{"id":1951,"date":"2013-08-09T22:52:22","date_gmt":"2013-08-09T21:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=1951"},"modified":"2013-08-18T16:03:31","modified_gmt":"2013-08-18T15:03:31","slug":"07-08-2013-kartoffeln-nach-griechenland-und-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/08\/09\/07-08-2013-kartoffeln-nach-griechenland-und-china\/","title":{"rendered":"07.08.2013: Kartoffeln nach Griechenland und China"},"content":{"rendered":"<p>Vor drei\u00dfig Jahren haben sich Wilhelm und G\u00fcnther als Komilitonen in Bielefeld kennengelernt. Neben der Mathematik war damals Doppelkopf das verbindende Element. Die Verbindung ist nie auseinandergerissen. Seit zwanzig Jahren treffen sie sich j\u00e4hrlich mindestens einmal auf Spielermesse in Essen. Bei uns am Westpark war Wilhelm heuer zum dritten und vierten Mal dabei. Immer ein gern gesehener Gast. Mit Esprit, Lust und Leidenschaft.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Olympus&#8221;<\/strong><br \/>\nDas klassische Worker-Placement-Spiel wurde schon letzte Woche in einem leicht ver\u00e4nderten Kreis erstmals auf den Tisch gebracht. In drei Humankategorien (Wissen, Population und Kampfesst\u00e4rke) und drei Produktionskategegorien (Getreide, Fleisch und Fisch) d\u00fcrfen wir uns recht frei und unabh\u00e4ngig entwickeln. Lediglich die Population mu\u00df ausreichend vorhanden sein.<figure id=\"attachment_1953\" aria-describedby=\"caption-attachment-1953\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/AusbruetenInOlympus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/AusbruetenInOlympus.jpg\" alt=\"Wilhelm und G\u00fcnther, die Schnellen Br\u00fcter in Olympus\" width=\"500\" height=\"440\" class=\"size-full wp-image-1953\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/AusbruetenInOlympus.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/AusbruetenInOlympus-150x132.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/AusbruetenInOlympus-300x264.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1953\" class=\"wp-caption-text\">Wilhelm und G\u00fcnther, die Schnellen Br\u00fcter in Olympus<\/figcaption><\/figure><br \/>\nGut konstruiert ist das Setz-Tableau. Wer ein Entwicklungs- oder Erntefeld als Erster besetzt hat, kann den doppelten Effekt nutzen. Falls die Mitspieler das gleiche Feld nutzen wollen, m\u00fcssen sie umgehend mitziehen, bekommen daf\u00fcr aber nur den einfachen Effekt. Es gibt also keinen totalen Engpass, und in einer Vierrunde bekommt jeder auch gen\u00fcgend Gelegenheit f\u00fcr einen sinnvollen eigenen Doppler-Effekt.<\/p>\n<p>Gegen m\u00f6gliche Entwicklungsengp\u00e4sse gibt es auch noch die zus\u00e4tzlichen Setzfelder \u201eZeus\u201c und \u201eHera\u201c, mit denen man sich beliebige andere der gebotenen Entwicklungsoptionen zu eigen machen kann. Neben der \u2013 beschr\u00e4nkten &#8211; Konkurrenz um die besten Alpha-Pl\u00e4tze gibt es noch zwei weitere Setzfelder, die zur Steigerung der Interaktion dienen: Mittels \u201eAres\u201c kann man ein bis zwei Mitspielern den Krieg erkl\u00e4ren und ihnen Produkte rauben. Mittels \u201eApollon\u201c bekommt man unmittelbar Siegpunkte und\/oder man kann seinen Mitspielern die Pest auf den Hals hetzen und ihre Bev\u00f6lkerung dezimieren. Das hat dann als Nebeneffekt auch Auswirkungen auf ihre Limits in den anderen Entwicklungskategorien.<\/p>\n<p>G\u00fcnther fand das Apollon-Konstrukt \u00fcberhaupt nicht gut. Jeder Spieler kann sich n\u00e4mlich durch das Beta-Feld des Apollon gegen die Pest sch\u00fctzen. Dann l\u00e4uft das ganze nur auf eine Verlangsamung des Spiels hinaus: Ein Spieler investiert seine Zugpriorit\u00e4t, um daf\u00fcr einen Siegpunkt zu bekommen und bei seinen Mitspielern die Pest auszul\u00f6sen. Die Mitspieler opfern einen Spielstein (ohne Zugverlust), um den Schaden von sich abzuwenden. Endergebnis: Die Zugpriorit\u00e4t hat dem Spieler in summa summarum einen einzigen (!) Siegpunkt eingebracht.