{"id":2110,"date":"2014-06-19T12:26:08","date_gmt":"2014-06-19T10:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2110"},"modified":"2014-06-20T16:25:16","modified_gmt":"2014-06-20T14:25:16","slug":"19-06-2014-wenig-beeinflussbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/06\/19\/19-06-2014-wenig-beeinflussbar\/","title":{"rendered":"19.06.2014: Wenig beeinflu\u00dfbar"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>Spiele-Autoren-Zunft e.V.<\/strong> (SAZ) ist ein 1991 gegr\u00fcndeter Zusammenschluss (\u00fcberwiegend) deutscher Autoren als gemeinsame Interessenvertretung gegen\u00fcber \u00d6ffentlichkeit und Verlagen. Eines der Satzungsziele ist die St\u00e4rkung des Kulturgutes Spiel in der Gesellschaft. Sie veranstaltet Seminare, in denen angehenden Autoren das R\u00fcstzeug f\u00fcr Spielentwicklung und Produktion vermittelt wird. Auf den gro\u00dfen Spielemessen und Autorentreffen im deutschsprachigen Raum zeigt sie ihre Pr\u00e4senz. In den letzten Jahren ist sie insbesondere mit ihrer Kampagne zur Anerkennung von Spieleautoren als Urheber hervorgetreten.<\/p>\n<p>Seit dem 14. Juni dieses Jahres ist unser Aaron Pressesprecher der SAZ. Mal sehen, ob es jetzt dort (noch) lauter wird.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;FarbX&#8221;<\/strong><br \/>\nOhne eine Tasche mit Spielen kam Moritz am Westpark an. Den verwunderten Blicken hielt er aber sofort ein \u201eIch habe trotzdem ein Spiel dabei\u201c entgegen. Auf einer DIN-A-4-Seite waren die Regeln von Christof Tisch\u2019s neuem Prototypen \u201eFarbX\u201c aufgeschrieben. Ein Satz mit Romme-Karten ist das einzige Material, das dazu ben\u00f6tigt wird. Das sollte in einem Bridger-Haushalt doch vorhanden sein. (Achtung Christof: Wenn weiter nichts dazukommt, wirst Du es schwer haben, f\u00fcr diese Spielidee Dein eigenes Kartenmaterial auf den Markt bringen zu k\u00f6nnen!)<br \/>\nAuf dem Tisch ist Platz f\u00fcr vier Stapel in den verschiedenen Spielfarben Kreuz, Pik, Herz und Karo. Zu Spielbeginn bekommt jeder drei Karten auf die Hand ausgeteilt. Jetzt kann man reihum<\/p>\n<ul>\n<li>Beliebig viele Handkarten einer Farbe offen vor sich auslegen. Bestehende Auslagen der gleichen Farbe m\u00fcssen erweitert werden.<\/li>\n<li>Eine Handkarte zu dem farblich passenden \u00f6ffentlichen Farbstapel hinzuf\u00fcgen. Anschlie\u00dfend darf man vom verdeckten Nachziehstapel soviele Karten auf die Hand nachziehen, wie sich aktuell Karten in diesem Farbstapel befinden. Ein munterer Springbrunnen f\u00fcr neue Karten.<\/li>\n<li>F\u00fcr eine Kartenfarbe in seiner Auslage eine Wertung ausl\u00f6sen: Die Anzahl der Karten in der Auslage mal die Anzahl der Karten im zugeh\u00f6rigen \u00f6ffentlichen Stapel ergibt die Anzahl Siegpunkte, die man daf\u00fcr erh\u00e4lt. Ein gigantisches quadratisch wachsendes Potential f\u00fcr Siegpunkte.<\/li>\n<li>Eine bliebige Handkarten verdeckt auf einen geheimen Endwertungsstapel legen. Bei Spielende werden alle Auslagen aller Spieler mit Faktoren gem\u00e4\u00df den Farbkarten in diesem geheimen Endwertungsstapel additiv gewertet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das ist alles. Schnell erkl\u00e4rt und schnell begriffen. Aber noch l\u00e4ngst nicht beherrscht. Ist es besser, seine Auslage zu erweitern oder den Faktor zu erh\u00f6hen, mit dem sie gewertet wird? Wenn ein \u2013 nicht einmal \u00fcberm\u00e4\u00dfig gewitzter \u2013 Mitspieler zuerst wertet, wird der Faktor wieder auf 1 zur\u00fcckgesetzt. Dann hat man das falsche Pferd gef\u00fcttert.<\/p>\n<p>Soll man zun\u00e4chst mal nur so prophylaktisch von jeder Farbe eine Droh-Auslage schaffen, damit man bei ausreichend hohen \u00f6ffentlichen Faktoren sofort als erster zuschlagen kann? Die k\u00e4rgliche Erstausstattung von 3 Karten l\u00e4\u00dft daf\u00fcr nicht viel Spielraum.<\/p>\n<p>Soll man \u00fcberhaupt auf Zwischenwertungen verzichten und sein Gl\u00fcck allein mit dem geheimen Endwertungsstapel und riesigen Auslagen in allen Farben versuchen? Walter sollte diese prophezeite Gewinnstrategie mit einer einzigen Farbe versuchen, was wegen seiner ungl\u00fccklichen Kartenhand total daneben ging.