{"id":2003,"date":"2013-11-21T17:30:13","date_gmt":"2013-11-21T16:30:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2003"},"modified":"2013-11-21T17:30:13","modified_gmt":"2013-11-21T16:30:13","slug":"20-11-2013-russian-railroads","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/11\/21\/20-11-2013-russian-railroads\/","title":{"rendered":"20.11.2013: Russian Railroads"},"content":{"rendered":"<p>Ist die simple Bezeichnung \u201cKaffer\u201d political correct? Ist es beleidigend, einen anwesenden Wei\u00dfen (oder Schwarzen) schlichtwegs als \u201eKaffer\u201c zu bezeichnen? Und beleidigt man damit zugleich auch alle nichtanwesenden Angeh\u00f6rigen der Nuristani in Zentralasien und der Bantuv\u00f6lker im s\u00fcdlichen Afrika? Aus gegebenen Anla\u00df wurde heute ausgiebig dar\u00fcber diskutiert.<br \/>\nSucht man im Internet-Dictionary nach englischen \u00dcbersetzungen f\u00fcr \u201eTrottel\u201c und \u00fcbersetzt die angezeigten Treffer wieder zur\u00fcck ins Deutsche, so findet man unter \u201etwerp\u201c einen \u201eKaffer\u201c, explizit als \u201eSchimpfwort\u201c ausgewiesen. Unsere Nachbarn aus dem \u00d6siland haben f\u00fcr diese Problematik eine wunderbare Abhilfe geschaffen. Sie sagen \u2013 zumindest nach dem W\u00f6rterbuch &#8211; zu einem entsprechenden Zeitgenossen \u201eKoffer\u201c. Eine simple Vokalverschiebung und schon sind wir alle wieder politisch korrekt!<br \/>\nDazu noch eine Information aus dem Internet: Am 3. Juni 1976 stellte der Gerichtspr\u00e4sident der Provinz Natal in S\u00fcdafrika fest, dass die Verwendung der Wortes &#8220;Kaffer&#8221; beleidigend sei und verurteilte einen Schwarzen zu einer Geldstrafe in H\u00f6he von 150 Rand, weil es diesen Begriff auf den damaligen Polizeiminister und einen Polizeibeamten bezogen hatte.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Russian Railroads&#8221;<\/strong><br \/>\nNein, es handelt sich hier nicht um ein Mitglied der weitverzweigten 18xx-Familie. Das neueste Kind von Hans-im-Gl\u00fcck ist ein reinrassiges, um nicht zu sagen gigantisches Worker-Placement-Spiel. An mehr als 25 Arbeitspl\u00e4tze k\u00f6nnen wir unsere 5 (sp\u00e4ter 6 oder 7) Arbeiter zum Anschaffen ausschicken, um<\/p>\n<ul>\n<li>unser Streckennetz zu erweitern; selbiges kommt gleich in 5 verschiedenen Farben vor, und dabei muss das schwarze Netz immer gr\u00f6\u00dfer sein als das graue, das graue gr\u00f6\u00dfer als das braune usw. bis zum beigen und wei\u00dfen.<\/li>\n<li>Lokomotiven zu bauen<\/li>\n<li>Industrien zu errichten und den industriellen Fortschnitt zu nutzen<\/li>\n<li>Geld und Hilfsp\u00f6ppel zu erwerben<\/li>\n<li>private Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen<\/li>\n<li>Verdoppler f\u00fcr den Wert einzelner Streckenabschnitte zu platzieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><figure id=\"attachment_2010\" aria-describedby=\"caption-attachment-2010\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/RussianRailroads.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/RussianRailroads.jpg\" alt=\"Russian Railroads \u2013 eine gewaltige Worker-Placement-Szenerie\" width=\"600\" height=\"458\" class=\"size-full wp-image-2010\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/RussianRailroads.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/RussianRailroads-150x115.