<\/p>\n<p>Ist man weniger pestig aufgelegt, kann man auf dem Apollon-Feld auch gleich zwei Siegpunkte einstreichen und die Pest bleibt unter Verschluss. Dies ist die sogenannte \u201eAffenstrategie\u201c: So oft als m\u00f6glich zu Apollon gehen und ausschlie\u00dflich Siegpunkte bei ihm abholen. Falls kein Mitspieler diese Strategie f\u00e4hrt, bekommt man einmal pro Runde zwei sichere Siegpunkte, mit seinen anderen P\u00f6ppeln wird man problemlos auch noch je einen Siegpunkt an Land ziehen, im Durchschnitt also vier Siegpunkte pro Runde. Das ist in Olympus schon eine ganze erkleckliche Menge.<\/p>\n<p>Zu erg\u00e4nzen ist, dass man aus geernteten Produkten \u201eGeb\u00e4ude\u201c bauen kann, die ihrerseits Siegpunkte und Entwicklungsvorteile einbringen, und ggf. auch noch die Mitspieler sch\u00e4digen. Z.B. bewirkt der Besitz vom \u201eTempel der Athene\u201c, das bei jedem Setzen auf das Athenefeld alle Mitspieler in einer ihrer Entwicklungskategorien um einen Schritt zur\u00fcck fallen. Ein ganz sch\u00f6n m\u00e4chtiges Geb\u00e4ude; in jedem Fall eine Empfehlung wert.<\/p>\n<p>G\u00fcnther als erfahrener Harung hatte sich den Athene-Tempel unverz\u00fcglich unter den Nagel gerissen, anschlie\u00dfend innerhalb seiner Entwicklungskategorien aber zu sehr diversifiziert. Er endete weit abgeschlagen als Letzter. (Solche Jahrhundertereignisse d\u00fcrfen am Westpark nicht unerw\u00e4hnt bleiben.) Walter versuchte sich in der Milit\u00e4r-Strategie. Weil die Mitspieler ihre Rohstoffe aber jeweils umgehend investierten, konnte er damit vordergr\u00fcndig aber keine erfolgreichen Beutez\u00fcge starten. Immerhin setzte er damit seine Mitspieler in ihrer Rohstofflogistik unter Druck. Zudem diente ihm seine \u00fcppige Milit\u00e4r-Ausstattung ab dem Mittelspiel auch noch als ein willkommener Pl\u00fcnderungsfundus bei Zwangsopferungen f\u00fcr die Zivilisation. (W\u00e4re dieses \u00f6konomische Prinzip nicht auch einer \u00dcberlegung im realen politischen Leben wert? Wobei man die Ausstattung der Nachrichtendienste gleich mitabwracken k\u00f6nnte.) Es reichte mit 27 Punkten zum Sieg.<\/p>\n<p>W\u00e4re hier die \u201eAffenstrategie\u201c erfolgreicher gewesen? Jawohl! Sieben Runden a vier Punkte h\u00e4tten in Summe 28 Siegpunkte ergeben. Hallo Ralf (ravn): Kannst Du uns verraten, wieviel Punkte Deine Spielrunde pro Spielrunde durchschnittlich macht? Die zwei Apollon-Punkte pro P\u00f6ppel kommen mir hier im Vergleich zu anderen Strategien keineswegs \u201ek\u00fcmmerlich\u201c vor.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (Pest und Kampf h\u00e4tten besser gel\u00f6st werden m\u00fcssen; die St\u00e4rke der Affenstrategie macht bedenklich), Moritz: 7 (ein italienisches Spiel mit \u201edeutschen\u201c Design-Qualit\u00e4ten), Walter: 8 (das Spiel ist rund, konstruktiv und vielseitig), Wilhelm: 7.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Yunnan&#8221;<\/strong><br \/>\nZwischen Urlaubskofferpacken und Abendgebet brachte Aaron noch schnell sein \u201eYunnan\u201c vorbei, um Frischling Wilhelm eine Kostprobe davon zu erm\u00f6glichen. Gegen drei Experten. Doch der Experten waren zuviele. Vor allem, weil sie nur Halbwissende waren. Die professionellen Designer vom Argentum Verlag, der das Spiel in zwei Monaten in Essen herausbringt, haben den Spielplan optimiert, viele gewohnte Formalien ge\u00e4ndert und an vielen kleinen Balance-R\u00e4dchen gedreht. Statt konsequent die fertige Spielregel durchzuarbeiten, gab jeder sein \u2013 nicht immer sattelfestes \u2013 Wissen zum Besten, so dass Wilhelm einen guten Eindruck davon bekam, wie schnell sich rein sachliche Erinnerungen in Mathematiker- und K\u00fcnstlerk\u00f6pfen verfl\u00fcchtigen. Statt f\u00fcnf Minuten dauerte es eine gute halbe Stunde, bis das Spiel in geordneten Bahnen verlief und die Mechanismen von Zugeihenfolge und Verdr\u00e4ngungs-Priorit\u00e4ten der H\u00e4ndler und Kommissare auf der Tee- und Pferderoute wieder rund liefen.