{"id":232,"date":"2009-05-28T10:32:51","date_gmt":"2009-05-28T10:32:51","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=232"},"modified":"2009-12-01T18:03:14","modified_gmt":"2009-12-01T17:03:14","slug":"27052009-spielen-mit-den-spielen-des-jahres","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/05\/28\/27052009-spielen-mit-den-spielen-des-jahres\/","title":{"rendered":"27.05.2009: Spielen mit den Spielen des Jahres"},"content":{"rendered":"<p>Die Auswahlliste zum &#8220;Spiel des Jahres 2009&#8221; ist erschienen. Wer mag &#8211; Experte, Vielspieler, oder Gourmetspieler &#8211; darf wie jedes Jahr den Kopf sch\u00fctteln. Wer die heren Ziele der Jury kennt, freut sich mit dem Heer der Alles- oder Gelegenheitsspieler \u00fcber die Kaufempfehlungen des Jahres 2009.<br \/>&#8220;<strong>FITS<\/strong>&#8220;: Ravensburger haben eine Brettspielversion von &#8220;Tetris&#8221; hergestellt. Wer die fallenden Fl\u00e4chen in seinem Handy-Bildschirm nicht mehr sehen kann, darf sein geometrisches Vorstellungsverm\u00f6gen jetzt am Tisch im Kreise seine Freunde zum Besten geben.<br \/>&#8220;<strong>Dominion<\/strong>&#8220;: Hans im Gl\u00fcck hat neben sein Paradepferd &#8220;Sankt Petersburg&#8221; ein weiteres Karten-Aufbau- und Entwicklungsspiel gestellt, bei dem es gilt, sich zur richtigen Zeit in der richtigen Reihenfolge die richtigen Karten zuzulegen.<br \/>&#8220;<strong>Finca<\/strong>&#8220;: ein weiterer Kandidat vom Hans im Gl\u00fcck-Verlag, das wir zu Ehren seiner Auswahl heute gleich bei uns auf den Tisch gelegt haben.<br \/>&#8220;<strong>Fauna<\/strong>&#8220;: Ein Quiz-Sch\u00e4tz-Spiel von Friedemann Friese nach der Grundidee von &#8220;Anno Domini&#8221; bzw. &#8220;Ausgerechnet Buxtehude&#8221;: Reihum kreisen die Spieler die Antwort zu zoologischen Fragestellungen ein; wer am n\u00e4chsten dran ist, punktet.<br \/>&#8220;<strong>Pandemie<\/strong>&#8221; : Ein kooperatives Strategiespiel vom Pegasus Verlag. Wenn die Spieler gemeinsam eine Seuchen-Epidemie verhindern k\u00f6nnen, haben sie gewonnen.<br \/>[glowred]&#8221;Die meisten Spiele, die verkauft werden, werden nie gespielt&#8221;[\/glowred] meint die Jurorin Birgit N\u00f6\u00dfler. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Ernte des Jahres 2009. Aber solange Spiele gekauft werden, in rauhen Mengen sogar, wird es regelm\u00e4\u00dfig auch ein paar sehr gute Spiele geben. \u00dcber diese simple Tatsache d\u00fcrfen sich dann wiederum alle Spieler aller L\u00e4nder freuen.<br \/><strong>1. &#8220;Wind River&#8221;<\/strong><br \/>Letzte Woche gespielt und die ungeheure strategische Vielfalt nur geahnt. Unser Chefideologe G\u00fcnther sollte ebenfalls sein Urteil dar\u00fcber abgeben.<br \/>Das Treiben der B\u00fcffel und das Verlegen der Zelte verl\u00e4uft im Dreierspiel ganz anders als im Viererspiel ab: Es gibt unweigerlich 2:1 Koalitionen. Man mu\u00df sie nur nutzen und sich gegenseitig auch was g\u00f6nnen, ohne sich dabei \u00fcber den Schmarotzer zu gr\u00e4men.