{"id":1930,"date":"2013-07-11T13:46:59","date_gmt":"2013-07-11T12:46:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1930"},"modified":"2020-09-11T10:50:30","modified_gmt":"2020-09-11T08:50:30","slug":"10-07-2013-in-der-vorstadt-von-neu-amsterdam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/07\/11\/10-07-2013-in-der-vorstadt-von-neu-amsterdam\/","title":{"rendered":"10.07.2013: In der Vorstadt von Neu-Amsterdam"},"content":{"rendered":"<p>Was versteht man im Deutschen nicht alles unter \u201eSpiel\u201c! Vom Fu\u00dfball reicht es \u00fcber Schach und Skat bis zum Roulette und den einarmigen Banditen der Spielcasinos. Millionen spielen Lotto, Moritz spielt Klavier, und Brettspieler spielen \u201eMonopoly\u201c. Wer mit einer nicht-spielenden Lebensgef\u00e4hrtin durchs Leben geht, h\u00f6rt bei gemischten Aktivit\u00e4ten in allen diesen doch so grundverschiedenen Arten zu Spielen immer mal wieder die Mi\u00dfbilligung: \u201eSpielst Du schon wieder?!\u201c Als ob alles das Gleiche w\u00e4re.<br \/>\nUnd dann gibt es noch Partyspiele.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Brautkraut&#8221;<\/strong><br \/>\nist so eines. Kein Brett- und kein Kartenspiel, und deswegen auch kein bevorzugtes Objekt der Begierde am Westpark. Aber Aaron hat es aufgelegt, und er wei\u00df auch schon, wem er damit eine Freude machen wird.<br \/>\nAuf insgesamt 66 Karten sind paarweise jeweils zwei von insgesamt vier Bildmotiven abgebildet: Braut, Kleid, Blau und Kraut, z.B. also die Kombination Braut-Kleid oder Blau-Kraut. Doch die Zusammenstellungen enthalten auch irr-witzige Kombinationen wie Blau-Braut und Kleid-Kraut. Und weil genau vorgeschrieben ist, welcher Begriff vorne und welcher hinten steht, gibt es auch Kleid-Braut und Kraut-Blau.<br \/>\nJeder Spieler erh\u00e4lt 11 dieser Karten. Reihum legt jeder eine davon auf einen offenen Stapel und muss dazu entsprechend der Karte, die er hinlegt, laut so etwas sagen wie \u201eAus Brautkleid wird Blaukraut\u201c. Wer sich dabei irrt oder verspricht, muss den offenen Stapel an sich nehmen. Wer seine letzte Karte ohne Zungenfehler ablegen konnte, hat gewonnen.<br \/>\nBemerkenswerte Erkenntnis: Uns Menschen pr\u00e4gen sich akustische Reize viel leichter ein als optische. Es ist \u00e4u\u00dferst schwierig, sich die Bilder der beiden zuletzt aufgedeckten Karten in Erinnerung zu rufen. Dagegen ist es nahezu problemlos, das richtige Brautkraut-Schlagwort aus dem Satz des Vordermannes sachgerecht vom Ohr auf die Zunge zu bringen.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (im richtigen Spielerkreis), Horst: 4 (wenn ich n\u00fcchtern bin, 7 Punkte, wenn ich betrunken w\u00e4re), Walter: 3 (in einer Runde mit Dir, gesch\u00e4tzte Irina, w\u00e4re es mindestens das Dreifache).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Suburbia&#8221;<\/strong><br \/>\nWer will, findet hierin eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit \u201eCity Tycoon\u201c. Aus einem gemeinsamen Vorrat w\u00e4hlen wir Stadtpl\u00e4ttchen aus und bauen daraus eine Stadt mit Wohnh\u00e4usern, Fabriken, Theatern, Parks, Seen und dergleichen. Abh\u00e4ngig von der Umgebung, in die wir die Teile legen, erhalten wir Geld, Reputation oder mehr Bev\u00f6lkerung. Geld brauchen wir, um die Stadtpl\u00e4ttchen legen zu d\u00fcrfen. Reputation l\u00e4\u00dft die Bev\u00f6lkerung anwachsen und die Bev\u00f6lkerung ist ein Synonmy f\u00fcr die Siegpunkte, mit denen am Ende das Spiel gewonnen wird.