{"id":1926,"date":"2013-06-27T16:25:34","date_gmt":"2013-06-27T15:25:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1926"},"modified":"2013-06-27T17:05:29","modified_gmt":"2013-06-27T16:05:29","slug":"26-06-2013-vorspiel-beim-tycoon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/06\/27\/26-06-2013-vorspiel-beim-tycoon\/","title":{"rendered":"26.06.2013: Vorspiel beim Tycoon"},"content":{"rendered":"<p>Mit seinem ausgewachsenen Brettspiel \u201eYunnan\u201c war Aaron blitzschnell erfolgreich; schon wenige Wochen nach seiner Pr\u00e4sentation war der Argentum-Verlag davon \u00fcberzeugt und bringt es dieses Jahr in Essen heraus. Mit seinem pfiffigen Kartenspiel \u201eDiggers\u201c hingegen erlebte Aaron die \u00fcbliche monatelange frustriende Warterei eines Autors vor den Eingangst\u00fcren eines Verlags. Mit anschlie\u00dfender Absage.<\/p>\n<p>Zwei Verlage hatte das Spiel unter die Lupe genommen. Seine K\u00fcrze war positiv aufgefallen. Die Spielregeln lie\u00dfen keine Frage offen (, was aber durchaus in den Aufgabenbereich eines Verlag fallen k\u00f6nnte), die Zugriffspriorit\u00e4ten und der Alterungsmechanismus funktionierten \u201e<em>soweit ganz gut<\/em>\u201c. Doch das reichte den professionellen Testern nicht aus, um \u201e<em>das Spiel interessant zu machen<\/em>\u201c. \u201e<em>Der Spielspa\u00df kam nicht richtig auf<\/em>\u201c. Es \u201e<em>funktionierte einwandfrei<\/em>\u201c, eine Formulierung, die auch wir gerne benutzen, wenn wir \u201e<em>keine konkreten Kritikpunkte nennen<\/em>\u201c k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einer der Verlage \u201e<em>bevorzugt Spiele, die mehr taktische M\u00f6glichkeiten bieten<\/em>\u201c oder solche, die &#8211; im Gegensatz dazu &#8211; einen gr\u00f6\u00dferen Gl\u00fccksanteil besitzen. Geschmacksache! Massengeschmackssache! Irgendwie, irgendwo ist das Genie immer einsam.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nUnverdrossen versucht Aaron, immer weitere neue Schmankerl einzubauen, um damit auch einen mehr chaotisch-orientierten Markt zu erreichen. Weil wir schon dem Prototyp von \u201eDiggers\u201c sehr positiv gegen\u00fcberstanden, lassen wir gerne auch die Modifikationen in Richtung Massengeschmack \u00fcber uns ergehen. Das Spiel ist mit seinen robusten Talenten einfach nicht kaputt zu kriegen.<br \/>\nDiesmal spielten wir im Wesentlichen die Version von letzter Woche. Aaron hat sich daf\u00fcr ein eigenes Kartenspielset herstellen lassen. F\u00fcr 14,95 Euro bei <a href=\"http:\/\/www.printerstudio.de\/fotogeschenke\/spielkarten-unbedruckt.html\" title=\"Printerstudio\" target=\"_blank\">http:\/\/www.printerstudio.de\/fotogeschenke\/spielkarten-unbedruckt.html<\/a>.<br \/>\nSuper gemacht; jetzt kommt das Thema mit den Zwergen und ihrem Goldgrubengraben auch gut r\u00fcber.<\/p>\n<p>Heute fiel auf, dass die Punktewertung genau umgekehrt werden sollte: nicht die hohen Karten, mit denen man sich den Goldnuggets ergr\u00e4bt, sollen die meisten Punkte bringen, sondern die niedrigen Karten. Das ist deutlich schwieriger, und hinterher im Erfolgsfall ist das Zuteilen der Siegpunkt-Karten ergonomisch g\u00fcnstiger. Ein kleine inhaltliche und eine gro\u00dfe formale Verbesserung.<br \/>\n<em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel im Reifeprozess.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;City Tycoon&#8221;<\/strong><br \/>\nJeder w\u00e4hlt sich nach dem 7-Wonders Auswahl-Prinzip in vier Runden je sechs St\u00e4dtebau-Karten aus, die er nach und nach<\/p>\n<ul>\n<li>als seine Bauteile in den gemeinsamen St\u00e4dteplan auslegt<\/li>\n<li>gegen \u201eKraftwerke\u201c eintauscht und baut<\/li>\n<li>gegen Geld eintauscht<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der \u201eVersorgungsrunde\u201c versorgt jeder Spieler seine Bauteile mit Energie oder Wasser aus den Kraftwerken und kassiert daf\u00fcr Geld, Siegpunkte oder Allzweck-Rohstoffe, die sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ebenfalls in Siegpunkte umwandeln lassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1928\" aria-describedby=\"caption-attachment-1928\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1928 \" alt=\"Stadtbild in &quot;Tycoon&quot;\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Tycoon-Stadtansicht.jpg\" width=\"500\" height=\"369\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Tycoon-Stadtansicht.