{"id":2339,"date":"2015-10-30T00:30:48","date_gmt":"2015-10-29T23:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2339"},"modified":"2015-10-30T00:30:48","modified_gmt":"2015-10-29T23:30:48","slug":"28-10-2015-generaele-entdecker-und-robber-barons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2015\/10\/30\/28-10-2015-generaele-entdecker-und-robber-barons\/","title":{"rendered":"28.10.2015: Gener\u00e4le, Entdecker und Robber-Barons"},"content":{"rendered":"<p>Sieben Tage lang hatten vier Westpark-Gamers Zeit, sich so ihre Gedanken \u00fcber Friedemann Frieses Jahrhundertwerk zu machen. Die Entt\u00e4uschung \u00fcber die eingeschr\u00e4nkten, themenlosen Spielmechanismen war vergessen, die Erinnerung an unser stundenlanges Zusammensuchen der Spielregeln und das R\u00e4tselraten dar\u00fcber war verblasst. Nur die Eindr\u00fccke von dem gewaltigen Harmonisierungswerk, das sich in \u201e504\u201c pr\u00e4sentiert, waren geblieben.<\/p>\n<p>Schon am Sonntag Abend fing Moritz mit einer antastenden Mail an:<br \/>\n<em>\u201eWas seltsam ist: ich fand 504 spielerisch richtig \u00f6d, aber aus irgendeinem Grund m\u00f6chte ich es besitzen und mich damit besch\u00e4ftigen, eben weil es irgendwie so knapp daneben und dann eben doch interessant ist. Geht euch das auch so?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch Walter kam beim n\u00e4heren Besch\u00e4ftigen mit den Spielregeln zur Einsicht:<br \/>\n<em>\u201eJe mehr ich in die Gesamt-Spielregeln einsteige, desto mehr bewundere ich Idee und Ausf\u00fchrung von FF.<br \/>\nF\u00fcr Moritz ist \u2019504\u2019 fast ein Muss!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aaron steuerte einen Internet-Link zu den am h\u00f6chsten bewerteten Kombinationen bei:<br \/>\n<em>\u201eWer\u2019s noch nicht gesehen hat: http:\/\/504-2f.de\/<br \/>\nHier kann man die gespielten Kombinationen bewerten. 981 f\u00fchrt zur Zeit (allerdings mit nur wenigen Votes).\u201c<\/em><\/p>\n<p>Walter schlug vor, sich am kommenden Mittwoch (heute) nochmals mit \u201e945\u201c, der zweitbesten Kombination zu besch\u00e4ftigen: \u201eDie Welt der b\u00f6rsennotierten Gener\u00e4le auf dem Weg ins Unbekannte!\u201c \u2013 Geld, Bomben und die sch\u00f6ne Unbekannte, was kann ein Spiel verlockenderes bieten? Keine Widerrede. \u2013 Gesagt, getan.<\/p>\n<p>Wie muss das Spielfeld f\u00fcr \u201e945\u201c aufgebaut werden?<br \/>\nModul 9 liefert dazu die Aussage: <strong>\u201eSiehe andere Module. Au\u00dfer I; Spielplan 1 f\u00fcr 4 Personen \u2013 alle 5 St\u00e4dte d\u00fcrfen als Hauptst\u00e4dte verwendet werden.\u201c<\/strong><br \/>\nModul 4 verlangt: <strong>\u201eIV: Spielplan 5. Gemeinsame Hauptstadt \u201e1\u201c im Zentrum.\u201c<\/strong><br \/>\nModul 5 l\u00e4sst w\u00e4hlen: <strong>I ENTWEDER Spielplan 1, wenn ein anderes Modul II\/III fordert, verschiedene Hauptst\u00e4dte au\u00dfer der Zentralstadt ODER Spielplan 4, wenn ein anderes Modul IV fordert. Gemeinsame Hauptstadt \u201e1\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>Was denn nun? Spielplan 1, 4 oder 5? Und wenn, wie in Spielplan 4 oder 5 die ganze Latte an Hexagons ausgebreitet werden muss, werden sie dann offen oder verdeckt hingelegt? Dazu schweigt der Meister. Zumindest beim ersten Hinsehen. Wie kann ich in die sch\u00f6ne Unbekannte vorsto\u00dfen, wenn sie schon aufgedeckt vor mir liegt? Im Spielplan 1 gibt es f\u00fcr drei Spieler nur vier  Hauptst\u00e4dte. Eine davon ist tabu. Wie kann ich da die Hauptst\u00e4dte f\u00fcr f\u00fcnf Aktiengesellschaften unterbringen? Von den \u201ebeiden nicht gew\u00e4hlten Hauptst\u00e4dten\u201c kann schon gar keine Rede sein. Walter passt und \u00fcberl\u00e4sst Moritz und G\u00fcnther a) die Entscheidung, ob \u201e504\u201c \u00fcberhaupt auf den Tisch kommt und b) das Zusammensuchen und Interpretieren der Spielregeln.