{"id":2009,"date":"2013-11-28T23:02:16","date_gmt":"2013-11-28T22:02:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2009"},"modified":"2013-11-29T12:36:55","modified_gmt":"2013-11-29T11:36:55","slug":"27-11-2013-kreide-gefressen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2013\/11\/28\/27-11-2013-kreide-gefressen\/","title":{"rendered":"27.11.2013 Kreide gefressen"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Session-Reports sind nur die Spitze des Eisberges unserer Auseinandersetzung mit Spielen. Abz\u00e4hlbar viele eMails, abh\u00e4ngig von der Brisanz eines Themas, werden zwischen zwei Spielabenden unter den Westpark-Gamers ausgetauscht. Diese Woche ging es sehr heftig um <strong>\u201eRussian Railroads\u201c<\/strong>.<\/p>\n<p>Am Sonntag um 7:57 Uhr schlug Peter brieflich vor, dieses Spiel noch einmal zu spielen. Aaron sei beim ersten Mal nicht dabei gewesen und habe Interesse angemeldet.<\/p>\n<p>Eine Stunde sp\u00e4ter kam von Aaron die Best\u00e4tigung: <em> \u201eW\u00fcrde mich freuen, denn RRR m\u00f6chte ich auf jeden Fall gespielt haben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sp\u00e4taufsteher Walter reagierte erst um die Mittagszeit: <em>\u201eNur, weil ich Aaron gerne die RRR-Bekanntschaft g\u00f6nne, bin ich bereit, dieses rechen-intensive und spielvergn\u00fcgen-arme Spiel nochmals zu spielen. Und ich mache mich jetzt schon darauf gefa\u00dft, ein Promille der sogenannten &#8220;Spielzeit&#8221; selber am Zuge zu sein, neuhundertneunundneuzige Promille der Zeit hingegen aber zu sitzen und zu warten, bis meine 3-4 Mitspieler ihre permanenten Optimierungsaufgaben gel\u00f6st haben.\u201c<\/em> [Hallo liebe Erfinder Helmut und Leonhart, bitte nichts \u00fcbelnehmen, das war jetzt ein leicht \u00fcberspitzt ausgedr\u00fcckt!]<\/p>\n<p>Aaron wollte die Spitze herausnehmen: <em>\u201eWir k\u00f6nnen es ja so machen: wenn es auch mir keinen Spa\u00df machen sollte, biete ich den Abbruch an. Mehrheit entscheidet dann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Eine Minute sp\u00e4ter kam von Peter die Entwarnung: <em>\u201eGefahr gebannt. RRR geht nur bis insgesamt vier Spieler, es sind aber bereits f\u00fcnf Leute angemeldet. Das bedeutet, dass wir RRR <strong>nicht<\/strong> spielen k\u00f6nnen, &#8230; Nochmal davon gekommen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Walter wollte trotzdem Aaron noch das Vergn\u00fcgen g\u00f6nnen: <em>\u201eWir k\u00f6nnen durchaus RRR spielen. Ich opfere gerne meine 1 Promille Spielzeit und schaue Euch allen zu. Ist \u00e4quivalent interessant.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Diese \u00dcbertreibung war Peter zu viel: <em>\u201eDas mit \u20191 Promille Spielzeit\u2019 trifft nicht zu. Die einzelnen Z\u00fcge waren bei uns stets recht flott, jeder war wieder schnell dran und konnte etwas Neues unternehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch \u00fcber subjektives Empfinden l\u00e4\u00dft sich gut streiten. Walter lie\u00df sich nicht davon abbringen, dass <em>\u201ebei G\u00fcnthers sehr langer und bei Moritzens zuweilen langer \u00dcberlegungszeit das Spiel deutlich an Wertsch\u00e4tzung verloren hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das war jetzt G\u00fcnther zuviel. Es war gerade erst Sonntag Nachmittag als er erkl\u00e4rte: <em>\u201eUnter diesen Umst\u00e4nden