<\/p>\n<p>Das Spiel hat mehr Tiefe, als wir in den ersten drei Runden erkennen konnten. Allerdings bleibt das Gl\u00fcck beim Nachziehen der Karten eine wesentliche Einflu\u00dfgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr den Sieg. Neben der Unberechenbarkeit der Mitspieleraktionen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: (Der Funke ist nicht \u00fcbergesprungen. F\u00fcr die Zugauswahl gibt es keine rationalen Entscheidungshilfen, unbefriedigend sind die unvermeidlichen Killerwertungen, die den Sieg bedeuten, ohne dass man sie in der Hand hat), G\u00fcnther: (Modifizierungsvorschlag: Bei den Wertungen sollten die Mitspieler mitprofitieren k\u00f6nnen; evtl. nur prozentual, daf\u00fcr d\u00fcrfen sie aber die Karten in ihrer Auslage behalten), Moritz: (schnell und locker. [Oder hie\u00df das <strong>nicht<\/strong> locker?]), Walter: (Das Spiel hat was, aber es fehlt auch was.)<\/em><\/p>\n<p>Da hat doch gerade in der Spielbox jemand zu einem potentiellen Anw\u00e4rter auf das Spiel-des-Jahres 2014 geschrieben: <em> \u201eDas Spiel sieht gut aus, ist g\u00fcnstig, macht Spa\u00df, hat einen h\u00fcbschen Spannungsbogen, l\u00e4\u00dft sich ein klein wenig beeinflussen und hat dennoch einen so gro\u00dfen Gl\u00fccksanteil, dass es sowohl als Familienspiel wie auch als witzig chaotischer Absacker durchgeht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das trifft alles auch auf die aktuelle Fassung von \u201eFarbX\u201c zu. Doch ist es wirklich zutreffend, dass <strong>\u201eein klein wenig beeinflussen\u201c<\/strong> und <strong>\u201egro\u00dfer Gl\u00fccksanteil\u201c<\/strong> Voraussetzungen f\u00fcr ein Familienspiel sind? Und dass das dann gleich auch als <strong> \u201ewitzig\u201c<\/strong> gilt?! Oh sancta simplicitas, jetzt verstehe ich die Juroren von SdJ! Und das Gro der Familienspieler.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2114\" aria-describedby=\"caption-attachment-2114\" style=\"width: 413px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Istanbul.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2114\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Istanbul.jpg\" alt=\"Istanbul - and the winner is ... Moritz\" width=\"413\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Istanbul.jpg 413w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Istanbul-103x150.jpg 103w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/Istanbul-207x300.jpg 207w\" sizes=\"auto, (max-width: 413px) 100vw, 413px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2114\" class=\"wp-caption-text\">Istanbul &#8211; and the winner is &#8230; Moritz<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>2. &#8220;Istanbul&#8221;<\/strong><br \/>\nWir sind Kaufleute im Basar von Istanbul und eilen mit unseren Gehilfen von Stand zu Stand, von Lager zu Lager, zum Schwarzmarkt, Juwelier, in die Teestube und zum Sultanspalast. (Liegt der eigentlich auch im Basar?)<\/p>\n<p>Wir besorgen uns Waren (sch\u00f6n abstrakt in den vier Farben rot, gr\u00fcn, gelb und blau), verkaufen diese gegen bare M\u00fcnze und besorgen uns f\u00fcr Waren und\/oder Geld Diamanten, die den Sieg bedeuten. Der Ausbau unseres Ladens bringt effizienteren Warenumschlag, f\u00fcr den Gelderwerb d\u00fcrfen wir auch w\u00fcrfeln, und in der Karawanserei bekommen wir Bonuskarten, die unsere Aktionen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Vier bis f\u00fcnf Gehilfen gehen uns beim Agieren zur Hand. Regelm\u00e4\u00dfig m\u00fcssen wir sie wieder in die Zentrale zur\u00fcckholen, es sei denn, wir sammeln sie mit unserem Boss selber wieder ein.<\/p>\n<p>Der optimale Weg durch den Basar ist wichtig, denn unsere Schrittweiten sind begrenzt und die richtige Reihenfolge beim Erwerben und Tauschen ist essentiell. Ein Transportoptimierungsprogramm w\u00e4re nicht schlecht, doch daf\u00fcr geht es in Istanbul viel zu locker zu. Man darf allerdings nicht blind durch den Basar laufen und immer nur das Naheliegendste nehmen; bei allen Aktionen sollte der Erwerb von Diamanten immer im Auge behalten sein.