{"id":1911,"date":"2013-05-30T14:24:29","date_gmt":"2013-05-30T13:24:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1911"},"modified":"2013-06-01T16:35:12","modified_gmt":"2013-06-01T15:35:12","slug":"29-05-2013-belfort-on-pergamon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/05\/30\/29-05-2013-belfort-on-pergamon\/","title":{"rendered":"29.05.2013: Belfort on Pergamon"},"content":{"rendered":"<p><em> \u201eDer Charakter einer Nation spiegelt sich nirgends aufrichtiger ab als in ihren Spielen: keine Ver\u00e4nderung in diesen, die nicht entweder die Vorbereitung oder die Folge einer Ver\u00e4nderung in ihrem sittlichen oder politischen Zustande w\u00e4re.\u201c<\/em> (Christoph Martin Wieland, 1733 &#8211; 1813)<br \/>\nDer gute Mann lebte offensichtlich lange vor der Zeit der Globalisierung.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Belfort&#8221;<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Essen 2011 war das Spiel der kanadischen Autoren Jay Cormier &amp; Sen-Foong Lim mit viel Vorschu\u00dflorbeeren angek\u00fcndigt, dann aber doch nicht rechtzeitig fertig geworden. Umso gr\u00f6\u00dfer waren die Erwartungen, als es dann endlich erschien. Aaron wollte zugreifen, Horst hat zugegriffen. Heute kam es erstmals bei uns auf den Tisch.<br \/>\nWir haben es mit <em> \u201eeinem der tausend Workerplacement Spiele&#8221;<\/em> zu tun, die den geplagten Spiele-Redakteuren gro\u00dfer Verlage ununterbrochen das Haus einrennen. An diesem Spielcharakter \u00e4ndert sich bei \u201eBelfort\u201c auch nichts, wenn unsere Arbeiter \u201eElfen\u201c und \u201eZwerge\u201c hei\u00dfen, und wir \u201eGnomen\u201c einsetzen m\u00fcssen, um unsere Einnahmequellen kr\u00e4ftiger sprudeln zu lassen.<br \/>\nIn sieben Spielrunden zu je f\u00fcnf Phasen<\/p>\n<ul>\n<li>werben wir Arbeiter an.<\/li>\n<li>lassen wir unsere Arbeiter Rohstoffe und Geld nach Hause tragen.<\/li>\n<li>tauschen wir unseren aktuellen Rohstoffbesitz in die ben\u00f6tigte Zusammensetzung um.<\/li>\n<li>kaufen wir Baugenehmigungen<\/li>\n<li>bauen wir Geb\u00e4ude, \u201eGilden\u201c, T\u00fcrme und Festungen in den f\u00fcnf verschiedenen St\u00e4dten, und versuchen damit Mehrheiten zu bekommen, die in drei Wertungen honoriert werden.<\/li>\n<li>kassieren wir die Einnahmen f\u00fcr unser aktuelles Besitztum.<\/li>\n<li>zahlen wir linear steigende Steuern f\u00fcr unseren Besitz<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beim Nutzen von \u201cGilden\u201d erhalten wir Vorteile in Form von Rohstoffen oder Geld. Das ist ja noch in Ordnung. Doch es gibt auch z.B. eine \u201eDiebes-Gilde\u201c oder eine \u201eBanditen-Gilde\u201c, die es erlauben, einem <strong>beliebigen<\/strong> Mitspieler Geld oder Rohstoffe entsch\u00e4digungslos wegzunehmen. Herrschaftszeiten, sterben denn solche unberechenbaren, anst\u00f6\u00dfigen, willk\u00fcrlichen Spielelemente mit Kingmaker-Potential nicht aus?!<figure id=\"attachment_1913\" aria-describedby=\"caption-attachment-1913\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/HorstVorBelfort.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/HorstVorBelfort.jpg\" alt=\"&quot;Crazy Horsts Handelsposten\" width=\"350\" height=\"467\" class=\"size-full wp-image-1913\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/HorstVorBelfort.jpg 350w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/HorstVorBelfort-112x150.jpg 112w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/HorstVorBelfort-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1913\" class=\"wp-caption-text\">Horst neben &#8220;Crazy Horsts Handelsposten&#8221; in Belfort<\/figcaption><\/figure><br \/>\nWalter wurde Startspieler und belegte sofort das <strong>einzige<\/strong> Feld, auf dem man weitere Belegschaft anheuern darf. Es ist ja schon seit Marxens Zeiten ein triviales Wissen, dass die Erweiterung der Produktionsmittel eine exponentialle Steigerung der Ertr\u00e4ge mit sich bringt. Je fr\u00fcher desto ponenter.