{"id":2092,"date":"2014-05-09T00:06:26","date_gmt":"2014-05-08T22:06:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2092"},"modified":"2014-05-15T12:50:34","modified_gmt":"2014-05-15T10:50:34","slug":"07-05-2014-klassiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/05\/09\/07-05-2014-klassiker\/","title":{"rendered":"07.05.2014: Klassiker"},"content":{"rendered":"<p>In seinem zweiten Hobby ist Horst ein DJ. Er besitzt eine riesige Plattensammlung und legt auch gerne auf. Dabei wei\u00df er genau, wie man das Publikum zum Tanzen bringt: ABBA und Bee Gees. Ach, was waren die 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts doch f\u00fcr goldene Zeiten! In der musikalischen Entwicklung ab es f\u00f6rmlich eine Explosion! Viele der damals geschaffenen Produkte sind echte Klassiker geworden. Und wie sieht es heute aus, mit House und Mouse und Rapp und Bumm-bumm? &#8230;<\/p>\n<p>Genauso wie auf dem Spielesektor gibt es auch in der Unterhaltungsmusik ein Lamento \u00fcber das Ausbleiben neuer Impulse. Oder klagen hier wie dort nur die gleichen \u00e4lteren Semester? Also die \u00fcber 30-J\u00e4hrigen?<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe an den ABBA-Fan Birgit! Wachsen und Gedeihen f\u00fcr Maximilian als Vertreter der allerj\u00fcngsten Generation.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;San Juan&#8221;<\/strong><br \/>\nEin echter Klassiker! Schon im M\u00e4rz 2004 wurde es zu unserem dritten Titeltr\u00e4ger von \u201eSpiel des Monats\u201c gek\u00fcrt. Ein paar (keineswegs un\u00fcbersichtlich viele) verschiedene \u201eSchienen\u201c gibt es, auf denen man sein Gl\u00fcck versuchen kann: Produzieren und Handeln, Privilegien an Land ziehen oder zielstrebig auf die siegpunkttr\u00e4chtigen Geb\u00e4ude losgehen. Alles ist in jeder Richtung ausblanciert: die Effekte der w\u00e4hlbaren Aktionen, ihre unterschiedlichen Auswirkungen innerhalb der Mitspieler und die Progressionen im Zuge der allgemeinen Weiterentwicklung.<br \/>\nIn zehn Minuten ist alles erkl\u00e4rt, in weiteren f\u00fcnf Minuten auch verinnerlicht, und schon kann man auf vertrauten Pfaden seine Spiellust ausleben. Ein echtes Karten<strong>SPIEL<\/strong>! Und w\u00e4hrend man sich noch \u00fcber die h\u00fcbsche Konstruktion freut (und ggf. r\u00e4soniert, warum heute alles um so viel komplexer und freudloser geworden ist, ist ein Spiel auch schon wieder vorbei. Die Kinder k\u00f6nnen ins Bett gehen und die Erwachsenen zur vorletzten U-Bahn.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Horst hatte das Spiel heute zum ersten Mal gespiel; er vergab 9 Punkte, einen Punkt mehr als unser ohnehin guter Median (schnelle Erkl\u00e4rung, stimmig, locker, konstruktiv, akzeptabler Gl\u00fccksanteil.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_2094\" aria-describedby=\"caption-attachment-2094\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DJ-HorstBeiCraftsmenABBA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2094\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DJ-HorstBeiCraftsmenABBA.jpg\" alt=\"DJ Horst als Craftsman\" width=\"500\" height=\"624\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DJ-HorstBeiCraftsmenABBA.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DJ-HorstBeiCraftsmenABBA-120x150.jpg 120w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DJ-HorstBeiCraftsmenABBA-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2094\" class=\"wp-caption-text\">DJ Horst als Craftsman<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>2. &#8220;Craftsmen&#8221;<\/strong><br \/>\nG\u00fcnther k\u00fcndigte beim Auspacken des Spieles schon prophylaktisch an: \u201eJetzt m\u00fcssen wir wieder eine Stunde lang erkl\u00e4ren\u201c. Und so war es denn auch. Mindestens! Eine Menge Material, Szenerie, Effekte und Randbedinungen gilt es zu erl\u00e4utern.