{"id":199,"date":"2008-09-04T02:55:58","date_gmt":"2008-09-04T02:55:58","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=199"},"modified":"2008-09-04T02:55:58","modified_gmt":"2008-09-04T02:55:58","slug":"03092008-die-zinnschurfer-und-ihr-vorbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/09\/04\/03092008-die-zinnschurfer-und-ihr-vorbild\/","title":{"rendered":"03.09.2008: Die Zinnsch\u00fcrfer und ihr Vorbild"},"content":{"rendered":"<p>Walter servierte einen Vill\u00e1nyi Cuve\u00e9 &#8211; Cabernet Sauvignon &#8211; Merlot. Loredana schickte ihn noch eigens in den Keller um den Drop-Stopper zu holen, kein Tropfen sollte verloren gehen. Doch das zweite Glas war noch nicht eingeschenkt, da hatte sich das erste bereits \u00fcber die Tischdecke ergossen. Vollst\u00e4ndig. Der Griff zum Frottee-Handtuch ist schon Routine. Und gl\u00fccklicherweise ist das Spielmaterial von &#8220;Tinner&#8217;s Trail&#8221; so hochwertig, da\u00df kaum welche sichtbaren Spuren zur\u00fcckblieben. G\u00fcnther, Du darfst Deine Leihgabe das n\u00e4chste Mal kritisch begutachten. Doch mit der Forderung nach einem neuwertigen Ersatz wirst Du uns vor unl\u00f6sbare Probleme stellen. Das Spiel ist vergriffen, und eine Neuauflage ist nicht in Sicht!<br \/>La\u00df Dich von Peters Drohung: &#8220;Euch leih&#8217; ich keine Spiele&#8221; nicht ins Bockshorn jagen. Man kann noch alles gut erkennen. Und die anschlie\u00dfend versch\u00fctteten Gl\u00e4ser mit Mineralwasser lie\u00dfen schon gar keine roten Spuren zur\u00fcck. Vor allen Dingen, so konnte Loredana die Fakten auf den Punkt bringen: &#8220;Solange das Handtuch noch da ist!&#8221;<br \/><strong>1. &#8220;Tinner&#8217;s Trail&#8221;<\/strong><br \/>Bei Ausw\u00fcrfeln der Startreihenfolge nutzen wir den Zinnw\u00fcrfel. Kein Wunder, da\u00df der virtuelle Moritz Startspieler wurde und Aaron Zweiter. Erst als wir danach eine Null w\u00fcrfelten, fiel auf, da\u00df die statistische Zinnverteilung keine Gleichverteilung ist. Mit einem stinknormalen Hexaw\u00fcrfel mu\u00dften wir die Prozedur wiederholen.<br \/>W\u00e4hrend Aaron die Startaufstellung ausw\u00fcrfelte, durfte Walter den Neulingen einen globalen \u00dcberblick \u00fcber den Spielablauf geben. Schlie\u00dflich hat er schon seine Rezension fertig und sollte das Spiel gut genug kennen. Doch bevor er anschlie\u00dfend in die Details gehen konnte, hatte ihm Peter schon das Wort abgeschnitten und Aaron zum &#8220;Erkl\u00e4rer strikt nach Regelheft&#8221; gek\u00fcrt. Alles schon mal dagewesen. Jede Woche dasselbe!<br \/>Ein Disput entstand um die Formulierung, ob der &#8220;Letzte&#8221; oder der &#8220;Erste&#8221; Spieler auf der Zeitachse am Zug ist. Der Sachverhalt ist unbestritten, nur das Wording stand zur Debatte. Zur Entscheidung wurde der Text im Regelheft nachgeschlagen. &#8220;The active player is the one who has spent the least amount of Time Points&#8221;! Bewegen wir uns hier jetzt nach vorne oder nach hinten?<br \/>Walter hatte schon wie beim letzten Mal in der ersten Runde sein ganzes Pulver in Minen verschossen und mu\u00dfte trotz des stolzen Kupferpreises darauf verzichten, sein Erz zu f\u00f6rdern und zu verkaufen. Nur \u00fcber Pastries konnte er sein Minenimperium ern\u00e4hren. Irgendwie lief das Spiel an ihm vorbei. Zwei Runden lang f\u00f6rderte er kein einziges Milligramm Erz, w\u00e4hrend die Mitspieler schon riesige Summen in die Siegpunkte investieren konnten. Er wurde mitleidig bel\u00e4chelt, einschlie\u00dflich von sich selbst.