{"id":1920,"date":"2013-06-14T19:27:56","date_gmt":"2013-06-14T18:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1920"},"modified":"2013-06-14T19:55:55","modified_gmt":"2013-06-14T18:55:55","slug":"12-06-2013-viagra-mit-links","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/06\/14\/12-06-2013-viagra-mit-links\/","title":{"rendered":"12.06.2013: Viagra mit Links"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich am Stra\u00dfenrand stehe, mein Pferd vor mir auf der Stra\u00dfe, ich darauf aufsteige und ohne zu wenden und ohne die Seite zu wechseln losreite: auf welcher Stra\u00dfenseite reite ich dann? Richtig: auf der LINKEN! Eine plausible Begr\u00fcndung f\u00fcr den Linksverkehr im Mittelalter.<\/p>\n<p>Eine andere plausible Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist, dass Rechtsh\u00e4nder beim Vorbeireiten sich mit dem Schwert leichter eines \u00fcber die R\u00fcbe geben konnten.<\/p>\n<p>Erst das revolution\u00e4re Frankreich unter Robespierre schrieb den Rechtsverkehr f\u00fcr Paris vor; Napoleon weitete dieses Gesetz zun\u00e4chst auf ganz Frankreich, dann auf den gesamten europ\u00e4ischen Kontinent aus. Nur K\u00f6nigin Elisabeth blieb f\u00fcr sich und in ihrem England bei links.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;La Loire&#8221;<\/strong><br \/>\nLinks-Loireisch oder rechts-loireisch reist unser mittelalterlicher H\u00e4ndler und unser Postkutscher im Linksverkehr zwischen Nantes und Orleans hin und her. Der H\u00e4ndler kauft unterwegs in den D\u00f6rfern Waren ein und verkauft sie auf den M\u00e4rkten der St\u00e4dte. Der Postkutscher transportiert jeweils ein Postgut zu einem zuf\u00e4llig gezogenen Ziel-Dorf, irgendwo auf seiner Postroute.<\/p>\n<p>Mit dem Gewinn aus Transport und Verkauf leisten wir uns Hilfskr\u00e4fte, die es erlauben, mehr und gr\u00f6\u00dfere Postg\u00fcter zu transportieren, die unsere Warenerl\u00f6se steigern, und vor allem welche, die uns beim Hantieren mit den Postpferden helfen. Diese Pferde sind das Neue, das Pfiffige im Spiel: Wir m\u00fcssen genau so viele Schritte gehen, wie wir Postpferde angespannt haben. Liegt unser Zielort n\u00e4her, so m\u00fcssen wir rechtzeitig Pferde ausspannen und in der Landschaft herumstehen lassen. Haben wir gr\u00f6\u00dfere Strecken zur\u00fcckzulegen, so sollten wir uns so schnell wie m\u00f6glich zus\u00e4tzliche Pferde besorgen. Dann ist es gut, wenn in den D\u00f6rfern um uns herum gen\u00fcgend herrenlose Pferden herumstehen.<\/p>\n<p>Der \u201eHufschmied\u201c kann seine Zusatzpferde auch aus entfernteren Gegenden herbeischaffen, der \u201eKnappe\u201c kann pro Zug gleich zwei neue Pferde anschirren, der \u201eKundschafter\u201c darf bis zu drei Pferde vor seine Kutsche angespannt haben, der \u201eNarr\u201c darf mit Vollgas beim Zirkus vorfahren und die \u201eSchildwache\u201c bremst unser Gef\u00e4hrt in Nantes und Orleans auch bei h\u00f6hren Geschwindigkeiten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1925\" aria-describedby=\"caption-attachment-1925\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/LaLoire.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1925\" alt=\"Linksverkehr an der Loire\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/LaLoire.jpg\" width=\"500\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/LaLoire.