<br \/>Aaron mit dem Zufallsschmarotzer Walter hatte sich schnell 5 Zelte zugelegt, die seinen Handlungsspielraum bedeutend erweiterten. Damit fing er ein hochaggressives Spiel gegen die paar vorderen Zelte von G\u00fcnther und Walter an, ohne damit seine eigene Position aber wesentlich nach vorw\u00e4rts zu bringen. Die Gesch\u00e4digten schlugen mit vereinten Kr\u00e4ften zur\u00fcck, und bald waren alle seine Vorr\u00e4te aufgebraucht. G\u00fcnther konnte schlu\u00dfendlich mit einem einzigen leichten Husterer die letzten Zelte von Aaron und Walter davonfliegen lassen und dann alleine zum Sieg marschieren.<br \/>Meinen Kritikpunkt von letzter Woche m\u00f6chte ich unbedingt zur\u00fccknehmen. Das Spiel hat keine Balance-Schw\u00e4che. Es bietet wirklich eine ungeheure Vielfalt verschiedenen Strategien und Gegenstrategien, die alle diesen Namen verdienen. Richtig lang-fristige vorausplanende Vorgehensweisen, nicht nur kurzfristige Man\u00f6ver und Taktiken. Wir haben immer noch erst einen kleinen Bruchteil davon entdeckt.<br \/>Das Spiel mu\u00df unbedingt noch mehrmals auf den Tisch kommen. Bald.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (bleibt), G\u00fcnther: 7 (neu), Walter: 8 (ein Punkt mehr)<\/em><br \/>Walter wird eine Rezension schreiben.<br \/><strong>2. &#8220;Finca&#8221;<\/strong><br \/>Der unfehlbare Mathematiker hatte sich im Vorfeld fehlbar ausgedr\u00fcckt: &#8220;Finca geht nur zu viert!&#8221; Walter wollte f\u00fcr unser heutiges Trio schon einen Dummy-Spieler einf\u00fchren, &#8220;entweder kooperativ oder pro Zug reihum wechselnd&#8221;. G\u00fcnther konnte noch rechtzeitig klarstellen: &#8220;Gemeint war: maximal nur zu viert&#8221;. Wir konnten zu dritt loslegen und brauchten nicht zu f\u00fcrchten, da\u00df &#8220;hinterher auch noch der vierte gewinnt&#8221; und wir &#8220;Finca&#8221; f\u00fcr ein &#8220;super-kooperatives&#8221; Spiel halten m\u00fc\u00dften.<br \/>Das Spiel besitzt \u00e4u\u00dferst aufw\u00e4ndiges Holzmaterial. Ganze Ladungen von bunten Fr\u00fcchten in knalligen Farben, Bauern in Standardfarben, h\u00fcbsch geformte Finca-H\u00e4uschen, deren Nutzfunktion lediglich das Kennzeichnen abgeernteter Felder ist, Windm\u00fchlenfl\u00fcgel, die einen neuartigen, bestrickenden Zug-Mechanismus abgeben. Dazu jede Menge dicker Ernte- und Siegpunkt-Pl\u00e4ttchen, die von Kinderh\u00e4nden nicht verknickt und von Kinderm\u00e4ulern nicht verschluckt werden k\u00f6nnen.<br \/>Sehr bemerkenswert funktionieren die Bewegungen mit der Windm\u00fchle. Die Spieler verteilen ihre je vier Bauern beliebig auf die insgesamt zw\u00f6lf Felder der Windm\u00fchle. Zum Ziehen w\u00e4hlt ein Spieler eine beliebige Figur. Die Anzahl aller Bauern auf dem Startfeld ergibt die Anzahl Felder, die der Bauer vorw\u00e4rts gehen mu\u00df. Die Anzahl aller Bauern auf dem Zielfeld ergibt die Anzahl Fr\u00fcchte einer Sorte (Zitronen, Orangen etc.), die der Spieler daf\u00fcr bekommt.<br \/>Kombinationen seiner gesammelten Fr\u00fcchte darf ein Spieler auf dem Markt gegen Erntepl\u00e4ttchen mit Siegpunkten eintauschen. Dabei gilt es, sowohl Pl\u00e4ttchen mit hohen Punktwerten, als auch Pl\u00e4ttchen mit verschiedenen Punktwerten, als auch Pl\u00e4ttchen mit einer dominierenden Fruchtauswahl zu sammeln. Gelungene Sammlungen werden mit Zusatzpr\u00e4mien honoriert.