{"id":230,"date":"2009-05-14T10:41:25","date_gmt":"2009-05-14T10:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=230"},"modified":"2009-12-06T13:16:12","modified_gmt":"2009-12-06T12:16:12","slug":"13052009-maori-und-die-frage-der-ahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/05\/14\/13052009-maori-und-die-frage-der-ahre\/","title":{"rendered":"13.05.2009: &#8220;Maori&#8221; und die &#8220;Frage der \u00c4hre&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Wir haben einen ungeheuren Verbrauch an Gummib\u00e4rchen. Vor Jahren waren Haribo&#8217;s Fr\u00f6schli der Favorit, sp\u00e4ter Katjes Tropenfr\u00fcchte, und heute sind es die Saft-Gummis von Trolli. Pro Kopf und Tag wandert mehr als ein P\u00e4ckchen in den Spielermagen. Wenn ich dann oft genug in rauhen Mengen Nachschub kaufe, fragt die Verk\u00e4uferin: &#8220;Kindergeburtstag?&#8221;<br \/>Dabei ist unser K\u00fccken gerade 36 geworden. Und hat auch soeben schon seine Zahnspange bekommen. Der Arzt hat ihm strikt verboten, Gummib\u00e4rchen zu essen. Ein ganzes Jahr lang. Jetzt hat er seinen tonnenschweren Privat-Vorrat dem Westpark gespendet. Vier Wochen lang bleibt der Verk\u00e4uferin das freundliche &#8220;Kindergeburtstag?&#8221; erspart. So lange aber nur, weil einer nicht mehr mitverzehrt!<br \/><strong>1. &#8220;Maori&#8221;<\/strong><br \/>Nagelneu, 2009 auf der Spielmesse in N\u00fcrnberg noch nicht herausgekommen, von G\u00fcnther Burkhardt gezeugt, von Hans im Gl\u00fcck ausgetragen.<br \/>Auf einer quadratischen Fl\u00e4che von 4 mal 4 Feldern liegen Inselteile mit B\u00e4umen, H\u00fctten, Schiffen und Muscheln. Die Spieler d\u00fcrfen reihum jeweils einen Inselteil auf ihre Privat-Landkarte nehmen. Wer am Ende die siegpunkt-tr\u00e4chtigste Landkarte zusammengestellt hat, ist Sieger.<br \/>Nat\u00fcrlich gibt es Randbedingungen zu beachten. Man darf sich nicht ein beliebiges der offen ausliegenden Inselteile nehmen, sondern mu\u00df mit einem Spielstein, der gemeinsam von allen Spielern au\u00dfen um die Fl\u00e4che mit den Inselteilen herumbewegt wird, m\u00f6glichst nahe herankommen. Mangelnde N\u00e4he darf durch Bezahlen in Muscheleinheiten ersetzt werden.<br \/>Man darf die ergatterten Inselteile auch nicht beliebig auf seiner Landkarte plazieren, sondern man mu\u00df sie in Nachbarschaft zu einem Schiff anlegen, da\u00df man vorher innerhalb seiner Landkarte positioniert hat. Falsche Positionierung kann man hierbei ebenfalls mit der Muschelw\u00e4hrung ausgleichen.<br \/>Immer wieder Muscheln. F\u00fcr \u00e4ltere Herren ab 36 ist das selbstverst\u00e4ndlich ein Anla\u00df zu Wortspielen, oder besser gesagt Wort-Anspielungen. Es gibt M-Probleme, M-Strategien, M-Mangel und M-Bedarf. Keine Muschel mehr zu haben ist t\u00f6dlich. Lieber eine Muschel zu viel als eine zu wenig. Aaron wurde durch eine Muschel in das Ungl\u00fcck gest\u00fcrzt. Im entscheidenden Moment hatte er keine zur Verf\u00fcgung!<br \/>Ein lockeres leichtes Familienspiel, mit einfachen Regeln, mit der Hoffnung auf Planung, einer Abfederung der Niederlage durch Gl\u00fcckselemente, und einer Aufweichung der determinierten, mechanischen Bewegungen durch Muschel-Einsatz.