{"id":2066,"date":"2014-03-27T16:34:54","date_gmt":"2014-03-27T15:34:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2066"},"modified":"2014-03-27T23:54:28","modified_gmt":"2014-03-27T22:54:28","slug":"26-03-2014-schadenfreude","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/03\/27\/26-03-2014-schadenfreude\/","title":{"rendered":"26.03.2014: Schadenfreude"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8220;Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur bleibt aber die Schadenfreude, da sie der Grausamkeit enge verwandt ist.&#8221;<\/em> Diese Behauptung von Arthur Schopenhauer greift viel zu kurz. Der Superlativ darin ist ohnehin falsch. Auch nette Menschen kennen Schadenfreude. Dabei geht es keineswegs um H\u00e4me oder um eine \u201epsychische Entlastung durch die Aufwertung eines Selbst gegen\u00fcber einem vermeintlichen \u00dcberflieger.\u201c Oft geht es einfach um die \u2013 zweifellos freudige &#8211; Tatsache, dass ein unvermeidliches Ungl\u00fcck nicht uns sondern einen anderen getroffen hat.<\/p>\n<p>34 mal in unseren Session-Reports kommt das Wort \u201eSchadenfreude\u201c vor. Meist mit einem durchaus positiven Touch. Hier eine kleine Auswahl:<\/p>\n<p><em><strong>Verflixxt!<\/strong> : Ein Garant f\u00fcr Freude und Schadenfreude. <\/em> \u2013 Ganz offen zu sehen; alle k\u00f6nnen sich unmittelbar mitfreuen. Das Offensichtliche und die spontane Mitfreude aller Unbeteiligten, ein Mitlachen selbst bei den Beteiligten, das sind \u00fcberhaupt die wesentlichsten Charakteristika f\u00fcr die positiven Seiten der Schadenfreude.<\/p>\n<p><em><strong>Via Romana<\/strong>: beim Gleichstand an Meilensteinen bekommt keiner was. Diese kleine Quelle reiner Schadenfreude ist f\u00fcr reifere Semester wohl das bemerkenswerteste Element von &#8220;Via Romana&#8221;.<\/em> \u2013 Zugestanden, nicht jede Schadenfreude wird von jedem geteilt.<\/p>\n<p><em><strong>Sankt Petersburg<\/strong>: G\u00fcnther lag das ganze Spiel \u00fcber auf dem letzten Platz. Es erhob sich schon eine allgemeine Schadenfreude mit oder gegen den erfahrenen Entwickler der PC-Version.<\/em> \u2013 OK; hier geht es eher schon in Richtung gegen einen \u00dcberflieger.<\/p>\n<p><em><strong>Trias<\/strong> : Die Herden auf dem Hexagon fallen ins Wasser und m\u00fcssen von dem jeweiligen Herdenbesitzer explizit auf Nachbarhexagons gerettet werden, wenn sie nicht untergehen sollen. Reichlich Stoff f\u00fcr spielerische Freude und Schadenfreude. <\/em> \u2013 Unbeabsichtigtes Ins-Wasser-Fallen: schon seit tausend Jahren wird dieser Gag in den Filmen der Welt mit garantiertem Lacherfolg aufgestischt.<\/p>\n<p><em>\u201eBei uns Westpark-Gamers darf gelacht werden. Schadenfreude wird von Siegern und Verlieren gleicherma\u00dfen akzeptiert und getragen.\u201c<\/em> \u2013 Nun da, da war vielleicht auch Wunsch der Vater des Gedankens.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2071\" aria-describedby=\"caption-attachment-2071\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Amerigo-Ernte.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Amerigo-Ernte.jpg\" alt=\"G\u00fcnther sichtet die Ernte aus dem W\u00fcrfelturm\" width=\"500\" height=\"484\" class=\"size-full wp-image-2071\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Amerigo-Ernte.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Amerigo-Ernte-150x145.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Amerigo-Ernte-300x290.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2071\" class=\"wp-caption-text\">G\u00fcnther sichtet die Ernte aus dem W\u00fcrfelturm<\/figcaption><\/figure><strong>1. &#8220;Amerigo&#8221;<\/strong><br \/>\nAus 16 Kartonteilen zu je 5 mal 5 Quadratfeldern stellen wir zu Beginn des Spiels eine variable Landschaft mit Inseln und Meeresarmen zusammen. Anschlie\u00dfend<\/p>\n<ul>\n<li>fahren wir mit unseren zwei Schiffen durch die Gegend und gr\u00fcnden H\u00e4fen,<\/li>\n<li>planen und bauen Landschaften,<\/li>\n<li>treiben Forschung (gut f\u00fcr die Potenz),<\/li>\n<li>kaufen Waren (gut f\u00fcr die Siegpunktwertung am Schlu\u00df),<\/li>\n<li>laden Kanonen (gut gegen die in wachsender Zahl auftretenden Piraten),<\/li>\n<li>rangeln ums um die Spielerreihenfolge.