<\/p>\n<p>Moritz fand eine gelungene Combo von Anlaufstellen, die er reihum mit seinen Gehilfen besuchte, ohne durch die periodische Sammelaktion Tempo zu verlieren. Niemand kam ihm in die Quere (was in Istanbul auch nicht so leicht ist &#8211; leider) und mit Hilfe der schnell erworbenen Moschee-Pl\u00e4ttchen steuerte er unangefochten seinen Sieg an. Beim n\u00e4chsten Mal wird der Basar neu zusammengestellt, da muss er \u2013 und die anderen auch \u2013 eine neue Combo suchen. H\u00f6chst spielerisch.<\/p>\n<p>Mit seiner enormen Erfahrung als Spieleautor hat R\u00fcdiger Dorn ein reifes Spiel geschaffen, das \u00fcberaus rund und fl\u00fcssig abl\u00e4uft, an keiner Stelle \u00c4rger oder Frust erzeugt, f\u00fcr jede Situation leicht auffindbare L\u00f6sungen oder L\u00f6sungsalternativen bereitstellt, und reine, konstruktive Spielfreude vermittelt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (der Bewegungsmechanismus ist toll), G\u00fcnther: 8 (kein Monster, kein simples [dr\u00f6ges] Worker-Placement-Spiel, [sondern alles gut oder besser]), Moritz: 8 (offene Konkurrenz, deutliche Interaktion u.a. beim \u201eErster-Sein\u201c, nicht miesnickelig oder fies, die Diamanten-L\u00f6sung ist sehr gut designt), Walter: 7 (fl\u00fcssig, h\u00fcbsche, \u00fcberschaubare Abl\u00e4ufe).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Trans Europa&#8221;<\/strong><br \/>\nVon Gummib\u00e4rchen, Kartoffelchips, dem Rheinriesling, Mineralwasser oder seinem Abendessen zuhause war es Aaron ganz pl\u00f6tzlich ganz schwindelig geworden. Auch eine Ruhelage im Sessel brachte keine Abhilfe. Seine Frau mu\u00dfte ihn am Westpark abholen. Hallo Aaron, hoffentlich geht es Dir jetzt schon wieder besser!<\/p>\n<p>Das zur\u00fcckgebliebene Trio war zun\u00e4chst ziemlich bedr\u00f6ppelt. Wir brauchten einen Aufmunterer. Da kam \u201eTrans Europa\u201c gerade zurecht. Ein saustarke Komposition des seligen Franz-Benno Delonge. Das Spiel sieht sehr gut aus, ist g\u00fcnstig, macht sehr viel Spa\u00df, hat einen h\u00fcbschen Spannungsbogen, sehr viel Geist, Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Interaktion; alles l\u00e4\u00dft sich beeinflussen und dennoch bleibt ein bi\u00dfchen Gl\u00fccksanteil \u00fcbrig. Es baut auf und es sackt ab. Kurzum: Ein Spielvergn\u00fcgen im Quadrat.<\/p>\n<p>Den Sprung auf die Auswahlliste zum \u201eSpiel des Jahres\u201c hat es seinerzeit trotzdem nicht geschafft.<\/p>\n<p>F\u00fcr weitere Informationen siehe die zahlreichen Session-Reports sowie die Spielekritik vom 5. April 2008 auf unserer Seite.<br \/>\n<em>WPG-Wertung: Keine \u00c4nderung der guten Noten mit einem Schnitt von 8.0. Eigentlich w\u00e4re das Spiel noch einen Punkt mehr wert.<\/em><\/p>\n<p><strong>4. &#8220;6 nimmt!&#8221;<\/strong><br \/>\nG\u00fcnther hat die neue Jubil\u00e4umsausgabe zum 20-j\u00e4hrigen Bestehen der Erstausgabe von \u201e6-nimmt\u201c mitgebracht. Insgesamt 2,7 Millionen Exemplare dieses Spiels wurden bisher verkauft. Davon siebenhunderttausend im Ausland! (Nur!)<\/p>\n<p>Die neue Ausgabe enth\u00e4lt zehn neue Joker-Karten. Sie haben die Werte 0,0 bis 0.9 und k\u00f6nnen hinter jede beliebige Zahlenkarte angelegt werden. Damit wird die bisherige vorherrschende \u201eh\u00f6chste-niedrigste\u201c-Strategie (siehe Review vom 21.20.2001) total umgeworfen, aber durchaus \u201e6-nimmt\u201c-spielekonform. Eine echte Bereicherung.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Keine \u00c4nderung der guten Noten, die sich zwischen 8 und 10 Punkten bewegen. Nur Peter leistete sich hier mit 6 Punkten einen Ausrutscher. Pfui!.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Spiele-Autoren-Zunft e.V. (SAZ) ist ein 1991 gegr\u00fcndeter Zusammenschluss (\u00fcberwiegend) deutscher Autoren als gemeinsame Interessenvertretung gegen\u00fcber \u00d6ffentlichkeit und Verlagen. Eines der Satzungsziele ist die St\u00e4rkung des Kulturgutes Spiel in der Gesellschaft. Sie veranstaltet Seminare, in denen angehenden Autoren das R\u00fcstzeug f\u00fcr Spielentwicklung und Produktion vermittelt wird. 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