{"id":2098,"date":"2014-05-29T14:01:03","date_gmt":"2014-05-29T12:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2098"},"modified":"2014-05-29T21:48:09","modified_gmt":"2014-05-29T19:48:09","slug":"28-05-2014-friedrich-glaenzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/05\/29\/28-05-2014-friedrich-glaenzt\/","title":{"rendered":"28.05.2014: Friedrich gl\u00e4nzt"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8220;Der Geist des Kartenspiels hat einen demoralisierenden Einfluss, weil man auf alle Weise, durch jeden Streich und jeden Schlich dem anderen das Seinige abgewinnen will. Die Gewohnheit wurzelt ein, greift \u00fcber ins praktische Leben, und man kommt allm\u00e4hlich dahin, in den Angelegenheiten des Mein und Dein es ebenso zu machen.&#8221;<\/em> (Arthur Schopenhauer)<\/p>\n<p>Ganz ehrlich: Der Typ hat eine Menge Schei\u00df geschrieben. Warum ist er eigentlich ein Philosoph?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs.jpg\" alt=\"LauterFriedrichs\" width=\"500\" height=\"694\" class=\"alignright size-full wp-image-2103\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs-108x150.jpg 108w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs-216x300.jpg 216w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/LauterFriedrichs-461x640.jpg 461w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><strong>1. &#8220;Friedrich&#8221;<\/strong><br \/>\nSchon als sich f\u00fcr heute eine Dreierrunde abzeichnete, schlug Walter den alten Fritz als abendf\u00fcllendes Programm vor. Es gab keine Widerrede. Ganz im Gegenteil: Moritz meldete sich von einer Konzertreise mit: <em>\u201eNeid! Da w\u00e4re ich gerne dabei!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Sechs Mal lag \u201eFriedrich\u201c bei uns bereits auf dem Tisch. Das letzte Mal vor ziemlich genau sechs Jahren. Peter las sich zur Vorbereitung in die Reports ein und bekam erhebliches nostalgisches Herzweh, als er sich das damalige muntere Leben und Lieben von Hans und Loredana nochmals vor Augen f\u00fchren konnte.<\/p>\n<p>\u201eFriedrich\u201c ist ein gro\u00dfes Spiel. Das Thema stimmt. Die f\u00fcr Freund und Feind faszinierende Figur von Friedrich, dem Gro\u00dfen, ist phantastisch umgesetzt. Welche Rolle auch immer wir spielen, Preussen, Russen, \u00d6sterreicher oder Franzosen: der vielseitige Kampf gegeneinander spiegelt die historischen Gegebenheiten. So wie sie waren oder wie sie h\u00e4tten sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dabei ist \u201eFriedrich\u201c trotz aller Gener\u00e4le und Armeen kein eigentliches Kriegsspiel, bei dem es um globales Morden geht. Viel mehr stehen im Vordergrund die absolut lokalen Spielziele, das kleine (und leichte) Erobern einiger weniger auserw\u00e4hlter St\u00e4dte. Und dagegen steht Preussens Aufgabe, in jeder Ecke seines Territoriums wenigstens eine Stadt zu halten. Solange Colberg in preussischer Hand ist, k\u00f6nnen weder die Russen noch die Schweden gewinnen. Solange Magdeburg gegen\u00fcber den Franzosen verteidigt wird, k\u00f6nnen auch diese ihr <strong>SPIEL<\/strong>ziel nicht erreichen. \u00d6sterreich und Preussen haben in Sachsen und Schlesien lange gemeinsame Frontlinien, in denen sie sich gegenseitig wehtun k\u00f6nnen und m\u00fcssen. Es ist aber trotzdem kein vernichtendes Zuschlagen, sondern ein intelligentes taktisches Lavieren um lang- und kurzfristige Vorteile.<\/p>\n<p>Wie man laviert, worauf jede Partei aufpassen muss, was man fr\u00fcher und was man sp\u00e4ter tun sollte: \u00fcber die vielen hunderte vern\u00fcnftigen und auch wichtigen Zugm\u00f6glichkeiten, und \u00fcber die wunderbaren Mechanismen, mit denen Richard Siv\u00e9l Balance und spielerische Momente in sein Werk eingebracht hat, will ich hier nichts mehr schreiben. In den acht Friedrich-Artikeln auf unserer Internetseite ist doch schon eine ganze Menge dazu gesagt. Ansonsten ist \u201eFriedrich\u201c unersch\u00f6pflich wie das Meer.<\/p>\n<p>Friedlich und konstruktiv verlief Peters Auffrischung der Spielregeln. Friedlich verteilten wir die Rollen: Walter bekam Preussen und Hannover, Aaron \u00d6sterreich und die Reichsarmee, und Peter die Randstaaten Russland, Schweden und Frankreich. Die Russen machten sich unverz\u00fcglich auf zu ihrem Eroberungszug nach Ostpreussen und Pommern. Mit etwas Gl\u00fcck konnte aber Generalfeldmarschall Lehwald K\u00f6nigsberg entsetzen und einen voreiligen russischen Endsieg verhindern. Mit der ersten Schicksalskarte starb dann auch schon die Zarin Elisabeth und ihre Nachfolgerin Katharina die Gro\u00dfe zog aus Sympathie zu Friedrich die russischen Truppen von den Vielv\u00f6lkerschlachten zur\u00fcck.