{"id":233,"date":"2009-06-04T10:00:39","date_gmt":"2009-06-04T10:00:39","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=233"},"modified":"2009-12-01T18:01:54","modified_gmt":"2009-12-01T17:01:54","slug":"03062009-dice-town-in-bombay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/06\/04\/03062009-dice-town-in-bombay\/","title":{"rendered":"03.06.2009: &#8220;Dice Town&#8221; in &#8221; Bombay&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Galileo, das ProSieben Wissensmagazin, hat unseren Moritz eingeladen, in einer Sendung \u00fcber Gesellschaftsspiele Winner-Tipps abzugeben. Moritz hat sich sehr viel M\u00fche gegeben und einen Feature-Entwurf f\u00fcr die komplette Sendung erarbeitet.<br \/>Seine Spielvorschl\u00e4ge waren &#8220;Siedler von Catan&#8221;, &#8220;Carcassonne&#8221; und &#8220;Monopoly&#8221; (nicht ganz freiwillig), und seine fundierten Detail-Analysen (z.B. Bahnh\u00f6fe kaufen) rundete er ab mit allgemeinen Hinweisen wie:<br \/>a) Have a plan<br \/>b) &#8220;Lese&#8221; Deine Mitspieler<br \/>c) Spiele nicht allein um zu Gewinnen<br \/>Ziemlich geschockt war er, als von der Redaktion die knallharte Vorgabe kam: &#8220;Als Spielauswahl stehen ausschlie\u00dflich: Schnick-Schnack-Schnuck (Knobeln), Neunerln, Jenga, 4-gewinnt, Black Jack, Schiffe versenken und Monopoly zur Verf\u00fcgung.&#8221; Ein Kraut und R\u00fcben von Gl\u00fccks- und Geschicklichkeitsspielen, doch nichts zum Wissen, Planen und gute Ratschl\u00e4ge geben. Moritz f\u00fchlte sich wie ein Kenner von Horrorfilmen, der \u00fcber das Rotk\u00e4ppchen befragt werden soll.<br \/>Moritz schluckte diese Kr\u00f6te und noch einige andere und machte sich mit der hoffnungsvollen Erwartung auf den Weg, im Studio wenigstens ein paar anregende Spielstunden mit gestandenen Spielern verbringen zu k\u00f6nnen. Doch auch hier ri\u00df der Kr\u00f6tenstrom nicht ab. War seine Erwartung nativ oder legitim, jedenfalls warteten anstelle von Profis lediglich [!?] blonde Models auf ihn, die keinerlei Ahnung von Schlo\u00dfallee und Parkstra\u00dfe hatten, und auch nicht unbedingt die Ambitionen hatten, kl\u00fcger nach Hause zu gehen. Die Kamera diktierte die Ma\u00dfst\u00e4be, nicht die Vorlieben f\u00fcr Tisch und Brett. Selbst der W\u00fcrfel-Sex war gefaked! Krone der Sch\u00f6pfung waren Szenen im Biergarten \u00fcber einem Schiffchen-Versenken mit Papier und Bleistift. Wo und womit kann man denn sonst seine blonden Neuerwerbungen zum H\u00f6hepunkt bringen?<br \/>Erkenntnis: Selbst Redakteure von Aufkl\u00e4rungsreports sind bestenfalls nur Menschen. Tr\u00f6stlich: Auch der Pate der Sendung hat schon unter alleinseligmachenden Knowhow-Tr\u00e4gern leiden m\u00fcssen.<br \/>Moritz&#8217; Eigenbalsam auf seine Wunden: &#8220;Schlechte Spiele [in einer fragw\u00fcrdigen Sendung] ruinieren wenigstens nicht den Ruf unseres Hobbys.&#8221;<br \/><strong>1. &#8220;Bombay&#8221; von Ystari<\/strong><br \/>Wir sind H\u00e4ndler in Indien, trampeln mit unserem Elefant auf die verschiedenen M\u00e4rkte um Warenballen aufzuladen, transportieren sie zu St\u00e4dten, in denen die Ware ben\u00f6tigt wird, verkaufen sie und werden damit reich.