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Tycoon-Stadtansicht-150x111.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Tycoon-Stadtansicht-300x221.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1928\" class=\"wp-caption-text\">Stadtbild in &#8220;City Tycoon&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zur Versorgung k\u00f6nnen \u2013 vorzugsweise \u2013 die eigenen Kraftwerke herangezogen werden, aber auch das gemeinschaftliche Kraftwerk in der Mitte des Spielbrettes oder die Kraftwerke der Mitspieler. Allerdings kostet es Geld, wenn man fremde Quellen anzapft. Geld braucht man ebenfalls zum Bauen, es ist also ein wichtiger Motor, der das Spiel in Gang h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch der Energie- und Wasserbedarf aus den Kraftwerken. Schneller als man denkt, sind die eigenen (von den Mitspieler angezapften) Quellen, die privaten Quellen der Mitspieler oder die \u00f6ffentlichen Quellen ausgebeutet und die wundersch\u00f6nen Bauteile liegen unversorgt herum, werden damit zwar nicht abgebaut, aber bringen auch nichts ein.<\/p>\n<p>Das Spiel ist h\u00fcbsch ausgedacht, viele Elemente sind gut ineinander eingepa\u00dft, aber irgendwie ist das alles zu viel. Von den 24 wundersch\u00f6nen Bauteilen, aus denen jeder Spieler seine Auslage zusammenstellt (ach, es sind ja noch sehr viel mehr Bauteile, die in der Auswahlphase durch die H\u00e4nde eines jeden Spielers gehen), muss er allein die H\u00e4lfte zur nackten Finanzierung seines t\u00e4glichen Brots f\u00fcr die Trivial-Summe von 5 Einheiten pro Bauteil in den Orkus geben. H\u00e4tte man die Finanzierung nicht ohne soviel Ideen-Vergeudung handhaben k\u00f6nnen? Von den etwa 10 eigenen Bauteilen, die jeder Spieler hoffnungsvoll in das Stadtbild eingebaut hat, bleiben hinterher mehr als die H\u00e4lfte ungenutzt, weil keine Ressourcen f\u00fcr sie vorhanden sind. W\u00e4re hier nicht eine \u00dcberbau-Technik effizienter gewesen?<\/p>\n<p>Siegpunkte erh\u00e4lt man je nach Bauteil, das man gebaut hat, je nach Rohstoff, mit dem man es versorgt, und je nach der Umgebung, in der es liegt. Aus vielleicht 40 gemeinsame Bauteilen besteht die Stadt im Endausbau, und m\u00fchsam mu\u00df man die vielf\u00e4ltigen Querwirkungen bei der Pr\u00e4mienaussch\u00fcttung zusammensuchen. Die daraus resultierende Spielfreude ist nicht im gleichen Ma\u00dfe vielf\u00e4ltig. Eigentlich schade.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (vor 2 Jahren w\u00e4ren es noch 6 Punkte gewesen, aber heutzutage ist zu vieles bereits bekannt, z.B. von \u201e7-Wonders\u201c oder \u201eSuburbia\u201c), G\u00fcnther: 5 (es funktioniert, aber das ist eine Mindestanforderung an ein Spiel, anstrengende Mechanismen [mit minimaler Vorteilsgew\u00e4hrung], Horst: 6 (unterhaltsames St\u00e4dtebauspiel, aber die Symbolik ist anstrengend und Augenkrebs erzeugend), Walter: 5 (un\u00fcbersichtlich, zu viele Elemente, die ungenutzt verpuffen).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Hecht im Karpfenteich&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron macht in Nostalgie. Letzte Woche brachte er den Oldtimer \u201eFlu\u00dfpiraten\u201c mit, diesmal war es das gleichaltrige \u201eHecht im Karpfenteich\u201c. Schon vor 23 Jahren haben wir das Spiel oft (!) und gerne gespielt. Martin, unser Kinderarzt, war damals unbestrittener Favorit.<\/p>\n<p>Jeder ist der Herr \u00fcber einen Schwarm hungriger Hechte. Wir fressen Karpfen, um satt zu werden, und verschwinden dann in einem Hechtnest und warten, dass ein weiterer satter Hecht zur Verm\u00e4hlung vorbeikommt und wir mit ihm Nachwuchs zeugen k\u00f6nnen. Notfalls, sogar mit Vorliebe, k\u00f6nnen wir auch Inzucht betreiben, und unserem eingenesteten satten Hecht seine eigene satte Schwester zuf\u00fchren.<br \/>\nFre\u00dfbare Karpfen schwimmen nicht beliebig herum, wir m\u00fcssen sie z\u00fcchten, indem wir ihnen Schnecken zu fressen geben, und sie dann ebenfalls in entsprechende Karpfennester zur Vermehrung schicken. Schnecken wachsen am Boden, jeder Spieler kann pro Runde zwei neue Schnecken als Karpfenfutter hervorbringen lassen.