<br \/>Nach der Schlu\u00dfabrechnung konstatierte Walter: &#8220;Wenn man die Siegbedingungen kennt, ist das Spiel viel besser&#8221; &#8211; Gro\u00dfes Gel\u00e4chter. Aber unbegr\u00fcndet. Denn es gibt Spiele, die kann man nur dann ganz fr\u00f6hlich und unverkrampft darauf losspielen, solange man die Siegbedingungen nicht kennt und deshalb nicht wei\u00df, was richtige und was falsche Z\u00fcge sind. In &#8220;Maori&#8221; stehen zun\u00e4chst alle Mitspieler vor der gleichen Ausgangslage und lauern auf die gleichen Inselteile. Das ist ein bi\u00dfchen einseitig. Doch schnell entstehen zuf\u00e4llige Ungleichgewichte &#8211; der eine hat mehr B\u00e4ume, der andere mehr Schiffe, der n\u00e4chste mehr Muscheln usw. Diese Ungleichgewichte gilt es auszubauen, denn am Ende werden die extremen Besitzt\u00fcmer besonders honoriert. Jetzt verfolgt jeder andere Aufbauziele, die Inselteile in der Mitte bekommen f\u00fcr jeden eine andere Wertigkeit, die Chance f\u00fcr Schn\u00e4ppchen w\u00e4chst, das Spiel wird vielseitiger. Besser!<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (nettes Familienspiel), G\u00fcnther: 7 (plus), Hans: 7 (f\u00fcr 8 Punkte zu leicht), Peter: 7 (plus), Walter: 7<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Eine Frage der \u00c4hre&#8221;<\/strong><br \/>W\u00e4hrend des Spielaufbaus diskutierten wir Moritz&#8217; Lottovorlieben. Warum auch immer. Hans behauptete: &#8220;Wenn beim Roulette zehnmal hintereinander Rot kommt, wird Moritz ebenfalls auf Rot setzen, um auf die lange Serie aufzuspringen.&#8221; Peter widersprach: &#8220;Moritz wird in diesem Fall auf Schwarz setzen, weil er von dem Abrei\u00dfen der Serie profitieren will!&#8221; Die Frage blieb unentschieden. Wie haltet es denn ihr Leser drau\u00dfen bez\u00fcglich dieser statistischen Orientierungsfrage?<br \/>G\u00fcnther hatte in die Startaufstellung einen Fehler eingebaut und Aaron konnte ihn allein anhand der Piktogramme auf dem Spielbrett erkennen. Schlu\u00dffolgerung von Peter: &#8220;Das Spielmaterial ist super!&#8221;<br \/>Auf einem gemeinsamen Acker von 6 mal 10 Parzellen m\u00fcssen wir Kartoffeln, Mais, Getreide, R\u00fcben oder Raps anbauen, d.h. Doppelpl\u00e4ttchen mit den entsprechenden Pflanzen auflegen. In beliebig vielen Schichten \u00fcbereinander. Jedes Mal, wenn wir ein Pl\u00e4ttchen legen, entstehen neue zusammenh\u00e4ngende Fl\u00e4chen gleicher Anbauarten. Die Summe der orthogonal verbundenen Parzellen einer Anbauart ergeben die Siegpunkte f\u00fcr einen Zug.<br \/>Anstelle von Siegpunkten kann man auch &#8220;Erntepunkte&#8221; kassieren und damit seine Spielsteine auf einer der f\u00fcnf Bahnen f\u00fcr Kartoffeln, Mais, Getreide, R\u00fcben oder Raps vorw\u00e4rts ziehen. Wer auf allen Bahnen eine vorgeschriebene Strecke zur\u00fcckgelegt hat, darf ein H\u00e4uschen auf der Anbaufl\u00e4che positionieren und daf\u00fcr pro Runde ebenfalls Siegpunkte f\u00fcr Parzellen gleicher Anbaufl\u00e4che kassieren.<br \/>Nat\u00fcrlich ist es dann ein Bestreben der Mitspieler, durch entsprechendes Legen ihrer Anbaupl\u00e4ttchen diese Parzellen zu \u00fcberdecken und damit und den Siegpunkt-Zuflu\u00df des Konkurrenten m\u00f6glichst klein zu halten. So ist der Spielverlauf weniger ein konstruktives Erzeugen gro\u00dfer Anbaufl\u00e4chen f\u00fcr sich selbst, sondern eher ein destruktives Zerteilen der Anbaufl\u00e4chen der Mitspieler. Die Interaktion ist sehr gro\u00df, die Schadenfreude beim Zerst\u00f6ren auch, dagegen h\u00e4lt sich die Freude an erfolgreichen Konstruktionen in engen Grenzen. Eine Planung von mehr als dem gerade aktuellen Zug scheint vergebliche Liebesm\u00fch.