{"id":2293,"date":"2015-07-09T16:25:10","date_gmt":"2015-07-09T14:25:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2293"},"modified":"2015-07-09T16:25:10","modified_gmt":"2015-07-09T14:25:10","slug":"08-07-2015-wir-und-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2015\/07\/09\/08-07-2015-wir-und-die-welt\/","title":{"rendered":"08.07.2015: Wir und die Welt"},"content":{"rendered":"<p>Es war nichts anderes zu erwarten, es war ja auch nichts anderes mehr im Angebot, zumindest nicht in den Regalen der Jury von \u201eSpiel-des-Jahres\u201c.<\/p>\n<p>Kennerspiel des Jahres 2015 ist \u201eBroom Service\u201c. Bei uns mit Pauken und Trompeten durchgefallen, oder &#8211; mit anderen Worten &#8211; 85,0393701 Prozent der von uns gespielten Spiele sind besser bewertet! Immerhin, Moritz kann es nicht oft genug betonen: \u201eIch fand\u2019s gut!\u201c Aaron gestand ihm daf\u00fcr dann zu: \u201eOkay, du darfst die Pauken und Trompeten dirigieren!\u201c<\/p>\n<p>Spiel des Jahres 2015 ist \u201eColt Express\u201c. Am Westpark kannte es nur G\u00fcnther. Sein Kommentar: \u201eHatte ich ja schon bef\u00fcrchtet &#8230; Thema total, reines Gaudispiel.\u201c Vorbei ist in Deutschland die stramme, antimilitaristische Haltung der Nachkriegszeit. Vorbei die Anti-Kriegs-Kampfzeit der Polit-68er. Vorbei die Warnungen von dem grauenvollen Waffenalltag in den USA. Heute kann man sich mit Sch\u00fcssen auf den Sheriff selbst in Deutschland auf den ersten Platz schie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die \u201eBrettspielbox\u201c schreibt: \u201eZiel ist es, die meiste Beute durch Stehlen der Gelds\u00e4cke, Diamanten oder Geldkoffer zu erlangen. Wer am Ende die meisten Patronen abgefeuert hat, erh\u00e4lt einen Bonus.\u201c Fazit: Ein echtes Familienspiel f\u00fcr das Jahr 2015. Die Jury von SdJ hat so entschieden.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Digger&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>In seiner Neu-Entwicklung hat sogar der Autor Aaron letzte Woche die Regeln durcheinander gebracht: Nicht der <strong>dickste<\/strong> macht den Stich, sondern der <strong>l\u00e4ngste<\/strong>! Eine Priorit\u00e4tenreihenfolge, die im wirklichen Leben ebenfalls noch h\u00f6chst umstritten ist.<\/p>\n<p>Heute prallten die Meinungen \u00fcber die Sonderz\u00fcge, mit denen ein Spieler die Wertungen vertauschen, verschieben oder verdoppeln kann, hart aufeinander. Damit wird die lineare, logisch-psychologisch-kartenpflegerische Taktik weitgehend ausgehebelt. Die Grundversion kommt ohne alle diese Zugest\u00e4ndnisse an den Zeitgeist aus, und ist ein rundes, volles, stimmiges, gelungenes Spiel. Peter als Verfechter von bew\u00e4hrten \u201e\u00e4lteren guten Spielen\u201c lobte:<\/p>\n<p><strong>\u201eWenn alle neuen Spiel so w\u00e4ren, br\u00e4uchte ich keine alten!&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Nach diesen \u00fcberschaubaren Spielmechanismen w\u00fcrde er dem Spiel 9 Punkte geben; mit den Sonderz\u00fcgen reduziert er seine Wertung allerdings um (oder auf, je nach Stimmung) ein Drittel. Bei Walter w\u00e4re die Tendenz \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Aber Aaron und der Verlag werden sich einen Dreck um die Meinungen am Westpark scheren; der Markt z\u00e4hlt!