<\/p>\n<p>Lassen wir das K\u00f6nigreich, in dem wir agieren, mal beiseite, ebenso das versprochende Denkmal und den ewigen Ruhm, die dem Sieger winken, all das tr\u00e4gt zum Verst\u00e4ndnis das Spielablaufs nichts bei. In einem \u201eGehilfenplacementspiel\u201c d\u00fcrfen wir in zw\u00f6lf Runden je f\u00fcnf Aktionen ausf\u00fchren, in denen wir<\/p>\n<ul>\n<li>Geld abholen \u2013 es liegt kostenlos in der Bank herum<\/li>\n<li>ein bis zwei Werkst\u00e4tten bauen, in denen wir sp\u00e4ter Rohstoffe, Halbfertiges oder Ganzfertiges produzieren k\u00f6nnen<\/li>\n<li>uns eine neue Werkstatt aussuchen \u2013 die wir leider aber fr\u00fchestens erst in der n\u00e4chsten Runde bauen k\u00f6nnen<\/li>\n<li>in unseren Werkst\u00e4tten produzieren, die Produkte veredeln, auf den Markt bringen und vielleicht sogar auch noch verschiffen<\/li>\n<li>handeln, um Zubeh\u00f6rteile f\u00fcr unsere Fertigprodukte zu erwerben, die wir selber nicht herstellen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Acht verschiedene Produktionsketten gibt es, die fr\u00fcher, aber eher sp\u00e4ter von Holz, Erz, Vieh und \u00c4hnlichem \u00fcber Papier, Eisen, Leder und \u00c4hnlichem zu Bier, Waffen, Kleidung und \u00c4hnlichem f\u00fchren. Zuerst tr\u00f6pfeln unsere einsamen Trauben nur sp\u00e4rlich in die Tr\u00f6ge, und wir sind froh, wenn wir auf dem Markt noch gen\u00fcgend Platz zum Unterbringen finden. Sp\u00e4ter k\u00f6nnen wir ihre \u00d6chslegrade mit Bienenhonig anreichern, und sie nach ihrem Reifeprozess in selbstgemachten Bierf\u00e4ssern zum Export rollen.<\/p>\n<p>Bau- und Produktionsengp\u00e4sse gibt es eigentlich nicht. Wir sind von Haus aus mit gen\u00fcgend Geld ausgestattet, um uns die n\u00e4chstbesten Produktionsst\u00e4tten leisten zu k\u00f6nnen. Falls im sp\u00e4teren Spielaufbau mal ein Glied zu einer vollst\u00e4ndigen Produktionskette fehlt, k\u00f6nnen wir es durch Nachk\u00e4ufe aus Markt oder Speicher problemlos, d.h. mit geringem zus\u00e4tzlichem Gehilfenaufwand zukaufen.<\/p>\n<p>Eigentlich l\u00e4uft alles ziemlich solit\u00e4r ab. Beim Placieren der Gehilfen auf den &#8211; f\u00fcr mehrfach Belegung zugelassenen &#8211; Aktionspl\u00e4tzen genie\u00dft der Erstplacierte zwar bestimmte Privilegien, doch die Unterprivilegierten k\u00f6nnen sich diesen Vorteil durch verbriefte Urkunden, die an mehreren Stellen des Spielbretts recht wohlfeil angeboten werden, babyleicht in gleichem Ma\u00dfe zunutze machen. Entsprechend kann jeder unabh\u00e4ngig vom anderen planen und agieren.<\/p>\n<p>Die Konkurrenz beim Verschiffen ist marginal. Da Fertigprodukte sowieso nur sporadisch erzeugt werden, und es weder freudvoll noch angemessen ist, auch noch bei allen Mitspielern nachzurechnen, wann ihr Brot und Wein zur Verschiffung anstehen wird, darf man es mehr oder weniger dem Zufall \u00fcberlassen, wann welcher Spieler hier die Pr\u00e4mien f\u00fcr Pr\u00e4senz und Dominanz bekommt.<\/p>\n<p>Eine absolut neue Erfindung ist die Mehrfachwertung des Geldes. Die Geldkarten kommen in St\u00fcckelungen zu einer, zwei oder drei Einheiten vor, jede Einheit dann auch noch in vier verschiedenen Farben. Zwei Geldkarten der gleichen Farbe, unabh\u00e4ngig von der St\u00fcckelung, sind 5 Einheiten wert, drei gleichfarbige Geldkarten 10 Einheiten, usw. in einer arithmetischen Reihe. Das Geld kann man au\u00dferdem, wenn man Geldkarten von allen vier Farben besitzt, in einer bestimmten Phase des Spiels direkt in Siegpunkte umwandeln.