{"id":201,"date":"2008-09-18T11:51:52","date_gmt":"2008-09-18T11:51:52","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=201"},"modified":"2008-09-18T11:51:52","modified_gmt":"2008-09-18T11:51:52","slug":"17092008-wolfe-und-schafe-in-den-empires-of-the-ancient-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/09\/18\/17092008-wolfe-und-schafe-in-den-empires-of-the-ancient-world\/","title":{"rendered":"17.09.2008: W\u00f6lfe und Schafe in den &#8220;Empires of the Ancient World&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. &#8220;Empires of the Ancient World&#8221;<\/strong><br \/>Das Spiel hatte vor f\u00fcnf Jahren die erste und bisher einzige Zerrei\u00dfprobe unter den Westpark-Games ausgel\u00f6st. Eine hitzige Diskussionen hatte sich dar\u00fcber entz\u00fcndet, ob man beim Angriff \u00fcber Wasser die F\u00e4higkeiten eines Diplomaten f\u00fcr &#8220;adjacent&#8221; Felder nutzen darf oder nicht. Damals wurde das Spiel abgebrochen. Heute sollte es in erneuerter Besetzung fortgesetzt werden.<br \/>Peter hatte sich exzellent vorbereitet. Das tut er immer, wenn er die Verantwortung f\u00fcr ein Spiel \u00fcbernommen hat. Er philosophierte vor den Neulingen bereits \u00fcber die Unterschiede zwischen der Milit\u00e4r- und der Handelsstrategie, als seine Frau mit ihren Kollegen noch bei ihrer Einstandsfeier sa\u00df. Der Wirt brachte zu langsam das Essen auf den Tisch. Doch dann eilte sich so schnell wie m\u00f6glich herbei und die zur\u00fcckbleibenden Kollegen beneideten sie um den Brettspielabend am Westpark.<br \/>Die Spieler k\u00e4mpfen auf einer Landkarte des Mittelmeerraums um Mehrheiten in den verschiedenen Regionen. Die einzelnen Provinzen k\u00f6nnen milit\u00e4risch besetzt oder mit Handelsketten durchzogen werden. In den drei Wertungen eines Spieles werden die aktuellen Besitzverh\u00e4ltnisse in Siegpunkte umgewandelt. Die milit\u00e4rische Kontrolle bringt die volle Punktzahl, die relative Handelsmehrheit die halbe Punktzahl.<br \/>Milit\u00e4risch kann jedes Gebiet nur von einer Partei besetzt sein; im Konfliktfall kommt es zu einem Eroberungskampf, der durch Kampfkarten und W\u00fcrfel entschieden wird. H\u00e4ndler k\u00f6nnen sich hingegen in jedem Gebiet tummeln, auch in fremden. Sie d\u00fcrfen in Friedenszeiten nicht vertrieben werden, gehen beim Besitzwechsel aber samt und sonders in die Sklaverei, d.h. sie bringen dem Eroberer Siegpunkte.<br \/>Statt zu erobern oder Handel zu treiben, kann man in seinem Zug auch eine der offen ausliegenden Armeekarten auf die Hand nehmen und damit seine Kampfkraft zu erh\u00f6hen. Ein Kampf wird n\u00e4mlich dadurch entschieden, da\u00df jeder verdeckt 5 Armeekarten aus seiner Hand ausw\u00e4hlt und gegen die 5 vom Gegner ausgew\u00e4hlten Karten antreten l\u00e4\u00dft. Da gibt es Elefanten und Kavallerie, Artillerie und Bogensch\u00fctzen, Galeeren, Infanterie und andere Gl\u00fccksritter. Alle bedeuten beim Kampf gegeneinander unterschiedliche Vor- und Nachteile; den letzten Ausschlag \u00fcber den Sieg gibt dann noch der W\u00fcrfel, ein stinknormaler Hexaw\u00fcrfel, f\u00fcr poetische Rezensenten ein &#8220;eleganter Kampfw\u00fcrfel&#8221;.