{"id":2191,"date":"2014-11-21T17:49:58","date_gmt":"2014-11-21T16:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2191"},"modified":"2014-11-21T17:55:04","modified_gmt":"2014-11-21T16:55:04","slug":"zweimal-fuenf-staemme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/11\/21\/zweimal-fuenf-staemme\/","title":{"rendered":"19.11.2014: Zweimal f\u00fcnf St\u00e4mme"},"content":{"rendered":"<p>Wann macht ein Spiel eigentlich Spa\u00df? Die Antwort \u201eWenn es ein gutes Spiel ist.\u201c w\u00e4re zu einfach. Oft haben wir ein Spiel mehrfach gespielt und dabei festgestellt, dass sowohl die Stimmung am Spieltisch als auch die Zusammensetzung der Runde zum Spielspa\u00df bei ein und demselben Spiel beitrugen. Nun d\u00fcrfte bekannt sein, dass wir bereits dann ein Spiel bewerten, wenn wir es zum ersten Mal gespielt haben. Wenn ein Spiel dann gefallen hat, kommt es auch irgendwann wieder auf den Tisch und die Wertungen werden gegebenenfalls angepasst. Was aber, wenn ein Spiel durchf\u00e4llt? Dann kommt es wahrscheinlich nie mehr wieder auf unseren Tisch. Lag es dann wirklich am Spiel? Oder an der Stimmung? An der Zusammensetzung der Runde? Und ber\u00fccksichtigen Spielverlage so etwas bei ihren Tests? Keiner wei\u00df es.<\/p>\n<p><strong>1. Five Tribes<\/strong><\/p>\n<p>Wegen kurzfristiger Absagen traf sich diesmal nur eine 3er-Runde am Westpark. Und nachdem keine Extremgr\u00fcbler anwesend waren und G\u00fcnther versprach, heute ausnahmsweise einmal eher intuitiv zu spielen, bot es sich an endlich \u201eFive Tribes\u201c von Bruno Cathala auf den Tisch zu bringen, denn das Spiel ist daf\u00fcr ber\u00fcchtigt, mit Gr\u00fcblern unspielbar zu werden.<\/p>\n<p>Je 3 Meeple in den Farben der 5 St\u00e4mme werden zu Spielbeginn zuf\u00e4llig auf ein 6&#215;5 Raster von 30 Landschaftspl\u00e4ttchen gestellt. Dann gibt es noch eine Auslage von 9 Ressourcen-Karten und 3 Dschinn-Karten, die die Spieler im Laufe einer Runde erwerben k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2192\" aria-describedby=\"caption-attachment-2192\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2192\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/20141119-P10001401.jpg\" alt=\"Gr\u00fcbeln ohne Spielspa\u00df\" width=\"500\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/20141119-P10001401.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/20141119-P10001401-150x117.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/20141119-P10001401-300x234.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2192\" class=\"wp-caption-text\">Gr\u00fcbeln ohne Spielspa\u00df?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jede Runde beginnt damit, dass die Spieler auf die Spielerreihenfolge Geld bieten. Danach f\u00fchrt jeder Spieler genau einen Zug aus. Dazu nimmt er alle Meeple von einem Landschaftsk\u00e4rtchen und legt einen davon auf ein orthogonal benachbartes Gebiet. Dies macht er solange, bis er alle Meeple verteilt hat. Die einzige Bedingung ist, dass sein letzter gelegter Meeple auf ein Feld gelegt werden muss, auf dem bereits mindestens ein Meeple der gleichen Farbe steht. Der Spieler nimmt sich daraufhin alle Meeple dieser Farbe von dem Pl\u00e4ttchen und f\u00fchrt a) die Aktion, die dieser Meeple-Farbe zugeordnet ist und b) die Aktion, die dem Gebiet zugeordnet ist durch. Sollte er das Gebiet leerger\u00e4umt haben, nimmt er es zus\u00e4tzlich noch in Besitz, sofern es nicht bereits einem anderen Spieler geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Das h\u00f6rt sich alles einfach an, ist es aber nicht. Es dauert schon eine ganze Weile, den f\u00fcr sich optimalen Zug zu finden, denn recht bald stehen auf den Gebietspl\u00e4ttchen die Meeple in verschiedenen Anzahlen und bunter Farbmischung. Aber was ist \u00fcberhaupt ein optimaler Zug?