{"id":194,"date":"2008-07-17T01:29:40","date_gmt":"2008-07-17T01:29:40","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=194"},"modified":"2008-07-17T01:29:40","modified_gmt":"2008-07-17T01:29:40","slug":"16072008-latein-fur-die-enkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/07\/17\/16072008-latein-fur-die-enkel\/","title":{"rendered":"16.07.2008: &#8220;Latein f\u00fcr die Enkel&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Peter brachte Christoph mit, einen &#8220;hochintelligenten Ex-Siemensianer Mathematiker, zu dem ich bewundernd aufblicke&#8221;. Von Brettspielen noch unverdorben sollte er einen Eindruck in eine geile Brettspielrunde bekommen und sich beim Nach-Hause-Gehen fragen, &#8220;wie er solange ohne Brettspiele leben konnte&#8221;.<br \/>Die WPG-L\u00f6wen waren vorgewarnt; sie sollten vors\u00e4tzlich ihre Krallen einziehen und sich als Schmusek\u00e4tzchen geben. Kein Problem, L\u00f6wen zerfleischen sich ja nur, wenn sie Hunger haben und allein unter sich sind.<br \/>Walter schlug zum Einstieg ein &#8220;Keltis&#8221; vor. Kurz und schmerzlos, und nach Wilhelms soeben dementierter Einsch\u00e4tzung gerade f\u00fcr Schmuse-Runden besonders geeignet. Doch der Vorschlag wurde gnadenlos abgeschmettert. Nicht demokratisch, sondern rein Petrokratisch, und die schweigende Mehrheit gab mal wieder das Z\u00fcnglein an der Waage.<br \/>Daf\u00fcr kamen Spiele zum Zug, die Peter extra f\u00fcr heute ausgew\u00e4hlt und mitgebracht hatte. Bew\u00e4hrte german-style Games, kurzweilig und spielerisch reizvoll.<br \/><strong>1. &#8220;Ra&#8221;<\/strong><br \/>Ein 1999 erschienenes Knizia-Spiel, das Peter nach vielen Jahren Enthaltsamkeit wieder der Brettspielerei zugef\u00fchrt haben soll. Jetzt durfte er es erkl\u00e4ren.<br \/>Reihum werden Pl\u00e4ttchen aufgedeckt und auf dem Spielplan abgelegt. Wer meint, die Gelegenheit sei g\u00fcnstig, ruft sie alle zusammen zur Versteigerung auf. &#8220;G\u00fcnstig&#8221; ist hier der entscheidende Begriff, darin liegt der ganze Spielreiz von &#8220;Ra&#8221;. Wenn man nicht viel zu bieten hat, l\u00f6st man schon bei kleinsten Angeboten eine Versteigerung aus, in der Hoffnung, da\u00df die dicken Fische nicht anbei\u00dfen. Wenn man potente Ersteigerungssubstanz besitzt, wartet man damit auf das gro\u00dfe Gl\u00fcck.<br \/>Die ersteigerten Pl\u00e4ttchen sind von verschiedenster Art und geben manigfaltige Vorteile. Es gibt kummulative Werte und selektive Werte, manchmal gibt es Strafpunkte, wenn man von einer Sorte kein einziges Pl\u00e4ttchen ersteigert hat, manchmal bekommt man nur dann Siegpunkte, wenn man die meisten von einer Sorte hat. Ansonsten z\u00e4hlen die Pl\u00e4ttchen linear in ihrer Anzahl und progressiv in ihrer H\u00e4ufung.<br \/>Einige Pl\u00e4ttchen sind &#8220;persistent&#8221;. So erkl\u00e4rte es der Altphilologe dem Mathematiker, schlicht ausgedr\u00fcckt, sie z\u00e4hlen in jeder Wertung. Andere Pl\u00e4ttchen sind &#8220;volatile&#8221; oder &#8220;fugiens&#8221; &#8211; diese Ausdr\u00fccke fanden wir zumindest im Latein-Lexikon. Auf deutsch: sie sind fl\u00fcchtig und z\u00e4hlen nur f\u00fcr eine einzige Wertung. Der richtige Fachausdruck wird wohl &#8220;transient&#8221; sein, doch das offenbarte erst nachtr\u00e4glich die Suche bei &#8220;Wikipedia&#8221;.<br \/>Dreimal pro Spiel gibt es eine Siegpunkt-Aussch\u00fcttung, in der die Gesamt-Kollektion an erworbenen Pl\u00e4ttchen pr\u00e4miert wird. Wer nach der dritten Aussch\u00fcttung die meisten Siegpunkte auf dem Konto hat, hat gewonnen.<br \/>&#8220;Ra&#8221; ist rund und vielseitig. Die Gier nach Vorteilen und Siegpunkten geht in verschiedenste Richtungen. In einer gemischten Anf\u00e4nger-Experten-Runde bietet es den Vorteil, da\u00df alles offen ist und man jeden Zug erkl\u00e4ren und plausibilisieren kann, ohne damit wesentlich zum Nachteil anderer Mitspieler zu argumentieren.