<br \/>Es gab eine Menge zu erkl\u00e4ren und Peter, der alles im Kopf, aber (heute ausnahmsweise) wenig auf der Zunge hatte, sprang mitten aus einem Detail in das n\u00e4chste. Vieles sollte (ausschlie\u00dflich) durch Beispiele klargemacht werden, z.B.: Wenn ein Spieler einen Eroberungskampf mit 2:1 verliert, dann darf der Sieger dem Verlierer 2 Armeekarten aus den Hand ziehen. Schaut, so! Eine davon wird abgelegt. Verstanden? Hier kommt zweimal die &#8220;2&#8221; vor, das ist doch eine eineindeutige Abbildung, und da\u00df unter den beiden demonstrativ gezogenen Karten eine Standardkarte war, die man behalten darf, und eine Nachziehkarte, die man abgeben mu\u00df, das war doch offensichtlich, oder?<br \/>Nach einer guten Stunde Erkl\u00e4rung konnte sich Aaron zu einem echten Lob aufraffen: &#8220;Zum ersten Mal, da\u00df Du was sch\u00f6n erkl\u00e4rt hast!&#8221; Nach weiteren 20 Minuten waren wir komplett durch die Regeln. Einer hatte alles erkl\u00e4rt, einer hatte alles verstanden, drei Neulinge hofften auf Learning by Doing. H\u00e4tten wir uns die tausenderlei Eigenschaften und Randbedingungen auf Anhieb alle merken sollen? Nicht nur Walter war \u00fcberfordert. Der Spielablauf ist bekannterma\u00dfen etwas chaotisch und eine Kurzanleitung sowie eine mnemotechnische Hilfestellung auf Spielmaterial oder Spielbrett gibt es schon gar nicht. Keiner lastete dem Erkl\u00e4rer die F\u00fclle des Materials an. Ganz im Gegenteil, wir bewunderten die Engelsgeduld, mit er immer wieder die gleichen Regelanfragen mit den gleichen Zitaten aus dem Regelheft beantwortete.<br \/>Loredana war Startspielerin und siedelte sich auf den reichen Provinzen in Kleinasien an, Peter begann seine milit\u00e4rische Laufbahn in Rom, Aaron versuchte sich im friedlichen Ackerbau auf der iberischen Halbinsel, Walter f\u00fchlte gleich zu Beginn seine Athener Handelsniederlassung vom Ehepaar aus der Maxvorstadt in die Zange genommen, und Hans blieb zum Einstieg nur der schmale Rand des damals bekannten Nordafrika.<br \/>Obwohl Peter einen Angriffskrieg vorangek\u00fcndigt hatte, beschr\u00e4nkte er sich zun\u00e4chst auf ein friedliches Besiedeln der n\u00e4heren Umgebung und nahm hin und wieder eine Armeekarte auf, die uns Neulingen alle nicht so gef\u00e4hrlich erschienen. Hans war als Besamer angek\u00fcndigt worden, da waren wir a priori auf friedliche Aktionen eingestellt, und da\u00df er sich ab und zu mal eine Galeere zulegte, das war ebenfalls nicht verd\u00e4chtig. Bis dann urpl\u00f6tzlich die Eroberungsk\u00e4mpfe einsetzen. Peter schlug auf den spanischen Aaron ein und gewann jeden Karten-W\u00fcrfelkampf. Hans war unangefochtener Flottenchef und konnte sich jedes St\u00fcckchen Mittelmeer unter den Nagel w\u00fcrfeln. War das K\u00f6nnen oder Gl\u00fcck?<br \/>Nach 1 \u00bd Stunden Spielzeit zogen wir die erste Bilanz. Die beide siegreichen Eroberer betonten ihre strategische Planung. Sie hatten sich klammheimlich die richtigen Armeekarten angeeignet, die sie f\u00fcr ihre hegemonialen Ambitionen gebraucht hatten. Damit konnten sie die statistische Gewinnchance bei den Eroberungsk\u00e4mpfe auch bei einer zuf\u00e4lligen Auswahl der Kampfkarten und dem zuf\u00e4lligen Ergebnis der Kampfw\u00fcrfel zu ihren Gunsten verschieben. Die \u00fcbrigen friedlichen L\u00e4mmer hatten sich eine stumpfe Mischung aus Ingenieuren mit Pflugscharen zusammengetragen und wunderten sich, da\u00df sie damit den Zufall aus Kartenauswahl und W\u00fcrfelgl\u00fcck nicht auf ihre Seite ziehen konnten. Irgendwie frustrierend!