<br \/>Peters Euphorie \u00fcber das Spielmaterial war schnell dahin. &#8220;Das Spiel ist kontingenz-bestimmt.&#8221; Walter wu\u00dfte jetzt nicht, wer auf seine Blase achten sollte, doch Aaron kl\u00e4rte auf, da\u00df es sich hier nicht um &#8220;Kontinenz&#8221; handelt. Nach Wikipedia ist Kontingenz &#8220;in der Philosophie die Zuf\u00e4lligkeit in Hinblick auf eine \u00fcbergeordnete schicksalhafte Notwendigkeit.&#8221; Mit anderen Peter-Worten: &#8220;Es ist ein Schei\u00df-Gl\u00fccksspiel!&#8221;. Na ja, nicht der blinde Zufall entscheidet \u00fcber den Sieg, sondern die geringste Miesnickeligkeit, mit der man von seinen Mitspielern bedacht wird.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (die Idee ist sch\u00f6n), G\u00fcnther: 6 (sch\u00f6n \u00f6fters gespielt, es war jedesmal nett), Hans: 6 (trotzdem! Im kleinen Kreis sollte es gut funktionieren), Peter: 4 (Wertungs-Konstanz), Walter: 5 (zuf\u00e4lliges Zerst\u00f6rungsspiel)<\/em><br \/>Aaron wird eine Rezension schreiben.<br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Aaron schlug vor, auch die W\u00fcrfelseiten gelten zu lassen, die man von der Seite sieht. Da wird G\u00fcnther wieder jahrelang an einer neuen Immer-5-Strategie herumrechnen m\u00fcssen!<br \/>Neue Erkenntnis (welch ein Wunder, da\u00df sie erst heute bewu\u00dft wurde):<br \/>Wenn man nur noch einen W\u00fcrfel hat und ausscheiden m\u00fc\u00dfte, wenn unter drei verdeckten W\u00fcrfeln wenigstens eine F\u00fcnf ist, dann ist es besser, darauf bauen, da\u00df unter den drei W\u00fcrfeln mindestens <strong>zwei<\/strong> F\u00fcnfen sind! Oder gilt das erst ab vier W\u00fcrfeln? Heute in der Nacht wird das meine Excel-Tabelle nicht mehr offenbaren.<br \/><strong>4. Zahlenexperiment<\/strong><br \/>Zum Abschlu\u00df schlug G\u00fcnther noch ein Zahlenexperiment vor. Jeder soll geheim auf einen Zettel eine Zahl zwischen 0 und 100 schreiben. Dann werden alle Zahlen zusammengez\u00e4hlt und der Durchschnitt gebildet. Wer am n\u00e4chsten an zwei Dritteln vom Durchschnitt ist, hat gewonnen.<br \/>Grobe \u00dcberschlagsrechnung: Der rein mathematische Durchschnitt der aufgeschriebenen Zahlen ist 50, zwei Drittel davon ist 33. Diesen Werte sollte man auf seinen Zettel schreiben.<br \/>Halt, verkehrt, zweite N\u00e4herung: Wenn ich hier determiniert 33 hinschreibe und die anderen den Durchschnitt von 50 einhalten, dann ist der Gesamtdurchschnitt ja schon kleiner als 50 und zwei Drittel davon liegt schon unter 30.<br \/>Dritte N\u00e4herung: Wenn die anderen genauso rechnen \u0085<br \/>Lange Rede kurzer Schlu\u00df: der mathematisch vern\u00fcnftigste Sch\u00e4tzwert f\u00fcr zwei Drittel des Durchschnitts ist 0, in Worten: Null.<br \/>Wer die niedrigste Zahl aufgeschrieben hat, ist der Kl\u00fcgste! Bei uns war es Aaron mit der Zahl 11. Ab 10 w\u00e4re er nach der nach oben offenen Kontingenzskala als Genie eingeordnet worden \u0085<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben einen ungeheuren Verbrauch an Gummib\u00e4rchen. Vor Jahren waren Haribo&#8217;s Fr\u00f6schli der Favorit, sp\u00e4ter Katjes Tropenfr\u00fcchte, und heute sind es die Saft-Gummis von Trolli. Pro Kopf und Tag wandert mehr als ein P\u00e4ckchen in den Spielermagen. 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