{"id":209,"date":"2008-11-27T11:05:03","date_gmt":"2008-11-27T11:05:03","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=209"},"modified":"2008-11-27T11:05:03","modified_gmt":"2008-11-27T11:05:03","slug":"26112008-middle-kingom-zur-preusischen-eisenbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/11\/27\/26112008-middle-kingom-zur-preusischen-eisenbahn\/","title":{"rendered":"26.11.2008: &#8220;Middle Kingom&#8221; zur &#8220;Preu\u00dfischen Eisenbahn&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Aaron kam eine Viertelstunde zu sp\u00e4t. Das B\u00fcro hatte ihn nicht weggelassen. Dabei hat morgen um 6:30 Uhr schon wieder eine Telefonkonferenz. Irgendwelche Entscheidungen sollen bis zum Mittag gef\u00e4llt werden. In Indien. Lokalzeit! Da bleiben ihm heute noch 4 Stunden Schlaf. Gute Nacht! (Mal sehen, wie viele Stunden Schlaf mir heute noch bleiben, wenn dieser Bericht im Internet steht.)<br \/><strong>1. &#8220;Middle Kingdom&#8221;<\/strong><br \/>Nach Aaron sollte dieses Spiel von Tom Lehmann 30 Minuten dauern. Er trug wie immer klar und deutlich die Spielregeln vor, aber mit einer so schweren Zunge, als w\u00e4re es jetzt schon 6:30 Uhr in der Fr\u00fch. So brauchten wir einschlie\u00dflich der Regelerkl\u00e4rung immerhin eineinhalb Stunden. Ohne Hans!<br \/>Wir haben alle die gleichen Biet-Karten auf der Hand uns m\u00fcssen uns damit a la &#8220;Hol&#8217;s der Geier&#8221; ausliegende Berufsgruppen ersteigern: Farmer, Nobles, Warlords, B\u00fcrokraten, H\u00e4ndler und Philosophen. Verdeckt zieht jeder eine Biet-Karten, alle decken sie dann gemeinsam auf: der Spieler mit der h\u00f6chsten Karte darf zuerst w\u00e4hlen, der Spieler mit der niedrigsten Karte geht leer aus. Es sei denn, es gibt einen Tie und zwei Spieler haben die gleiche Karte gezogen: Diese bekommen daf\u00fcr in dieser Runde gar nix. Das \u00fcbliche psychologische Spiel um die h\u00f6chste Karte, die kein anderer ausgew\u00e4hlt hat.<br \/>Mehrheiten in erworbenen Berufsgruppen bringen Bonuseffekte: Entweder bekommt man einen halben Punkt Bonus und kann damit jeden Tie vermeiden, oder man darf beim Bieten eine Karte nachlegen, oder man hat grunds\u00e4tzlich das erste Zugriffsrecht innerhalb der ausliegenden Berufsgruppen, oder man darf sich zus\u00e4tzlich eine der beim Tie \u00fcbriggebliebenen Karten aneignen. Alle diese Bonusse haben sehr extreme Auswirkungen. Zu extrem! Selbst wenn das Spiel nur ganz kurz dauert, machen sie die eigentlich recht kurzweilige Versteigerungschaoslogik kaputt.<br \/>Peter bekam durch Gl\u00fcck oder K\u00f6nnen ganz fr\u00fch den Bonus der zus\u00e4tzlichen Karte und h\u00e4ufte Besitztum auf Besitztum. G\u00fcnther als Letzter profitierte lange von dem ersten Zugriffsrecht, doch deswegen sollte man sich wohl nicht gewollt die rote Laterne zulegen.<br \/>Sicherlich l\u00e4\u00dft es sich berechnen, welche Bonusse zu welchem Spielzeitpunkt den gr\u00f6\u00dften Nutzen bringen. Doch was hilft das alles, wenn der Erwerb der ben\u00f6tigten Karten jeder geordneten Planung entzogen ist und allein dem Tie-Zufall unterliegt.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (sieht einen gewissen Wiederspielwert), G\u00fcnther: 4 (sieht keinen), Peter: 6 (ja wenn man st\u00e4ndig Karten geschenkt bekommt), Walter: 3 (sieht auch keinen).<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Preu\u00dfische Ostbahn&#8221;<\/strong><br \/>Genauso wie der &#8220;Chicago Express&#8221; ist die &#8220;Preu\u00dfische Ostbahn&#8221; ein Eisenbahnaktienspiel von Harry Wu, diesmal mit einer Szenerie im Deutschland des vorletzten Jahrhunderts. Wir kaufen Aktien von Eisenbahngesellschaften, bauen Streckenverbindungen und erzielen damit Einnahmen.<br \/>Trotzdem des ersten Eindrucks ist die &#8220;Preu\u00dfische Ostbahn&#8221; kein 18xx-Derivat. Es gibt keine Pr\u00e4sidenten, keine Aktienverk\u00e4ufe, keine technischen Innovationen und keinen Betrug. Alle Anteile bleiben fest in den H\u00e4nden des Ersterwerbers. Jeder darf f\u00fcr jede Gesellschaft handeln (sofern er mindestens eine Aktie von ihr besitzt), und Aussch\u00fcttungen gibt es nur f\u00fcr das Herstellen neuer St\u00e4dteverbindungen, nicht aber als Standardeinnahme pro Operationsrunde.