{"id":211,"date":"2008-12-11T10:39:14","date_gmt":"2008-12-11T10:39:14","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=211"},"modified":"2008-12-11T10:39:14","modified_gmt":"2008-12-11T10:39:14","slug":"10122008-zwei-manner-und-ein-paar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2008\/12\/11\/10122008-zwei-manner-und-ein-paar\/","title":{"rendered":"10.12.2008: Zwei M\u00e4nner und ein Paar"},"content":{"rendered":"<p>G\u00fcnther ist erkrankt, Loredana und Peter m\u00e4steten sich auf einer Weihnachtsfeier, Hans ebenfalls, die Zaung\u00e4ste des Westparks hatten sich im Vorfeld nicht ger\u00fchrt. Nur Aaron und Walter, die Begr\u00fcnder der Westpark-Gamers, und das ideell-jugendliche Ehepaar Eggert, das einen Babysitter f\u00fcr den kl\u00fcgsten aller kleinen Jungen gefunden hatte, st\u00fcrzten sich heute auf die Saft-Gummis von Trolli und die Erdbeer-Rhabarber-B\u00e4rchen von Bear&#8217;s &amp; Friends.<br \/><strong>1. &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221;<\/strong><br \/>Moritz hatte seine Spielerfindung in statu nascendi nach Amerika mitgenommen und bei den Boardgame-Geeks einer Nagelprobe unterzogen. Mit vielen neuen Ideen kam er zur\u00fcck. Beim Spielaufbau war er ungew\u00f6hnlich nerv\u00f6s; wie ein Vater, der seine Lieblingstochter auf den Heiratsmarkt bringt. &#8220;Verge\u00dft alles, was wir vorher gespielt haben!&#8221;<br \/>Das stimmt nicht ganz, denn immer noch besteht das Spielbrett aus Regionen rund um den Globus, geht es immer noch um Aspekte wie Kultur, Industrie und Milit\u00e4r, immer noch wird der Sieg \u00fcber Einflu\u00dfpunkte, Errungenschaften, L\u00e4ndermehrheiten und gewonnene Kriege bestimmt. Doch die Aktionen der Spieler sind deutlich konzentrierter. Die Auswahlm\u00f6glichkeiten sind durch feste Verteilungen deutlich beschr\u00e4nkter als in fr\u00fcheren Versionen, ohne da\u00df hier bei den Planungsm\u00f6glichkeiten etwas verloren gegangen w\u00e4re. Zur Festlegen der Z\u00fcge durch die Spieler hat Moritz ganz neue Wege beschritten, die in ihrer Art wahrscheinlich noch in keinem Spiel der Welt vorkommen. Jede Aktion der Spieler gewinnt zudem im Laufe des Spiels ein Mehrfaches an Durchschlagskraft und verleiht damit dem Spielablauf die angestrebte progressive Dynamik.<br \/>Das Spiel ist ein gewaltiges Ressourcen-Management um politischen Einflu\u00df, milit\u00e4rische Schlagkraft, und geographische Dominanz, die mittels Geld, Fortschritt und Ereigniskarten errungen werden. Kriege finden auch statt, schlie\u00dflich steht das 20. Jahrhundert thematisch im Hintergrund und das war ja bekanntlich keineswegs eine friedliche Epoche in der Menschheitsgeschichte. Kriege zu gewinnen hat selbstverst\u00e4ndlich einen vorteilhaften Einflu\u00df auf die Stellung eines Spielers, sie sind aber l\u00e4ngst nicht so dominant, da\u00df man &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221; als Wargame bezeichnen k\u00f6nnte.<br \/>F\u00fcr gewonnene Kriege gibt es keine Pluspunkte, sondern nur Minuspunkte. F\u00fcr die anderen! F\u00fcr <strong>alle<\/strong> anderen! &#8220;Nanu?!&#8221; denkt hier der Mathematiker. Doch dem Kulturschaffenden ist dieses Rechenprinzip &#8220;p\u00e4dagogisch wichtig&#8221;. Vielleicht hat hier aber nur ein Politiker Sand in die Augen seiner Fangemeinde streuen wollen.<br \/>Trotz einer ganzen Reihe von Vereinfachungen ist das Spiel immer noch ziemlich kompliziert. Sogar Moritz nahm einen l\u00e4ngst get\u00e4tigten Zug zur\u00fcck und bekannte entschuldigend: &#8220;Ich mu\u00df das Spiel ja selber erst mal verstehen!&#8221; Seine normalerweise recht aggressiv vorgetragene Aussage: &#8220;Das habe ich doch vorhin schon erkl\u00e4rt&#8221; wurde heute in einer leicht ironischen, ja fast sogar liebevollen Art zum Motto des Abends. Von jedermann gegen jedermann.