<br \/>Christoph kam gut mit, aber er betrachtete das Spiel doch eher mit den Augen seiner real existierenden Enkel. Da ahnt er Probleme, das Regelwerk mit den komplexen Wertungstabellen r\u00fcber zu bringen. Verst\u00e4ndlich, wenn man nicht selbst schon Hunderte von Spielregeln geschultert hat.<br \/><em>WPG-Wertung: Peter blieb bei seinen 8 Punkten, Loredana steuerte bisher nicht notierte 10 dazu, Walter erh\u00f6hte seine Note von 8 auf 9. Christoph&#8217;s &#8220;indifferenten&#8221; 5 Punkte waren au\u00dfer Konkurrenz.<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>Ein einfaches, fl\u00fcssiges Spiel um den Gleisbau zu ausgew\u00e4hlten St\u00e4dten in Europa. Christoph war begeistert: Er sieht Chancen f\u00fcr eine sofortige Umsetzbarkeit bei seinen Enkeln.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung.<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Zoff im Zoo&#8221;<\/strong><br \/>Ein weiteres Lieblingsspiel von Peter, das er erst k\u00fcrzlich als Absacker-Alternative am Westpark deponiert hat. Wir suchten seine Gabe l\u00e4ngere Zeit erst vergeblich unter einem un\u00fcberblickbaren Haufen von Notizen und leeren Gummib\u00e4rchen-T\u00fcten auf Walter&#8217;s Schreibtisch. Dann fand sie Loredana im Stapel der &#8220;recent&#8221; Games. (Wie sagt man hier zu &#8220;recent&#8221; auf Deutsch?)<br \/>Selbst f\u00fcr einen Skatspieler wie Christoph ist das Stichprinzip bei &#8220;Zoff&#8221; immer noch eine Herausforderung. Freiwilliges Passen, Erh\u00f6hen mit bessern Werten oder mit l\u00e4ngeren Werten, dazu das zyklische Stich-Potential (Fuchs sticht Maus, Elefant sticht Fuchs, Maus sticht Elefant) erfordern ein erhebliches Umdenken gegen\u00fcber den braven Herz-Bube-Kreuz-Dame-Betrachtungen eines normalen franz\u00f6sischen Kartenspiels. Ganz zu schweigen von der M\u00fccke, aus der man auch noch einen Elefanten machen kann.<br \/>Peter stellte fest: &#8220;Ein faszinierendes Spiel, weil die Zusammenh\u00e4nge nicht so klar sind!&#8221;. Normalerweise gilt f\u00fcr Spiele mit &#8220;to-have-a-plan&#8221;-Charakter eher das Gegenteil, doch hier hat er recht. Und zweifellos kann man &#8220;Zoff im Zoo&#8221; planen!<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel, f\u00fcr das Loredana die H\u00f6chstnote von 10 Punkten vergibt.<\/em><br \/>4. &#8220;Bluff&#8221;<br \/>Peter war weichgeklopft und h\u00e4tte jetzt sogar auch noch ein &#8220;Keltis&#8221; geschluckt, wenn die Zeit nicht schon soweit fortgeschritten gewesen w\u00e4re. Die vorletzte U-Bahn erlaubte gerade noch ein kurzes Vorstellen von &#8220;Bluff&#8221;.<br \/>Christoph hat unsere tausendf\u00e4ltigen Diskussionen um Vorgaben und Endspiel, um Immer-4- und Immer-5-Strategie nat\u00fcrlich nicht mitbekommen, insofern k\u00e4mpfte er noch mit den Prinzipien von Anzweifeln oder Erh\u00f6hen. Dazu hei\u00dft das Spiel ja &#8220;Bluff&#8221; und nicht &#8220;Calc&#8221;. Die Mechanismen mit dem roten und den gelben W\u00fcrfeln, mit den Unstetigkeitsstellen an der Stern-Positionen und mit den genauen bzw. den Mindest-Anforderungen kosteten das Noagerl im Ma\u00df seiner freien Kapazit\u00e4t. Nachdem diesmal auch Loredana nicht das rechte Ma\u00df zwischen Glauben und Nicht-Glauben gefunden hatte, teilten sich Peter und Walter die Lorbeeren.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Superspiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter brachte Christoph mit, einen &#8220;hochintelligenten Ex-Siemensianer Mathematiker, zu dem ich bewundernd aufblicke&#8221;. Von Brettspielen noch unverdorben sollte er einen Eindruck in eine geile Brettspielrunde bekommen und sich beim Nach-Hause-Gehen fragen, &#8220;wie er solange ohne Brettspiele leben konnte&#8221;.Die WPG-L\u00f6wen waren vorgewarnt; sie sollten vors\u00e4tzlich ihre Krallen einziehen und sich als Schmusek\u00e4tzchen geben. 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