<br \/>\nUnterschiede zu \u201eCity Tycoon: Jeder baut an seiner eigenen Stadt (plusminus). Die Pl\u00e4ttchen sind hexagonal und nicht quadratisch (plusminus). Wir k\u00f6nnen sie peut-a-peut w\u00e4hrend des Spiels ausw\u00e4hlen und nicht alle auf einmal zu Beginn des Spiels (plus). Alles ist statisch, wir brauchen keine dynamische Versorgung mit Strom und Wasser (minus). Eine ausgeglichene Bilanz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1936\" aria-describedby=\"caption-attachment-1936\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Suburbia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1936\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Suburbia.jpg\" alt=\"Suburbia auf der Terrasse - oder umgekehrt\" width=\"500\" height=\"304\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Suburbia.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Suburbia-150x91.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Suburbia-300x182.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1936\" class=\"wp-caption-text\">Suburbia auf der Terrasse &#8211; oder umgekehrt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Beide besitzen die gleiche Fieseligkeit, die Querwirkungen aller Pl\u00e4ttchen zu erkennen, vorauszuplanen und hinterher zu bewerten. Wenn man sich noch die M\u00fche machen w\u00fcrde, bei der Auswahl der Teile nicht nur die eigenen Vorteile, sondern auch noch die Nachteile auf Seiten der Mitspieler zu maximieren, w\u00e4re sogar das gesamte Spiel fies. Im Charakter und in der Spieldauer. So ist es gl\u00fccklicherweise nur ein Spiel.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (unbefriedigend, zu viel Material, zu viele in ihren Abh\u00e4ngigkeiten nicht vorhersehbare Pl\u00e4ttchen-Typen, die im Endeffekt dann doch wieder nur einen zuf\u00e4lligen Spielablauf ergeben), Horst: 5 (eigentlich finde ich es nicht schlecht, aber mit der massiven Punktaussch\u00fcttung f\u00fcr die Erf\u00fcllung von Sonderzielen ist die gesamte Strategie am Arsch), Walter: 5 (zu statisch, zu fieselig, zu solit\u00e4r).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Nieuw Amsterdam&#8221;<\/strong><br \/>\nNachdem wir letzte Woche das Regelheft von White Goblin Games&#8217; \u201eSaqqara\u201c deutlich kritisiert haben, wollen wir diesmal das Regelheft von \u201eNieuw Amsterdam\u201c des gleichen Verlages geb\u00fchrlich loben. Auf zw\u00f6lf Seiten ist das komplexe Spiel h\u00f6chst sauber erkl\u00e4rt. Es blieb keine Frage offen.<br \/>\nWir sind Mitglieder der Niederl\u00e4ndischen Westindien-Kompanie und treiben Fellhandel mit den nordamerikanischen Indianern. In der Grundidee tauschen wir Waren gegen Felle, verschiffen die F\u00e4lle und erhalten daf\u00fcr Geld, Siegpunkte und neue Waren.<br \/>\nDiese Grundidee ist in eine F\u00fclle von begleitenden Aktivit\u00e4ten eingeh\u00fcllt.<\/p>\n<ul>\n<li>Wir siedeln in den sechs Bezirken von Manhattan, betreiben dort zuweilen eine Volksz\u00e4hlung und lassen uns unsere Mehrheiten mit Siegpunkten honorieren.<\/li>\n<li>Wir erwerben Land [ Landerwerb = simples Beanspruchen, ohne Eintrag im indianischen Katasteramt ], roden es, s\u00e4en und ernten Getreide, um damit unsere Bev\u00f6lkerung in Downtown zu ern\u00e4hren, und erhalten als Dreingabe auch noch Siegpunkte daf\u00fcr.