w\u00fcrde ich in unserer Runde das RRR eh nicht mehr spielen &#8230; Es gibt noch gen\u00fcgend andere Runden, wo ich es mit Spa\u00df spielen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Generell habe ich das Gef\u00fchl, dass diese Art von Spieler-Freak-Spielen f\u00fcr unsere Runde seit einiger Zeit nicht mehr so geeignet ist &#8230; In gef\u00fchlt 80% solcher Spiele kommt es immer zu den gleichen Diskussionen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Horst nahm das Stichwort auf: <em>\u201eWas diese sinnlosen Diskussionen angeht, muss ich G\u00fcnther leider beipflichten. Da kann einem der Spa\u00df schon im Vorfeld vergehen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber Sinn und Unsinn von Diskussionen hatte Peter eine andere Meinung: <em>\u201eNaja, ganz so sinnlos sind die Diskussionen \u00fcber Spiele ja nicht, sondern eher das, was WPG von x-beliebigen Spielgruppen unterscheidet. &#8230; Es ist wohl so, dass Spiele der letzten Jahre (sei es Worker-Placement-Typ, sei es Dominion-Typ) sehr viel mehr Optionenkenntnis erfordern, um sie spielen zu k\u00f6nnen, als dies \u2019in der guten alten Zeit\u2019 der Fall war. Dabei gibt es folgende Probleme:<\/p>\n<ul>\n<li>die meisten Spiele kommen im Westpark nur 1x auf den Tisch; da ist es halt Mist, wenn Regelerkl\u00e4rung und Spielzeit in einem ung\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnis stehen (deswegen h\u00e4tte ich auch nix gegen eine zweite RRR-Partie, dauert doch nur eine gute Stunde oder so)<\/li>\n<li>der ideale Weg der Effektverst\u00e4rkung findet sich durch Einsatz von Hirnschmalz; das kostet Zeit; je seltener man das Spiel spielt (oder je weniger man es gespielt hat), desto mehr Zeit kostet das pro Partie<\/li>\n<li>und das ist halt wirklich etwas Solit\u00e4res: Spiele wie Amun-Re [WS: oder Yunnan] haben ja den Effekt, dass man sich gegenseitig aus Feldern rausdr\u00e4ngen kann; das geht bei RRR nicht; bei RRR gibt es so viele Felder, mit denen man irgendwie weiterbauen kann, dass nicht mal gro\u00dfer Bedarf besteht, fr\u00fch in der Runde dran zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/em><br \/>\nDie n\u00e4chsten zwanzig eMails will ich hier jetzt weglassen. Die Auseinandersetzung verlief auf jeden Fall friedlich, sachlich und konstruktiv. Wie bei der aktuell zu bildenden Gro\u00dfen Koalition war von allen Seiten deutlich der Wille erkennbar, keine bleibenden Wunden zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Dieser Drang zur Einvernehmlichkeit hielt auch heute an und beherrschte den gesamten Spielabend. Gleich zu Spielbeginn schlug Aaron folgendes Verhalten vor:<\/p>\n<p>a) Bei neuen Spielen mehr aus dem Bauch heraus spielen.<br \/>\nb) H\u00f6flichkeit beim Bitten um schnelleres Spielen.<\/p>\n<p>Einstimmig angenommen. Doch in der Realit\u00e4t kommt die Aufforderung an einen Strategen, bei Optimierungsspielen \u201eaus dem Bauch heraus zu spielen\u201c der Aufforderung an eine Katze gleich, das Mausen zu lassen. Selbst der heutige Tag hat das wieder erwiesen, sogar bei den eifrigst zustimmenden Mitspielern. Doch unsere Adrenalinspiegel blieben von einer gro\u00dfen Menge gefressener Kreide auf unterstem Niveau gehalten.