<br \/>Moritz gewann mit Italien den zweiten Weltkrieg. Auf der Seite der Aliierten. (Ist das etwa selbstverst\u00e4ndlich?) Walter versetzte seine gesamte ungarische Verwandtschaft an die Front, doch sie konnten die Entscheidung nicht mehr kippen. Alle tot! Zugleich mit der Trauer setzte sein Lamentieren \u00fcber das hier eingebaute Kuhhandelsprinzip ein. Er h\u00e4tte die Niederlage ja noch akzeptiert, wenn nur die geliebten Bacsis alle am Leben geblieben w\u00e4ren. Moritz will das in den Regeln nochmals \u00fcberdenken.<br \/>Zum Schlu\u00df noch eine Weisheit des angehenden Spielerfinders: &#8220;Was einem beim Design simple vorkommt, das ist f\u00fcr die anderen schon viel zu kompliziert. Nur was einem super-simple vorkommt, das ist OK!&#8221;<br \/><em>Allm\u00e4hlich k\u00f6nnte eine WPG-Vorwertung f\u00fcr &#8220;Das 20. Jahrhundert&#8221; beginnen.<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Tain&#8221;<\/strong><br \/>Aaron legte es auf den Tisch: &#8220;Ein polnisches Spiel. Es geht ums Klauen!&#8221; &#8211; Nahezu ohne Gedankenpause fingen Moritz und Walter ein schallendes Gel\u00e4chter an: &#8220;Das ist eine Tautologie!&#8221; (Pardon, kochana Jola, das ist nur eines dieser saubl\u00f6den Harald-Schmitt-Klischees!)<br \/>Jeder Spieler besitzt den gleichen Satz von Spielkarten: 1 Hausherr, 1 Tochter, 2 K\u00e4mpfer, 6 Burschen und 8 &#8220;Blefs&#8221;. Diese Karten werden verdeckt entweder zum Viehdiebstahl vor die Eing\u00e4nge der fremden Stallungen gelegt oder zur Abwehr des Diebstahls hinter die Eing\u00e4nge der eigenen Stallung. Sind alle Angriffs- und Verteidigungspl\u00e4tze auf allen Stallungspl\u00e4nen belegt, werden die Karten aufgedeckt und die zugeh\u00f6rigen Au\u00dfen- und Innenpositionen nach der Methode Stein-Schere-Papier ausgewertet: Der Hausherr gewinnt gegen alle, der Krieger gegen das M\u00e4del und die Burschen, der &#8220;Blef&#8221; verliert gegen alle. Letzterer ist nur ein Dummy, ein halbes Gesicht mit einer heraush\u00e4ngenden Zunge, und wenn man die Spielkarte verkehrt herum betrachtet, dann ist es ein rechter Arsch.<br \/>Von Ferne erinnert der Mechanismus an &#8220;Hols der Geier&#8221;, doch dort spielen alle gegen alle und zwar um hohe Siegpunkt-Differenzen, noch dazu mit lauter verschiedenen Karten. In &#8220;Tain&#8221; stehen sich immer nur zwei Mitspieler gegen\u00fcber, es geht nur um eine einzige Kuh und als Einsatz hat man 50 Prozent identischer \u00c4rsche in der Hand! Kann man damit eine &#8220;Kartenpflege&#8221; betreiben?<br \/>Da Burschen und das T\u00f6chterlein im eigenen Hause vergewaltigt werden k\u00f6nnen, schickt man sie am besten zum Diebstahl in fremde H\u00e4user, da k\u00f6nnen sie wenigstens nicht ver- oder entf\u00fchrt werden; der Hausherr geht am besten ins fremde K\u00f6nigreich, von dort bringt er garantiert immer eine Kuh mit nach Hause; die K\u00e4mpfer verteidigen die Eing\u00e4nge und die \u00c4rsche f\u00fcllen die restlichen leeren Pl\u00e4tze aus. Folgen jedoch alle Spieler dieser Triviallogik, dann wird das Spiel noch \u00f6der.<br \/>Moritz konstatierte sofort: &#8220;Was dem Spiel fehlt, ist ein Spion. Er verliert gegen alle, deckt aber eine fremde Karte auf.&#8221; Oder so \u00e4hnlich. Dem Spiel fehlt noch viel mehr!<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4, Moritz: 6 (stimmig und h\u00fcbsch; ich schlage es als unser n\u00e4chstes Spiel des Monats vor),  Walter: 4<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnther ist erkrankt, Loredana und Peter m\u00e4steten sich auf einer Weihnachtsfeier, Hans ebenfalls, die Zaung\u00e4ste des Westparks hatten sich im Vorfeld nicht ger\u00fchrt. 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