{"id":2194,"date":"2014-12-04T17:32:15","date_gmt":"2014-12-04T16:32:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2194"},"modified":"2014-12-04T23:48:45","modified_gmt":"2014-12-04T22:48:45","slug":"03-12-2014-der-viehdieb-kehrt-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2014\/12\/04\/03-12-2014-der-viehdieb-kehrt-zurueck\/","title":{"rendered":"03.12.2014: Der Viehdieb kehrt zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Es wird immer wieder mal moniert, dass wir nach einem einmaligen Spielen uns bereits trauen, ein Spiel zu bewerten und Spielberichte dar\u00fcber schreiben, die den Anspruch einer Rezension haben. Moniert wird das nat\u00fcrlich in der Regel von Spielern, die einen anderen Geschmack haben als wir.<\/p>\n<p>OK, OK, zuweilen spielen wir etwas falsch und zuweilen entsteht daraus bei uns ein falscher Spieleindruck. Nobody is perfect. Dass wir aber keine Spielregeln aus dem Regelheft abzuschreiben, ist beabsichtigt; es erspart uns Schreibarbeit und unseren Lesern Lesearbeit. Wir bringen von den Regeln nur so viel, dass ein Leser unseren Spieleindruck, unser Lob und Tadel in etwa richtig einordnen kann.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sind wir drei, vier oder mehr K\u00f6pfe, die zu einem neuen Spiel ihr Spielgef\u00fchl entwickeln und zum Ausdruck bringen. Das sollte dann schon nicht so ganz weit weg von der Realit\u00e4t entfernt sein. Au\u00dferdem. Ein Spiel ist wie ein Wein: Es reicht schon ein erster Schluck um zu erkennen, ob es ein gelungenes Produkt ist oder nicht. Prost.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: <strong>DER<\/strong> Wein, der mich in diesem Jahr auf Anhieb \u00fcberzeugt hat, war ein Tignanello. Eine tolle Empfehlung f\u00fcr alle, die noch Weihnachtsgeschenke suchen oder sich am Heiligen Abend selbst etwas g\u00f6nnen wollen.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;La Isla&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Stefan Feld war sehr flei\u00dfig. Dieses Jahr in Essen sind Aaron gleich drei Neuerscheinungen von ihm aufgefallen: \u201eAquasphere\u201c bei Pegasus Spiele, \u201eBr\u00fcgge\u201c \u2013 Erweiterungen bei HiG und \u201eLa Isla\u201c bei Ravensburger. Der Mann hat\u2019s geschafft. &#8211; Auch wenn Ravensburger es offensichtlich nicht beim ersten Anlauf geschafft hat, \u201eLa Isla\u201c zum angek\u00fcndigten Termin oder zu den anvisierten Herstellungskosten auf den Markt zu bringen: Der Termin wurde verschoben, die h\u00fcbschen, h\u00f6lzernen Forscher durch d\u00fcnnes (aber immer noch funktionelles) Plastikmaterial ersetzt, und die Spielhilfe radikal auf eine Version pro Spielersprache zusammengestrichen, obwohl die Spielhilfe zum Verst\u00e4ndnis und Merken der Bedeutung von 180 verschiedenen Aktionskarten nahezu lebensnotwendig ist.<\/p>\n<p>Pro Zug zieht jeder Spieler verdeckt drei dieser Aktionskarten, begutachtet sie (mit oder ohne Spielhilfe) und ordnet sie jeweils einer Spielphase zu. In jeder Spielphase hat jede Aktionskarte eine andere Bedeutung: In der Phase 1 reiht man die entsprechende Aktionskarte in sein Portefeuille ein und darf im weiteren Verlauf ihr Privileg nutzen. N\u00e4heres kriegen wir sp\u00e4ter. In Phase 2 bekommt man einen Spielstein in einer bestimmten Farbe daf\u00fcr, und in der Phase 3 darf man einen Marker auf einer von f\u00fcnf Wertungsleisten nach oben schieben. Zwischen diesen Phasen darf man einmal einen seiner sechs schlanken Plastikforscher auf ein ausgew\u00e4hltes Feld des 25 Felder gro\u00dfen Spielbretts schicken. Dort bleibt er in der Regel stehen, bis dass der Tod uns scheidet.<\/p>\n<p>Ein Mitspieler darf seine Forscher auf die gleichen Felder stellen wie wir. Es herrscht keine Monogami und es kostet auch nichts extra. Frisch, fromm, friedlich wird die Insel mit Forscherp\u00f6ppeln belebt.