{"id":207,"date":"2008-11-13T02:15:51","date_gmt":"2008-11-13T02:15:51","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=207"},"modified":"2008-11-13T02:15:51","modified_gmt":"2008-11-13T02:15:51","slug":"12112008-fin-de-siecle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/11\/13\/12112008-fin-de-siecle\/","title":{"rendered":"12.11.2008: Fin de si\u00e8cle"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ein Programmierer behauptet, er sei zu 95 % mit seinem Programm fertig, dann wird ein erfahrener Manager hellh\u00f6rig: Gew\u00f6hnlich wird dann mindestens noch mal die gleiche Entwicklungszeit bis zur endg\u00fcltigen Freigabe ben\u00f6tigt. Heute brachte Moritz erneut seine Eigenentwicklung &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221; zum Testen mit. Offiziell soll das Spiel bereits zu 99% fertig sein. Doch genauso wie in der Datenverarbeitung wurde auch hier die Skepsis der erfahrenen Tester nicht entt\u00e4uscht: Es wird noch einiges Wasser die Isar hinunterflie\u00dfen, bis das Spiel zum Feintuning beim Verlag abgeliefert werden kann. Wenn Genie und Schwei\u00df des Autors bis zum Jahresende noch die gew\u00fcnschten Fr\u00fcchte hervorbringen k\u00f6nnen , dann kann das Spiel bis Essen-2009 auf den Markt kommen. Andernfalls mu\u00df sich die Spielerwelt noch ein weiteres Jahr gedulden.<br \/><strong>1. &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221;<\/strong><br \/>Als erstes trat wieder das bekannte Handtuch in Aktion; diesmal aber nicht, um den Rotwein von der gr\u00fcnen Tischdecke aufzusaugen, sondern um die riesige Plastikscheibe abzutrocknen, die Moritz als Schoner f\u00fcr sein provisorisches Spielbrett durch den Regen zum Westpark angeschleppt hat.<br \/>Nach kurzen Erl\u00e4uterungen zu den Regel\u00e4nderungen gegen\u00fcber der Vorversion konnten wir uns \u00fcber das Spiel hermachen. Jeder bekommt zu Spielbeginn einen anderen &#8220;Aspekt&#8221; zugeordnet, der dem Spielverlauf a priori die gewollte Asymmetrie gibt. Der eine kommt leichter ans Geld, der andere hat immer ausreichend Aktionskarten in der Hand, der dritte kann effizienter Forschen und der vierte bewegt sich schneller durch das Weltgeschehen. Walter legte sich als Startspieler die Kultur zu, Hans die Industrie, Moritz die Politik und G\u00fcnther die Religion.<br \/>In verschiedenen Regionen der Welt m\u00fcssen wir uns um Fortschritte bem\u00fchen, wir m\u00fcssen L\u00e4nder beherrschen, Bauwerke errichten, Weltereignisse ausl\u00f6sen und Einflu\u00df auf die Kriege der Epoche nehmen. Wir k\u00f6nnen keine anderen Kriege ausl\u00f6sen, als die in der Geschichte vorgegeben sind. Hier geht es auch nicht im Draufhauen und Totstechen, sondern um Mehrheitseinfl\u00fcsse, um den Kriegsausgang zu entscheiden und daraus Kapital zu schlagen.<br \/>Doch der Krieg ist nicht das dominierende Element. Der Motor des Spiels sind zahlreiche, sehr verschiedene Karten, die ein jeder bei verschiedenen Aktionen in unterschiedlicher Anzahl vom verdeckten Stapel nachzieht. Je nach der Art, wie man die Karten einsetzt, bringen sie Geld, Bewegung, Fortschritt oder Besitz. Es gibt eine Menge zu \u00fcberlegen, um aus den zul\u00e4ssigen Aktionen und aus der eigenen Kartenhand das Beste auszuw\u00e4hlen. In dieser Beziehung kommt das &#8220;20. Jahrhundert&#8221; schon nah an die Komplexit\u00e4t von &#8220;Agricola&#8221; heran.