{"id":2284,"date":"2015-06-11T12:46:57","date_gmt":"2015-06-11T10:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2284"},"modified":"2015-06-11T12:46:57","modified_gmt":"2015-06-11T10:46:57","slug":"10-06-2015-malen-und-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2015\/06\/11\/10-06-2015-malen-und-zahlen\/","title":{"rendered":"10.06.2015: Malen und Zahlen"},"content":{"rendered":"<p>Unser Host Walter weilt immer noch in S\u00fcdfrankreich, um sich an der Sch\u00f6nheit der Landschaft und der (weiblichen) Bev\u00f6lkerung zu erfreuen und so ganz nebenbei auch seiner Gattin beim Malen zuzuschauen. Als freiwilliger Ersatz-Host stellte sich unser Komponist aus dem Drei-M\u00fchlenviertel spontan zur Verf\u00fcgung. In kleiner Besetzung lagen diesmal ausschlie\u00dflich Kartenspiele auf dem Tisch.<\/p>\n<p><strong>1. The Game<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem beim letzten Spieleabend <strong>The Game<\/strong> so gar keinen Funken hat \u00fcberspringen lassen, wollten wir dem Spiel noch eine Chance geben. Immerhin ist es f\u00fcr den Spiel-des-Jahres-Preis nominiert! Irgendetwas m\u00fcssen wir doch \u00fcbersehen haben.<\/p>\n<p>Da wir es mit einem kooperativen Spiel zu tun haben, stellt sich die Frage, auf welche Art soll und darf hier kooperiert werden. Die Spielregel spricht ein klares Verbot aus: Keine Nennung konkreter Zahlenwerte in irgendeiner Form. Erlaubt sind aber Hinweise der Art \u201e<em>Auf diesen Stapel bitte nichts mehr legen!<\/em>\u201c. Im Forum der Spielbox gibt es dazu einen interessanten <a href=\"http:\/\/www.spielbox.de\/phorum4\/read.php4?f=1&amp;i=301726&amp;t=301726&amp;\" target=\"_blank\">Thread<\/a>, in dem die Zul\u00e4ssigkeit bestimmter Hinweise diskutiert wird. Mit urdeutscher Regelaffinit\u00e4t werden dort Hinweise, die konkrete Zahlenwerte bedeuten k\u00f6nnten oder sogar s\u00e4mtliche codierte Information angeprangert und verboten. Wird nicht in einer Gruppe jeder noch so allgemeine Hinweis \u00fcber die Zeit zu einem Code f\u00fcr eine bestimmte Spielsituation? Geht es nicht darum, dass das Spiel Spa\u00df machen soll?<\/p>\n<p>Nun ist <strong>The Game<\/strong> vom Ansatz her nichts anderes als ein Solit\u00e4r-Puzzle, das man aber nicht nur alleine, sondern auch mit bis zu sechs Spielern spielen kann. Spiele ich alleine, habe ich die Auswahl aus 8 Karten, bei mehr Spielern entsprechend weniger. Diesen Nachteil gilt es durch eine sinnvolle Kommunikation der Spieler untereinander auszugleichen.<\/p>\n<p>Unseren ersten Durchgang haben wir strickt nach Spielregel gespielt. Die Kommunikation beschr\u00e4nkte sich darauf, die anderen Spieler (mehr oder weniger erfolgreich) zu bitten, auf bestimmt Stapel nichts mehr zu legen. Den anderen in der Regel als Beispiel gegebenen Hinweis \u201e<em>Bitte auf diesem Stapel nur einen ganz kleinen Sprung machen<\/em>\u201c haben wir nicht ben\u00f6tigt, denn der gilt wohl immer.<\/p>\n<p>Am Ende war bei verbliebenen 12 Handkarten Schluss. Gut? Schlecht? Keine Ahnung. Also gleich noch eine Wiederholung. Allerdings diesmal entgegen der Spielregel mit maximaler Kommunikation untereinander, realisiert dadurch, dass wir mit offenen Karten spielen. Geht jetzt ein Aufschrei durch die Spielergemeinde, weil die Westpark Gamers ein Spiel kaputt machen, indem sie nicht nach den korrekten Regeln spielen? Egal, ist ja nur ein Experiment.