{"id":192,"date":"2008-07-03T13:12:52","date_gmt":"2008-07-03T13:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=192"},"modified":"2008-07-03T13:12:52","modified_gmt":"2008-07-03T13:12:52","slug":"02072008-keltis-messe-und-gute-spiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/07\/03\/02072008-keltis-messe-und-gute-spiele\/","title":{"rendered":"02.07.2008: Keltis, Messe und gute Spiele"},"content":{"rendered":"<p>Die Schlacht um das &#8220;Spiel des Jahres 2008&#8221; ist geschlagen. Traditionell sind manche (hallo Wilhelm, nicht alle!) Vielspielerkreise \u00fcber das Ergebnis aufgebracht. Wir wollen uns diesmal mit Schelte zur\u00fcckhalten.<br \/>&#8220;Keltis&#8221; hat gewonnen. Am Westpark hat es noch nicht aufgelegen. Moritz hatte ihm in seinem j\u00fcngsten Podcast die gr\u00f6\u00dften Chancen einger\u00e4umt. Ein einfaches Familienspiel, &#8220;Stone Age&#8221; war dagegen viel zu \u00fcberqualifiziert.<br \/>Laut Aaron mu\u00df man es mit hohem Risiko spielen, sonst ist es sinnlos. G\u00fcnther kannte es als aufgepepptes &#8220;Lost City&#8221; schon von den M\u00fcnchener Spuiratzn her und hat es sich angeschafft. Demn\u00e4chst wird es wohl auch bei uns einmal gespielt werden.<br \/>In vier Tagen wird auch Moritz&#8217; erste geistliche Komposition zum ersten Mal gespielt. Moritz kann n\u00e4mlich nicht nur Fu\u00dfball-Oratorien und Fu\u00dfballetts schreiben, sondern auch eine richtige Messe f\u00fcr Vokalsextett, Chor und Orchester. Zum Weihefest der M\u00fcnchener Michaelskirche wird sein Werk uraufgef\u00fchrt. In der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone stehen schon dicke Plakate, die seine &#8220;Eggert-Messe&#8221; ank\u00fcndigen: f\u00fcr den 6. Juli um 9 Uhr. Eintritt frei.<br \/><strong>1. &#8220;Wie verhext!&#8221;<\/strong><br \/>Vor zwei Monaten zum ersten Mal am Westpark gespielt, konnte es damals nur eine verhaltene Begeisterung ausl\u00f6sen. Inzwischen hat Aaron offensichtlich neue Eingebungen erhalten, mit deutlicher Euphorie schlug er es heute als Ouvert\u00fcre vor. G\u00fcnther und Walter waren sofort bereit, dem Spiel eine neue Chance zu geben, schlie\u00dflich hat es sich bis in die Endausscheidung zum &#8220;Spiel des Jahres&#8221; durchschlagen k\u00f6nnen. Peter und Loredana waren eher skeptisch, doch was k\u00f6nnen schon Elite-Denker gegen die unbegr\u00fcndeten Euphorien der Masse ausrichten.<br \/>Alle Spieler bekommen die gleichen 12 Karten und m\u00fcssen f\u00fcr eine Spielrunde 5 Karten daraus ausw\u00e4hlen. Der Startspieler spielt davon jeweils eine beliebige Karte aus. Alle nachfolgenden Spieler m\u00fcssen die gleiche Karte zugeben, falls sie sie auch in ihrem 5er Sto\u00df ausgew\u00e4hlt haben. Wer keine gleiche Karte ausgew\u00e4hlt hat, pa\u00dft und gibt \u00fcberhaupt keine Karte zu.<br \/>Die letzte ausgespielte Karte gewinnt den &#8220;Stich&#8221;, alle anderen sind nutzlos vertan. Warmduscher, die gegen die gleiche Karte der Vorderm\u00e4nner gewonnen haben, d\u00fcrfen allerdings auf den Sieg verzichten &#8211; aus Angst, da\u00df ein weiterer Hintermann ihn noch wegschnappen k\u00f6nnte &#8211; und sich mit einem Teilsieg begn\u00fcgen.<br \/>Wer den &#8220;Stich&#8221; gewonnen, darf entsprechend der ausgespielten Karte:<br \/>a) Zutaten sammeln<br \/>b) Gold einhandeln<br \/>c) den Mitspielern Karten oder Geld wegnehmen<br \/>d) mit Zutaten Zaubertr\u00e4nke herstellen<br \/>e) mit Zutaten Zauberspr\u00fcche erf\u00fcllen<br \/>Ist &#8220;Wie verhext!