<\/p>\n<p><em>Noch keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase..<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Fifth Avenue&#8221;<\/strong><br \/>\n<figure id=\"attachment_2297\" aria-describedby=\"caption-attachment-2297\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/FifthAvenue.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/FifthAvenue.jpg\" alt=\"Beim Aufbau von \u201eFifth Avenue\u201c. Peter tr\u00e4gt die besten Spielregeln des Jahres vor.\" width=\"550\" height=\"417\" class=\"size-full wp-image-2297\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/FifthAvenue.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/FifthAvenue-150x114.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/FifthAvenue-300x227.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2297\" class=\"wp-caption-text\">Beim Aufbau von \u201eFifth Avenue\u201c. Peter tr\u00e4gt die besten Spielregeln des Jahres vor.<\/figcaption><\/figure><br \/>\nG\u00fcnther wollte Peters Wunsch nach \u201e\u00e4lteren, bew\u00e4hrten Spielen\u201c nachkommen und hat ein zumindest \u201e\u00e4lteres\u201c Spiel mitgebracht, \u201eFifth Avenue\u201c aus dem Jahre 2004. Bew\u00e4hrt ist es bei uns noch nicht, keiner von uns hat es bereits gespielt, doch Aaron konnte immerhin beisteuern, dass das Spiel 2004 die \u201eEssener Feder\u201c f\u00fcr die beste Spielregel erhalten hat. Peter durfte sie vortragen.<\/p>\n<p>In einem klassischen Aufbauspiel bauen wir Hochh\u00e4user in sieben New Yorker Stadtteilen plus dem Central Park, siedeln Luxus-Gesch\u00e4fte in ihrer Umgebung an, und versuchen damit w\u00e4hrend des Spiels und in der Endwertung die meisten Siegpunkte einzuheimsen.<\/p>\n<p>Als Standardz\u00fcge werden angeboten:<\/p>\n<ol>\n<li>sich mit Baupl\u00e4nen f\u00fcr neue Hochh\u00e4user zu versorgen.<\/li>\n<li>ein beliebiges Gesch\u00e4ft aus der offenen Auslage an einer beliebigen freien Stelle in New York zu plazieren.<\/li>\n<li>sich einen Joker-Geldschein von von der Bank zu nehmen.<\/li>\n<li>ein Stadtviertel werten zu lassen: Die vergebenen Siegpunkte ergeben sich aus der Anzahl vorhandener Hochh\u00e4user multipliziert mit einem \u00fcberproportional wachsenden Faktor f\u00fcr die Anzahl benachbarter Gesch\u00e4fte.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach dem Standardzug darf sich ein Spieler noch zwei Nicht-Joker-Geldscheine von der Bank nehmen, und er muss einen der beiden \u201cKommissionssteine\u201d versetzen. Innerhalb dieser Kommissionssteine liegt der (ganze!) Witz der \u201cFifth Avenue\u201d. <\/p>\n<ul>\n<li>Die Kommissionssteine wandern in einem ewigen Turnus von Downtown bis zum Zentral-Park und zur\u00fcck. <\/li>\n<li>Wenn man ein Stadtviertel werten lassen will, darf man nur solche Viertel werten, in denen ein Kommissionsstein steht.<\/li>\n<li>Wenn ein Kommissionsstein im Central Park steht und versetzt werden soll (muss), fliegt er mit einem Satz zur\u00fcck bis nach Downtown; anschlie\u00dfend wird in allen Stadtvierteln, die der Stein vorher auf seinem Weg in den Central Park ber\u00fchrt hatte, ein Bauplatz versteigert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zum Bieten auf die verk\u00e4uflich gewordenen Baupl\u00e4tze werden die farbigen Non-Joker-Geldscheine und die schwarzen Joker-Geldscheine eingesetzt. Der Meistbietende darf je nach St\u00fcckelung seiner Geldscheine ein bis drei Hochh\u00e4user seiner Geldschein-Farbe bauen, die anderen Spieler gehen leer aus, brauchen aber immerhin auch nichts zu bezahlen.