<br \/>\nDann gewann Wilhelm mit einem klaren Vorsprung vor den Experten. Was kann man daraus schlie\u00dfen? Yunnan wird nicht unbedingt von Experten gewonnen, sondern von dem, der im H\u00e4ndlerkampf sein Pulver trocken h\u00e4lt und zum richtigen Zeitpunkt das Schicksal beim Schopf fa\u00dft und den Siegpunkt-Endspurt einl\u00e4utet. Jede Partie verl\u00e4uft anders. Obwohl das Spiel keine Gl\u00fcckselemente enth\u00e4lt, ist man selbst beim Argentum-Verlag auch nach vielen hundert Testspielen noch nicht hinter das Geheimnis gekommen, wie man \u201eYunnan\u201c gewinnt. Eine lang-andauernde Herausforderung.<br \/>\n<em>Noch keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Potato Man&#8221;<\/strong><br \/>\nEin h\u00fcbsches kleines Stichkartenspiel mit ein paar neuen pfiffigen Ideen. Die Karten sind Zahlen von 1 bis 18 in unterschiedlichen Farben. Wieviele Spieler, soviele Farben. Zu einem Stich muss man nicht bedienen, ganz im Gegenteil, man <strong>darf keine<\/strong> Karte einer Farbe zugeben, die schon daliegt.<\/p>\n<p>Die h\u00f6chste Zahl gewinnt und erh\u00e4lt eine Pr\u00e4mienkarte in der Farbe, die den Stich gemacht hat. Fast wie bei &#8220;Diggers&#8221; in der Experten-Version! Ein listiges Spekulieren auf die richtige Farbe zum richtigen Zeitpunkt. Damit das Ganze noch etwas choatischer wird, sind die schw\u00e4chsten gelben Karten auch noch st\u00e4rker als die st\u00e4rksten roten Karten, d.h. die gelben 1, 2 und 3 stechen die rote 16, 17 oder 18. Naturlich nur dann, wenn eine dieser roten Karten im Stich liegt. Und damit auch diese Konstellationen nicht allzu einfach durchgerechnet und abgepa\u00dft werden k\u00f6nnen, werden nur etwa drei Viertel aller Karten ausgeteilt, so da\u00df niemand wei\u00df, welche Karten \u00fcberhaupt im Spiel sind.<\/p>\n<p>Taktik? Strategie? Kartenpflege? Die Mitspieler zwingen, ihre besten Karten zuzugeben, ohne daf\u00fcr dicke Pr\u00e4mien einzustreichen? Eine Menge Wissen und Erfahrung ist notwendig, um das Spiel zu gewinnen. Systematisch zu gewinnen! In Worte fassen kann ich das noch nicht. Auch der in hunderten von Kartoffel-Partien erfahrene Wilhelm konnte das noch nicht. Oder liegt Sieg und Niederlage doch nur an der ausgeteilten Kartenhand? Ausschlie\u00dflich?<\/p>\n<p>Zumindest kann man bei jedem Spiel etwas \u00fcber gutes und besseres Spiel dazulernen. Das ist doch schon etwas. Schnell geht es auch. Unter Umst\u00e4nden ist eine Runde schon beendet, bevor sie \u00fcberhaupt begonnen hat, n\u00e4mlich dann, wenn ein Spieler nur (noch) Karten in der Hand hat, die im aktuellen Stich bereits vorhanden sind. Das kann u.U. sogar gleich im ersten Stich passieren. \u00dcberraschend aber durchaus stimmig.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (gro\u00dfe Kartenabh\u00e4ngigkeit, f\u00fchlt sich zu oft gespielt), Walter: 7 (schnell, unbeschwert, neuartig und stimmig), Wilhelm: 7 (unterhaltsam).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor drei\u00dfig Jahren haben sich Wilhelm und G\u00fcnther als Komilitonen in Bielefeld kennengelernt. Neben der Mathematik war damals Doppelkopf das verbindende Element. Die Verbindung ist nie auseinandergerissen. Seit zwanzig Jahren treffen sie sich j\u00e4hrlich mindestens einmal auf Spielermesse in Essen. Bei uns am Westpark war Wilhelm heuer zum dritten und vierten Mal dabei. 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