&#8221; jetzt ein Stich-Kartenspiel? Irgendwie schon, denn jeweils eine der ausgespielten Karten gewinnt. Allerdings sind die Freiheitsgrade beim Spielen \u00e4u\u00dferst gering. Die Freiheiten beim Ausw\u00e4hlen der 5 Karten aus der Kartenhand von 12 Karten kann man sich lediglich einbilden, herrscht hier doch nur ein mehr oder weniger blinder Hols-der-Geier-Zufall. Der Freiheitsgrad des Startspielers beim Ausspielen der ersten Karte besteht im Wesentlichen ebenfalls nur aus Illusion. Man kann h\u00f6chstenfalls versuchen, als Startspieler die am wenigsten brauchbare Karte loszuwerden, weil man damit ohnehin nur selten einen Blumenpott gewinnen wird. Das Zugeben zur ausgespielten Startspielerkarte enth\u00e4lt dann absolut keinen Freiheitsgrad mehr: entweder hat man die gleiche Karte in der Hand und mu\u00df sie zugeben, oder man hat sie nicht auf der Hand und mu\u00df passen.<br \/>Beim Zugeben kann man noch zwischen Warmduscher-Alternative oder Alles-oder-nichts-Haltung w\u00e4hlen. Reicht das schon f\u00fcr ein gelungenes Familienspiel? Ach, lassen wir die traditionelle Schelte an den SdJ-Entscheidungen sein. Es ist, was es ist, sagt die Liebe.<br \/>Walter versuchte eine &#8220;gemischte&#8221; Strategie. Er w\u00e4hlte 1 bis 2 Karten aus, die er f\u00fcr sinnvoll hielt, die anderen 3-4 Karten zog er blind aus seiner gemischten Kartenhand dazu. Erfolgreich war das nicht, ganz im Gegenteil. Allerdings hatte er beim seinem Loser-Vorgehen auch mehrmals die Warmduscher-Variante \u00fcbersehen, die bei seinen gestapelten Gold- und Zutaten-Vorr\u00e4ten durchaus angemessen gewesen w\u00e4re. Peter kommentierte: &#8220;Das ist die einzige strategische Entscheidung im Spiel, und die vermasselt er auch noch!&#8221; Aaron f\u00fcgte prophylaktisch hinzu: &#8220;Das kreidest Du bitte dem Spiel nicht an!&#8221; Er h\u00e4lt &#8220;Wie verhext!&#8221; also immer noch f\u00fcr SdJ-auswahlw\u00fcrdig.<br \/>Bei uns dauerte das Spiel weit \u00fcber eine Stunde. Lag es vielleicht an Walter Mischen? Oder an G\u00fcnthers konsequentem Denken. Selbst mit nur zwei Karten in der Hand gr\u00fcbelte er als Startspieler stundenlang, welche er jetzt davon zum besten geben sollte. Als wir die lange Spielzeit seinem ma\u00dflosen \u00dcberlegen zum Vorwurf machten, meinte er nur lakonisch: &#8220;Wir \u00fcberlegen ja bei jedem Spiel&#8221;. Darf man hier fragen: &#8220;Wer&#8221;?<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (bleibt), G\u00fcnther: 4 (bleibt), Loredana: 7 (h\u00f6rt, h\u00f6rt), Peter: 6, Walter: 5 (one down)<\/em><br \/>Diese zweite Erw\u00e4hnung in einem Sessionreport der Westparker wird wohl unsere h\u00f6chste Auszeichnung f\u00fcr &#8220;Wie verhext!&#8221; bleiben.<br \/><strong>2. &#8220;Manila&#8221;<\/strong><br \/>Eines der vielen Kandidaten, die Aaron mit seinem neu-implementierten Spiele-Finder f\u00fcr heute Abend herausgesucht hatte.<br \/>Die Spieler ersteigern den Hafenmeister und die besten Arbeitspl\u00e4tze rund um die kaufm\u00e4nnische Seefahrt. Wer erfolgreich Waren transportiert, bekommt seinen Anteil am Warenerl\u00f6s. Wer im Hafen die L\u00f6scharbeiten \u00fcbernimmt, bekommt einen angemessenen Lohn. Wer liegengebliebene Schiffe in der Werft repariert, wird dort bezahlt. Weiterhin kann man sich als Versicherungsagent oder als Pirat beteiligen. Alles kann Gewinn einbringen, und wie im richtigen Leben gilt hier: je solider die Arbeit, desto geringer der Lohn.