<\/p>\n<p>Aber warum erz\u00e4hle ich das alles? Eine Menge Details habe ich hier sogar noch ausgelassen! L\u00e4uft denn ein Spiel wirklich nach diesen umfangreichen, ausgefeilten Regeln ab? Leider nein!<\/p>\n<p>Warum soll ich mir Baupl\u00e4ne besorgen? Um Hochh\u00e4user zu bauen! Wenn ich aber keinen Bauplatz habe? Dann brauche ich auch keine Pl\u00e4ne! Diese Zugm\u00f6glichkeit wird sinnvollerweise auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben.<\/p>\n<p>Warum sollte ich ein Stadtviertel werten lassen? Weil darin meine Hochh\u00e4user und die benachbarten Gesch\u00e4fte f\u00fcr mich eine besonders g\u00fcnstige Konstellation haben! Darf ich solches Stadtviertel werten lassen? Leider nur dann, wenn ein Kommissionsstein darinnen steht! Wird ein Kommissionsstein in einem f\u00fcr mich g\u00fcnstigen Stadtviertel stehen, wenn ich am Zug bin? Nein, das wird er nicht! Meine klugen Mitspieler werden einen solchen Stein am Ende ihrer Z\u00fcge gef\u00e4lligst versetzt haben. Insofern bietet sich das Stadtviertel-Werten-Lassen h\u00f6chstenfalls f\u00fcr altruistische Masochisten an.<\/p>\n<p>Soll ich den Zug w\u00e4hlen, der mir einen Jocker-Geldschein in die Hand gibt? Nicht schlecht! Aber wie gut? Kein wirklich z\u00e4hlenswerter Vorteil, denn das Geld z\u00e4hlt nur, wenn man es ausgegeben hat. Ausgegeben beim Ersteigern des Bauplatzes f\u00fcr ein Hochhaus. Daf\u00fcr sind die Gelegenheiten allerdings sehr selten, und Geldscheine gibt es auch in den H\u00e4nden der Mitspieler massig, so dass der Biet-Vorteil kaum messbar ist. Und das Ansiedeln eines Gesch\u00e4ftes in der N\u00e4he meiner Hochh\u00e4user ist kostenlos, daf\u00fcr brauche ich \u00fcberhaupt kein Geld.<\/p>\n<p>Fazit: Als weitaus bester, wenn nicht gar als einzig sinnvoller Spielzug stellt sich heraus, ein beliebiges Gesch\u00e4ft in der Nachbarschaft zu einem bereits bestehenden, eigenen Hochh\u00e4usern anzusiedeln. ALLE Spieler werden das tun. Und da bei Spielbeginn jeder Spieler bereits zwei solcher Hochh\u00e4user auf dem Spielbrett verteilen durfte, hat auch kein Spieler Schwierigkeiten, eine solche Nachbarschaft ausfindig zu machen.<\/p>\n<p>Wenn wir das zw\u00f6lf Mal getan haben, bei vier Spieler also jeder genau drei Mal, ist das Spiel zu Ende. Es kommt zur Schlusswertung und es werden diejenigen Spieler gewonnen haben, die die meisten Hochh\u00e4user im Central Park gebaut haben. Warum im Central Park? Weil dort automatisch mindestens ein benachbartes Gesch\u00e4ft, mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit sogar zwei bis drei benachbarte Gesch\u00e4fte stehen. Unser Spiel war zu Ende, bevor es \u00fcberhaupt richtig angefangen hatte. Anstelle der angegebenen 60 bis 100 Minuten Spielzeit waren wir in knapp 20 Minuten durch! Und das am Westpark!<\/p>\n<p>Haben wir etwas grob falsch gemacht? Wir durchforsteten die beste Spielregel des Jahres 2004, und wir durchforsten die Eintr\u00e4ge bei BBG! Dort fanden wir u.a. den Kommentar: \u201cIf you play it long, you play it wrong!