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/LaLoire-150x117.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/LaLoire-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1925\" class=\"wp-caption-text\">Linksverkehr an der Loire<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir k\u00f6nnen Bauernh\u00f6fe, Burgen und Kl\u00f6ster in die Landschaft bauen, um den Waren- und Postverkehr anzukurbeln, um billiger einzukaufen, mehr Post zu laden und auf der Siegpunktleiste fortzuschreiten. Wir k\u00f6nnten &#8230; wir konnten es aber nicht! Nach einer Stunde Spielzeit hatte jeder gerade mal ein einziges H\u00e4uschen gebaut, im erzwungenen Schneckentempo aber noch nicht nutzen k\u00f6nnen. Wir zogen immer noch mit lediglich einem einzigen Postauftrag unsere Halbkreise. Unsere Knappen, Kundschafter und Narren l\u00fcmmelten arbeitslos herum, weil unsere Nahziele keine Zusatzpferde erlaubten oder weil gerade keine herumstanden. Und G\u00fcnther hatte auf der 15-punktigen Siegpunktleiste gerade den ersten Siegpunkt verbucht.<\/p>\n<p>Walter brachte den Vorschlag zum Spielabbruch vor, und alle waren umgehend damit einverstanden. G\u00fcnther gestand sogar, dass in seiner ersten Begegung mit \u201eLa Loire\u201c bei den M\u00fcnchener Spuiratzn, einer hartgesottenen Truppe von notorischen Nicht-Abbrechern, das Spiel ebenfalls abgebrochen worden war. Das Spiel hat etwas, sonst h\u00e4tte es G\u00fcnther wohl nicht aufgetischt. Aaron und Walter f\u00fchlten das gewisse Etwas, aber trotz intensiven Nachdenkens konnten sie es nicht in Worte fassen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (zu langsam, zu viele Fruststellen, denkt aber immer noch dar\u00fcber nach, was ihm an dem Spiel gefallen hat.), G\u00fcnther: 4 (offensichtlich hat man viele Schranken eingebaut, weil das Spiel ohne diese Schranken nicht funktioniert, aber mit diesen Schranken ist es \u00e4tzend), Walter: 5 (das Spiel kommt zu langsam in Schwung, es fehlt das Schwelgen in Geld, Auftr\u00e4gen und Zugoptionen.)<\/em><\/p>\n<p>Cliquenabend schreibt: <em> \u201e&#8230; man muss effektiv spielen oder es lernen &#8230; Hinzu kommen die Geb\u00e4ude, die allerdings nur in voller Spielerbesetzung zum Tragen kommen. Ihr Nutzen oder besser gesagt deren Vorteil erschlie\u00dft sich oft erst nach weiteren Partien.\u201c <\/em> Diese Vorteile werden wir wohl gewohnheitsm\u00e4\u00dfig links liegen lassen. Unsere tragische crux solae noctis.<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;VivaJava: The Coffee Game&#8221;<\/strong><br \/>\nDie Buchstabenkombination im Titel lie\u00df jedesmal die Assoziation \u201eViagra\u201c aufkommen, wenn Aaron das Spiel auspackte. Heuer zum dritten Mal. Erstmals durfte er seine Schachtel auch \u00f6ffnen.