<\/p>\n<p><strong>1. &#8221; Mascarade &#8220;<\/strong><br \/>\nIn dem kleinen Kartenspielchen von Bruno Faidutti spielt jeder Spieler eine verdeckte Rolle: von K\u00f6nig und K\u00f6nigin geht es \u00fcber Bischof und Richter bis zu Dieb und Betr\u00fcger. Jede Rolle hat eine spezifische Eigenschaft, an Gold (= Siegpunkte) heranzukommen: entweder von der Bank oder vom Richtplatz oder von einem Mitspieler nehmen. Die Hexe kann sogar ihr gesamten (Un-)Verm\u00f6gen mit dem eines Mitspielers tauschen.<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeiten seiner Rolle kann ein Spieler nur aus\u00fcben, wenn er seine Rolle genau kennt und bekanntgibt. Doch das ist nicht so einfach, denn die Rollen wechseln st\u00e4ndig. Ein wesentlicher Spielzug besteht n\u00e4mlich darin, die Rollenkarte eines beliebigen Spielers an sich zu nehmen und ihm dann eine Karte zur\u00fcckzugeben. Entweder dessen alte oder die eigene. Der \u201ebetauschte\u201c Spieler wei\u00df dann nicht, und alle anderen wissen es ebenfalls nicht, ob die Rollen jetzt behalten oder vertauscht wurden. Man darf seine eigene Rollenkarte anschauen, das kostet aber einen ganzen Spielzug; und wenn man dann wieder an der Reihe ist, ist man eine lukrative Rolle mit Sicherheit wieder losgeworden.<\/p>\n<p>Nach eingeschwungenem Zustand besa\u00df Walter die mickrige Summe von vier Goldst\u00fccken und war wissentlich der Betr\u00fcger, dessen Eigenschaft es war, mit bereits 10 statt der normalen 13 Goldst\u00fccken das Spiel als Sieger zu beenden. Ansonsten ohne jegliche Aussicht auf Einkommen. Da tauschte er seinen Betr\u00fcger gegen G\u00fcnthers K\u00f6nigin, die ihm immerhin zwei Goldst\u00fccke pro Zug einbringen konnte. Moritz kassierte als Richter die Einlagen vom Richtplatz und stand mit 12 Goldst\u00fccke bereits unmittelbar vor dem Sieg, als G\u00fcnther seine neue Betr\u00fcgerrolle ausspielte und mit seinen 10 Goldst\u00fccken den Sieg f\u00fcr sich reklamierte.<\/p>\n<p>Jetzt erhob Moritz lautstark seine Stimme gegen Walters \u201eschlechtes\u201c Spiel. Wie konnte er nur G\u00fcnther, bei dessen offen ausliegenden 10 Goldst\u00fccken den Betr\u00fcger f\u00fcr seinen Sieg \u00fcberlassen. Selbst die drei klugen Mitspieler stimmten zun\u00e4chst in dieses Gezeter (leicht mit Kreide belegt) ein. Dabei war das in Walters abgeschlagener Position der einzige vern\u00fcnftige Zug. Er setzte seine Mitspieler unter Druck, G\u00fcnther die Betr\u00fcgerrolle wieder zu abnehmen und Walter dabei die lukrative K\u00f6nigin zu belassen. Sowohl Moritz als auch Peter und Aaron h\u00e4tten ja auf ihre eigenen Vorteile verzichten und mit G\u00fcnther die gef\u00e4hrliche Betr\u00fcgerrolle tauschen k\u00f6nnen. Es ist erstaunlich, wie leicht man jemandem im Spiel vorwirft, einen zweiten nicht gesch\u00e4digt zu haben, nur weil man deswegen dann nicht der lachende Dritte sein konnte! Dahinter steckt eine (un)geh\u00f6rige Portion Demagogie. [Achtung! Kreide!]<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Peter: 6 (schnell, lustig), Moritz: 6 (eigentlich \u201eMemory\u201c; \u201eDie Erben von Hoax\u201c ist aber besser), Aaron: 5 (1 Punkt schlechter als Hoax), G\u00fcnther: 6 (sch\u00f6nes Partyspiel), Walter: 4 (ist aus dem Alter von Partyspielchen heraus. Aus dem Memory-Alter ebenfalls).