<br \/>\nKein Mitspieler opferte Personal, um Walter diese Startspielerrolle zu nehmen, so dass er sich auch in der zweiten Spielrunde noch einen Arbeiter zulegen konnte. Diesmal schon quasi umsonst, da er ja mit dem zus\u00e4tzlichen Arbeiter aus der ersten Runde bezahlt werden konnte. Dann erst griff Aaron ein und reservierte f\u00fcr sich die Startspielerrolle. Walter kam ans Ende der Zugreihenfolge. Doch das war f\u00fcr ihn zu diesem Zeitpunkt eher ein Geschenk: In einem Spiel, in dem an allen Ecken und Enden Mehrheiten honoriert werden, erlaubt es ein besonderes Schwelgen im eigenen massigen Einsatzpotential, wenn  man als Zug-Letzter \u00fcberall die Z\u00fcnglein an der Waage zu seinen Gunsten umkippen lassen kann. Runde f\u00fcr Runde baute er diesen Vorteil zu einen uneinholbaren Vorsprung aus.<br \/>\nNach der dritten und der vierte Runde bot er jeweils einen Spielabbruch an. Immerhin hatten wir bereits anderthalb Stunden gespielt und das Spiel ausreichend kennengelernt. \u201eEs \u00e4ndert sich nichts mehr!\u201c Aaron unterstrich leicht frustriert : \u201eEs \u00e4ndert sich seit der ersten Runde nichts mehr!\u201c Trotzdem warfen beide abgeschlagenen Konkurrenten nicht das Handtuch, sondern bissen tapfer die Z\u00e4hne zusammen und tranken das Belforter Met bis zur bitteren Neige.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (Hat leider so gar nichts, was mich vom Hocker rei\u00dft, keine neue Idee, ungel\u00f6ste Startspieler-Problematik, dass die f\u00fchrenden Spieler \u201eStrafsteuern\u201c zahlen m\u00fcssen &#8211; ein vergeblicher Versuch, die fehlende Balance zu retten &#8211; , ist \u201efast peinlich\u201c.), Horst: 5 (belanglos; \u201eim Fu\u00dfball w\u00fcrde ich sagen, es l\u00e4uft unrund\u201c), Walter: 5 (einschlie\u00dflich eines Sympathiepunktes f\u00fcr das Brettspiel-Entwicklungsland Kanada: das Spiel funktioniert, aber pl\u00e4tschert emotionslos vor sich hin.)<\/em><\/p>\n<p>Wir mu\u00dften die T\u00fcr zum Spielzimmer nicht schlie\u00dfen, um die Ohren der Hausfrau vor unseren orgiastischen Begeisterungsst\u00fcrmen zu sch\u00fctzen. Es gab keine. Nicht einmal einen Lacher.<br \/>\nBei Boardgamegeek steht \u201cBelfort\u201d in der ewigen Bestenlisten unter sechzigtausend Spielen mit vorz\u00fcglichen 7,47 Punkten in 1972 Bewertungen an 119ter Stelle. Schauen wir mal hin, wie die H\u00f6chst-Noten-Vergeber ihre Euphorie kommentieren:<br \/>\nMelissa: <em>\u201eFrom my mom for Xmas &#8211; 2011!\u201d<\/em> \u2013 Piet\u00e4t oder Einf\u00e4ltigkeit?<br \/>\nRick: <em>\u201cAny game my wife likes and plays&#8230; I love.\u201d<\/em> \u2013 Gelten Rick\u2019s 10 Punkte jetzt f\u00fcr das Spiel oder f\u00fcr seine Ehefrau?<br \/>\nSimon: <em>\u201dIt is astonishing how well the theme works in this game.\u201d <\/em> &#8211; Horst hat uns bei seiner Regeleinf\u00fchrung das Thema total unterschlagen. Jetzt erst, beim Verfassen des Reports suchte ich das Thema in der Spielanleitung, und was finde ich? Den lapidaren Satz: <em>\u201eIn Belfort lassen die Spieler ihre Mannschaften aus <strong>Elben<\/strong> und <strong>Zwergen<\/strong> unterschiedliche Aufgabe erf\u00fcllen.\u201c<\/em> Mann-o-mann, ist <strong>das<\/strong> ein Thema! Man kann die Elfen regelrecht trapsen h\u00f6ren! Horst hat uns gewaltig etwas vorenthalten.<br \/>\nBoom: \u201cI adore Belfort and might want to marry it. Maybe someday when that&#8217;s legalized &#8230;\u201d &#8211; Jetzt mu\u00dfte ich doch glatt bei Wikipedia nachschauen, ob  \u201eBoom\u201c und \u201eBelfort\u201c M\u00e4dchen- oder Jungennamen sind, und ob in Kanada die Homoehe schon erlaubt ist &#8230;<br \/>\nWir am Westpark gingen eher konform mit den Kommentaren am unteren Ende der Skala. Godonow vergab 5 Punkte f\u00fcr <em>\u201cbeautiful but booooring\u201d <\/em> F\u00fcr Eric war Belfort als <em>\u201dtoo long and too slow-paced for my taste\u201d<\/em> nur 4 Punkte Wert und Dvonn bildete mit seinen 3 Punkten f\u00fcr <em>\u201cabsolutely no dynamics\u201d<\/em> keinesfalls das Schlusslicht.<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Pergamon&#8221;<\/strong><br \/>\nNein, wir sind keine alten Griechen, wir leben in der Neuzeit und lassen uns vom Forschungsministerium Gelder auszahlen, um auf dem Boden der antiken Stadt Pergamon Ausgrabungen durchzuf\u00fchren.