<br \/>Aaron suchte immer wieder neue Wasser- und Weinspuren in Cornwall. Doch meist waren das nur bekannte und gewollte Farbnuancen auf Spielbrett. Schlie\u00dflich geht es hier doch um Zinn und Kupfer, das ist doch auch nicht steril unifarben.<br \/>Drau\u00dfen zog ein Sturm auf. Walter mu\u00dfte vor der letzten Runde schnell noch die Sitzkissen von der Terrasse zusammenraffen, da rechnete Peter schon mal den theoretischen Sieger aus. Wenn der W\u00fcrfel hohe Rohstoffpreise erbringt, dann wird er selber gewinnen, kommen niedrige Preise heraus, so gewinnt Loredana. Walter machte dazu den Vorschlag, nach dem Ausw\u00fcrfeln der Preise gleich auf die letzte Runde zu verzichten, doch Peter wollte seinen Sieg gen\u00fc\u00dflich auskosten.<br \/>Was kam schlie\u00dflich dabei heraus? Der Kupferpreis wurde zu 8 Pfund und der Zinnpreis zu 6 Pfund bestimmt, keine H\u00f6chstpreise, aber gut \u00fcber dem Durchschnitt. Inzwischen hatte Walter mangels Alternativen alles Wasser aus seinen Minen abgepumpt und auch die F\u00f6rderkapazit\u00e4ten hochgeschraubt. Kein Mitspieler hatte Ambitionen ihm Mitarbeiter streitig zu machen. So konnte er mit Minimalkosten noch alle seine Minen leerf\u00f6rdern und sich mit 109 Siegpunkten die Spitze erk\u00e4mpfen.<br \/>Warum schreibe ich das? Wenn der W\u00fcrfel in der letzten Runde andere Verkaufspreise ergeben h\u00e4tte, dann w\u00e4re die Einlaufsreihenfolge ganz anders geworden. Ist &#8220;Tinner&#8217;s Trail&#8221; also ein reines Gl\u00fccksspiel? Nein! Aber wenn man nolens-volens alles auf eine Karte setzen mu\u00df und dies mit Umsicht tut, dann hat man bis zuletzt eine Chance auf den Sieg. Das ist doch ein legitimes Spieldesign, oder?<br \/>Peters Fazit: &#8220;Ein typischer Martin Wallace! Brilliante Ideen! Doch m\u00fc\u00dften sie hinterher nochmals bei Hans-im-Gl\u00fcck geschliffen werden!&#8221;<br \/>Walters Erfahrung: &#8220;Man darf nicht unbedingt gewinnen wollen. [Sonst artet es in eine elende Rechnerei aus.] Doch wenn man die Bergbau-Szenerie spielerisch angeht, dann ist sie eine h\u00fcbsche Spielwiese zum Ausprobieren vielf\u00e4ltiger Strategie-Varianten.&#8221;<br \/><em>WPG-Wertung der Neulinge: Loredana: 6, Peter: 5 (die Erzpreise gaben ihm den Rest)<\/em><br \/>Walters Rezension sollte dieser Tage ver\u00f6ffentlicht werden.<br \/><strong>2. &#8220;Die F\u00fcrsten von Florenz&#8221;<\/strong><br \/>Eigentlich stand jetzt noch ein &#8216;Brass&#8217; zur Diskussion. Doch zwei Stunden vor Peters vorletzter U-Bahn weigerte sich Aaron, die Neulinge noch in die umfangreichen Regeln einzuweisen. Wir mu\u00dften auf Altes und Bew\u00e4hrtes zur\u00fcckgreifen.<br \/>&#8220;Modern Art&#8221; ist eines von Peters Lieblings-Fillern, doch die Kunst stammt schon aus dem letzten Jahrtausend und f\u00fcr die Versteigerei sind 4 Spieler nicht optimal. Da fiel sein Auge auf &#8220;Die F\u00fcrsten von Florenz&#8221;. \u00dcberzeugend ri\u00df er alle mit &#8220;In diesem Spiel bin ich Gro\u00dfmeister, auch wenn ich [auf der deutschen Brettspielmeisterschaft &#8211; anno dazumal] geschlagen wurde.&#8221;<br \/>Martin Wallace hat selbst bekannt, da\u00df er bei den Tinners den &#8220;investment mechanism&#8221; von den &#8220;F\u00fcrsten&#8221; abgeschaut hat. Das sollte doch ein Anreiz sein, sich dieses Prinzip nochmals n\u00e4her anzuschauen.