<\/p>\n<p>Zwischen den Forscherfeldern des Spielbretts liegen Tierpl\u00e4ttchen. Hat ein Spieler an den zwei, drei oder vier Ecken eines Tierpl\u00e4ttchens seine Forscher platziert, so darf er das Tierpl\u00e4ttchen einstreichen und bekommt daf\u00fcr sofort und\/oder bei Spielende Siegpunkte.<\/p>\n<p>Um diese Tierpl\u00e4ttchen k\u00f6nnte es eine echte Konkurrenz gegen, denn wenn das Pl\u00e4ttchen weg ist, bekommen die Hinterbliebenen nichts mehr. Allerdings ist die Insel gro\u00df, der Forscher wenige, der Tierpl\u00e4ttchen viele, und die Auswahl der Felder, auf die man seine Forscher stellen darf, ohnehin begrenzt, so da\u00df gro\u00dfe Lust an und auf Konkurrenz erst gar nicht aufkommt. Zudem spielt ein guter (Go-)Spieler bei sich selbst, so dass schon aus diesem Grund die guten Spieler sich nicht ins Gehege kommen.<\/p>\n<p>Jetzt noch zu den Privilegien auf den Aktionskarten. F\u00fcr ausgew\u00e4hlte Forschungst\u00e4tigkeiten, f\u00fcr das Platzieren an, bei, neben oder unter ausgew\u00e4hlten Stellen bekommt man Siegpunkte, zus\u00e4tzliche Spielsteine, braucht weniger Spielsteine um einen neuen Forscher zu platzieren, darf einen Wertungsmarker nochmals verschieben, kann die Farben seiner Spielsteine wechseln, bekommt zus\u00e4tzliche Forscher, zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4ten f\u00fcr seine Privilegien, zus\u00e4tzliche Aktionskarten zur Auswahl, und was dergleichen Effekte mehr sind. Der gute Stefan Feld hat sich immerhin 180 verschiedene M\u00f6glichkeiten daf\u00fcr ausgedacht. Fast ein Rosenberger!<\/p>\n<p>Wann ist das Spiel zu Ende? Wenn die f\u00fcnf Wertungsmarker sich auf eine bestimmte Wertungssumme hochgeschoben haben! Dann wird der gesammelte Besitz an Tierpl\u00e4ttchen nochmal durch alle Wertungsm\u00fchlen gedreht. Friedlich und fromm.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (das Spiel ist schnell, aber ich kann ihm nichts abgewinnen. 3 Karten ziehen und nach bestem Wissen und Gewissen einsortieren, macht mich nicht satt), G\u00fcnther: 5 (komplett solit\u00e4r und zuf\u00e4llig), Horst: 6 (gute Kombination aus schnell und \u00fcberschaubar, keine lange \u00dcberlegenszeiten, h\u00e4tte gerne noch vier bis f\u00fcnf Runden l\u00e4nger gespielt, h\u00e4tte dem Spiel 7 Punkte gegeben, wenn das Ende nicht so abrupt gekommen w\u00e4re), Walter: 5 (Interaktion ist gleich Null).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;El Gaucho&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Aarons Engelszungen und dem eigenen schlechten Gewissen, durch Anf\u00e4ngerfehler die geniale Spielkonstruktion zum Einsturz gebracht zu haben, war es zu verdanken, dass ein bereits halb-abqualifiziertes Spiel nochmals auf den Tisch kam. (Siehe Spielbericht von letzter Woche.) Alle richteten ihre Blicke konzentriert auf den Viehdieb; jeder hatte die Absicht, ganz vorsichtig zu agieren, d.h. nur aufsteigende Ketten von zun\u00e4chst kleinen Rinderwerten zu bilden, und dem Viehdieb keine leichte fette Beute zu \u00fcberlassen. Zudem lieb\u00e4ugelte jeder, sogar unser Gegenstrategist Aaron, mit einem halben oder ganzen Auge in die Richtung, selber Viehdieb zu werden.<figure id=\"attachment_2199\" aria-describedby=\"caption-attachment-2199\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/ElGaucho.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/ElGaucho.jpg\" alt=\"El Gaucho\" width=\"600\" height=\"450\" class=\"size-full wp-image-2199\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/ElGaucho.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/ElGaucho-150x113.