<br \/>\nF\u00fcnf Stollen stehen als Fundst\u00e4tten zur Auswahl. Pro Runde d\u00fcrfen wir einen davon ausbeuten. Die St\u00fccke in den Stollen kommen peut-a-peut ans Tageslicht. Wenn in einem Stollen mangels Interesse nicht gegraben wird, h\u00e4ufen sich dort die Fundst\u00fccke. Mit den Fundst\u00fccken bestreiten wir Ausstellungen, die periodisch (mit Siegpunkten) bewertet werden. Die Ausstellungen bleiben f\u00fcr mehrere Wertungen erhalten, verlieren aber im Laufe der Zeit, vor allem aber auch bei der Pr\u00e4sentation h\u00f6herwertiger Ausstellungen st\u00e4ndig an Wert.<br \/>\nBemerkenswert ist das Einheimsen der Forschungsgelder. Wir wissen nicht genau, wieviel der Minister zu spendieren bereit ist, wir kennen nur die Gr\u00f6\u00dfenordnung seiner Dotierung: 2 bis 8, 6 bis 12 oder 10 bis 16 Forschungsdollar werden pro Runde ausgesch\u00fcttet. Wer bescheiden ist und nur wenig fordert, wird als Erster bedient und darf sich auch als Erster einen Stollen aussuchen; wer viel bzw. am meisten fordert, bekommt den Rest des Geldes &#8211; viel oder auch gar nichts, je nachdem wieviel Gelder insgesamt zur Verf\u00fcgung standen \u2013 und darf als letzter seinen Spaten in die Hand nehmen.<br \/>\nVon unserem eingereichten Forschungsauftrag h\u00e4ngt auch ab, in welchen Stollen wir graben d\u00fcrfen. Um z.B. in dem tiefsten Stollen mit den aktuell meisten Fundst\u00fccken zu graben, m\u00fcssen wir schon eine erkleckliche Summe an Forschungsgeldern fordern. Es sei denn, wir schie\u00dfen daf\u00fcr aus eigener Tasche zu.<br \/>\nEs ist ein h\u00fcbsches Lavieren um die H\u00f6he der geforderten Gelder, um die Priorit\u00e4t bei Graben, um die Anzahl, den Zeitpunkt und den Wert der Ausstellungen, und um die n\u00e4chste Startspieler-Position. Schnell, pfiffig und ausbalanciert. Eine gelungene Mischung aus Gl\u00fcck, mittelfristiger Planung und opportunistischem Zugreifen.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (solide; netter Bietmechanismus), Horst: 7 (kurz, flott, kein Schwei\u00dftreiber), Walter: 7 (spielerisch mit kalkulatorischen Einlagen, h\u00fcbsche neue Ideen &#8211; oder zumindest alte Ideen im neuen Gewand &#8211; gut pr\u00e4sentiert.)<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nAarons Eigenentwicklung eines flotten, spielerischen, planerischen Kartenspiels mit einem H\u00f6chstma\u00df an Interaktion hat bei uns h\u00f6chste Anerkennung gefunden. Doch bei den professionellen Verwaltern von Lieschen M\u00fcllers Feld-Wald-Wiesen-Geschmack ist seine feine Balance zwischen Zufall und Berechnung noch nicht erkannt worden: <em>\u201eF\u00fcr ein Gl\u00fccksspiel zu viel Planung, f\u00fcr ein Planspiel zu viel Gl\u00fcck!\u201c<\/em> lautete ein Bescheid.<br \/>\nAaron hatte nun zusammen mit seinem Autoren-Kollegen Frank versucht, Lieschen M\u00fcller mehr gerecht zu werden und neue Zufalls-, Chaos- und Miesnickeligkeits-Komponenten einzubauen. Bei uns fiel er damit durch. Nach zwei Runden war Walter nicht l\u00e4nger bereit, mit diesen neuen Regelvarianten weiterzuspielen. Das Spiel ist perfekt, so wie es war. Lieschen M\u00fcller ist es nicht.<br \/>\n<em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><\/p>\n<p><strong>Gruss<\/strong><br \/>\nHallo Ulf, falls Du das hier liest: Viele Gr\u00fc\u00dfe an Dich, an Frau Heusinger und Deinen BC N\u00fcrnberg Museum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Charakter einer Nation spiegelt sich nirgends aufrichtiger ab als in ihren Spielen: keine Ver\u00e4nderung in diesen, die nicht entweder die Vorbereitung oder die Folge einer Ver\u00e4nderung in ihrem sittlichen oder politischen Zustande w\u00e4re.\u201c (Christoph Martin Wieland, 1733 &#8211; 1813) Der gute Mann lebte offensichtlich lange vor der Zeit der Globalisierung. 1. &#8220;Belfort&#8221; F\u00fcr Essen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/05\/30\/29-05-2013-belfort-on-pergamon\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">29.05.2013: Belfort on Pergamon<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[419,394,420],"class_list":["post-1911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende","tag-belfort","tag-diggers","tag-pergamon"],"views":5045,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1911"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1911\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}