen besitzen ein ewiges Leben. Neue Ammen k\u00f6nnen aber nicht direkt erzeugt werden, sonst w\u00e4ren die ersten optimalen Spielz\u00fcge ziemlich trivial. Man muss den Umweg \u00fcber Arbeiter und Soldaten und deren Werkeln in der Au\u00dfenwelt w\u00e4hlen, um sie zu vermehren.<br \/>\nDamit noch etwas mehr Variablit\u00e4t in die gro\u00dfe Sch\u00f6pfung des Ameisendaseins ger\u00e4t, gibt es W\u00fcrfel, mit denen die Effekte der einzelnen Spielz\u00fcge (Erzeugung neuer Ameisenwesen etc.) verbessert werden k\u00f6nnen. Die W\u00fcrfel werden zu Beginn jedes der drei \u201eSpieljahre\u201c geworfen und gelten f\u00fcr alle Spieler. Allerdings kann jeder Spieler durch Einsatz von Larven das W\u00fcrfelergebnis zu seinen Gunsten modifizieren. Wenn z.B. f\u00fcr eine Jahreszeit eine Vier gilt, mit der standardm\u00e4\u00dfig die Bewegungsfreiheit der Arbeiter erweitert wird, kann man ein Larve opfern und damit aus der Vier eine F\u00fcnf machen, womit sich bei der Erzeugung von Ameisensoldaten die Geburtenrate erh\u00f6ht. Da fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im Prinzip reichlich Larven vorhanden sind, werden die Unbilden schlechter W\u00fcrfel weitgehend eliminiert; daf\u00fcr werden dadurch die M\u00f6glichkeiten planerischen Vorgehens weiterhin erh\u00f6ht.<br \/>\nKein Wunder, dass in Essen die Spielergemeine wie paralysiert vor dem Spielbrett sa\u00df: Kein Peil f\u00fcr durchschlagend beste n\u00e4chste Z\u00fcge. Deshalb verzichtete Aaron vorsichtshalber auf einen Kauf. G\u00fcnther aber lie\u00df sich nicht abschrecken. Daf\u00fcr hat schon allein der Name Ystari bei uns einen zu guten Klang.<br \/>\nG\u00fcnther pl\u00e4dierte in seiner Regel-Einf\u00fchrung f\u00fcr ein \u201enicht-denkerisches\u201c Vorgehen, also ein schnelles Spielen aus dem Bauch heraus, um die vielf\u00e4ltigen Mechanismen und Abh\u00e4ngigkeiten des Spiels erst einmal kennen zu lernen. Das erinnerte fatal an die \u201eHaltet den Dieb\u201c-Taktik. Es gibt kaum eine Aufforderung, die bei ihm selbst auf weniger fruchtbaren Boden f\u00e4llt. Er kann einfach nicht soeben mal seine Ammen auf irgend ein Aktionsfeld setzen. Er <strong>muss<\/strong> einfach \u2013 mehr oder weniger zwanghaft &#8211; ausrechnen, welcher Zug jetzt, gleich und \u00fcbergleich den besten Ertrag ergibt.<br \/>\nIn einer Situation hatte er ganz alleine noch 4 Arbeiter und 4 Soldaten auf seinem Tableau, w\u00e4hrend f\u00fcr die anderen mit dem Ammenziehen die Spielz\u00fcge bereits vorbei waren. Damit durfte er eine halbe Stunde lang (na ja, leicht \u00fcbertrieben) ganz allein seine Zugoptionen analysieren und bewerten. Weidlich kostete er diese Situation aus. Leider gab es f\u00fcr die anderen weder eine Papstwahl noch ein Spiel der Nationalelf im Fernsehen, um die Wartezeit kurzweilig zu \u00fcberbr\u00fccken.<figure id=\"attachment_1882\" aria-describedby=\"caption-attachment-1882\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesMitFehler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesMitFehler-300x225.jpg\" alt=\"In diese Szene ist ein sachlicher Fehler eingebaut.\" width=\"300\" height=\"225\" class=\"size-medium wp-image-1882\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesMitFehler-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesMitFehler-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/MyrmesMitFehler.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1882\" class=\"wp-caption-text\">In diese Szene ist ein sachlicher Fehler eingebaut.<\/figcaption><\/figure><br \/>\nNach 1 \u00bd Spieljahren schlug Walter vor, die insgesamt 3 Spieljahre auf 2 zu verk\u00fcrzen. Sein Vorschlag fand aber keine Resonanz. Geschlagene 3 Stunden wollten sich seine Mitameisen weiter durch den Insektenwald schlagen. Brav, linear, gefahrlos, spannungslos.