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welche Aktionen wir (und unsere Mitspieler gleichfalls) tun d\u00fcrfen, wird nach einem neuartigen Auswahlverfahren bestimmt, das auf einer altartigen Spiele-Erfindung basiert: einem W\u00fcrfelturm. Jede der sieben m\u00f6glichen Aktionen wird durch eine bestimmte Farbe vorgegeben; kleine Holzw\u00fcrfelchen mit den entsprechenden Farben werden nach einer vorgegebenen St\u00fcckelung in einen W\u00fcrfelturm geworfen; alle Aktionen, f\u00fcr die mindestens ein zugeh\u00f6riges Farbw\u00fcrfelchen wieder herausgefallen ist, d\u00fcrfen anschlie\u00dfend ausgef\u00fchrt werden. Mit welche Quantit\u00e4t, das bestimmt die h\u00f6chste Anzahl an gleichfarbigen W\u00fcrfeln irgend einer Farbe.<\/p>\n<p>Alles ist konstruktiv. Engp\u00e4sse gibt es nicht. Dass dringend gew\u00fcnschte Aktionen gerade nicht zu\u00e4ssig sind, kommt im Prinzip nicht vor. H\u00f6chstenfalls muss man darauf einen Zug warten. Aber ohne deshalb merkliche Nachteile in Kauf nehmen zu m\u00fcssen. Alles bringt uns vorw\u00e4rts. Alles liefert Siegpunkte. Mal fr\u00fcher mal sp\u00e4ter. Mal mehr, mal weniger.<\/p>\n<p>Hafengr\u00fcndungen bringen Brinkel, vollst\u00e4ndig mit Landschaftspl\u00e4ttchen \u00fcberbaute Inseln bringen Brot. Fische liefern die Rohstoff- und Warenmarker, die wir uns gezielt oder ungezielt das ganze Spiel \u00fcber zugelegt haben; Butter bei die Fische resultiert aus den verschiedenen Entwicklungsfortschritten, die stufenweise immer mal wieder etwas abwerfen. Alles ist rund und macht satt.<\/p>\n<p>Am Ende nehmen die Zugoptionen deutlich ab. Die H\u00e4fen sind alle entdeckt und die Schiffahrt kann eingestellt werden. In den Skalen f\u00fcr Entwicklungsfortschritt ist das Ende erreicht, Waren und Rohstoffe sind abgegrast. Mehr oder weniger oft muss man konstruktive Amerigonismen verfallen lassen und sich mit zwei Goldst\u00fccken Ersatz begn\u00fcgen. Weniger Spielrunden h\u00e4tten dieses Manko vermeiden und dazu noch Zeit sparen helfen! Wir brauchten in einem relativ flotten Spiel ca. 2 \u00bd Stunden f\u00fcr die ausgeschriebenen f\u00fcnf Spielrunden.<\/p>\n<p>Moritz hatte gleich zu Beginn seine nautischen F\u00e4higkeiten entwickelt. Dann raste er mit seinen getunten Rennbooten durch die Kan\u00e4le und setzte seine Duftmarken in alle erreichbaren Hafengegenden. Punktem\u00e4\u00dfig lag er lange Zeit ziemlich zur\u00fcck, doch er hatte mit seinem Vorgehen das gr\u00f6\u00dfte Landgebiet unter seine Kontrolle gebracht. Schlu\u00dfendlich konnte er hierauf die ertragreichsten Plantagen errichten und die sprudelnsten Siegpunktquellen erschlie\u00dfen, w\u00e4hrend die Konkurrenz sich schon l\u00e4ngst mit den Ersatzgoldst\u00fccken hatte zufriedengeben m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 7 (verteidigte, dass die Piraten heute etwa zu luschig waren), Moritz: 8 (Origineller Aktions-Auswahl-Mechanismus, es gibt viele verschiedene Strategien und alle haben Erfolgschancen. Bei Spielende landen alle Spieler \u2013 problemlos &#8211; oben auf den verschiedenen Entwicklungsskalen. [Das wird jetzt als Schw\u00e4che gewertet.]), Peter: 6 (tolle, unterschiedliche Spielelemente, am Ende \u00f6de), Walter: 6 (mal wieder die nackte Ingenieursleistung honoriert; kein Spannungsbogen; f\u00fcr ein Wiederholungsspiel  fehlt der Anreiz des \u201eto have a plan\u201c.)