<br \/>Die L\u00e4nder der Regionen haben naturgem\u00e4\u00df unterschiedliche Wertigkeit; sie tragen auch unterschiedliche Anteile zum individuellen Entwicklungsfortschritt bei. In der ersten Spielversion waren es noch die billigen L\u00e4nder, die hier die besten Ertr\u00e4ge lieferten, in der jetzigen Version sind es die teuren L\u00e4nder, die zur Erf\u00fcllung der Siegpunktbedingungen nahezu unerl\u00e4\u00dflich sind. Diese Neuigkeit war an Walter total vorbeigegangen. Wie vieles andere auch. So war er schnell hoffnungslos ins Hintertreffen geraten. Moritz erbarmte sich und bot sich als Coach an. Moritz, der schwarze Falke als Samariter &#8211; welch eine g\u00f6ttliche Situation. Walter nahm das Angebot ohne Z\u00f6gern an, um sich umso unbeschwerter in die geheimnisvollen Zusammenh\u00e4nge des Spiel einweisen zu lassen.<br \/>Nach knapp zwei Stunden Spielzeit waren G\u00fcnther und Hans in der Lage, die Spiel-Endebedingungen herbeizuf\u00fchren. Doch jeder wollte dabei nat\u00fcrlich anschlie\u00dfend als Sieger daraus hervorgehen, und das war nicht so einfach zu kombinieren. So zog sich das Spiel noch \u00fcber eine weitere gute Stunde hin, eine moderne Kanonade von Valmy, von weltgeschichtlicher Bedeutung aber ohne Entscheidung. F\u00fcr diese Phase braucht das Spiel noch eine z\u00fcndende Idee, gl\u00fccklicherweise hat sie Moritz schon in der Schublade.<br \/>Durch mehr oder weniger (un)gewollte Ereigniskarten konnte sich Hans schlie\u00dflich durchsetzen. G\u00fcnther resignierte: &#8220;Hans hat gewonnen!&#8221; Moritz verteidigte den Spielmechanismus: &#8220;Und Du konntest es nicht verhindern!&#8221; G\u00fcnther konterte: &#8220;Weil Du Kingmaker warst!&#8221; Oder war es Zufall?<br \/>Zur Kingmakerei wollen wir am Ende nochmals Wikipedia entscheiden lassen: &#8220;Kingmaker is a term originally applied to the activities of Richard Neville, 16th Earl of Warwick during the Wars of the Roses in England. The term has come to be applied more generally to a person or group that has great <strong>influence in a royal or political succession, without being a viable candidate<\/strong>. &#8221; Wenn ich also meine F\u00e4higkeiten zum Nutzen oder Schaden anderer so einsetze, da\u00df jemand Sieger wird, ohne da\u00df ich selbst davon profitiere, dann bin ich ein Kingmaker. Schaun wir mal, ob Moritz in seinem &#8220;20 Jahrhundert&#8221; diesen (sicherlich minimalen) Effekt noch eliminieren kann, oder ob er ihn spielerisch gewollt darinnen lassen wird.<br \/><strong>2. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Nein, diesmal gab es keinen Absacker. Nach dem regul\u00e4ren Ende des &#8220;20. Jahrhunderts&#8221; und einer ausgiebigen Man\u00f6verkritik war es f\u00fcr Hans und Moritz h\u00f6chstes Zeit, zur letzten U-Bahn abzud\u00fcsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Programmierer behauptet, er sei zu 95 % mit seinem Programm fertig, dann wird ein erfahrener Manager hellh\u00f6rig: Gew\u00f6hnlich wird dann mindestens noch mal die gleiche Entwicklungszeit bis zur endg\u00fcltigen Freigabe ben\u00f6tigt. Heute brachte Moritz erneut seine Eigenentwicklung &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221; zum Testen mit. Offiziell soll das Spiel bereits zu 99% fertig sein. 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