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Palmyra&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2017\" aria-describedby=\"caption-attachment-2017\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pyramis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2017\" alt=\"Palmyra (mit leichten Fehlfarben)\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pyramis.jpg\" width=\"500\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pyramis.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pyramis-150x121.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Pyramis-300x241.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2017\" class=\"wp-caption-text\">Palmyra (mit leichten Fehlfarben)<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr ein \u201eBruxelles 1893\u201c war es schon zu sp\u00e4t. Die angek\u00fcndigte halbe Stunde pro Spieler plus die Regelerkl\u00e4rung h\u00e4tte l\u00e4nger als bis zu Peters vorletzter U-Bahn gedauert. Da kam \u201ePalmyra\u201c von Bernd Eisenstein gerade recht.<\/p>\n<p>Der Autor hat uns das Spiel j\u00fcngst in Essen geschenkt. Zwar hatten wir seine Entwicklung diesmal nicht mit Testrunden unterst\u00fctzt, daf\u00fcr aber letztes Jahr seine Spielidee \u201ePandora und Titania\u201c, die dann allerdings nicht rechtzeitig unter Dach und Fach gebracht werden konnte.<\/p>\n<p>\u201ePalmyra\u201c ist ein \u201eleicht zu lernendes Legespiel mit hochtaktischen Entscheidungen\u201c. So steht es in der Anleitung. Wie wahr, wie wahr. Jeder Spieler besitzt einen \u201eLegion\u00e4r\u201c und einen \u201eCensor\u201c, die das allen Spielern gemeinsame \u201eStadtgebiet\u201c pro Spielzug um jeweils ein bis vier Pl\u00e4ttchen erweitern. Tut das der Legion\u00e4r, bekommt der Spieler daf\u00fcr neue Pl\u00e4ttchen; tut das das Censor, so bekommt der Spieler daf\u00fcr Siegpunkte. Abh\u00e4ngig von der \u201eUmgebungs-Harmonie\u201c an Farben und Formen eines neu gelegten Pl\u00e4ttchens mit den bereits ausliegenden Pl\u00e4ttchen gibt es daf\u00fcr mehr oder weniger neue Einheiten an Pl\u00e4ttchen oder Siegpunkten.<\/p>\n<p>Die Pl\u00e4ttchen f\u00fcr sich sind im Prinzip nichts wert. Sie sind im Grunde genommen nur Mittel zum Zweck. Zwei Pl\u00e4ttchen zu legen, um hinterher daf\u00fcr zwei neue Pl\u00e4ttchen zu bekommen \u2013 nur aus Spa\u00df am daran entstehenden Gebilde &#8211; ist vergebliche Liebesm\u00fch. Dann lieber gar nichts legen, und Legion\u00e4r und Censor lediglich auf beliebige freie Felder der Stadt neu platzieren: daf\u00fcr bekommt man wenigstens noch ein weiteres Pl\u00e4ttchen.<\/p>\n<p>Das koordinierte Vorgehen der beiden Spielfiguren, gro\u00dfe harmonief\u00e4hige Gebiete anzulegen und daf\u00fcr Material zu bekommen und entsprechendes gutes Spiel der Konkurrenz zu beeintr\u00e4chtigen, das ist der Witz in Palmyra. Konstruktiv, gr\u00fcblerisch und spielerisch. Alles rund und sch\u00f6n.<\/p>\n<p>Einziges Manko: Lukrative Z\u00fcge entstehen vor allem, wenn man die richtigen Pl\u00e4ttchen auf der Hand hat. Leider spielt hier der Zufall eine m\u00e4chtige Rolle, denn die Pl\u00e4ttchen werden vom verdeckten Stapel gezogen. Der eine zieht einen Bachschen Choral, der andere ein Sch\u00f6nbergsches Streichquartett.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (es funktioniert, l\u00e4\u00dft aber einen gewissen Pepp vermissen), G\u00fcnther: 6 (st\u00f6rt sich am gro\u00dfen Zufalls-Effekt beim Pl\u00e4ttchen-Ziehen), Moritz: 7 (hohe Konkurrenz bei einem interaktiven Legespiel), Peter: 5, Walter: 7 (h\u00fcbsche, neuartige Spielidee; eine Herausforderung f\u00fcr k\u00e4mpferisch veranlagte Landschaftsarchitekten).