<br \/>Peter durfte erkl\u00e4ren. Der grobe \u00dcberblick war in einem Satz abgetan. Dann ging es in die Details. Mal von vorn und mal von hinten. Diese Stopselsei war selbst f\u00fcr die Eingeweihten keine Offenbarung. Ohne Konzept ist es nat\u00fcrlich schwer, einem Neuling (Loredana) die Privilegien zu erkl\u00e4ren, bevor man die Bauwerke behandelt hat, oder die Gaukler, bevor die Gelehrten und K\u00fcnstler vorgestellt sind. Selber wei\u00df man nat\u00fcrlich alles in- und auswendig. Aber wie bringe ich es r\u00fcber? Ein ansonsten perfekter Erkl\u00e4rer mu\u00dfte sich mehrmals selbst korrigieren: &#8220;Das war Quatsch, was ich gerade gesagt habe!&#8221; Nach einer guten halben Stunde war er durch. Aaron merkte emotionslos an: &#8220;30 Minuten f\u00fcr so ein luschi Spiel? Ich h\u00e4tte in der Zwischenzeit schon 3 mal &#8216;Brass&#8217; erkl\u00e4rt.&#8221; Peter war in der Defensive: &#8220;Das ist kein luschi Spiel. Das ist sch\u00f6nste und komplexeste Spiel das ich kenne.&#8221;<br \/>Loredane machte gute Miene zum b\u00f6sen Spiel[erkl\u00e4ren], Aaron hatte die &#8220;F\u00fcrsten&#8221; noch nie gemocht und hielt sich vornehme zur\u00fcck, Walter war von Champagner am Nachmittag, Vill\u00e1nyi am Abend und Peters Stegreifbelehrung eh bereits \u00fcberfordert. Peter konnte zu den bekannten Pisa-Lesern in unserem Spielkreis schnell noch ein paar Pisa-H\u00f6rer ausfindig machen. Doch zum Spielen sollte es reichen.<br \/>Au\u00dfer Peter hatte keiner einen richtigen Peil. Unangefochten konnte er die Gaukler-Technik verfolgen, w\u00e4hrend Walter mangels Ged\u00e4chtnis an fr\u00fchere Erfolge auf die fruchtlose Baumeister-Schiene verfiel. Loredana hielt sich an die guten Tips von ihrem Ehemann und Aaron flocht ab und zu ein &#8220;Wann war noch mal das Spiel zu Ende?&#8221; und &#8220;Das Spiel hat so was Autistisches!&#8221;<br \/>Sind wir \u00e4lter geworden oder hat sich unsere Spielkultur inzwischen soviel ge\u00e4ndert? Das Spiel wurde von uns fr\u00fcher doch wirklich mal gerne gespielt. Unverdrossen vergibt Peter heute immer noch 10 WPG-Punkte. Ganz gewi\u00df nicht, weil er mit seinen 59 Siegpunkten den Rest der Spielfeldes fast \u00fcberrundet hatte. Allerdings mu\u00dfte er bekennen: &#8220;Das war die langweiligste Runde, die ich je gespielt habe. Weil ihr es nicht gerafft habt!&#8221; Mu\u00df man die Pisa-Versager mit so harschen Worten abtun?<br \/>Vielleicht kann er uns aber nachtr\u00e4glich noch erkl\u00e4ren, von welcher Stelle in den &#8220;F\u00fcrsten&#8221; Martin Wallace seine Siegpunkt-Investitionen f\u00fcr die &#8220;Tinners&#8221; abgekupfert hat.<br \/><em>WPG-Wertung (o.B.d.a.W.): Aaron: 5, Loredana: 6, Peter: 10, Walter: 8.<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Aaron und Loredana bestritten beide Endspiele. Einmal mit 3:3 und einmal mit 4:4 W\u00fcrfeln. Loredana lie\u00df sich zweimal abschlachten. Unser sprichw\u00f6rtlicher W\u00fcrfelpechpilz konnte problemlos beide Endspiele f\u00fcr sich entscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter servierte einen Vill\u00e1nyi Cuve\u00e9 &#8211; Cabernet Sauvignon &#8211; Merlot. Loredana schickte ihn noch eigens in den Keller um den Drop-Stopper zu holen, kein Tropfen sollte verloren gehen. 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