<br \/>\nDie Farbgebung ist konsequent kaffeebraun, und damit sind wir auch schon beim Thema. Wir sind Kaffeer\u00f6ster und sollen alleine oder im Verein mit Partnern m\u00f6glichst hochwertige Produkte auf den Markt bringen. Wetterabh\u00e4ngig (zufallsabh\u00e4ngig) reifen f\u00fcnf verschiedene Kaffeesorten (schwarz, braun, gr\u00fcn, gelb und wei\u00df) heran, und wir w\u00e4hlen reihum aus, welche davon wir ernten. Die erw\u00e4hlten Kaffeebohnen steckt jeder Mitspieler in sein S\u00e4ckchen, aus dem er, bei der anschlie\u00dfenden Kaffee-Produktion, ein bis f\u00fcnf Bohnen blind herauszieht und dabei hofft, eine m\u00f6glichst gute Poker-Farbkombination zu erzielen: Ein F\u00fcnfst\u00e4nder gleichfarbiger Bohnen ist Spitzenqualit\u00e4t \u201eExtra Bold\u201c, dahinter folgen nach Pokerart der Vierst\u00e4nder \u201eBold\u201c, das Full-House \u201eAmericano\u201c, die Street \u201eRainbow\u201c, das Doppelp\u00e4rchen \u201eHalf-Caf\u201c und das einfache P\u00e4rchen \u201eDecaf\u201c. Die neu erzeugten Kaffeesorten werden gem\u00e4\u00df ihrer Rangfolge ausgelegt und bringen ihrem Erzeuger 1, 2 oder 3 Siegpunkte ein.<\/p>\n<p>Kommen keine neuen Kaffeesorten auf den Markt, so liefern die ausliegenden Sorten ihren Besitzern weiterhin Siegpunkte, unterliegen aber einem Verfallsmechanismus, so dass sie nach sp\u00e4testens 4 Runden nichts mehr wert sind.<\/p>\n<p>Gutes Spiel liegt also darin, m\u00f6glichst schnell und oft vier bis f\u00fcnf gleichfarbige Bohnen in seinem S\u00e4ckchen zu sammeln &#8211; und keine andersfarbigen -, um mit hoher Wahrscheinlichkeit den begehrten Vier- oder F\u00fcnfst\u00e4nder herauszuziehen. Gutes Spiel liegt NICHT darin, seine Produktionsmittel auszubauen und pro Jahr m\u00f6glichst eine gro\u00dfe Ernte einzufahren. Mit einem Sack voller verschiedenfarbiger Bohnen kann man zwar in jeder Runde eine neue Produktion herausbringen, sie ist dann aber eher gar nichts wert!<\/p>\n<p>Um die Chance f\u00fcr das Erzielen h\u00f6chstwertiger Kombinationen zu verbessern, erlaubt das Spiel, die &#8220;Select&#8221;-F\u00e4higkeiten zu entwickeln, um einzelne Bohnen aus seinem S\u00e4ckchen zu entfernen oder mit der &#8220;Brew&#8221;-F\u00e4higkeit einzelne gezogene, unpassende, Bohnen bei der Produktion in den Abfall zu geben. Auch gibt es eine Zugoption, mit der man eine ungew\u00fcnschte Bohne aus seinem S\u00e4ckchen gezielt gegen die gew\u00fcnschte Farbe bei einem Mitspieler tauschen darf. Die h\u00f6chstwertigen Kombinationen sind also keineswegs so selten wie beim Poker, man muss sich nur vor einem allzu unm\u00e4\u00dfig gef\u00fcllten S\u00e4ckchen h\u00fcten.<\/p>\n<p>Viel Brimborium, viel Material, sogar einige h\u00fcbsche Ideen f\u00fcr ein doch nur ganz simples Ziel: Versuche m\u00f6glichst vier bis f\u00fcnf einfarbige Kaffeebohnen in Dein S\u00e4ckchen bekommen.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (das Spiel pa\u00dft in seine heutige Vorstellung \u00fcber die Kickstarter-Qualit\u00e4ten), G\u00fcnther: 4 (&#8220;heute ist mein Vierer-Tag&#8221;; als Aufbauspiel zu schnell vorbei.), Walter: 5 (interessanter Mechanismus, doch das Plus drumherum ist als Planspiel zu chaotisch, als Chaosspiel zu \u00fcberladen)<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Flu\u00dfpiraten&#8221;<\/strong><br \/>\nWenn ein Spieljahr 5 Menschenjahren entspricht, dann ist \u201eFlu\u00dfpiraten\u201c ein gut Hundertj\u00e4hriger. Schon vor 23 Jahren hat es in \u201eWalter M\u00fcller&#8217;s Spielewerkstatt\u201c das Licht der Welt erblickt und damals sogleich unsere Liebe gefunden. Schon vor unserem Coming-Out als Westpark-Gamers lag es h\u00e4ufiger auf dem Spieltisch als 98% der \u00fcber 1000 Spiele, die wir bis heute gespielt und bewertet haben. Auch heute noch besitzt es die Frische und Knackigkeit eines Teenagers.