<\/em><\/p>\n<p>Hallo Bernd, darf ich hier anmerken, dass ein Stanzbogen mit Pl\u00e4ttchen einen verschobenen Druck hatte! U.a. sind die Farbchips f\u00fcr die Spielererkennung zweifarbig (siehe Foto); gl\u00fccklicherweise dominiert eine Farbe, die dann zur Identifikation dient.<\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Patronize&#8221;<\/strong><br \/>\nDie gew\u00f6hnlichen vorschnellen Fragen bei seiner Spieleinf\u00fchrung wollte Aaron mit einer neuartigen Idee parieren: \u201eJeder gibt einen Vorschlag zum Regelwerk ab und ich sage, ob er stimmt oder nicht.\u201c Bei \u201ePatronize\u201c h\u00e4tte es dann ziemlich lange gedauert, bis wir aufgenordet gewesen w\u00e4ren. Die wenige, einfachen Regeln sind durchaus gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<p>Wir spielen ein \u201eStichkartenspiel\u201c mit einer Kartenhand von insgesamt drei \u201eCharakter-Karten\u201c. Tr\u00fcmpfe gibt es (manchmal) auch, die ausgespielte Farbe zu bedienen ist nicht erforderlich. Wir d\u00fcrfen\/m\u00fcssen bei den insgesamt f\u00fcnf Stichen eines Spiels auch noch zweimal bei beliebiger Gelegenheit passen. Damit steigen die Chancen einer \u201eKartenpflege\u201c gewaltig an.<\/p>\n<p>Allerdings ist es nicht unbedingt von Vorteil, einen Stich zu bekommen: jeder Spieler erh\u00e4lt eine Pr\u00e4mie, unabh\u00e4ngig davon, ob er den Stich gewonnen hat oder nicht. Und zuweilen sind die Pr\u00e4mien der Nicht-Stecher-Pr\u00e4mien oder Passer sogar wertvoller als die des Stechers.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4mien bestehen aus einer Ruhmeskarte (Wert: 5-8 Siegpunkte) und\/oder einer Charakter-Karte (Wert: 0-4 Siegpunkte plus verschiedenartige Nebeneffekte auf den Besitzstand bei Spielende) und\/oder ein bis zwei Meisterwerke (Wert: je 5 Punkte). Die St\u00fcckelung h\u00e4ngt davon ab, welche Aktion man gemacht hat (Stich gewonnen, mitgespielt oder gepasst).<\/p>\n<p>Die gewonnene Charakter-Karte ist diejenige Karte, die man zu einem Stich gespielt hat. Es sei denn, ein Mitspieler hat gepasst und diese Charakter-Karte als Pr\u00e4mie selber eingestrichen (&#8220;gestohlen&#8221;!). Der Ausspieler dieser Karte geht hier dann leer aus. Schlecht gelaufen; falsche Taktik!<\/p>\n<p>Die Meisterwerke sind kleine Holzw\u00fcrfel in vier verschiedenen Farben. Sie kommen in der Regel von der Bank. Gehen der Bank allerdings die Meisterwerke aus, darf man die zugestandene Pr\u00e4mie von einem Mitspieler klauen. F\u00fcr mich ist dieses Prinzip ein \u00e4rgerliches \u201eNullsummenspiel\u201c : Die Summe von Freude bzw. \u00c4rger auf beiden beteiligten Seiten ist gleich Null.<\/p>\n<p>Dank eines \u00fcberragenden Kartenmanagements wurde Moritz mit 50 Punkten Sieger. G\u00fcnther kam auf 48 Punkte. Warum eigentlich?<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (das Spiel funktioniert), G\u00fcnther: 3 (reines Chaos), Moritz: 7 (Sieger), Peter: 7 (f\u00fcr das Chaos ist das Spiel schnell genug), Walter: 3 (80% Kartenverteilung, 15 % Mitspielerchaos, 5% Intuition).