<\/em><\/p>\n<p>Bei \u201cRussian Railroads\u201d kritisierte Christoph meine Kritik der \u201ezu vielen Optionen\u201c. Kennst Du eigentlich den Unterschied zwischen \u201eviele\u201c und \u201e<strong>zu<\/strong> viele\u201c? Die gleiche Kritik m\u00f6chte ich n\u00e4mlich auch in \u201eAmerigo\u201c anmelden. Es gibt zu viele eintr\u00e4gliche Zugoptionen. F\u00fcr ein zeitvertreibliches Drauflosspielen und Schwelgen im \u00dcberma\u00df von Zugoptionen mag das angehen. Ein ein wohlstrukturiertes Vorgehen in einem \u00fcberschaubaren Entwicklungsraum, in dem auch der aktuelle Besitzstand der Mitspieler jederzeit klar \u00fcberschaubar ist, erfordert Beschr\u00e4nkungen. In der Beschr\u00e4nkung zeigt sich erst der Meister. Beim Machen und beim Nachmachen!<\/p>\n<p>PS: in \u201eAmerigo\u201c gibt es keine Schadenfreude. \u00dcberhaupt keine. Das ist leider ein Manko.<\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Poison&#8221;<\/strong><br \/>\nDieses kleine Kartenspiel setzte sich heute als Vorabsacker gegen den W\u00fcrfelsacker \u201eQuixx\u201c durch. Schon im August 2009 hatte es zum ersten Mal bei uns auf dem Tisch gelegen und wurde damals auch gleich zu unserem \u201eSpiel des Monats\u201c gek\u00fcrt.<\/p>\n<p>Wie kam man doch mit kleinen Sachen, Spielern eine Freude machen. Karten \u2013 nichts Neues unter der Sonne. Karten auf gemeinsame Stapel auslegen und ab einem gewissen Stapel-Limit daf\u00fcr Plus- oder Minuspunkte bekommen &#8211; auch das ist nicht keine Erfindung von Reiner Knizia. Aber mit wenigen bekannten oder unbekannten Spielelementen so h\u00fcbsch zu jonglieren, dass ein schnelles, unkompliziertes Spielchen mit einen hohen Grad an Interaktion herauskommt, das ist allemal ein hohes Lob wert.<\/p>\n<p>Welch eine gelungene Schadenfreude, wenn der Nachfolger unweigerlich einen der drei vergifteten 13-Punkte-Stapel an sich nehmen muss. Und hierbei erkennt man eine psychologisch verst\u00e4ndliche und soziologisch durchaus akzeptierte Motivation der Schadenfreude: Wir stehen alle unter der st\u00e4ndigen Spannung, dass so eine Misere auch uns treffen kann. Und gerade dadurch, dass es einen anderen getroffen hat, sind wir davongekommen. Wenn das kein Grund zur Freude ist.<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein 7,17 Punkte Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>\nWalter war schon nach dem zweiten Spiel herausgekickt worden und sein verabschiedender Verlust von 4 W\u00fcrfel wurde mit gro\u00dfem (schadenfreudigem!) Hallo quittiert. Moritz musste im Endspiel mit einem W\u00fcrfel gegen zwei W\u00fcrfel von G\u00fcnther und Peter antreten. Nicht mit zaghaftem Den-Schwanz-Einziehen, nur mit frisch-frech-fr\u00f6hlichem K\u00e4mpferherz kann man Lady Fortuna beeindrucken. 3 mal die Vier war seine mutige Vorgabe. Zuversichtlich zweifelte G\u00fcnther mit zwei gew\u00fcrfelten Luschen an. Doch sein Strahlen wandelte sich unmittelbar darauf in ein vierfaches schallendes Gel\u00e4chter (reine Freude und Selbst-Schaden-Freude bei Beteiligten und Unbeteiligten), als Peter zwei Vieren aufdeckte. Mit 1:1:1 ging es also in das endg\u00fcltige Endspiel.<\/p>\n<p>Moritz begann mit 1 mal die F\u00fcnf. G\u00fcnther hob auf 1 mal den Stern. Peter ging auf 2 mal die Eins, was Moritz auf 2 mal die F\u00fcnf steigerte. &#8230; Endergebnis: Nochmals schallendes Gel\u00e4chter am Westpark.<\/p>\n<p>Fragen (ohne Wein-Pr\u00e4mie): Wer hat gewonnen? Wer hatte welche Augenzahl unter dem Becher? Wer hatte bei dieser Konstellation (einschlie\u00dflich Moritz\u2019 erster Vorgabe) \u2013 eigentlich \u2013 die besten Chancen auf den Sieg?<\/p>\n<p>Weitere Post-Mortem-Frage an Peter: Wo war bei Deiner Vorgabe von \u201e2 mal die Eins\u201c eigentlich Dein Witz und Dein Spielwitz?<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur bleibt aber die Schadenfreude, da sie der Grausamkeit enge verwandt ist.&#8221; Diese Behauptung von Arthur Schopenhauer greift viel zu kurz. 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