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/RussianRailroads-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2010\" class=\"wp-caption-text\">Russian Railroads \u2013 eine gewaltige Worker-Placement-Szenerie<\/figcaption><\/figure>Jeder Arbeitsplatz darf nur von einem einzigen Arbeiter besetzt werden. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und zwar alleine. Wer zu sp\u00e4t kommt, den bestraft das Leben &#8211; allerdings nur ganz leicht. Es gibt sehr viele, fast gleichwertige Arbeitspl\u00e4tze, die einen \u00fcber manchen entgangenen Lustgewinn hinwegtr\u00f6sten.<br \/>\nDer Startspieler kann mit seiner Setzpriorit\u00e4t nat\u00fcrlich eine ganze Reihe solcher kleiner Vorteile f\u00fcr sich buchen, die sich dann durchaus zu einer merklichen Summe addieren m\u00f6gen; daf\u00fcr erhalten die nachziehenden Spieler aber in jeder Runde einen Entsch\u00e4digungsbonus an Siegpunkten. Eine durchaus sozialvertr\u00e4gliche Gesetzgebung.<br \/>\nWeiterhin kann man sich die Startspielerposition auch unter den Nagel rei\u00dfen, wenn man einen Arbeiter dorthin ausschickt. Bemerkenswert daran ist, dass ein solcher Arbeiter nicht dem Produktiv-Betrieb verlorengeht; am Ende aller Z\u00fcge darf er noch einen \u201erichtigen\u201c Arbeitsplatz belegen und somit etwas greifbar N\u00fctzliches f\u00fcr seinen Herrn und Arbeitgeber bewirken.<br \/>\nWenn alle Arbeiter gesetzt sind, ist eine Runde vorbei und gibt es Siegpunkte f\u00fcr den aktuellen Besitzstand. Im Wesentlichen wird hier das Streckennetz mit den h\u00f6herwertigen Linienfarben, und der Ausbau der Industrie bewertet. Nach sieben Runden ist das Spiel zu Ende. Ein paar besondere Besitzt\u00fcmer liefern weitere Siegpunktposten, dann einer hat gewonnen.<br \/>\nEs gibt offensichtlich zwei verschiedene, absolut getrennte Strategien, um die \u201eRussion Railroads\u201c zu gewinnen:<\/p>\n<ul>\n<li>Alle Energie auf den Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn zu verwenden und m\u00f6glichst schnell die sp\u00e4teste und teuerste wei\u00dfe Linie auszubauen. Jede L\u00e4ngeneinheit der wei\u00dfen Linie allein bringt schon pro Runde 14, u.U. auch 20 Siegpunkte ein.\n<\/li>\n<li>Den Streckenbau fast ganz zu ignorieren und alle Energie in die Industrialisierung zu investieren. Damit darf man noch peut-a-peut verschiedene zus\u00e4tzliche Vorteile der einzelnen Industrien nutzen, die sich in Summe zu einem schwer einsch\u00e4tzbaren Punktepolster steigern.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei uns fuhr Peter die Streckenschiene und \u00fcberrundete damit am Ende alle seine Mitspieler (1 Runde = 100 Punkte). Dabei kam ihm zustatten, dass Walter, als sein direkter Konkurrent in der Streckenstrategie, (wie \u00fcblich) mehr spielerisch als kalkulatorisch vorging und dabei so manchen Leckerbissen \u00fcbersah, der dann m\u00fchelos an Peter fiel. Insgesamt kam er auf 396 Siegpunkte. &#8220;Nur&#8221; kritisierte G\u00fcnther gnadenlos; er hatte bei HiG schon \u00f6fters Sieger mit mehr als 400 Siegpunkten gesehen. Er selber versuchte sich erstmals in der Industrieschiene. Auch den Ingenieursbonus von 40 Siegpunkten konnte er auf seine Seite bringen. Da ihm dabei aber Moritz einen harten Wettkampf lieferte, mu\u00dfte G\u00fcnther seine Entwicklung teuer genug bezahlen und kam \u2013 weit abgeschlagen \u2013 nur auf den zweiten Platz. Fazit: Die Strecken sind besser!