<\/p>\n<p><strong>1. &#8221; Die Welt der b\u00f6rsennotierten Gener\u00e4le auf dem Weg ins Unbekannte!&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Die Kompagnons lie\u00dfen sich nicht so schnell entmutigen. Opfern wir erst mal eine halbe Stunden und schauen, ob wir gemeinsam, friedlich und konstruktiv den Regelfluss aus den verschiedenen Textquellen unter einen Hut bringen k\u00f6nnen. Das Labyrinth \u00fcber die Auswahl des Spielplans entflechtete sich zu einem simplen: <strong>\u201eNehmt Spielplan 1, und zwar den f\u00fcr 4 Personen.\u201c<\/strong> Da sind 5 Hauptst\u00e4dte drauf, genau eine f\u00fcr jede Aktiengesellschaft. Und die Bestandteile des Spielfeldes liegen offen daneben und m\u00fcssen nach einem gewieften Algorithmus (Moritz sei dank f\u00fcr seine Entschl\u00fcsselung) Zirkel f\u00fcr Zirkel entdeckt und in unsere Welt eingebracht werden.<\/p>\n<p>Welches sind die Prinzipien der Kombination \u201e945\u201c:<\/p>\n<ol>\n<li>Ein Spielfeld, das zun\u00e4chst nur aus einem Minimal-Skelett von Stadt- und Wasser-Fl\u00e4chen besteht, aber recht schnell mit viel Fleisch aus Feld-Wald-Wiese-Landschaftspl\u00e4ttchen best\u00fcckt wird,<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Aktiengesellschaften, die sich von einem individuellen Startpunkt aus mehr oder weniger ringf\u00f6rmig ausbreiten. Je gr\u00f6\u00dfer und vielgestaltiger die Fl\u00e4che ist, die sie besitzen, desto h\u00f6her sind ihre Einnahmen<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Personal, das von den Einnahmen einer Gesellschaft rekrutiert wird, und an ihren Aussengrenzen r\u00fcttelt, d.h. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck weitere Felder friedlich dazunimmt oder kriegerisch erobert.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zu den Aktien: Nein, in \u201e504\u201c ist auch im Ansatz keine \u201e18xx\u201c-Variante enthalten. Es werden keine stolzen Linien gebaut, deren Aktienwert eine Korrelation mit ihrer Pr\u00e4senz auf dem Spielplan haben. Die Einnahmen der Gesellschaften liegen aus verschiedenen Konstruktionsprinzipien her viel zu nahe beieinander, als dass ihre H\u00f6he einen Einfluss auf ihre Begehrtheit h\u00e4tte. Ihre Aktien sind im Wesentlichen nur etwas f\u00fcr Spekulanten: Eine schnelle Mark machen, das ist die Devise. Die billigste Aktien kaufen und von ihren \u00fcberproportionalen Kursgewinnen profitieren, das liegt f\u00fcr den herzlosen Finanzhai geradezu auf der Flosse; ein herzhafter Empire-Builder (G\u00fcnther!) wird sich damit immer schwer tun.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2344\" aria-describedby=\"caption-attachment-2344\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moritz-in945.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moritz-in945.jpg\" alt=\"Der General entdeckt, bezahlt und kassiert.\" width=\"500\" height=\"604\" class=\"size-full wp-image-2344\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moritz-in945.