<\/p>\n<p>Schauen wir uns dazu die Siegbedingung an: es gewinnt, wer am meisten Siegpunkte hat. Wo gibt es Siegpunkte? F\u00fcr eingenommene Gebietspl\u00e4ttchen (4 bis 15), f\u00fcr gelbe Meeple (1 plus 10 f\u00fcr jede Mehrheit), f\u00fcr Palmen auf eigenen Gebieten (3), f\u00fcr Pal\u00e4ste auf eigenen Gebieten (5), f\u00fcr Ressourcenkarten (m\u00f6glichst verschiedene, 1 bis 60) und indirekt f\u00fcr einige Dschinn-Karten, die andere Siegpunktquellen verst\u00e4rken. Es gibt also Siegpunktquellen genug. Die Frage ist, kann man daraus einen optimalen Zug ableiten?<\/p>\n<p>Nehmen wir an, es w\u00e4re so. Dazu suche ich, wenn ich am Zug bin, das Gebiet, das genau die Anzahl und Farbzusammensetzung an Meeples hat, die ich ben\u00f6tige, um mein Zielfeld (das mir entweder den Gebietsbesitz bringt oder Ressourcen oder einen wichtigen Dschinn oder einen Palast oder eine Palme) mit der richtigen Meeple-Farbe zu erreichen. Nun, das stellt sich in dem Meeple-Chaos auf den Feldern schon als kleine Puzzle-Aufgabe dar. Dazu kommt aber noch die \u00dcberlegung, inwieweit ich dem nachfolgenden Spieler mit meinem Zug eine Steilvorlage biete, um richtig dicke Punkte zu machen. Um dann abzuw\u00e4gen, ob der Nutzen f\u00fcr mich gr\u00f6\u00dfer ist oder f\u00fcr den Mitspieler.<\/p>\n<p>Okay, wir hatten uns ja darauf geeinigt, diese gr\u00fcblerische Optimiererei zu lassen und stattdessen aus dem Bauch raus zu spielen. Das hatte zur Konsequenz, dass auch das Bieten auf die Spielerreihenfolge meistens eine, im wahrsten Sinne des Wortes, Nullnummer war. Nur zweimal waren wir bereit, f\u00fcr den ersten Platz Geld auszugeben, denn aus der Vorrunde war eine Siegpunkt tr\u00e4chtige Vorlage \u00fcbriggeblieben. Und jedes Mal wurde danach gezweifelt, ob sich der Einsatz gelohnt hat.<\/p>\n<p>Das Spiel endete nach etwas \u00fcber einer Stunde mit einem \u00fcberraschenden Ergebnis: G\u00fcnther landete auf dem letzten Platz mit 136 Punkten, Aaron und Walter teilten sich den ersten mit jeweils 147 Punkten. Walters trockene Bemerkung: \u201eDa G\u00fcnther verloren hat, muss es ein Gl\u00fccksspiel sein.\u201c<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Walter: 5 (gute Konstruktion aber zu viel T\u00fcftelei, keine Planung m\u00f6glich und \u00e4rgerliche Meuchelei mit den roten Meeples), G\u00fcnther: 6 (nicht der Renner, aber man kann schon planen, wenn auch nicht beim ersten Spiel), Aaron: 5 (zu hohes Gr\u00fcbelpotenzial, mag keine Puzzle-Spiele)<\/em><\/p>\n<p><strong>2. Die vergessene Welt<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Kampf mit den 5 St\u00e4mmen in \u201eFive Tribes\u201c bot sich \u201eDie vergessene Welt\u201c mit ihrem Kampf um die Gunst von 5 St\u00e4mmen regelrecht an.<\/p>\n<p>Der klassische Worker Placement Mechanismus wurde durch die Wertigkeit (\u201eTalentwert\u201c) der Worker (\u201eB\u00fcrger\u201c) zus\u00e4tzlich angeh\u00fcbscht und bietet damit zus\u00e4tzliches Interaktionspotenzial. Gleichzeitig biete das Spiel als alternative Zugm\u00f6glichkeit statt des Einsetzen eines B\u00fcrgers den Angriff auf einen Titanen, der sich schnell als wichtiges Spielelement herausstellte. Aber der Reihe nach.<\/p>\n<p>Mit unseren zu Beginn 3 B\u00fcrgern mit den Talentwerten von 1 bis 3 k\u00f6nnen wir:<\/p>\n<ul>\n<li>unseren Stadtstaat mit Geb\u00e4uden ausbauen, die zus\u00e4tzliche F\u00e4higkeiten bringen,<\/li>\n<li>unseren Stadtstaat mit Provinzen erweitern, um zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten zu erhalten,<\/li>\n<li>weiteres Milit\u00e4r rekrutieren, um st\u00e4rkere Titanen angreifen zu k\u00f6nnen,<\/li>\n<li>unser Wissen erh\u00f6hen,<\/li>\n<li>Geb\u00e4ude entdecken,<\/li>\n<li>zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude wieder aufbauen, und<\/li>\n<li>uns vermehren.