<\/p>\n<p>Dieser zweite Durchgang war insoweit interessant, als es jetzt deutlich mehr Kommunikation gab als vorher. Alle Spieler waren permanent beteiligt, um sicherzustellen, dass niemand eine geniale Zugfolge \u00fcbersieht. Hier beweist das Spiel seine klaren Solit\u00e4r-Qualit\u00e4ten. \u00dcberraschenderweise endete das Spiel mit 19 verbliebenen Handkarten, was zumindest beweist, dass auch dieses Maximum an Kooperation nicht dazu f\u00fchrt, dass man besser spielt als mit minimaler Kommunikation. Uns hat \u00fcbrigens der zweite Durchgang mit vollst\u00e4ndiger Information nicht weniger Spa\u00df gemacht als der erste.<\/p>\n<p>Was sagt uns das jetzt \u00fcber das Spiel? Wer Solit\u00e4rspiele mag, f\u00fcr den ist <strong>The Game<\/strong> als Solospiel durchaus ein netter Zeitvertreib. Mit mehr Spielern macht eine Kommunikation \u00a0der Spieler untereinander das Spiel nicht kaputt sondern \u00e4ndert nur dessen Charakter hin zu einem Gemeinschafts-Puzzle. Ohne Kommunikation ist es mit mehreren Spielern ein dumpfes Gl\u00fccksspiel ohne Pfiff. Und mit der nach Spielregel erlaubten Kommunikation wird es zwar etwas weniger gl\u00fcckslastig, birgt aber das Problem, dass sich beim Spielen in der gleichen Gruppe selbst die erlaubten Hinweise \u00fcber kurz oder lang als Codes f\u00fcr bestimmte Situationen etablieren und damit eigentlich wieder verboten sind. Erbsenz\u00e4hler h\u00e4tten damit dann ein Problem.<\/p>\n<p><strong>The Game<\/strong> l\u00e4sst uns weiterhin etwas ratlos zur\u00fcck.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: keine neue Wertung<\/em><\/p>\n<p><strong>2. Res Publica<\/strong><\/p>\n<p>Der Knizia-Klassiker von 1991, damals erschienen bei Hexagames, wurde von Queen Games \u00a0inzwischen in der 3. Auflage herausgebracht. Wir haben die Version der 2. Auflage gespielt. Gegen\u00fcber dem Original hat man dankenswerterweise die V\u00f6lkerkarten so ge\u00e4ndert, dass jetzt 5 V\u00f6lker mit unterschiedlichen Anfangsbuchstaben in den Kartenecken gew\u00e4hlt wurden. Das erleichtert die \u00dcbersicht in der aufgef\u00e4cherten Kartenhand. Au\u00dferdem gibt es zwei kleine aber wichtige \u00c4nderungen in den Regeln. So erh\u00e4lt man auch schon beim Ablegen von 5 V\u00f6lkerkarten eine Siegpunktkarte (Wert 3). Zus\u00e4tzlich wurde eine kleine Ungerechtigkeit behoben: Jetzt d\u00fcrfen alle Spieler in der letzten Runde noch einmal 5er-Sets ablegen.<\/p>\n<p>Vor mehr als 10 Jahren gab es bei uns unterschiedliche Meinungen\u00a0 \u00fcber die Qualit\u00e4ten von <strong>Res Publica<\/strong>. Wer Verhandlungsspiele mag, dem gef\u00e4llt es. Wer nicht gut verhandeln kann oder sich \u00fcber schreiende Ungerechtigkeiten und Kingmakereien \u00e4rgert, dem eher nicht. Wir kamen diesmal zu dem Schluss, dass wir deutlich mehr Spa\u00df an <strong>Res Publica<\/strong> hatten als an <strong>The Game<\/strong>.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: keine neue Wertung<\/em><\/p>\n<p><strong>3. Machi Koro<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Spiel-des-Jahres-Kandidat. Bei uns war das Spiel bereits durchgefallen, aber aufgrund der Nominierung kam es gestern dann doch noch einmal auf den Tisch. Vielleicht w\u00fcrde es uns diesmal besser gefallen?