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (viel zu wenig Interaktion, viel zu viel Fummelei, keine wachsende Spannung), G\u00fcnther: 6 (schwei\u00dftreibend, leider nicht sehr locker), Horst: 6 (das Spiel funktioniert, die Mechanismen greifen alle, aber spa\u00dfig ist es nicht), Walter: 6 (gewaltige ausbalancierte Konstruktion, aber solit\u00e4r und wenig spielerisch).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>\nEine gute Stunde bis zum Zapfenstreich, da konnte kein weiteres Hauptprogramm mehr auf den Tisch gebracht werden. Aaron packte sein \u201eViva Java\u201c wieder ein. Vor dem abschlie\u00dfenden Bluff-Absacker war noch ein Vor-Absacker angesagt. \u201eTrans Europa\u201c kam da gerade richtig.<br \/>\nJeder Spieler zieht 5 Karten mit Namen von 5 St\u00e4dten irgendwo in Europa und muss sie durch ein reihum Gleisst\u00fcck f\u00fcr Gleisst\u00fcck zu legendes gemeinsames Eisenbahnnetz verbinden. Wer zuerst damit fertig ist, hat gewonnen. Zumindest eine Runde. Alle Mitspieler bekommen Strafpunkte f\u00fcr jedes noch fehlende Verbindungsst\u00fcck. Leicht, locker, konstruktiv, spielerisch.<br \/>\nAber auch ein bi\u00dfchen ungerecht. Wessen St\u00e4dte in allen Ecken Europas verstreut liegen, wie z.B. bei der Kette Madrid-Glasgow-Charkiv-Thessaloniki plus eine weitere Mittelstadt a la Berlin, hat keine Chance, die Runde zu gewinnen. Wer mit mehr zentral gelegenen St\u00e4dten gesegnet ist, wie z.B. London, Malm\u00f6, Vilnius und Florenz, der tut sich damit wesentlich leichter. Wie k\u00f6nnte man dieser Ungerechtigkeit des Schicksals begegnen? Mehrere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge wurden diskutiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Jeder zieht ein paar mehr Karten und darf sich daraus die besten ausw\u00e4hlen. Nicht absolut gerecht aber deutlich gerechter als die starre Zuordnung gem\u00e4\u00df Regelheft.<\/li>\n<li>Jeder darf eine Anzahl \u201cschlechter\u201d St\u00e4dte zur\u00fcckgeben, ggf. gegen Strafpunkte, und sie durch neue Karten zu ersetzen<\/li>\n<li>Alle St\u00e4dekarten werden nicht blind gezogen, sondern \u00f6ffentlich versteigert. (Unsinn! Damit w\u00e4re der ganze psychologische Reiz des Geheimhaltens der eigenen Zielst\u00e4dte dahin.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun ja, Gerechtigkeit ist nicht alles. Auf Dauer gleichen sich Vor- und Nachteile bei der St\u00e4dteverteilung wohl aus. Man muss nur lang genug spielen. Allerdings sorgte heute Horst daf\u00fcr, dass noch nicht einmal jeder Spieler wenigstens einmal Startspieler wurde.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein 7,8 Punkte-Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron konnte ein 2:3-Endspiel gegen Walter f\u00fcr sich entscheiden.<br \/>\nIm ersten Durchgang hatte er die 1-mal-Vier-Standard-Er\u00f6ffnung auf 2 mal die Zwei gehoben. Was sollte Walter jetzt mit einer Zwei, F\u00fcnf und einem Stern unter dem Becher bieten? Seine Erh\u00f6hung auf 2 mal Stern war falsch! Schon von der &#8211; post mortem \u2013 Theorie her. 4 mal die Zwei w\u00e4re es gewesen.<br \/>\nIm zweiten Durchgang ging die Steigerung 1 mal Drei (Aaron), 1 mal F\u00fcnf, 2 mal Drei , 2 mal F\u00fcnf. Aaron gewann mit 3 mal die F\u00fcnf! Was hatte beide wohl unter ihren Bechern?<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu der Zeit kam eine gro\u00dfe Teuerung \u00fcber das ganze Land. Eine Weile hielt das Volk geduldig aus; als aber kein Ende war, sannen sie darauf, wie sie sich dagegen helfen k\u00f6nnten, und erfanden allerlei Mittel. 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