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/ElGaucho-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2199\" class=\"wp-caption-text\">El Gaucho<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte G\u00fcnther die G\u00fcntherrolle (siehe Spielbox-Diskussion zu \u201eEl Gaucho\u201c) gerne den Mitspielern \u00fcberlassen; ihm geht es bei allem Siegeswillen immer <strong>auch<\/strong> darum, die verschiedenen Strategien eines Spiels auszuprobieren, selbst wenn da mal was in die Hose gehen k\u00f6nnte. Sollte er aber kalten Blutes heute zusehen, wie Walter ihm den G\u00fcnther macht? Das ging dann doch \u00fcber seinen Altruismus. Also schl\u00fcpfte er der Not gehorchend, nicht dem eignen Trieb doch wieder selber in die Rolle des Viehdiebes, holte konsequent den Mitspielern das beste Pferd aus dem Stall &#8230; und gewann erneut mit nicht unerheblichem Vorsprung.<\/p>\n<p>Die Stimmung war friedlich. Jeder war ja auf diesen Ablauf gefasst gewesen, nur der Erfolg oder Misserfolg dieses Vorgehens war offen. Aber unsere Vermutung des ersten Anscheins wurde vollauf best\u00e4tigt: <strong>der beste Viehdieb gewinnt<\/strong>.<\/p>\n<p>Alle waren mit dem Viehdieb-Mechanismus in \u201eEl Gaucho\u201c grunds\u00e4tzlich einverstanden. Er passt thematisch und ist ein h\u00fcbsches Interaktionselement, das dem ansonsten eher solit\u00e4ren W\u00fcrfeln-und-Einherden deutlich Spannung und Lebendigkeit verleiht. Doch muss es alle anderen ehrlichen Vorgehensweisen so entscheidend dominieren? W\u00e4re es nicht auch halbstark gegangen?<\/p>\n<p>Bei uns wurde keine einzige 4er Kette von Rindern gebildet und verkauft, immer nur k\u00fcrzere. Wobei eine 4er oder 5er Kette mit 5 oder 6 als wertvollstem Rind auch absolut witzlos ist. Eine 4er oder l\u00e4ngere Kette aber, mit einer 10, 11 oder 12 am Ende &#8211; welch eine Hoffnung, welch eine Freude eines jeden Gauchisten! Allerdings weckt sie, wenn sie sich denn \u00fcberhaupt bilden l\u00e4sst, in jedem Fall die h\u00f6chste Begehrlichkeit aller Mitspieler und ist schneller wieder zerst\u00f6rt als aufgebaut. Echt schade um dieses konstruktive Freudenelement! Au\u00dferdem: Ist es in einem <strong>Familienspiel<\/strong> \u00fcberhaupt angemessen, dass ein gerissener Vater seiner ungerissenen Tochter ein 12er Rind aus der sorgsam angesammelten Herde stiehlt?<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (vorher 6), G\u00fcnther: 4 (bleibt, trotz seines Doppelerfolges; fand die Diebesrolle langweilig; wenn Autor und Verlag an dieser Problematik arbeiten w\u00fcrden, w\u00e4re das Spiel locker 7 bis 8 Punkte wert), Horst: 7 (ein super Spiel, findet den W\u00fcrfelmechanismus total geil, w\u00fcrde ohne das diebische \u00c4rger-Element 9 Punkte vergeben), Walter: 5 (vorher 3, hat seine moralische Entr\u00fcstung \u00fcberwunden).<\/em><\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Abluxxen&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Schon acht mal wurde uns dieses frische, als Amuse Gueule, Vorspeise, Suppe, Hauptspeise und als Dessert gleicherma\u00dfen willkommene Gericht aus der Kramer-Kiesling-K\u00fcche serviert. Wir haben uns daran noch nicht \u00fcbergessen. Ganz im Gegenteil. Immer noch die gleiche Gaumenfreude.<\/p>\n<p>Auch hier gibt es \u00c4rgerelemente. Aber sie sind absolut integriert in den grunds\u00e4tzlichen Abluxxen-Mechanismus, ja sie sind sogar das Salz in der Suppe. Und wenn es weh tut, dann mit dem wehm\u00fctigen Gedanken, dass man selber im Timing etwas verkehrt gemacht hat.<\/p>\n<p><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Super-Spiel.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird immer wieder mal moniert, dass wir nach einem einmaligen Spielen uns bereits trauen, ein Spiel zu bewerten und Spielberichte dar\u00fcber schreiben, die den Anspruch einer Rezension haben. Moniert wird das nat\u00fcrlich in der Regel von Spielern, die einen anderen Geschmack haben als wir. 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