<br \/>\nUnbestritten ist \u201eRussian Railroads\u201c ein sehr sch\u00f6nes Spiel ist. Es ist rund und gibt jedem Spieler gen\u00fcgend Handlungsspielraum. Alles schwelgt in Siegpunkten, es gibt nur positive Effekte. Der Spielplan ist selbsterkl\u00e4rend, wenn man die Symbole alle verstanden hat, ist jeder Zug leicht und durchsichtig. Zwei Stunden Spielzeit sind heutzutage keinesfalls mehr abschreckend und selbst bei den Gr\u00fcblern am Westpark durchaus zu schaffen. Doch das Spiel hat auch Schw\u00e4chen. Ich selber z\u00e4hle die nur schwer zu beherrschende Optimierung der Effekte an den verschiedenen Baustellen dazu (und nat\u00fcrlich auch G\u00fcnther\u2019s und Moritz\u2019 Versuche, diese Optimierung tats\u00e4chlich auch hinzukriegen). Jeder Zug ist einfach, doch die Summe der Z\u00fcge ist schwer.<br \/>\nAuch die Interaktion h\u00e4lt sich in Grenzen, sie beschr\u00e4nkt sich auf das konkurrierende Belegen der Monopol-Arbeitspl\u00e4tze. Der Rest ist ein solit\u00e4res Aufbauspiel. G\u00fcnther widersprach heftig jedem einzelnen dieser Kritikpunkte, ohne daf\u00fcr jedoch Argumente zu verschwenden. Er hatte halt mal wieder seine rosarote HiG-Brille an. Peter bot die Kompromi\u00dfformel an: \u201eRussian Railroads ist ein Solit\u00e4rspiel mit Interaktionselementen &#8230; \u201e<br \/>\n<em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 9 (Vielfalt der Optionen, hohe Konkurrenz), Moritz: 7 (sehr gutes Design, leider f\u00fchrt keine Mischstrategie, sondern eine reine Mono-Strategie zum Erfolg), Peter: 7 (Die Regelerkl\u00e4rerei steht in keinem Verh\u00e4ltnis zum Spielspa\u00df. Solche Spiele d\u00fcrfte man nicht mit der gradlinigsten Strategie gewinnen k\u00f6nnen.) Walter: 7 (Mangelnde Interaktion. Das Spiel ist nicht fehlertolerant; wer am Anfang ins Hintertreffen ger\u00e4t, hat keine Chance auf ein Aufholen. Zu viele Optionen, deren Vorteile man f\u00fcr einen rechtschaffenen Sieg sorgf\u00e4ltig gegeneinander abw\u00e4gen muss; zu viele Siegpunktquellen, deren optimale Erschlie\u00dfung unausweichlich in Arbeit ausartet.)<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nDie Railroads, G\u00fcnther Regelvortrag, Moritzens Versp\u00e4tung wegen Stau im U-Bahn-Tunnel und das allgemeine Kaffern-Palaver im Vorfeld hatten vier Stunden gekostet. Der Zeitpunkt war gerade richtig f\u00fcr ein abschlie\u00dfendes ausgedehntes Bluff-Absacken.<br \/>\nIm ersten Spiel r\u00e4umte G\u00fcnther seinen Endspielgegner Walter mit der Immer-5-Strategie aus dem Feld. Er hatte zwar selber keine 5 unter dem Becher, daf\u00fcr aber sein Kontrahent. Im zweiten Spiel konnte Walter den Spie\u00df umdrehen, sogar mit G\u00fcnthers eigener Immer-5-Strategie. Allerdings war er dabei mit 3:1 W\u00fcrfeln im Vorteil. Diese Strategie hei\u00dft dann eher Golitath-Strategie: Immer das st\u00e4rkte Gebot setzen, das man selber auf der Hand hat.<br \/>\nDas dritte Spiel konnte Peter im 3:3-Endspiel gegen G\u00fcnther f\u00fcr sich entscheiden. Das Ende vom Lied: Jeder hat einmal gewonnen. Mal wieder ein deutliches Indiz f\u00fcr den reinen Gl\u00fccksspielcharakter von \u201eBluff\u201c &#8230;<br \/>\nF\u00fcr alle die bis 3 und mehr z\u00e4hlen k\u00f6nnen: Moritz war schon auf dem Heimweg.<br \/>\n<em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ist die simple Bezeichnung \u201cKaffer\u201d political correct? Ist es beleidigend, einen anwesenden Wei\u00dfen (oder Schwarzen) schlichtwegs als \u201eKaffer\u201c zu bezeichnen? Und beleidigt man damit zugleich auch alle nichtanwesenden Angeh\u00f6rigen der Nuristani in Zentralasien und der Bantuv\u00f6lker im s\u00fcdlichen Afrika? 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