<br \/>Es sind sehr h\u00fcbsche Elefanten, mit denen wir in &#8220;Bombay&#8221; als Spielerp\u00f6ppel ausgestattet werden. Leider stinken sie. Gewaltig. Nicht nach Elefantenlosung, sondern nach China-Plastik. Hoffentlich gibt sich das.<br \/>Das Warenangebot auf den M\u00e4rkten wechselt nach zuf\u00e4lligen Regeln. Die Preise auf den M\u00e4rkten fallen systematisch mit dem Angebot. Mit dem erwirtschafteten Geld k\u00f6nnen die Spieler auf den Wegekreuzungen Herbergen bauen. Wer hier vorbeikommt, mu\u00df Wegezoll bezahlen.<br \/>Keiner wurstelt f\u00fcr sich alleine herum, jeder ist von den Aktionen der Mitspieler beeintr\u00e4chtigt:<br \/>a) Die Waren sind knapp. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wer Pech hat, dem schnappt der Vorg\u00e4nger den letzten Warenballen vom Markt.<br \/>b) Wer eine Ware zuerst verkauft, erzielt den doppelten Preis. F\u00fcr die wichtigen monet\u00e4ren Siegpunkte mu\u00df man auch hier die Nase vorn haben.<br \/>c) Auf Wegekreuzungen darf immer nur eine Herberge stehen. Wer zuerst baut, lacht zuerst. Und zuletzt.<br \/>d) Eigene Herbergen f\u00f6rdern die Geldquellen, fremde Herbergen f\u00f6rdern die Konkurrenz.<br \/>Alle diese Spielmechanismen bewirken, da\u00df jeweils nur der aktive Spieler einen Grund zur Freude hat, alle anderen eher einen Grund zu \u00c4rger und Neid. Das ist leider kein Nullsummenspiel. Gehobene Spielstimmung kommt nur selten auf; der Eggert-Faktor liegt unter 0,2.<br \/>G\u00fcnther fand in &#8220;Bombay&#8221; ein &#8220;Valdora light&#8221;, weil das Brimborium mit den Auftr\u00e4gen und Auftraggebern weggefallen ist. Walter hielt es umgekehrt eher f\u00fcr ein &#8220;Valdora heavy&#8221;, weil es immerhin ein ger\u00fcttet Ma\u00df an Interaktion kennt, auch wenn sie nicht immer erfreulich ist.<br \/>Doch einen Vorteil mu\u00df man &#8220;Bombay&#8221; unbedingt lassen: In einer halben Stunde kann man die 5 S\u00e4tze \u00e1 drei Runden mit je 3 Aktionen problemlos hinter sich bringen.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (fehlende Dynamik), G\u00fcnther: 6 (warten ohne Aufgabe), Loredana: 5 (&#8220;hat mich genervt&#8221;), Peter: 6 (einzige Spannung geht darum, ob die anderen schneller sind), Walter: 6 (die Interaktionen sind alle negativ).<\/em><br \/>Ystari schw\u00e4chelt. Auch G\u00fcnther hat nicht gewonnen, nur fast.<br \/><strong>2. &#8220;Dice Town&#8221;<\/strong><br \/>Von Bruno Cathala, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Faidutti, mit dem er &#8220;das Halsband der K\u00f6nigin&#8221; gemeinsam gemacht hat. Um einen vom anderen zu unterscheiden, bemerkte Aaron: &#8220;Der macht eher chaotische Spiele!&#8221; Welcher jetzt?<br \/>Wie der Name schon sagt ist &#8220;Dice Town&#8221; ein W\u00fcrfelspiel. Jeder Spieler bekommt f\u00fcnf W\u00fcrfel und einen W\u00fcrfelbecher und darf sich damit die gelungenste Poker-Kombination zusammenw\u00fcrfeln. Pro Wurf mu\u00df man einen W\u00fcrfel zu seiner anvisierten Kombination aussondern. Wer will, darf auch gleich mehrere W\u00fcrfel herausnehmen, oder auch gar keinen, dann mu\u00df er aber daf\u00fcr bezahlen.