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moritz-in945-124x150.jpg 124w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Moritz-in945-248x300.jpg 248w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2344\" class=\"wp-caption-text\">Der General entdeckt, bezahlt und kassiert.<\/figcaption><\/figure>Noch etwas Grunds\u00e4tzliches zum b\u00f6sartigen Dr\u00fccken von Aktienkursen: Bei allen 18xx-Spielen wie auch bei den 504-Kombinationen mit Aktien kann man den Kurs einer Aktie durch Verkaufen von Anteilen gezielt dr\u00fccken. Aktien rechtzeitig einzukaufen, um sich diese taktische Option offen zu halten, geh\u00f6rt zu einem guten Spiel. Doch in jeder Runde seine Barmittel daf\u00fcr einzusetzen, um erst mal von jeder fremden Gesellschaft eine Aktien zu kaufen und wieder zu verkaufen, nur um miesnickelig (nicht taktisch) die Kurse zu dr\u00fccken, das kostet unn\u00f6tig Zeit, bringt Frust und hat zudem einen massiven Kingmaker-Effekt. Das k\u00f6nnte \u2013 zumindest in \u201e504\u201c \u2013 verhindert werden, indem Aktien regelgerecht nicht in der gleichen Runde verkauft werden d\u00fcrfen, in der sie gekauft wurden. Marginalien!<\/p>\n<p>Bei uns stand Moritz schon unmittelbar vor dem Hauptquartier der orangenen Gesellschaft und h\u00e4tte nur eine einzige Aktie dieser Gesellschaft kaufen und wieder verkaufen m\u00fcssen, dann w\u00e4re er in der Zugreihenfolge vor ihr beim Agieren dran gewesen, h\u00e4tte das Hauptquartier mit vier eigenen P\u00f6ppeln angreifen k\u00f6nnen und w\u00e4re mit hoher Wahrscheinlichkeit Sieger geworden. Dann w\u00e4re die orangene Linie vorm Spielfeld verschwunden, und er h\u00e4tte seiner wei\u00dfen Linie auf einen Schlag f\u00fcnf neue Felder zuschustern k\u00f6nnen. Das w\u00e4re ein taktisch gelungenes Kurs-Dr\u00fccken gewesen und h\u00e4tte Moritz einen nicht mehr einholbaren Vorsprung gebracht. Gl\u00fccklicherweise f\u00fcr Walter, den Betreiber der orangenen Linie, hat er das \u00fcbersehen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hatte sich G\u00fcnther vor der letzten Bankrunde \u00fcber irgendein Gebaren von Moritz ge\u00e4rgert und als Rache daf\u00fcr Moritzens Aktien systematisch um je zwei Stufen gedr\u00fcckt. Das war eher miesnickelig (oder systemimmanent f\u00fcr einen Finanzmarkt). Jedenfalls kostete es Moritz im Endeffekt mehr als 200 Mark, ein ganzes Viertel seines Verm\u00f6gens; so ein Verlust fegt selbst ein so ausgefuchstes Finanz- und Milit\u00e4rgenie wie Moritz vom Treppchen.<\/p>\n<p>Zum Entdecken: Wir haben f\u00e4lschlicherweise die Regeln nach TOP I gespielt: <em>\u201eJeder Bewohner darf nur ein einziges Umfeld entdecken\u201c<\/em>. Dadurch dauerte der Aufbau des Gesamtspielfeldes deutlich l\u00e4nger als FF das vorgesehen hatte, und unsere Ausbreitungsm\u00f6glichkeiten waren ebenfalls stark eingeschr\u00e4nkt. Den negativen Eindruck, den dieser Ablauf hinterlassen hat, haben wir uns ganz allein selber zuzuschreiben.