<br \/>&#8220;Keep fully invested&#8221; trifft hier keineswegs zu. Nicht derjenige, mit dem h\u00f6chsten Aktienbesitz ist schlu\u00dfendlich der Sieger, sondern derjenige mit dem meisten Bargeld, und da die Gesellschaften in der Regel nur 1-3 mal Dividende aussch\u00fctten, kann der Erwerb einer Aktie leicht mehr kosten, als sie insgesamt einbringt.<br \/><strong>Bemerkenswert<\/strong> (nach Peters Einsch\u00e4tzung: <strong>beklagenswert<\/strong>) ist die Ermittlung der Zugreihenfolge: Der F\u00fchrende gibt eines seiner Kl\u00f6tzchen in ein S\u00e4ckchen, der Zweite gibt zwei, der Dritte drei usw.; aus diesem S\u00e4ckchen werden insgesamt vier Kl\u00f6tzchen herausgezogen und bestimmen entsprechend die Spieler, die Handeln d\u00fcrfen. Wer Pech hat &#8211; und der F\u00fchrende hat statistisch gesehen besonders viel Pech &#8211; von dem wird kein einziges Kl\u00f6tzchen gezogen und der darf in einer kompletten Runde \u00fcberhaupt nicht agieren. Das mag ein Korrektiv gegen den F\u00fchrenden sein, aber ein ganz sch\u00f6n krasses!<br \/>Ein hei\u00dfer Disput entstand zwischen Peter und Walter dar\u00fcber, ob ein Spieler einem anderen einen guten Ratschlag geben darf. Walter war strikt dagegen; die vielf\u00e4ltigen Interessenverflechtungen k\u00f6nnten lange kontroverse Argumentationsschlachten ausl\u00f6sen. Zudem versteht er nix von Diplomatie. Peter als geborener Diplomat war strikt daf\u00fcr, und wollte Aaron unbedingt zu einen guten Zug \u00fcberreden, von dem er selbst (nat\u00fcrlich) auch einiges profitiert h\u00e4tte. Das Schicksal lie\u00df den Disput g\u00fctlich enden: Peters gute Ratschl\u00e4ge waren mangels Liquidit\u00e4t gar nicht durchf\u00fchrbar.<br \/>Ja, ja, die Durchf\u00fchrbarkeit! Im Gegensatz zu den Spielen der 18xx-Reihe, wo am Ende jeder Spieler und fast jede Gesellschaft nur so im Geldsegen schwimmt, klemmt es bei der &#8220;Preu\u00dfische Ostbahn&#8221; mehr oder weniger an allen Ecken und Enden: Entweder hat die Gesellschaft kein Geld um ihr Streckennetz zu erweitern, oder sie hat keine Gleise mehr, oder die dividende-tr\u00e4chtigen Verbindungen sind bereits alle zugebaut.<br \/>Wer im Einkommen hinten dran liegt, hat auch kein Interesse mehr, konstruktiv zu bauen, denn bei jeder Gewinnaussch\u00fcttung verdienen die anderen mehr als er. Keine Motivation f\u00fcr die Suche nach besten Entwickungsm\u00f6glichkeiten, eher danach, die Minderheitsgesellschaften an die Wand zu fahren. Doch lustvoll ist das auch nicht.<br \/>Nach der Spielregel endet das Spiel, &#8220;wenn jede Gesellschaft an mindestens zwei anderen Gesellschaften angeschlossen ist, oder <strong><em>alle Spieler \u00fcbereinstimmen, da\u00df dies nicht mehr m\u00f6glich ist<\/em>.&#8221; <\/strong>Eine ziemlich hohe Anforderung an Einsicht und guten Willen der Mitspieler. Doch G\u00fcnther versicherte: &#8220;Wer Winsome Spiele spielt, der sieht das auch ein!&#8221; Doch hinter solchen Regelformulierungen verbirgt sich mit Sicherheit eine Design-Schw\u00e4che.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (Wiederspielwert &#8211; schon wieder!), G\u00fcnther: 7 (die Spielschachtel l\u00e4\u00dft sich gut stapeln. [Peter: gut entsorgen!]), Peter: 2 (wurde zu selten aus dem S\u00e4ckchen gezogen), Walter: 5 (die vielen Beschr\u00e4nkungen d\u00e4mpfen die Spielfreude)<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Immer h\u00e4ufiger fangen wir alle schon bei vollen W\u00fcrfelbechern mit der Einmal-die-4-Strategie an. Das macht auch Sinn! Wichtiger, als die Mitspieler mit hohen Vorgaben unter Druck zu setzen, ist es, nichts von seinem eigenen Wurf zu verraten, sondern rumzuh\u00f6ren, wie die Mitspieler sich so langsam offenbaren (oder bluffen). Eine hohe Anfangsvorgabe ist dagegen ein Alles-oder-Nichts-Vorgehen, das oft genug im Nichts endet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aaron kam eine Viertelstunde zu sp\u00e4t. Das B\u00fcro hatte ihn nicht weggelassen. Dabei hat morgen um 6:30 Uhr schon wieder eine Telefonkonferenz. Irgendwelche Entscheidungen sollen bis zum Mittag gef\u00e4llt werden. In Indien. Lokalzeit! Da bleiben ihm heute noch 4 Stunden Schlaf. 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