<br \/>Am Ende werden die besten W\u00fcrfel-Kombinationen begutachtet. Die meisten Einser bringen Gold-Nuggets (Siegpunkt-W\u00e4hrung) ein, die meisten Zweier bekommen das Geld aus der Bank, ebenfalls eine Siegpunkt-W\u00e4hrung, die meisten Dreier kriegen Karten mit direkten Spiegpunkt-Zuteilungen, die meisten Vierer d\u00fcrfen von Mitspielern Siegpunkt-Karten wieder wegnehmen, \u0085<br \/>Die von Natur aus unberechenbaren W\u00fcrfelmechanismen sind reichlich angereichert mit Zufalls- und Chaos-Effekten. Kassieren, wegnehmen, bestechen, betr\u00fcgen und \u00e4rgern sind die wesentlichen Spielz\u00fcge. Problematisch ist die W\u00fcrfelehrlichkeit (nat\u00fcrlich nicht bei uns): Beim Zusammenw\u00fcrfeln der besten Kombinationen sind Taschenspielertricks unter dem W\u00fcrfelbecher nicht zu kontrollieren, f\u00fcr ein reinrassiges Poker-Spiel eine problematische Angelegenheit.<br \/>Nach einer guten H\u00e4lfte der voraussichtlichen Spielzeit &#8211; verifizierbar an den \u00fcbrig gebliebenen Gold-Nuggets &#8211; kam der Gedanke an einen Spielabbruch auf. Peter: &#8220;Nur weil es neu ist, brauchen wir es nicht bis zur bitteren Neige zu spielen&#8221;. Dieses Argument \u00fcberzeugte.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (D\u00f6delspiel, man mu\u00df einige Ma\u00df getrunken haben, um Spa\u00df daran zu finden; daf\u00fcr ist es dann aber wieder zu kompliziert), G\u00fcnther: 5 (kein Kommentar), Loredana: 3 (&#8220;auf jeden Fall weniger als Bombay&#8221;), Peter: 4 (&#8220;ich w\u00fcrde schreien, wenn ich es nochmals spielen sollte&#8221;), Walter: 4 (nicht f\u00fcr mich).<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Zoff im Zoo&#8221;<\/strong><br \/>Nach dem Spielabbruch war noch eine Menge Zeit f\u00fcr richtige Spiele. Peter bestand auf &#8220;Spielen, die ich kenne und sch\u00e4tze&#8221; und war auch gleich mit &#8220;Zoff im Zoo&#8221; bei der Hand. Aaron (mit Dice-Town-Kopfschmerzen) und G\u00fcnther (&#8220;aus Prinzip&#8221;) waren dagegen. Doch als sich f\u00fcr keine der vorgeschlagenen Alternativen wie &#8220;Frage der \u00c4hre&#8221;, &#8220;Byzanz&#8221; oder &#8220;Maori&#8221; eine Mehrheit fand, konnte sich Peter schlie\u00dflich doch noch durchsetzen.<br \/>Das lustige Tier-Fress-Kartenspiel ist genauso chaotisch wie die anderen Spiele des heutigen Abends, aber wenigstens intelligent chaotisch. Deshalb bekam es bei uns schon vor geraumer Zeit gute 8,1 Punkte.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung.<\/em><br \/><strong>4. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Peter hob im 3:4-Endspiel gegen Aaron auf 7 mal die F\u00fcnf. Gab es da noch eine Chance au\u00dfer anzuzweifeln? Jawohl, Aaron fand noch einen Ausweg. Er legte einen zweiten Stern heraus, hob auf 4 mal den Stern und w\u00fcrfelte mit seinem letzten W\u00fcrfel nach. &#8211; Einen Stern! Das war der Anfang vom Ende. Erfolgreich.<br \/>Keiner erw\u00e4hnte sein sprichw\u00f6rtliches W\u00fcrfelpech.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Galileo, das ProSieben Wissensmagazin, hat unseren Moritz eingeladen, in einer Sendung \u00fcber Gesellschaftsspiele Winner-Tipps abzugeben. Moritz hat sich sehr viel M\u00fche gegeben und einen Feature-Entwurf f\u00fcr die komplette Sendung erarbeitet.Seine Spielvorschl\u00e4ge waren &#8220;Siedler von Catan&#8221;, &#8220;Carcassonne&#8221; und &#8220;Monopoly&#8221; (nicht ganz freiwillig), und seine fundierten Detail-Analysen (z.B. 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