<br \/>Wer sich sehr viel M\u00fche gibt, kann komplizierte \u00dcberlegungen zur Optimierung seiner Bewegungen auf der Windm\u00fchle, zum Einsammeln der richtigen Fr\u00fcchte und zum rechtzeitigen Eintauschen in Spiegpunkt-Pl\u00e4tten bei gleichzeitigem Durchkreuzen der entsprechenden Ambitionen seiner Mitspieler machen. Dann kann das Spiel sehr dr\u00f6ge und trocken werden. Wer aber so spielt, wie es sein Erfinder f\u00fcr seine Spielerfamilien gedacht hat, der denkt keinen Zug voraus, sondern der w\u00e4hlt in der st\u00e4ndig wechselnden Situation gerade den Zug heraus, womit er irgendwas vern\u00fcnftiges anfangen kann. Wenn er Gl\u00fcck hat, f\u00e4hrt er gut damit, wenn er kein Gl\u00fcck hat, gewinnt ein anderer.<br \/>Wir haben lange diskutiert, wie stark man in &#8220;Finca&#8221; sein Schicksal selber in der Hand hat. G\u00fcnther war ein eifriger Verfechter von seiner Planbarkeit und billigte dem Spiel einen Gl\u00fccksfaktor (Wert zwischen 0 und 1, ohne exakte Definition) von unter 0,5 zu, Walter und Aaron siedelten den Gl\u00fccksfaktor eher bei 0,9 an. Am Anfang zieht man den Bauern, der die meisten Fr\u00fcchte einbringt (kein Freiheitsgrad, 100% determiniert), dann sch\u00e4lt sich irgendwann eine Vorliebe heraus (100% randomisiert). Damit favorisiert man bestimmte Siegpunkt-Pl\u00e4ttchen, und wenn sie die b\u00f6sen Mitspieler einem nicht vor der Nase wegschnappt haben, dann bekommt man sie sogar. (Planquote unter 50%). Ob man zum Schlu\u00df noch das letzte Pl\u00e4ttchen mit vielleicht 10 Siegpunkten abr\u00e4umt, hat man ebenfalls nicht in der Hand, doch es entscheidet mit Sicherheit \u00fcber Sieg oder Nicht-Sieg. Wenn hier G\u00fcnther seinen Gl\u00fccksfaktor von &#8220;unter 0,5&#8221; rechtfertigen will, mu\u00df er noch ganz sch\u00f6n an der Definition dieses Faktors herumfeilen.<br \/>&#8220;Finca&#8221; ist genauso zuf\u00e4llig wie &#8220;Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht&#8221;. Schon allein die vier P\u00f6ppel pro Spieler sind identisch! Aaron: &#8220;Ein deutliches Zeichen, da\u00df Finca Spiel des Jahres 2009 wird!&#8221;<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, G\u00fcnther: 7, Walter: 6 (pro Zug lauter kleine fitzelige Rechnereien, die zum Charakter des Spiels kontraproduktiv sind)<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Dog&#8221;<\/strong><br \/>Das Spielbrett sieht aus wie ein modernisiertes &#8220;Mensch-\u00e4rger-Dich-nicht&#8221; aus. (Schon wieder.) Der Spielablauf ist auch ganz analog: Man bewegt seine P\u00f6ppel vom Startfeld in die Zielfelder, aber nicht per W\u00fcrfel, sondern per Bewegungskarte. Sie lassen Schrittweiten zwischen 1 und 13 Feldern zu.<br \/>Jeder Spieler bekommt auf Anhieb 6 Bewegungskarten zugeteilt, so da\u00df er sich schon mal einen Plan zurechtlegen kann, in welcher Reihenfolge er die Karten ausspielen wird. Klingt zun\u00e4chst ziemlich berechenbar.