<\/p>\n<p>Kurz gesagt, nein, es hat auch diesmal keinen besseren Eindruck hinterlassen. Diese Mischung aus viel W\u00fcrfelgl\u00fcck, Aufbauspiel und \u00c4rgerelementen ist offenbar nicht so unser Ding.<\/p>\n<p>Erst beim Abr\u00e4umen fiel unser Blick auf die empfohlene Variante, in der nicht alle Ausbaukarten von Beginn an offen ausliegen. Also wurde noch ein zweiter Durchgang gestartet. Gef\u00fchlt war man jetzt noch etwas abh\u00e4ngiger vom Gl\u00fcck, weil man auch noch der Option der Planung seiner Aufbaustrategie beraubt wurde. Aber unser Mathematiker G\u00fcnther erkl\u00e4rte, dass diese Variante durch die Erh\u00f6hung der Zufallseffekte eher ausgleichend wirkt. Wie auch immer, nur er fand das Spiel mit dieser Variante etwas besser.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: keine neue Wertung<\/em><\/p>\n<p><strong>4. Das st\u00e4rkste TierSpiel<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2285\" aria-describedby=\"caption-attachment-2285\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2285\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/spiel.jpg\" alt=\"Ohne Wale ohne Ziel\" width=\"450\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/spiel.jpg 450w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/spiel-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/spiel-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2285\" class=\"wp-caption-text\">Ohne Wale ohne Ziel<\/figcaption><\/figure>\n<p>Moritz als Spielesammler h\u00fctet so einige Sch\u00e4tze in seinem Spielzimmer, viele davon 20, 30 Jahre alt oder \u00e4lter. Als absolute Rarit\u00e4t legte er <strong>Das st\u00e4rkste TierSpiel<\/strong> auf den Tisch. Die kleine, nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben nicht besonders professionell gemachte Schachtel enth\u00e4lt ebenso unprofessionell wirkende Spielkarten in einem eher unhandlichen Langformat. Jede Karte zeigt eine Zeichnung eines Tiers und tr\u00e4gt in kleiner Schrift die \u201eRangfolge\u201c und dessen Namen am oberen Rand. Die Tierbilder sind mit schwarzem Filzstift willk\u00fcrlich \u00fcbermalt und G\u00fcnther nahm zuerst an, dass sich Moritz\u2018 Nachwuchs das Spiel bereits vorgekn\u00f6pft hatte. Dem war aber nicht so, denn die Bemalung ist Teil des k\u00fcnstlerischen Gesamtprojekts, wenn auch spielerisch v\u00f6llig belanglos.<\/p>\n<p>Nun muss man wissen, dass der Autor des Spiels, Alexeij Sagerer, Theaterregisseur, Schauspieler und Medienk\u00fcnstler ist. Als er 1986 das Spiel in einer Auflage von 1000 St\u00fcck \u201e<em>unter Mithilfe des Walfischs und des Schnabeltiers<\/em>\u201c im Rahmen seiner Theaterproduktion \u201eproT\u201c ver\u00f6ffentlichte, teilte er auf der Schachtel mit: \u201e<em>Rettet die Tiere!!! Die Einnahmen aus dem Verkauf flie\u00dfen unmittelbar in den Tieger von \u00c4schnapur Unendlich<\/em>\u201c. Ein Geheimnis ist, was uns der Autor mit diesem Text und seinen Schreibfehlern vermitteln m\u00f6chte. Wie auch immer, das Spiel sollte also seine Theater-Produktionsreihe \u201eDer Tiger von \u00c4schnapur\u201c unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Mit den 72 Tierbilderkarten, die alle verteilt werden, spielen wir ein einfaches Stichspiel: Eine ausgespielte Karte muss gestochen werden, wenn man kann, ansonsten darf man eine beliebige Karte abwerfen. Tiere mit niedrigerem Rang stechen Tiere mit h\u00f6herem. Wer einen Stich gewinnt, spielt wieder an. Wer am Ende die meisten Stiche gemacht hat, gewinnt das Spiel. Das war\u2019s. Ach nein, den Clou h\u00e4tte ich beinahe vergessen: es gibt das st\u00e4rkste Tier, den Elefanten, gleich dreimal, alle anderen nur einmal. Und wer zuerst einen Elefanten spielt, gewinnt den Stich.