<br \/>Aaron \u00e4rgerte sich: &#8220;Nicht, weil ich meine W\u00fcrfelk\u00e4mpfe verloren habe, sondern weil ich das Spiel so bl\u00f6d find.&#8221; Walter bekannte, da\u00df sein weiterer Ehrgeiz nur noch darin bestand, das Spiel m\u00f6glichst schnell \u00fcber die Runden zu kriegen. Peter war schockiert, als wir ihm diese Einsch\u00e4tzung pr\u00e4sentierten. Er vertr\u00f6ste uns auf die angeblich \u00dcberraschungen bringenden Punktewertungen. Die erste davon war zeitlich ja schon abzusehen. Der Admiral vom Mittelmeer erhielt dann 52 Siegpunkte und der General aus dem Stiefel 31. Loredana stand sogar etwas besser als der General, das einstmals bl\u00fchende Kleinasien war offensichtlich eine g\u00fcnstige Ausgangsbasis gewesen. Doch drohte ihr fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ein Abschlachten von der Seeseite her. Aaron und Walter waren hoffnungslos abgeschlagen.<br \/>Walter stellte den Antrag, da\u00df wir \u00fcber einen Spielabbruch abstimmen sollen. Der Antrag wurde mit 3 Stimmen gegen 2 Enthaltungen angenommen. Anschlie\u00dfend wurde \u00fcber den Spielabbruch selber abgestimmt. Aus den Enthaltungen wurden Gegenstimmen, doch die Mehrern wurden sie nicht.<br \/>Wie h\u00e4tten wir weiterspielen sollen?<br \/>Peters Vorschlag:<br \/>&#8211; Aaron mu\u00df sich zwei bis drei Truppen zulegen, dann auf den afrikanischen Hans losgehen und mit dem Rest seiner Potenz den italienischen Peter besamen.<br \/>&#8211; Loredana stand sehr gut. Sie kann machen was sie will, z.B. soll sie sich eine starke Flotte gegen Hans zulegen. Leider ist Hans schon ziemlich stark und hat eine Menge Galeeren.<br \/>F\u00fcr Walter hatte er keinen Tip \u00fcbrig. Der war schon ziemlich totgeschlagen und h\u00e4tte sich wohl am besten zur Aphrodite in die Stoa zur\u00fcckziehen sollen.<br \/>Und wenn wir alle von Anfang an gleich erkannt h\u00e4tten, da\u00df das rechtzeitige Ziehen der richtigen Armeekarten die spielentscheidenden Z\u00fcge sind, dann &#8230; w\u00e4re das Spiel noch fader geworden.<br \/>Loredana&#8217;s Bilanz:<br \/>[glowred]&#8221;Wenn ich gewu\u00dft h\u00e4tte, was mich heute hier erwartet, h\u00e4tte ich lieber mit meinen Kollegen weitergegessen.&#8221;[\/glowred]<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (einen Punkt weniger), Hans: 8 (der kann&#8217;s), Loredana: 6 (nur knapp hinter den Kollegen?), Peter 10 (trotz: &#8220;Das Spiel ist nicht ausgefeilt, aber auch nicht doof!&#8221;), Walter: 5 (noch einen Punkt weniger)<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Loredana w\u00e4re bereits nach zwei Runden wieder gerne bei ihren Kollegen gesessen. Daf\u00fcr konnte sie das zweite Spiel f\u00fcr sich entscheiden. Und es gab noch ein drittes Spiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. &#8220;Empires of the Ancient World&#8221;Das Spiel hatte vor f\u00fcnf Jahren die erste und bisher einzige Zerrei\u00dfprobe unter den Westpark-Games ausgel\u00f6st. Eine hitzige Diskussionen hatte sich dar\u00fcber entz\u00fcndet, ob man beim Angriff \u00fcber Wasser die F\u00e4higkeiten eines Diplomaten f\u00fcr &#8220;adjacent&#8221; Felder nutzen darf oder nicht. Damals wurde das Spiel abgebrochen. 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