{"id":219,"date":"2009-02-19T09:49:19","date_gmt":"2009-02-19T09:49:19","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=219"},"modified":"2009-12-06T13:32:26","modified_gmt":"2009-12-06T12:32:26","slug":"18022009-mit-der-gulf-mobile-ohio-zum-palais-royal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/02\/19\/18022009-mit-der-gulf-mobile-ohio-zum-palais-royal\/","title":{"rendered":"18.02.2009: Mit der &#8220;Gulf, Mobile &amp; Ohio&#8221; zum &#8220;Palais Royal&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Unsere Notengebung f\u00fcr Spiele ist keine Doktorarbeit. Oft genug entspricht sie lediglich dem Bauchgef\u00fchl des ersten Eindrucks. Wenn man allerdings 500 verschiedenen Spiele bewertet hat, dann reicht oft eine bescheidene Auseinandersetzung mit einem neuen Spiel, um treffsicher gute oder schlechte Noten zu vergeben. Meist vergeben wir fast punktgenau die gleichen Noten, wenn wir Jahre sp\u00e4ter ein Spiel nochmals auf den Tisch bekommen.<br \/>Ein Ausnahme ist jetzt &#8220;Chicago Express&#8221;, das innerhalb von 3 Monaten in unserer Sympathie deutlich Federn lassen mu\u00dfte. Ganz \u00e4hnlich wie ein Wein, der beim Winzer auf Anhieb \u00fcberzeugt, aus dem eigenen Weinkeller auf den Tisch gebracht aber nur noch schale Erinnerungen wecken kann. Keiner ist perfekt, &#8220;Chicago&#8221; nicht, der Wein nicht und die Westpark-Gamers auch nicht.<br \/><strong>1. &#8220;Palais Royal&#8221;<\/strong><br \/>Jeder Spieler hat 20 P\u00f6ppel, die er in die Amtsstuben um den franz\u00f6sischen K\u00f6nigshof zum Antichambrieren ausschickt. In der M\u00fcnzerei besorgen sie Kleingeld, im Ehrenhof verschaffen sie f\u00fcr sich und ihresgleichen Bewegungsfreiheit, im Kabinett des K\u00f6nigs erhalten sie t\u00fcrkisfarbene Orden und im Kabinett der Madame de Pompadour gibt es violette Orden. Hat man die ben\u00f6tigten Utensilien zusammen, darf man sie gegen Adelige eintauschen, die Siegpunkte bedeuten.<br \/>Im richtige Verteilen der P\u00f6ppel zum optimalen Anschaffen liegt der ganze Witz. Wem das nicht reicht, der darf sich auch noch \u00fcber die rechte Nutzung von &#8220;Vorh\u00f6fen&#8221; und &#8220;Hintereing\u00e4ngen&#8221; lustig machen. Ansonsten ist nicht viel dran am k\u00f6niglichen Palast. Nach wenigen Z\u00fcgen wei\u00df man, wohin der Hase l\u00e4uft und im weiteren Verlauf \u00e4ndert sich daran auch nichts mehr. Dynamik fehlt g\u00e4nzlich. Aaron: &#8220;Es ist ein einfaches Spiel mit wenigen Elementen und ziemlich repetitiv.&#8221; Als Kinderspiel ist es auch nicht geeignet, dazu enth\u00e4lt es zu viele verschluckbare Kleinteile. Moritz, der sich besonders auf das Boudoir von der Pompadour gefreut hatte, war entt\u00e4uscht: &#8220;Es ist ein total abstraktes Spiel, ohne jedes Thema. Dagegen konnte ich mich selbst bei Puerto Rico noch als richtiger Plantagenbesitzer f\u00fchlen.&#8221;<br \/>Das einzige Spannungselement besteht darin, ob der Vorg\u00e4nger einem den Adeligen wegnimmt, auf den man gerade seinen Erwerbsinn gerichtet hat. Deswegen kann man leider auch <strong>nicht<\/strong> denken, wenn man <strong>nicht<\/strong> am Zug ist; der gerade anvisierte Adelige k\u00f6nnte ja noch in die falschen H\u00e4nde geraten. Wenn G\u00fcnther sp\u00e4ter auch noch das Setztableau analysiert hat, d.h. wenn die Fragestellung gekl\u00e4rt ist, in welcher Reihenfolge und Quantit\u00e4t man seine P\u00f6ppel auf Anschaffe schicken soll, dann ist das Spiel nicht nur tot, sondern mausetot.<br \/>Moritz lief mit 63 Siegpunkten vor G\u00fcnther mit 59, Aaron mit 46 und Walter mit 37 Punkte ins Ziel ein. Bei der Summe der jeweiligen Denkzeiten war es umgekehrt.