<\/p>\n<p>Ziemlich ratlos spielten wir unsere Karten von oben nach unten runter und jedes Mal gewann der zuletzt Ausspielende den Stich. Gab es eine M\u00f6glichkeit, diese Abfolge zu durchbrechen? Wir haben keine gesehen. Bei den letzten beiden Stichen entschied dann wie erwartet das Kartengl\u00fcck und es gab tats\u00e4chlich noch einen Sieger.<\/p>\n<p>Sollten wir irgendeine geniale Taktik \u00fcbersehen haben? Oder handelt es sich bei <strong>Das st\u00e4rkste TierSpiel<\/strong> um ein reines Kunstprojekt? Die Tatsache, dass Turnierregeln mitgeliefert werden, l\u00e4sst vermuten, es ist ein ernst gemeintes Spiel. Das Beiblatt, in dem aufw\u00e4ndig \u00fcber die Charaktere der Tiere geschrieben wird (\u201e<em>der Damhirsch ist das damischste Tier<\/em>\u201c) l\u00e4sst doch eher auf ein Kunstprojekt schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 27 (echte Kunst), G\u00fcnther, Moritz: unbewertbar<\/em><\/p>\n<p><strong>5. Diamondback<\/strong><\/p>\n<p>Und weil\u2019s so sch\u00f6n war, legte uns Moritz gleich noch ein weiteres Sch\u00e4tzchen auf den Tisch: <strong>Diamandback<\/strong> aus dem Jahr 1978. Dieses Kartenspiel stammt ebenfalls von einem K\u00fcnstler: Dave Sim, der zwischen 1977 und 1981 die 25-b\u00e4ndige Comic-Buchreihe \u201eCerebus\u201c ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Das Spiel ist eine Poker-Variante, die je nach Spielerzahl mit 15 (2 Spieler) bis 43 (4 Spieler) Karten gespielt wird. Leider besitzt Moritz nur die 2-Spieler-Version. Dort gibt es 5 verschiedene Kartentypen (1x Magier, 2x Prinzessinnen, 3x K\u00f6nige, etc.). Jeder Spieler erh\u00e4lt 2 Karten und der Dealer legt eine seiner Karten offen aus und macht das erste Gebot. Es wird solange geboten, bis der Dealer die Bietrunde beendet. Dann werden alle Karten offengelegt und der Spieler mit dem h\u00f6chsten Paar gewinnt den Pott.<\/p>\n<p>Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sind die Paarwerte, die man sich irgendwie merken muss, da jede Karte in Kombination mit einer anderen Karte einen andern Wert hat.<\/p>\n<p>Uns erschien das nicht prickelnd genug, um zu sp\u00e4ter Stunde noch ein Spiel zu beginnen, insbesondere da nur zwei von uns h\u00e4tten spielen k\u00f6nnen. Ein kurzer Blick bei <a href=\"http:\/\/www.boardgamegeek.com\/boardgame\/10385\/diamondback\" target=\"_blank\">Boardgamegeek<\/a> zeigte dann auch, dass es sich hier wohl eher um ein Sammlerprodukt f\u00fcr echte \u201eCerebus\u201c-Fans handelt.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: keine Wertung, da nicht gespielt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Host Walter weilt immer noch in S\u00fcdfrankreich, um sich an der Sch\u00f6nheit der Landschaft und der (weiblichen) Bev\u00f6lkerung zu erfreuen und so ganz nebenbei auch seiner Gattin beim Malen zuzuschauen. Als freiwilliger Ersatz-Host stellte sich unser Komponist aus dem Drei-M\u00fchlenviertel spontan zur Verf\u00fcgung. 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