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Jede dieser B\u00fcrgeraktionen d\u00fcrfen von mehreren B\u00fcrgern gleichzeitiggenutzt werden, allerdings nur (mit 3 Ausnahmen), wenn der eingesetzte B\u00fcrger einen h\u00f6heren Talentwert besitzt als alle dort bereits eingesetzten. Damit bietet sich eine M\u00f6glichkeit, anderen Spielern eine wichtige Aktion f\u00fcr eine Runde vorzuenthalten.<\/p>\n<p>Titanen kommen in drei St\u00e4rken und von jeder Stufe liegt jeweils eine offen aus. Kann man mindestens die gleiche milit\u00e4rische St\u00e4rke wie ein Titan aufbieten, besiegt man ihn bei der alternativen Angriffsaktion sofort und erh\u00e4lt die Gunst der St\u00e4mme, die als Banner auf der Karte aufgedruckt sind. Genau diese Banner in den f\u00fcnf Farben werden bei Spielende gez\u00e4hlt und bringen Siegpunkte. Zus\u00e4tzlich werden beim Kampf in der Regel eigene Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt, die erst wieder m\u00fchselig aufgebaut werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Vereinfacht ausgedr\u00fcckt nutzen wir unsere Arbeiter (Worker Placement), um unseren Stadtstadt auszubauen (Aufbauspiel), um damit Titanen zu besiegen, die bei Spielende je nach Anzahl (Set Building) Siegpunkte bringen.<\/p>\n<p>Anders als bei \u201eFive Tribes\u201c wirkt das Thema nicht v\u00f6llig aufgesetzt und wird durch die sch\u00f6ne Grafik noch unterst\u00fctzt. Auch die einzelnen Spielmechanismen sind sauber konstruiert und in sich stimmig und zum Thema passend. Aber leider wird das Spielgef\u00fchl durch die Zuf\u00e4lligkeit der Kartenauslage ziemlich beeintr\u00e4chtigt, denn Planbarkeit ist hierdurch doch recht wenig gegeben. Man lebt, soweit es die Gunst der St\u00e4mme betrifft, irgendwie von der Hand in den Mund und nimmt was man kriegen kann. Gleichzeitig versucht die Spieler eine m\u00f6glichst effektive Stadtstaat-Maschine zu konstruieren, um gegen die immer m\u00e4chtiger werdenden Titanen eine Chance zu haben. Hier k\u00f6nnen einem die kleinen Miesnickeligkeiten der Mitspieler schon mal Sand ins Getriebe werfen. Trotzdem bleibt das Spiel, insbesondere im direkten Vergleich mit \u201eFive Tribes\u201c, zu jedem Zeitpunkt \u00fcbersichtlich.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Walter: 6 (\u00fcbersichtliche Spielmechanismen), G\u00fcnther: 6 (zu starke Zufallselemente), Aaron: 6 (keine wirklich neue Mechanismen, aber gut konstruiert und keine Gr\u00fcbelei)<\/em><\/p>\n<p><strong>3. Verflixxt!<\/strong><\/p>\n<p>Um die Tendenz vom Gr\u00fcbelspiel zum lockeren Spiel fortzusetzen, schlug Walter als Absacker ein \u201eVerflixxt!\u201c vor. Als lockeres W\u00fcrfelspiel bietet es gen\u00fcgend Entscheidungsm\u00f6glichkeiten, um bis zum Ende spannend zu bleiben. Es ist immer wieder faszinierend, wie schnell man den hohen Zufallseffekt des W\u00fcrfelwurfs vergessen kann.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: keine neue Wertung f\u00fcr ein tolles Kramer\/Kiesling-Spiel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann macht ein Spiel eigentlich Spa\u00df? Die Antwort \u201eWenn es ein gutes Spiel ist.\u201c w\u00e4re zu einfach. Oft haben wir ein Spiel mehrfach gespielt und dabei festgestellt, dass sowohl die Stimmung am Spieltisch als auch die Zusammensetzung der Runde zum Spielspa\u00df bei ein und demselben Spiel beitrugen. 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