<\/p>\n<p>Eine Herausforderung des Spiels ist die Planung der Reihenfolge der eigenen Z\u00fcge. Wann vermehre ich die Schnecken (relativ harmlos), wann lasse ich die Karpfen vermehren (dann, wenn m\u00f6glichst viele meiner hungrigen Hechte m\u00f6glichst nahe sind und somit einen Gro\u00dfteil der frischen Brut gleich fressen k\u00f6nnen), wohin gehe ich mit der Hoffnung auf Fressen und Paarung, wann setze ich freiwillig aus, und wann nutze ich den einmal pro Runde gew\u00e4hrten Doppelzug.<\/p>\n<p>Die Biologie des Spiels reizte den verbalen Spieltrieb der \u00e4lteren Herren. Termini technici wie Poppen, Gruppensex, vernaschen, Vorspiel und Stundenhotel mit geilen Hechten machten lustvoll die Runde.<\/p>\n<p>Doch der Spielspa\u00df blieb begrenzt. Ein einziger falscher Fehler und der Hintermann schwelgt in fre\u00dfbaren Karpfen, w\u00e4hrend die anderen weiterhin frustriert und hungrig ihr Dasein fristen. Bei vier Mitspielern ist das Spiel nach zwei Runden zu Ende. Blitzschnell. Leider! Einmal richtig gefressen und gepoppt, und man verl\u00e4\u00dft als Sieger das Spiel. Wie im richtigen Leben meistens der andere. Der andere ist bei uns immer der G\u00fcnther.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (findet poppende Fische geil), Horst: 3 (\u201eKomm\u2019 mal bei uns vorbei, da kannst Du poppende V\u00f6gel sehen!\u201c Das Spiel ist so ein Schei\u00df, langweilig, die Planbarkeit geht mir am Arsch vorbei), G\u00fcnther: 6 (lustig, schnell, locker), Walter: 6 (Planung, Timing, das feine Spannungsgef\u00e4lle: das alles hat mir fr\u00fcher besser gefallen.).<\/em><\/p>\n<p>Horst war gesundheitlich nicht gut drauf und ging vorzeitig nach Hause. Was machte das restliche Trio, bevor es ans \u00fcbliche intellektuelle Aufr\u00e4umen ging? Gleich nochmal einen \u201eHecht im Karpfenteich\u201c! Diesmal mit dem aufgefrischten Wissen um Timing und taktische Finessen. Und siehe da: Das Spiel erstrahlte auf einmal wieder im alten Glanz. Es war spannend, taktisch, kooperativ und interaktiv. Jeder versuchte unbedingt Fehler zu vermeiden. Jeder checkte seine Zugoptionen auf Fallstricke ab, keiner verschenkte freiwillig ein Tempo an seine Mitspieler. Es wurde wieder sichtbar, wie fein die Begrenzungen an eigenen Hechten, Karpfen, ja sogar an Schnecken ausbalanciert sind. Das Spiel wurde wieder planbar und beherrschbar. Aber es blieb spielerisch und bei allen Planungen noch locker. Und thematisch stimmig.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (zu Dritt spielt sich\u2019s besser), G\u00fcnther ? (nicht abgefragt), Walter: 8 (nur f\u00fcr die Dreierrunde, h\u00f6chst spielerisch, h\u00fcbsche, schnuckelige Spielidee, \u00fcberraschende Wendungen).<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nRichtig, wir haben nochmals \u201eDiggers\u201c aufgelegt. Diesmal in der Dreierunde. Aaron lie\u00df es keine Ruhe, vor den n\u00e4chsten Design-Diskussionen mit seinem Co-Autor Frank Zurm\u00fchlen das Prinzip der umgekehrten Punkt-Wertung auszuprobieren. Und siehe, es fand Wohlgefallen.<\/p>\n<p>Das Spiel wirkt jetzt spielerischer, lustiger, chaotischer als der Prototyp. Erneut kann die Masse (wer immer das ist,) darauf losgelassen werden. Doch das pfiffige, taktische Lavieren um die hohen Siegpunktkarten, die geduldige Kartenpflege, das spannende Lauern auf die zwei, drei gro\u00dfe Raibache, mit denen ein Spiel entschieden werden kann, das ist entfallen.<br \/>\nEigentlich sollte man Diggers, wenn es denn auf den Markt kommen sollte, gleich mit beiden Varianten anbieten: Die brave J\u00e4ger- und Sammler-Variante, mit den gro\u00dfen St\u00f6reffekten bei kleinen Punktpr\u00e4mien f\u00fcr Hinz und Kunz, und eine Experten-Version mit dem gro\u00dfen Kick bei Maximal-Ums\u00e4tzen. Perlen und S\u00e4ue!<\/p>\n<p><em>Immer noch keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit seinem ausgewachsenen Brettspiel \u201eYunnan\u201c war Aaron blitzschnell erfolgreich; schon wenige Wochen nach seiner Pr\u00e4sentation war der Argentum-Verlag davon \u00fcberzeugt und bringt es dieses Jahr in Essen heraus. Mit seinem pfiffigen Kartenspiel \u201eDiggers\u201c hingegen erlebte Aaron die \u00fcbliche monatelange frustriende Warterei eines Autors vor den Eingangst\u00fcren eines Verlags. Mit anschlie\u00dfender Absage. 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