{"id":202,"date":"2008-09-25T11:17:26","date_gmt":"2008-09-25T11:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=202"},"modified":"2008-09-25T11:17:26","modified_gmt":"2008-09-25T11:17:26","slug":"23092008-olympiade-der-spieler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/09\/25\/23092008-olympiade-der-spieler\/","title":{"rendered":"23.09.2008: Olympiade der Spieler"},"content":{"rendered":"<p>Mit &#8220;Bridge&#8221; wird gew\u00f6hnlich ein betagtes Damenkr\u00e4nzchen assoziiert, das in Spitzchenh\u00e4ubchen ein hei\u00dfes T\u00e4\u00dfchen Arsen zusammenbraut. Fast alle diese Vorstellungen sind falsch. Bridge ist (auch) ein harter Denksport f\u00fcr M\u00e4nner, der in Bundesligen und Weltmeisterschaften praktiziert wird. Jetzt ist er sogar olympisch geworden.<br \/>Vom 3. bis 18. Oktober werden in Peking als drittes olympisches Ereignis die ersten &#8220;Weltspiele des Denksports&#8221; (1st World Mind Sports Games) ausgetragen. Vertreten sind dabei neben Schach, Go und Dame, den klassischen Zweikampfspielen, auch Bridge, das f\u00fcr mich hier als einziges Gesellschafts<strong>SPIEL<\/strong> durchgeht.<br \/>Wer sich hier \u00fcber die aktuellen Ergebnisse informieren will, kann \u00fcber den Liveticker des Deutschen Bridgeverbandes auf der Internetseite &#8220;www.bridge-verband.de&#8221; den jeweiligen Turnierstand abrufen.<br \/><strong>1. &#8220;Rumis&#8221;<\/strong><br \/>Das erste Spiel, das auf der Spielschachtel unser WPG-Siegel &#8220;Spiel des Monats&#8221; aufgedruckt hat. Neben vielen anderen Auszeichnungen.<br \/>Die Spieler legen kantige Bau-Kl\u00f6tzchen ineinander und umeinander. Wer am Ende die meisten Oberfl\u00e4chen besitzt hat gewonnen.<br \/>Beim Suchen nach der g\u00fcnstigsten Bauposition kann man nicht auf seinem Stuhl kleben bleiben, sondern mu\u00df das entstehende Gebilde aus allen drei Dimensionen begutachten. So kommt st\u00e4ndig sogar ein bi\u00dfchen k\u00f6rperliche Bewegung ins Spiel. Ein harmonischer Ausgleich zwischen Geist und K\u00f6rper!<br \/><em>WPG-Wertung: Birgit und Horst lagen mit je 8 Punkten genau im WPG-Trend. Zumindest zum Warming-Up hat das Spiel diese guten Noten verdient.<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>Eisenbahnbau von Lissabon bis Moskau, von Stockholm bis Thessaloniki. Jeder zieht zuf\u00e4llig insgesamt 5 St\u00e4dte quer \u00fcber Europa verteilt, die er mit einem Streckennetz verbinden mu\u00df.<br \/>Die individuell gebauten Strecken geh\u00f6ren allen, Taktik ist es deshalb, vorwiegend dort zu bauen, wo kein anderer hin mu\u00df, und die unvermeidlich-gemeinsame Stecke im Zentrum des Spiels von den Mitspielern bauen zu lassen. Aber wo ist schon die Strecke, die kein anderer braucht?<br \/>Das Spiel ist schnell erkl\u00e4rt, spielt sich flott und gef\u00e4llig und wird am Schlu\u00df richtig spannend.<br \/><em>WPG-Wertung: Auch hier lagen Birgit und Horst lagen mit 8 bzw. 9 Punkten genau im Trend des WPG-Hauptfeldes.<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Zug um Zug&#8221;<\/strong><br \/>Eisenbahnbau von Lissabon bis Moskau, von Stockholm bis Thessaloniki. Jeder zieht zuf\u00e4llig insgesamt 4 St\u00e4dteverbindungen quer durch Europa, die er in seinem Streckennetz realisieren mu\u00df.<br \/>Ein bi\u00dfchen problematisch ist es schon, nach &#8220;Trans Europa&#8221; ein &#8220;Zug um Zug&#8221; zu spielen. In &#8220;Trans-Europa&#8221; sind alle Strecken gemeinsam und man baut am besten zuerst die Au\u00dfenstrecken, an denen man alleine Interesse hat. Bei &#8220;Zug um Zug&#8221; geh\u00f6rt jede gebaute Strecke nur einem einzigen Spieler und es gibt den unvermeidlichen Flaschenhals in Mitteleuropa. Hier mu\u00df man sich gleich zu Beginn die richtigen taktischen Strecken unten der Nagel rei\u00dfen, sonst kriegt man seine St\u00e4dteverbindungen nicht mehr hin. Wer mit seinen Gedanken noch auf dem falschen Dampfer ist, dem sind im Nu die Felle davongeschwommen.<br \/>Zum ersten Mal in unserer Spielpraxis bestand die Auslage auf einmal aus f\u00fcnf &#8220;langweiligen&#8221; Karten, die keiner haben wollte. Jeder zog es deshalb vor, seine Streckenkarten vom verstecken Stapel zu ziehen. Da kam f\u00fcr ein paar Runden ein bi\u00dfchen Quartett-Stimmung auf. Doch selbst in dieser Situation h\u00e4tte jeder versuchen k\u00f6nnen, aus den &#8220;langweiligen&#8221; Karten ein einfarbiges Sextett zu bilden, das auch schon seine 15 Punkte wert ist. Ich w\u00fcrde allerdings vorschlagen, hier eine Regelerweiterung einzubringen: Wenn eine Runde lang jeder nur vom verdeckten Stapel gezogen hat, dann wird die offene Kartenauslage abger\u00e4umt und durch neue Karten ersetzt. (Kommentare?)