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, G\u00fcnther: 5, Moritz: 5, Walter: 5<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Gulf, Mobile &amp; Ohio&#8221;<\/strong><br \/>Der Verlag &#8220;Winsome Games&#8221; hat zu Essen 2008 eine ganze Reihe von Eisenbahnspielen herausgebracht, die wir uns aus alter 18xx-Tradition heraus nat\u00fcrlich nicht entgehen lassen d\u00fcrfen. Jedes Spiel hat einen anderen Autor und neue Ideen f\u00fcr die Hexateile zum Streckenbau, die bunten Holzw\u00fcrfel f\u00fcr den Gleisbesitz und die Mini-Anzahl freier Shares f\u00fcr eine Maxi-Anzahl verschiedener Eisenbahngesellschaften.<br \/>Das besondere bei &#8220;Gulf, Mobile &amp; Ohio&#8221; ist der konfliktbelastete Bau von Gleisstrecken durch die verschiedenen Eisenbahngesellschaften. Jede Gesellschaft bekommt bei ihrer Gr\u00fcndung eine feste Farbe zugewiesen, mit der sie ihr Streckennetz bauen mu\u00df. Dabei darf sie mit dem Netz gleichfarbiger fremder Linien nicht in Ber\u00fchrung kommen. Das schafft kniffelige topologische Denk\u00fcbungen, wieviel eine Linie in einer gegebenen Bauphase gerade wert ist.<br \/>Nur der Gleisbau liefert Siegpunkte; Geld und Aktienanteile sind in der Endabrechnung absolut bedeutungslos. Leider spielt hier auch der Zufall eine erhebliche Rolle: Wer Gl\u00fcck hat, der hat gerade dann die notwendigen Barmittel auf der Hand, wenn eine lukrative Linie gegr\u00fcndet werden kann. Genau auf solche Zeitpunkte hin zu sparen und allzeit bereit zu sein, funktioniert auch nicht, denn der bisherige Aktienbesitz wird regelm\u00e4\u00dfig mit Betr\u00e4gen in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von Infineon-Dividenden honoriert, und Kleinvieh macht auch Mist.<br \/>So ist das ganze eine ziemlich un\u00fcbersichtliche, m\u00fchsame Siegpunkt-Erbauereri. Fehler werden nicht verziehen. Wer &#8211; warum auch immer &#8211; in der Fr\u00fchphase mit Besitz und Punkten davongezogen ist, ist bald nicht mehr einholbar. Die Dummen oder die Pechv\u00f6gel haben sehr bald das Nachsehen und k\u00f6nnen dann die restliche Stunde Spielzeit zuschauen, wie der F\u00fchrende seine Position Infineon auf Infineon ausbaut.<br \/>Viel kann man beim Kauf des Spieles nicht falsch machen: Es ist nicht mehr erh\u00e4ltlich. Die Miniauflage von 80 St\u00fcck war bereits verkauft, bevor der Verlag seinen Stand in Essen aufgebaut hatte. G\u00fcnther hatte bereits im Vorverkauf das handsignierte 64. Exemplar erstanden. Einfach aus Liebe zum Eisenbahnspielprinzip. Zum gleichen Spielprinzip, das Moritz nach wiederholtem Bekunden zutiefst ha\u00dft: Eisenbahnaktien und Hexagons. Doch auch G\u00fcnther gestand: &#8220;Das n\u00e4chste Mal werde ich es wohl nicht mehr kaufen.&#8221;<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5, G\u00fcnther: 6, Moritz: 4, Walter: 5<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Ungew\u00f6hnlich emotionale Anfeindungen zwischen dem \u00dcbertreiber Moritz und seinem anzweifelnden Hintermann Aaron. Nach zwei Spielen war Moritz ausgeschieden und sann nur noch auf Rache.<br \/>Doch Aaron lie\u00df sich nicht aus der Ruhe bringen. Er korrigierte Moritz sogar sp\u00e4ter im n\u00e4chsten Durchgang, als der irrt\u00fcmlich einen W\u00fcrfel mehr als notwendig abgeben wollte: &#8220;Ein bi\u00dfchen will ich Dich noch qu\u00e4len!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere Notengebung f\u00fcr Spiele ist keine Doktorarbeit. Oft genug entspricht sie lediglich dem Bauchgef\u00fchl des ersten Eindrucks. 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