<br \/>Bei uns kostete der Hafenmeister wie immer zwischen 25 und 35 Gulden. Ist er das wert? Sicherlich ist der Hafenmeister umso wertvoller, je h\u00e4ufiger man ihn ersteigert. Am besten ist es, wenn man ihn JEDES MAL ersteigert und somit als einziger Warenkarten erwirbt und zum H\u00f6chstpreis bringt. Kann man aber JEDES MAL den Hafenmeister ersteigern?<br \/>Meine Behauptung, da\u00df das ginge, steht auf wackligen F\u00fc\u00dfen. Als Hafenmeister hat man zwar bei allen Postenbesetzungen die erste Wahl und sollte dementsprechend den gr\u00f6\u00dften Gewinn machen. Weiterhin kann man auch als einziger f\u00fcr 5 Gulden eine Warenkarte kaufen und daf\u00fcr einen 12-Gulden-Kredit aufnehmen, man gewinnt also um 7 Gulden mehr Liquidit\u00e4t als seine Mitspieler. Doch wenn der Hafenmeister mehr kostet als der Liquidit\u00e4tsgewinn plus den Vorteil, den man vielleicht \u00fcber die Priorit\u00e4t beim Postenschacher bekommt, dann hat man hinterher weniger Barmittel als die Konkurrenz. Wehret den Anf\u00e4ngen, hei\u00dft es also auch hier!<br \/>Ein wundersch\u00f6nes Spiel mit viel Interaktion und vielen h\u00fcbschen Spielideen. Keinesfalls zu kompliziert und ein Quell der Freude f\u00fcr jede normale Spielerfamilie. Es h\u00e4tte in seinem Erscheinungsjahr die Auszeichnung zum Spiel des Jahres gewi\u00df verdient gehabt. Doch es hat es nicht einmal bis in die Auswahlliste gebracht. Immerhin wurde es von der Menge der Spielbegeisterten im Jahr 2005 mit dem 3. Platz beim Deutschen Spielepreis geehrt.<br \/>&#8220;Das ist ein German Game, bei dem ich stolz bin, ein Deutscher zu sein!&#8221; sagte heute einer unserer Westparker. Allerdings ist er patriotisch so zart besaitet, da\u00df er in der \u00d6ffentlichkeit die Autorenschaft f\u00fcr diesen markigen Spielersatz nicht \u00fcbernehmen will. Ohne eine Sekunde zu z\u00f6gern sprang hier deshalb seine rum\u00e4nische Lebensgef\u00e4hrtin f\u00fcr ihn ein.<br \/><em>WPG-Wertung: Peter und Loredana blieben mit je 8 Punkten im oberen Wertungsfeld.<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>Ebenfalls ein konstruktives, lockeres Familienspiel, das seinerzeit einen Platz in den Siegerlisten zum Spiel des Jahres verdient h\u00e4tte. Wenn Jury und Auswahlkriterien \u0085 &#8211; ach, lassen wir das.<br \/>Peter bekannte, da\u00df er das Spiel schon oft gespielt, aber noch nie gewonnen habe. Aaron schlug deshalb vor, Peter heute gewinnen zu lassen. Peter bat, das solle dann bitte nicht allzu offensichtlich geschehen. Ist das denn m\u00f6glich?<br \/>Aaron baute ganz unmotiviert eine Strecke zu Peters Bukarest und Peter konnte einen Rundensieg f\u00fcr sich reklamieren, ohne \u00fcberhaupt das letzte Gleisst\u00fcck legen zu m\u00fcssen. Am Ende standen sie beide zusammen auf dem obersten Siegertreppchen. Wenn das keine g\u00f6ttliche F\u00fcgung war!<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein mit 7,6 Punkten gehandeltes Spiel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schlacht um das &#8220;Spiel des Jahres 2008&#8221; ist geschlagen. Traditionell sind manche (hallo Wilhelm, nicht alle!) Vielspielerkreise \u00fcber das Ergebnis aufgebracht. Wir wollen uns diesmal mit Schelte zur\u00fcckhalten.&#8220;Keltis&#8221; hat gewonnen. Am Westpark hat es noch nicht aufgelegen. 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