<br \/>Aaron erbarmte sich. Es reichte sp\u00e4ter sogar zu seinem Sieg. Aber nicht wegen des Erbarmens.<br \/><em>WPG-Wertung: Wieder lagen hier Birgit und Horst lagen mit 8 bzw. 9 Punkten genau im Trend. Great minds think alike!<\/em><br \/><strong>4. &#8220;Metropolys&#8221;<\/strong><br \/>Es waren erst 2 Stunden gespielt und wir hatten schon drei Super-Spiele hinter uns gebracht. Jetzt konnte nichts mehr schief gehen, schon gar nicht mit einem Spiel aus dem Ystari-Verlag.<br \/>In Metropolys ersteigern sich die Spieler lukrative Gebiete im Stadtzentrum von Paris. Jeder bekommt andere Priorit\u00e4ten vorgesetzt: seien es die Farben der ersteigerten Gebiete oder die relative Lage zueinander bzw. zu markanten Orten auf dem Plan. Die Versteigerung verl\u00e4uft nach einem sehr bemerkenswerten und h\u00f6chst anspruchsvollen Verfahren. Wer hier nur spielerisch seine Kl\u00f6tzchen setzt, hat keine Chance auf den Sieg.<br \/>Es gab eine kontroverse Diskussion, ob es Sinn macht, mit kleinen Steinen eine Versteigerung anzufangen. Nat\u00fcrlich nicht nur, wenn man in einer Sackgasse ohne Konkurrenz die Versteigerung ohnehin gewinnt. Man kann mit einem kleinen Stein auch irgendwo in der Landschaft anfangen und damit zu verstehen gehen: &#8220;Schlagt Euch darum, ich habe zun\u00e4chst mal keine Ambitionen!&#8221; Allerdings mu\u00df man sich hier selbst das &#8220;irgendwo&#8221; genauer anschauen, damit man seinem Hintermann nicht ungewollt einen tollen Eroberungszug erlaubt.<br \/>So mu\u00df man bei &#8220;Metropolys&#8221; auch dann denken, wenn man eigentlich nur die Initiative abgeben will. Jeder einzelne Zug, jede Auswahl eines Versteigerungssteines, jede Richtung, in die man die Versteigung lenkt, erfordert scharfe Kalkulation. Schade, da\u00df das un\u00fcbersichtliche Spielbrett hier dem Verstand noch zus\u00e4tzliche Leistungen abfordert. Durch eine abstrakte Farb- und Formgebung h\u00e4tte man die geistigen Nebenkosten deutlich reduzieren k\u00f6nnen. Aber vielleicht war gerade das im Interesse des Erfinders.<br \/><em>WPG-Wertung: Diesmal \u00fcbernahm Birgit mit 6 Punkten &#8211; trotz ihres Sieges &#8211; eine WPG-Au\u00dfenseiterrolle ein (etwas trocken), Horst blieb mit 8 im Schnitt.<\/em><br \/><strong>5. &#8220;Verflixxt&#8221;<\/strong><br \/>Zum Absacken war es immer noch zu fr\u00fch. Ein lockeres Vollspiel pa\u00dfte noch gut hinein. &#8220;Verflixxt&#8221; in der Basisversion, ohne den Schnickschnack der sp\u00e4teren Erweiterungen; gerade so hat das Spiel im Jahre 2005 die Nominierung f\u00fcr das &#8220;Spiel des Jahres&#8221; verdient. (Den Sieg h\u00e4tte es auch verdient gehabt!)<br \/>Gut w\u00fcrfeln, gut ziehen, Plus- und Minusk\u00e4rtchen einkassieren und die Gl\u00fcckskarten zum Konvertieren dazu, ist das das ganze Geheimnis? Bei weitem nicht! Strategisches Ziehen von 3 eigenen P\u00f6ppeln und\/oder 8 W\u00e4chtern ist mehr als ein simples Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht. Eine gute Mischung als Gl\u00fcck und K\u00f6nnen. Ein Garant f\u00fcr Freude und Schadenfreude. Ein richtiges Spiel!<br \/><em>WPG-Wertung: Birgit und Horst blieben mit 7 bzw. 8 Punkten wieder im Trend.<\/em><br \/><strong>6. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Schlu\u00dfendlich noch der Absacker. Horst verlor aus einem 3:2-Vorsprung gegen Walter und gewann aus einem 2:4-R\u00fcckstand gegen Aaron. Er konnte die Mitspieler halt noch nicht berechnen und spielte selber auch noch unberechenbar.<br \/>Dagegen machte Birgit deutlich, da\u00df es einen signifikanten Unterschied zwischen &#8220;unberechenbar&#8221; und &#8220;irrational&#8221; gibt. Nur eines von beiden hat mit &#8220;Bluffen&#8221; zu tun.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 9 (historisch), Birgit: 6 (irrational), Horst: 10 (unberechenbar), Walter: 10 (historisch)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit &#8220;Bridge&#8221; wird gew\u00f6hnlich ein betagtes Damenkr\u00e4nzchen assoziiert, das in Spitzchenh\u00e4ubchen ein hei\u00dfes T\u00e4\u00dfchen Arsen zusammenbraut. Fast alle diese Vorstellungen sind falsch. Bridge ist (auch) ein harter Denksport f\u00fcr M\u00e4nner, der in Bundesligen und Weltmeisterschaften praktiziert wird. Jetzt ist er sogar olympisch geworden.Vom 3. bis 18. 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