<br \/>Doch unter den Bewegungskarten gibt es solche, die das beliebige Austauschen zweier beliebiger P\u00f6ppel auf dem Spielbrett zul\u00e4\u00dft. Damit k\u00f6nnen die Mitspieler die P\u00f6ppel auf dem Spielbrett ganz sch\u00f6n wild umherwirbeln. Und weil sie es nat\u00fcrlich besonders auf die P\u00f6ppel abgesehen haben, die gerade unmittelbar vor dem Ausr\u00fccken sind, wird alles absolut unberechenbar. Schlimmer als im Original M-\u00e4-D-n.<br \/>G\u00fcnther wollte den Ausdruck &#8220;Zufallsspiel&#8221; nicht gelten lassen. Er betonte, &#8220;Dog&#8221; w\u00e4re ein &#8220;Gaudi-Spiel&#8221;, wobei er aber nicht auf die Sagrada Familia anspielen wollte. Was aber au\u00dfer Gaudi ist noch am &#8220;Dog&#8221;? Der Glaube (= Illusion), es g\u00e4be noch etwas.<br \/>Aaron kam es vor wie ein &#8220;stark simplifiziertes Monopoly&#8221;. Es ist alles weggelassen: Stra\u00dfen, H\u00e4user, Hotels, Bahnh\u00f6fe und W\u00fcrfel. Nur die Gaudi ist geblieben. In der richtigen Runde unendlich viel, in der falschen Runde halt nicht.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6, Walter: 5 (Gaudi), G\u00fcnther: 7 (Super-Gaudi)<\/em><br \/><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Nichts Neues am Westpark, au\u00dfer da\u00df:<br \/>a) Aaron und G\u00fcnther im 1:1-Endspiel standen und dabei jeder einen Stern unter seinem Becher hatten. Aaron fing standardm\u00e4\u00dfig mit 1 mal die Vier an, und G\u00fcnther erh\u00f6hte standardm\u00e4\u00dfig auf 1 mal die F\u00fcnf. Aarons 2 mal die Vier setzte G\u00fcnther das Messer auf die Brust, doch mit 2 mal Stern zog er sich siegreich aus der Affaire. Ein 2 mal die F\u00fcnf von Aaron h\u00e4tte leichter ein &#8211; hier nicht erfolgreiches &#8211; Anzweifeln nahegelegt, oder?<br \/>b) G\u00fcnther alle Spiele des Tages gewann. &#8220;Es waren ja auch nur Gl\u00fccksspiele!&#8221;<br \/>c) Ausgiebige Diskussion, warum &#8220;Bluff&#8221; viel mehr ist als ein Gl\u00fccksspiel.<br \/>d) G\u00fcnther auf einen mathematisch existierenden, aber real nicht vorhandenen Verteilungsbaum kletterte. Dort sitzt er hait no!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Auswahlliste zum &#8220;Spiel des Jahres 2009&#8221; ist erschienen. Wer mag &#8211; Experte, Vielspieler, oder Gourmetspieler &#8211; darf wie jedes Jahr den Kopf sch\u00fctteln. Wer die heren Ziele der Jury kennt, freut sich mit dem Heer der Alles- oder Gelegenheitsspieler \u00fcber die Kaufempfehlungen des Jahres 2009.&#8220;FITS&#8220;: Ravensburger haben eine Brettspielversion von &#8220;Tetris&#8221; hergestellt. Wer die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/05\/28\/27052009-spielen-mit-den-spielen-des-jahres\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">27.05.2009: Spielen mit den Spielen des Jahres<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[10,49,52,45],"class_list":["post-232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende","tag-bluff","tag-dog","tag-finca","tag-wind-river"],"views":2298,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=232"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/232\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}