\u201d Nein, wir haben alles richtig gemacht, wir haben es nahezu in Rekordzeit \u00fcber die B\u00fchne gebracht. Das Spiel funktioniert schlichtweg nicht!<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 3 (aus meiner Sicht broken; dazu \u2013 f\u00fcr die kurze Spielzeit &#8211; auch nicht ausbalanciert), G\u00fcnther: 4 (komisch; Kooperation k\u00f6nnte das Spiel interessant machen, aber dazu br\u00e4uchte man eine Anleitung), Peter: 4 (weil es nicht so lang ist), Walter: 3 (eckige Mechanismen, habe das Schicksal nicht in meiner Hand).<\/em><\/p>\n<p>Ein euphorischer 10-Punkte Kommentar bei BBG lautet: \u201cHurra, zum ersten Mal ein Spiel gewonnen!\u201d Ist das der Geist, aus dem Qualit\u00e4t gemacht wird?<\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Witches&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Letzten Monat lag das kleine, lockere Stichkarten-Spiel zum ersten Mal bei uns auf, und Aaron hat es bereits beschrieben. Diesmal waren Peter und Walter Neulinge, und sollten die positive Meinung (\u201emehr Feinheiten als auf den ersten Blick erkennbar\u201c) unterstreichen.<\/p>\n<p>Walter kann dies aus voller (Bridge-)\u00dcberzeugung tun. Jeder Spieler erh\u00e4lt gleich zu Beginn seine vollst\u00e4ndige Kartenhand und kann dar\u00fcber gr\u00fcbeln, wie er sie am besten KOMPLETT abspielen wird. A la \u201eFlaschenteufel\u201c darf er dann nach einer groben taktischen Vision drei \u201eschlechte\u201c, d.h. taktisch-unpassende Karten an einen Nachbarn weitergeben und bekommt entsprechend \u201eunpassende\u201c Karten von einem anderen Nachbarn zur\u00fcck. Jetzt macht sich bereits die Vision bezahlt, n\u00e4mlich wenn man die empfangen Karten in seine Strategie (!) einbauen kann!<\/p>\n<p>Merkt Euch die gefallenen Karten ALLER Farben! Wisst auf alle F\u00e4lle von jeder Farbe, ob (besser: wieviel) h\u00f6here oder niedrigere Karten, als ihr sie auf der Hand habt, noch im Spiel sind. Achtet auf die Exit-Karten, mit denen ihr sicher vom Stich gehen k\u00f6nnt! Macht auch mal einen unliebsamen Stich, nur damit ihr selber eure Problemkarten aus- bzw. wegspielen k\u00f6nnt, um hinterher in ein sauberes, stichfreies Endspiel \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen. All das ist in diesem Spiel drin, trotz oder gerade wegen der verklausulierten Bedeutungen der gr\u00fcnen Feuerkarten und der andersfarbigen Hexen und Zauberer.<\/p>\n<p>Peter war nicht so sehr davon \u00fcberzeugt: \u201eIch finde es nicht soooo unterhaltsam; zuviel entscheidet sich \u00fcber die gr\u00fcnen Karten\u201c!<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: hob seine bisherigen 6 Punkte auf 7 an, selbst G\u00fcnther legte einen Punkt zu auf 7 (\u201eich \u00e4ndere \u00e4u\u00dferst selten meine Wertung\u201c), Peter: 5, Walter 8 (einfach, stimmig, man macht Fehler, und das zeichnet doch ein gro\u00dfes Spiel aus!).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war nichts anderes zu erwarten, es war ja auch nichts anderes mehr im Angebot, zumindest nicht in den Regalen der Jury von \u201eSpiel-des-Jahres\u201c. Kennerspiel des Jahres 2015 ist \u201eBroom Service\u201c. 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