{"id":234,"date":"2009-06-11T10:41:48","date_gmt":"2009-06-11T10:41:48","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=234"},"modified":"2009-12-01T18:00:39","modified_gmt":"2009-12-01T17:00:39","slug":"10062009-mensch-argere-dich-nicht-beim-schach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/06\/11\/10062009-mensch-argere-dich-nicht-beim-schach\/","title":{"rendered":"10.06.2009: Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht beim Schach"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Das Spiel hat seine Unschuld verloren. Auch wenn sich die Kulturphilosophie einig ist, da\u00df Elemente des Spiels alle Ebenen unserer Gesellschaft durchdringen, ja da\u00df Kulturgeschichte an sich ohne Spiel nicht m\u00f6glich ist, erleben wir gleichzeitig, wie das Spiel immer mehr instrumentalisiert wird. Wir leben in einer dem Spiel als Massenph\u00e4nomen unterworfenen Zeit. Man verspielt seine Zeit mit Computerspielen, man verspielt sein Geld bei Lotterien, man wird gespielt. Aus dem Spiel ist Ernst geworden. Im Sport &#8211; der einmal Spiel war &#8211; ist ein Wettkampf ohne Doping oder nationalen Fanatismus kaum noch denkbar, eben weil das Spiel nicht mehr zweckfrei ist.&#8221; &#8211; Moritz in seinem Vorwort zum 10. Internationalen A-DEvantgarde-Festival f\u00fcr neue Musik vom 14. Juni bis 1. Juli 2009 in M\u00fcnchen.<br \/><strong>1. &#8220;Frage der \u00c4hre&#8221;<\/strong><br \/>Aaron mu\u00df noch eine Rezension schreiben. Das gab den Ausschlag f\u00fcr das erste Spiel des Abends. <br \/>Wir legen reihum Saatpl\u00e4ttchen auf die Almende und kassieren Siegpunkte f\u00fcr die Fl\u00e4chenformation, die dabei entsteht. Keiner hat sein Gl\u00fcck in der Hand, sondern ist abh\u00e4ngig von der Formation, die uns unser Vordermann hinterlassen hat, sowie von den Saatpl\u00e4ttchen, mit denen die Mitspieler unsere siegpunkttr\u00e4chtigen Formationen zerst\u00fcckeln.<br \/>Es gibt keine vorausschauende Planung. Jeder legt sein Pl\u00e4ttchen so, da\u00df es ihm f\u00fcr den Augenblick die meisten Punkte einbringt, und versucht dabei als Nebeneffekt, einem Mitspieler m\u00f6glichst viele Punkte zu zerst\u00f6ren. Der beste Zug ist determiniert, den n\u00e4chsten besten gibt es nicht. Ein einfaches Computerprogramm k\u00f6nnte die triviale Ausz\u00e4hltechnik mit links bewerkstelligen. Moritz: &#8220;So ein Programm w\u00fcrde immer gewinnen!&#8221; G\u00fcnther bezweifelte die Gewinnstrategie. Seine Computer-Programme ber\u00fccksichtigen in der Regel noch einen zweiten Zug. Mindestens. Doch welcher w\u00e4re das in der &#8220;Frage der \u00c4hre&#8221;?<br \/><em>WPG-Wertung: Moritz lag mit seinen 5 Punkten ziemlich nahe am WPG-Durchschnitt. <\/em><br \/>Aaron wird eine Rezension schreiben.<br \/><strong>2. &#8220;Maori&#8221;<\/strong><br \/>Moritz gab klare Alternativen vor: &#8220;Das Spiel erkl\u00e4rt entweder Aaron ODER G\u00fcnther. UND Walter h\u00e4lt den Mund.&#8221; Der Nebensatz enthielt keine Alternative mehr.<br \/>Die Spieler d\u00fcrfen sich nach bestimmten Regeln vom offen ausliegenden Stapel (Halb-)Insel-Pl\u00e4ttchen heraussuchen und damit auf dem eigenen Spielbrett eine Insellandschaft aufbauen. Am Ende entscheiden die meisten Palmen mit und ohne Strohh\u00fctten sowie das Maximum an Muscheln und Schiffen \u00fcber den Sieg.<br \/>Wie schon beim ersten mal ergaben die Wortspiele um die Muschis den gr\u00f6\u00dften Spa\u00dffaktor. Moritz wollte Muschik\u00f6nig werden. Solange du Muschis hast, geht was. Die Schiffspl\u00e4ttchen d\u00fcrfen seitenverkehrt abgelegt werden, Muschis d\u00fcrfen ja auch verkehrt herum liegen.<br \/>G\u00fcnther praktizierte zum wiederholten Male mit Erfolg seine Schiffsstrategie. Aaron h\u00e4tte ebenfalls jedes Schiff-Pl\u00e4ttchen genommen, das er h\u00e4tte kriegen k\u00f6nnen, doch G\u00fcnther war einfach irgendwie schneller. Obwohl er hinter ihm sa\u00df. Das ist das sogenannte Maori-Schiffsparadoxon.