<\/li>\n<li>Wir treiben vielfachen Warentausch, um unsere Handel- und Besiedelungsaktivit\u00e4ten zu f\u00f6rdern: Geld in Holz zum Bauen, Geld in Getreide f\u00fcr die Ern\u00e4hrung, Holz in gr\u00f6\u00dfere Mobilit\u00e4t.<\/li>\n<li>Wir k\u00f6nnen sogar den gesamten Fellhandel mit den Einheimischen links liegen lassen und unseren Warebedarf ausschlie\u00dflich auf dem Schwarzmarkt decken. Das ist nicht besonders preisg\u00fcnstig, doch unsere Quellen als Schiffseigner sprudeln hinterher genauso reibungslos.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Vor den Preis haben Autor und Verlag eine Versteigerung gesetzt: die Erlaubnis f\u00fcr die verschiedenen Spielz\u00fcge (Stadt, Land, Handel) m\u00fcssen wir uns auf einem Versteigerungstableau ersteigern. Jeder bekommt etwas, auch wer nichts bietet. Wer sich aber die besten Z\u00fcge und dazu noch den Startspieler-Vorteil beim Ziehen sichern m\u00f6chte, muss entsprechend viel hinlegen. Jeder darf pro Zug-Paket nur einmal bieten, es kommt also darauf an, genau zu bewerten, welche Z\u00fcge in der aktuellen Spielsituation den gr\u00f6\u00dften Vorteil bieten, und entsprechend hoch einzusteigen. Oder aber ein Spiel-Paket auszuw\u00e4hlen, auf das Mitspieler ein Auge geworfen haben, so dass sie hier einsteigen und damit die eigenen Zug-Ambitionen aus der Schu\u00dflinie bringen. Das letzten Paket kostet naturgem\u00e4\u00df nichts mehr.<\/p>\n<p>Alles ist rund, alles ist gelungen, alles ist ausbalanciert. Nieuw-Amsterdam ist eine Reise wert. Allerdings darf man nicht hoffen, nach dem ersten Spiel schon ein fliegender Holl\u00e4nder zu sein.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (Vorz\u00fcgliche Summe von Mechanismen, spielerisch, marginales (wohl-dosiertes) Gl\u00fcckselement), Horst: 8 ([zus\u00e4tzlich zu den vielen ungenannten Pluspunkten] angenehme Spieldauer, mnemotechnisch ausgezeichnet gestaltet), Walter: 8 (spielerischer Ablauf, thematisch gelungen, erlaubt vielseitige Taktiken, leider ein etwas z\u00e4her Einstieg [f\u00fcr die vom Biet-Schicksal zwangsl\u00e4ufig Benachteiltigten]).<\/em><\/p>\n<p>Aarons 8 Punkte gelten explizit nur f\u00fcr die 3er Runde. In einem gr\u00f6\u00dferen Kreis, vor allem mit G\u00fcnther, der bei jedem seiner Z\u00fcge eine auf drei Kommastellen genaue Kosten-Nutzen-Rechnung durchf\u00fchren muss, k\u00f6nnte die Spielfreude leicht bis in der Gegend vom Nullpunkt sinken!<\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><br \/>\nAls Horst schon gegangen war, nahmen sich Aaron und Walter noch eine Schmuse-Runde mit Aarons Sieben-Monats-Kind vor. Keine neuen Regeln, nur eine Stabilisierung der letzten Punktwertung.<br \/>\nJeder spielte f\u00fcr zwei Farben. Da keiner sein eigener King-Maker sein wollte und die Sieg-Ambitionen irgendwo in der Vorstadt von Neu-Amsterdam geblieben waren, pl\u00e4tscherte das Spiel ruhig und friedlich vor sich hin. Doch auch so lief es rund. Auch so war es zweifellos ein gef\u00e4lliges Kartenspiel. Ein Spiel!<br \/>\n<em> Immer noch keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was versteht man im Deutschen nicht alles unter \u201eSpiel\u201c! 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