<\/p>\n<p>Wir besteigen mit unseren P\u00f6ppeln Zweimannboote und rudern damit den Flu\u00df hinauf. Alleine darf man losfahren, hat aber gegen die starke Str\u00f6mung kaum eine Chance auf dem langen Weg bis zum Ziel. Vom Start weg sollte ein Boot mit zwei P\u00f6ppeln besetzt sein, allerdings d\u00fcrfen das nicht zwei eigene P\u00f6ppel sein, sondern man muss einen Konkurrenten mit ins Boot nehmen.<\/p>\n<p>Und damit f\u00e4ngt der Schlamassel auch schon an: Rudert man gemeinsam und erfolgreich, oder versucht man, den Konkurrenten fr\u00fcher oder sp\u00e4ter aus dem Boot zu werfen? Am Start hat das Rauswerfen noch keinen Zweck, genauso wenig wie das Alleine-Losziehen. Aber kurz vor dem Ziel ist das schon eine bedenkenswerte um nicht zu sagen lohnenswerte Option. Doch der Mitspieler geht mit dem gleichen Gedanken schwanger. Auch er m\u00f6chte lieber alleine ins Ziel gelangen als mit einem Konkurrenten, der daf\u00fcr wom\u00f6glich sogar noch \u2013 nach einem wohldefinierten variablen Tableau &#8211; mehr Siegpunkte kassiert als er selber.<\/p>\n<p>Das Hinauswerfen bzw. der Versuch dazu erfolgt nach dem bekannten Stein-Schere-Papier-Knobelprinzip: Die gl\u00fcckliche Wahl des Kampfmittels entscheidet \u00fcber gemeinsames Rudern, gemeinsames Herausfallen oder \u00dcberleben des gutartigen oder b\u00f6sartigen Gewinners.<\/p>\n<p>Nach den Schweigerunden mit Viagra auf den mageren Weiden der Loire gab es sehr viel entspannendes Gel\u00e4chter. Nicht nur deshalb.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (resignierend: &#8220;Warum werden heute solche Spiele nicht mehr erfunden?&#8221;), G\u00fcnther: 7 (ein Spiel f\u00fcr die ganze Familie), Walter: 7 (spielerisch, lustig, f\u00fcr seine Zeit ein Menge h\u00fcbscher, neuer Ideen oder Ideenkombinationen).<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron sucht immer noch nach Wegen, um mit seinem flotten, charmanten Spiel f\u00fcr Genie\u00dfer den Spagat zwischen Chaoten und gem\u00e4\u00dfigten Planern zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<ul>\n<li>Ein neues Wertungssystem vermeidet das taktische Spekulieren mit den Siegpunktkarten. Es stehen h\u00e4ufiger hohe Pr\u00e4mien an. Man kann sich sogar ganz alleine aus eigener Kraft hohe Wertungspunkte erspielen. Hier m\u00fcssen die Mitspieler jetzt vermehrt darauf achten, solche Pfr\u00fcnde zu verhindern. Eine andere Art der Interaktion. Aber kein neuer Charme.<\/li>\n<li>Zwei neue Sonderkarten kehren ein- bis zweimal die Siegpunkt-Vergabe um. H\u00f6chst unberechenbare \u00c4rgerelemente. Nur wenn es sein muss.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In meinen Augen wird damit Champagner einmal gegen Malzbier und einmal gegen Pelzig\u2019s giftgr\u00fcne Bowle ersetzt.<br \/>\n<em>Noch keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich am Stra\u00dfenrand stehe, mein Pferd vor mir auf der Stra\u00dfe, ich darauf aufsteige und ohne zu wenden und ohne die Seite zu wechseln losreite: auf welcher Stra\u00dfenseite reite ich dann? Richtig: auf der LINKEN! Eine plausible Begr\u00fcndung f\u00fcr den Linksverkehr im Mittelalter. 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