<\/p>\n<p>In Schlesien wurde heute zwischen \u00d6sterreichern und Preussen lediglich ein recht unbeweglicher Stellungskrieg gef\u00fchrt. Kein Wunder, dass Aaron hinterher von seiner Rolle etwas entt\u00e4uscht war. Auch seine Reichsarmee konnte ihm nicht viel Freude machen. Statt aus Kruppstahl ist sie eher nur ein Espenlaub und ger\u00e4t schon ins Zittern, wenn Preussen nur ein bi\u00dfchen S\u00e4belrasseln h\u00f6ren l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Die Schweden wurden wie schon \u00f6fters stark \u00fcbersch\u00e4tzt. Mit der Fliegenklatsche k\u00f6nnte man sie in Schach halten, wenn man keine Angst vor ihren Moskitostichen hat. Preussen lie\u00df sich durch diese Angst viel zu viel Material aus seinem Arsenal binden.<\/p>\n<p>Die Hannoverschen Gener\u00e4le Ferdinand von Braunschweig und Cumberland hoppelten etwas hilflos \u00fcber Heide und Kraut. Mit einem Winke-Winke aus der Ferne wollten sie sich bei den Franzosen Lieb-Kind machen. Doch davon lie\u00df sich Madame de Pompadour nicht beeindrucken. Langsam aber zielstrebig r\u00fcckten ihre Armeen die Fulda und Leine entlang nach Norden. Nirgends trafen sie auf nennenswerten Widerstand. Selbst Magdeburg und Halberstadt waren ihnen mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt, weil Preussen in der Verteidigung gegen Russland zu viele Herzkarten gelassen hatte. Fast friedlich konnte Frankreich diese beiden St\u00e4dte einnehmen und hatte damit gewonnen.<\/p>\n<p>Zwei Stunden friedlicher Kampf. Mindestens genauso lange h\u00e4tten wir hinterher noch \u00fcber unsere Strategien und Taktiken, \u00fcber unsere Herausforderungen und Vers\u00e4umnisse diskutieren k\u00f6nnen. Als Teil des Spiels, als Teil der Freude am Spiel. Preussen steht im Mittelpunkt aller Kritik. Diesmal vielleicht besonders, weil es von Walter gef\u00fchrt wurde. Vielleicht hat hier doch der Moritz gefehlt, der Peters milit\u00e4rischem Genie als gleichwertiges Pendant h\u00e4tte Paroli bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein 8,3 Punkte Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Splendor&#8221;<\/strong><br \/>\nDas Spiel liegt noch im Jackpot f\u00fcr das \u201eSpiel des Jahres 2014\u201c. Vielleicht k\u00f6nnen sein (bei uns) noch unbekannter Autor Mark Andr\u00e9 (falls es nicht der in Wikipedia ausgewiesene \u201edeutsch-franz\u00f6sische Komponist im Bereich der Neuen Musik\u201c ist) und der noch unbekannte Spieleverlag Space Cowboys in wenigen Wochen damit Millionen scheffeln &#8230;<\/p>\n<p>Munter ziehen wir farbige Wertmarken von offen ausliegenden Stapeln und sammeln sie vor uns auf. F\u00fcnf der Regenbogenfarben und eine Jokerfarbe werden angeboten. Drei St\u00fcck auf einmal d\u00fcrfen wir uns davon nehmen. Mit den Wertmarken tauschen wir Wertkarten die a) Siegpunkte bringen und b) wie Wertmarken f\u00fcr das weitere Eintauschen genutzt werden k\u00f6nnen. Haben wir das lange genug getan, ist einer von uns Sieger geworden \u2013 der mit den ersten 15 Siegpunkten auf seinem Konto.<\/p>\n<p>Warum ist man Sieger geworden? Schwer zu sagen. Es gibt keine guten und kaum schlechte Z\u00fcge: Was man tun kann, ist alles ziemlich gleich gut. Nur blinde Dyskalkulisten finden hier und dort einen Ausrei\u00dfer. Vielleicht gewinnt der Startspieler! Wer kann es ihm verwehren?<\/p>\n<p>Zehn Jahre alt soll man sein, bevor man mit \u201eSplendor\u201c anf\u00e4ngt. Kann das sein? Wer seinen Kindern schon im Vorschulalter das Z\u00e4hlen im Zahlenraum bis 10 beigebracht hat \u2013 und welche normalen Eltern haben das nicht getan!? \u2013 kann sich schon vier Jahre vorher mit ihnen zu einem schnellen Glanz zusammensetzen. Eine halbe Stunde Spielzeit \u2013 zu meiner Zeit war das gerade das Richtige f\u00fcr ein entspannendes Betthupferl-Spiel. Das ist \u201eSpendor\u201c allemal. Mehr nicht.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (wohlwollend; einschlie\u00dflich 1 Punkt f\u00fcr die viele Luft! \u201eWarum muss ein Spiel, das gerade mal aus 90 Spielkarten und ein paar farbigen Wertmarken besteht, eine so gro\u00dfe Schachtel haben und noch dazu 30 Euro kosten!? Es fehlt jegliche Herausforderung; tragisch, dass es nicht einmal d\u00f6delig ist), Peter: 4 (wohlwollend; einschlie\u00dflich ein Punkt f\u00fcr die Graphik, obwohl er sich dabei durchaus auch etwas Sch\u00e4rferes h\u00e4tte vorstellen k\u00f6nnen), Walter: 5 (triviales, solit\u00e4res, abstraktes Aufbauspiel)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der Geist des Kartenspiels hat einen demoralisierenden Einfluss, weil man auf alle Weise, durch jeden Streich und jeden Schlich dem anderen das Seinige abgewinnen will. 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