<\/p>\n<p>Zum Erobern: Angriffe sind (fast) immer von Vorteil. Mit durchschnittlich einem Treffer pro Angreifer sch\u00e4digen wir unser Gegen\u00fcber. Er darf nur zur\u00fcckschlagen, wenn er \u00fcberhaupt Verluste erlitten hat, und selbst dann hat er nur eine Trefferwahrscheinlichkeit von zwei Dritteln. Der Eroberer geht aus einem Kampf trotz der Vorteile meist auch selber geschw\u00e4cht hervor und sollte von einem \u201evern\u00fcnftigen\u201c Gegen\u00fcber sofort wieder zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden k\u00f6nnen. Auf diese Weise sind, wie in jedem Krieg, alle Beteiligten gegen\u00fcber den Unbeteiligten im Nachteil. Das sollte eigentlich eine friedliche Gebietserweiterung in neutrales Gebiet vorziehen lassen. Warum man das nicht tut, ist reine Charaktersache. Bei uns fing \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 Moritz mit der Aggression an; wir wollen ihm daf\u00fcr aber diesmal ein Lob aussprechen, seine Aktivit\u00e4ten dienten ausschlie\u00dflich dazu, FFs General-Potenz auszuloten.<\/p>\n<p>Auch hier haben wir leider ein entscheidendes Regeldetail \u00fcbersehen: Die verschiedenen Gel\u00e4ndeformen geben in Angriff und Verteidigung unterschiedliche W\u00fcrfelvorteile. Wenn also die gesamte Palette der Umgebungsfelder recht schnell zur Verf\u00fcgung steht, und wir uns entsprechend unseren Gel\u00fcsten auf Eroberung oder Verschanzen systematisch darauf einstellen k\u00f6nnen, dann bieten diese Elemente deutlich mehr Herausforderung, als wir sie uns mit unserem falschen, gleichf\u00f6rmigen Regelverst\u00e4ndnis geleistet haben. Asche auf unser Haupt!<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 5 (es funktioniert, macht aber keinen Spa\u00df. Ein Pluspunkt f\u00fcr die Regeldiskussion zu Beginn; das ist wohl der Hauptreiz des Spiels. [WS: Hier spricht ein \u201e1830\u201c-Profi, f\u00fcr den ein Mahl aus Aktien und W\u00fcrfeln nicht koscher ist.] Zudem \u201efunktionieren\u201c f\u00fcr ihn nur dann Spielmechanismen, wenn sie auch \u201egerecht\u201c sind!), Moritz: 5 (fast 6 Punkte, die beste unserer drei gespielten Kombinationen; aber wenn das wirklich die Beste war, dann \u201enee\u201c zum Gesamtkomplex; die Kampf-Entscheidungs-Regeln sind leider zu billig), Walter: 7 (alle grunds\u00e4tzlich verschiedenen Module passen gut zueinander; die Lust am Kampf auf dem Aktienmarkt ist ja unser  Markenzeichen; Eroberer k\u00f6nnen sich austoben, wogegen selbst Pazifisten keine Einw\u00e4nde haben k\u00f6nnen, da lediglich abstrakte Gesellschaften, aber keine Mitspieler angegriffen werden; das Entdecker-Prinzip kommt etwas kurz; es wird auch nur ben\u00f6tigt, um beim Aufbau des  Spielfeldes bestimmte Symmetrie-Vorstellungen einzuhalten).<\/em><\/p>\n<p>G\u00fcnther: Warum hei\u00dft das Spiel \u201e504\u201c? Weil es in den FAQ mindestens 504 Regelerg\u00e4nzungen geben wird &#8230;!<\/p>\n<p>Lieber Friedemann, Dein Spiel ist eine gewaltige Leistung. Eine Vielspieler-Gemeinde kann sich jahrelang damit auseinandersetzen und die Regeln-Kombinationen zusammentragen und zusammenr\u00e4tseln. Das kann genug Spa\u00df bereiten. Spielen braucht man dann nicht mehr! Egal, ob man die Regeln verstanden hat oder nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben Tage lang hatten vier Westpark-Gamers Zeit, sich so ihre Gedanken \u00fcber Friedemann Frieses Jahrhundertwerk zu machen. Die Entt\u00e4uschung \u00fcber die eingeschr\u00e4nkten, themenlosen Spielmechanismen war vergessen, die Erinnerung an unser stundenlanges Zusammensuchen der Spielregeln und das R\u00e4tselraten dar\u00fcber war verblasst. Nur die Eindr\u00fccke von dem gewaltigen Harmonisierungswerk, das sich in \u201e504\u201c pr\u00e4sentiert, waren geblieben. 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