<\/p>\n<p>Soweit so gut. Das Spiel ist rund und sch\u00f6n, das Spielmaterial von erlesener Qualit\u00e4t, die Regeln klar, die m\u00f6glichen Spielz\u00fcge durch Bilder und Symbole auf Karten und Spielbrett mnemotechnisch verst\u00e4ndlich dargestellt. Die verschiedenen Effekte in sich sind gut ausbalanciert, es gibt keine Mangelerscheinungen und keine Sackgassen. Nur: <strong>die Spieldauer ist viel zu lang<\/strong>! In drei Stunden Spieldauer \u2013 ohne Erkl\u00e4rung \u2013 haben wir nur knapp zwei von drei Runden zu Ende gebracht. Dann musste Horst gl\u00fccklicherweise zur U-Bahn und wir konnten ohne Affront abbrechen.<\/p>\n<p>Eine ganze Latte von Regelchen bringen Umst\u00e4ndlichkeit ins Spiel, ohne dass damit ein spielerischer Mehrwert gewonnen wird. Die Behandlung der Geldkarten ist an sich schon kompliziert. Dazu muss man f\u00fcr bestimmte Kaufgesch\u00e4fte auch noch Geldscheine einer bestimmten Farbe hinbl\u00e4ttern. Zu diesen unn\u00f6tigen \u201eRegelchen\u201c geh\u00f6rt auch, dass man darf nur farbgleiche Geb\u00e4ude nebeneinander bauen darf, eine Erschwernis, die man mit trival zu bekommenden Privilegien auch schon wieder unterlaufen kann.<\/p>\n<p>Mehrere Karten ziehen (Geldkarten von der Bank, Werkstattkarten von drei verschiedenen Stapeln), sich davon die besten heraussuchen und den Rest wieder abzugeben, erfordert Auswahlzeit, die eigentlich nur Tempo kostet. Wir waren gl\u00fccklicherweise nur zu dritt. Wie w\u00e4re die Wartezeit f\u00fcr die Mitspieler erst geworden, wenn wir das Spiel zu f\u00fcnft gespielt h\u00e4tten?! L\u00e4nger als zwei ausgewachsene \u201e1830\u201c-Sessions h\u00e4tte ein Spiel gedauert!<\/p>\n<p>Trotz Aufbau und verk\u00fcrzten Wegen bei der Produktion besitzt das Spiel keine wirkliche Dynamik. Alles geht gem\u00e4chlich seinen Weg. Wir warten auch nicht in Spannung, ob uns gleich ein besonders geiler Zug gelingen wird. Es gelingt immer alles. Dazu sind viel zu viele Sicherungen eingebaut, die ein Mi\u00dflingen verhindern. Au\u00dferdem gibt es ohnehin keine \u201ebesonders geilen\u201c Z\u00fcge: niemand kann einem Mitspieler etwas wegnehmen oder verbauen, und umgekehrt k\u00f6nnen wir das auch nicht. Jederzeit wird jedermann eine ersch\u00f6pfende Palette \u00e4hnlichwertiger Z\u00fcge angeboten. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter muss das doch recht einf\u00f6rmig wirken.<\/p>\n<p>Mehr Kritik m\u00f6chte ich zum Erstlingswerk (?) von Krzysztof Matusik nicht \u00e4u\u00dfern. Wenn eine Gruppe von Freak-Spielern gerne zusammenkommt, um sich f\u00fcnf bis sechs Stunden lang beim konstruktiv Aufbau einer bl\u00fchender Craftsmen-Gemeinschaft miteinander zu messen, dann k\u00f6nnen sie sich mit \u201eCraftsmen\u201c ausgiebig verlustifizieren. Uns dreien war das heute etwas zu lang und zu langatmig.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (das Spiel funktioniert, ist \u00fcbersichtlicher als ein \u201eRosenberg\u201c, enth\u00e4lt aber trotzdem noch viele unn\u00f6tige Verkomplizierungen), Horst: 5 (eigentlich ganz sympathisch, aber zu lange Spieldauer und zu langes Warten), Walter: 5 (langer Aufbau ohne wirkliche Dynamik, kein Spannungsbogen).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem zweiten Hobby ist Horst ein DJ. Er besitzt eine riesige Plattensammlung und legt auch gerne auf. Dabei wei\u00df er genau, wie man das Publikum zum Tanzen bringt: ABBA und Bee Gees. Ach, was waren die 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts doch f\u00fcr goldene Zeiten! 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