<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;Ebbes&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Spiel lag noch von letzter Woche auf dem Sofa am Westpark, und mit hinreichend Kreide in der Kehle war Walter sofort zu einer Neuauflage bereit. Letzes Mal hatten wir mit einer Regelunsch\u00e4rfe gespielt: die Verteilung der Kartenfarben f\u00fcr Trumpf, Plus, Minus, und Nix erfolgte noch unberechenbarer als vorgeschrieben. (Kleine Nebenfrage: Kann man \u201eunberechenbar\u201c steigern?) <\/p>\n<p>Heute haben wir alles richtig gemacht. Doch am Spiel-Charakter hat sich im Prinzip nichts ge\u00e4ndert. Wir spielen ein \u201erichtiges\u201c Stichkartenspiel um Plus-Punkte und Negativ-Punkte in unseren Stichen, und kennen bei Spielbeginn weder die Trumpffarbe noch die positiven oder negativen Werte in einem Stich. Lange Zeit reiner Blindflug! Ohne Instrumente! Wenn der Vorhand f\u00e4llt, sind die W\u00fcrfel l\u00e4ngst schon gefallen!<\/p>\n<p>Nach ein paar Fruststichen legte Peter seine Hand offen, um sein Dilemma mit Stechen-oder-nicht-Stechen zu demonstrieren. Von diesem Augenblick an gewann das Spiel f\u00fcr alle an Witz, Spannung und Tiefgang!<\/p>\n<p>Einm\u00fctige Erkenntnis:<\/p>\n<p>a) Das Spiel w\u00e4re interessanter, wenn alle Kartenh\u00e4nde offen l\u00e4gen.<br \/>\nb) Das Spiel w\u00fcrde schon etwas gewinnen, wenn alle Spieler die &#8220;Bestimmmerkarten&#8221; in ihre Hand offen legen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Aber so ist &#8220;ebbes&#8221; eben nicht!<\/p>\n<p><em>Peter siedelte sich mit seinen 2 Punkten im unteren Bereich an; Aaron und Moritz reduzierten ihre Wertung auf je 5 Punkte, G\u00fcnther auf 4.<\/em><\/p>\n<p><strong>5. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nHohe Ums\u00e4tze f\u00fchrten sehr schnell zum Endspiel zwischen Aaron, Moritz und Peter mit je einem W\u00fcrfel. Welche Strategie bringt jetzt den Sieg? Sticht G\u00fcnthers fragw\u00fcrdige \u201eImmer-5-Strategie\u201c? Hallo G\u00fcnther, eine ganz neue Hausaufgabe steht an!<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>5. &#8220;Valeo&#8221;<\/strong><br \/>\nAaron hat neue Ideen in sein W\u00fcrfelspiel um r\u00f6mische Ziffern und Zahlen eingebracht. Das Spielbrett ist jetzt an verschiedenen Stellen mit einer r\u00f6mischen F\u00fcnf vorbelegt, die<\/p>\n<p>a) nur mit einem V-W\u00fcrfel belegt werden d\u00fcrfen; hier kann man neue Zahlen beginnen.<br \/>\nb) vor allem ein Wegschie\u00dfen mittels superhoher Gewinnzahlen verhindern.<\/p>\n<p>Weiterhin gibt es neben den Hexa-W\u00fcrfeln noch \u201eBegrenzer\u201c, die keinen eigenen Zahlenwerte haben und an jede beliebte Stelle im Spielbrett abgelegt werden k\u00f6nnen. Sie hindern eine bereits ausliegenden Zahl am Ausufern und unterstreichen den eigenen Besitzanspruch darauf.<\/p>\n<p>Der Kampf um Positionen und Dominanz hat sogar etwas vom Charakter des kaiserlichen Go-Spiels. Und das als echtes Drei-Personen-Spiel! Wie es zu viert oder gar f\u00fcnft funktioniert, steht allerdings noch in den Sternen.<\/p>\n<p><em>Noch keine WPG-Wertung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Session-Reports sind nur die Spitze des Eisberges unserer Auseinandersetzung mit Spielen. Abz\u00e4hlbar viele eMails, abh\u00e4ngig von der Brisanz eines Themas, werden zwischen zwei Spielabenden unter den Westpark-Gamers ausgetauscht. Diese Woche ging es sehr heftig um \u201eRussian Railroads\u201c. Am Sonntag um 7:57 Uhr schlug Peter brieflich vor, dieses Spiel noch einmal zu spielen. 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