<br \/>Das Muschiparadoxon hingegen wird vom wahren Leben geschrieben.<br \/><em>WPG-Wertung: Moritz lag mit seinen 6 Punkten genau 1 Punkt unter dem WPG-Durchschnitt. <\/em><br \/><strong>3. &#8220;Wind River&#8221;<\/strong><br \/>Hat das Spiel eine Gewinnstrategie?<br \/>Gibt es eine Situation, in der das Spiel kippt, d h. in der ein Spieler aus dem ausbalancierten allgemeinen Spannungszustand heraus zu einem uneinholbaren Vorsprung gelangt?<br \/>Gibt es eine vern\u00fcnftig-begr\u00fcndbare Kingmakerei? (Ist sie vern\u00fcnftig, dann ist es keine Kingmakerei mehr!)<br \/>Auf alle diese Fragen haben wir trotz intensiver Auseinandersetzung mit dem Spiel noch keine schl\u00fcssige Antwort. Das spricht eindeutig f\u00fcr seine strategischen Qualit\u00e4ten.<br \/>Wir bewegen eine B\u00fcffelherde \u00fcber die Pr\u00e4rie, ziehen mit unseren Tipis hinterher, ern\u00e4hren unsere Indianer, zeugen zuweilen auch Nachwuchs und bringen m\u00f6glichst viele Stammesangeh\u00f6rige ins Ziel.<br \/>Irgendwann im Laufe des Spieles mu\u00df man vom defensiven Aufbau in den Angriff \u00fcbergehen. Aber wann? Auch beim Schachspiel ist das nicht eindeutig. Und &#8220;Wind River&#8221; ist nach Walters Meinung das einzig funktionierende 4-Personen-Schachspiel der Welt!<br \/>Zum Schlu\u00df triumphiert einer. Wie bei mittelpr\u00e4chtigen Schachspielern, wo irgendwann mal einer dem anderen die Dame wegnimmt. Moritz fand das &#8220;Endspiel bl\u00f6d&#8221;. Claro, wie ein Schachendspiel nach dem Verlust der Dame.<br \/>G\u00fcnther meinte die problematische Kipp-Situation (Wegnehmen der Dame) identifiziert zu haben. Aber nur als Vision. In Worte fassen konnte er sie nicht, und praktizieren erst recht nicht.<br \/>Moritz gab erste vage Tips f\u00fcr gutes Spiel (genauso zutreffend wie der t\u00e4gliche Wetterbericht im Monat Juni):<br \/>1) Baue so schnell wie m\u00f6glich das dritte Tipi.<br \/>2) Baue dir eine B\u00fcffelbahn.<br \/>G\u00fcnther erg\u00e4nzte: 3) Halte dich aus Konflikten heraus.<br \/>Nachfrage: &#8220;Wie macht man das?&#8221; &#8220;Ja, das wei\u00df ich nicht!&#8221; Zumindest die Randlage k\u00f6nnte dazu eine Chance geben. Genauso sicher wie die englische Vierspringer-Variante im Nimzowitsch-Indisch.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung<\/em><br \/>Walter wird eine Rezension schreiben.<br \/><strong>4. &#8220;Dog&#8221;<\/strong><br \/>Das Spiel sieht aus wie ein Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht. Ein kleines bi\u00dfchen runder.<br \/>Das Spiel spielt sich wie ein Mensch-\u00e4rgere-Dich-nicht. Ein kleines bi\u00dfchen unberechenbarer. Noch unberechenbarer!<br \/>Das vorherrschende Element soll die Gaudi sein. Doch dauerte es eine halbe Stunde, bis sich jeder ein dickes Fell zugelegt hatte und die Schicksalsschl\u00e4ge der Tausch- und Chaoskarten mit Gleichmut ertragen konnte. Dann gab es sogar hin und wieder ein allgemeines Gel\u00e4chter.<br \/>Etwas ungl\u00fccklich ist die Regel, da\u00df man eine ganze Kartenrunde aussetzen mu\u00df, wenn man ein einziges Mal nicht ziehen kann. Zwei Klappen ohne eine einzige Fliege! Ist einem Gaudispiel nicht zutr\u00e4glich. Oder vielleicht gerade?<br \/>Zu viert wird &#8220;Dog&#8221; paarweise \u00fcber Kreuz gespielt, nur gemeinsam kann man gewinnen oder verlieren. Sobald der erste alle seine vier P\u00f6ppel im Loch hat, ziehen beide Parteien die \u00fcbriggebliebene Farbe. Der gro\u00dfe Vorteil: Man ist praktisch bei jedem zweiten Zug am Zug.<br \/>Mit \u00fcberlegener Geisteskraft gewannen G\u00fcnther und Moritz.<br \/><em>WPG-Wertung: Moritz lag mit seinen 5 Punkten wieder genau 1 Punkt unter dem WPG-Durchschnitt. &#8220;Nettes Familienspiel.&#8221; Meinst Du, es reicht schon f\u00fcr Deinen Milo?<\/em><br \/> <strong>5. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Neuheit am Westpark: Moritz verpa\u00dfte nicht nur die vorletzte, sondern auch die letzte U-Bahn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Das Spiel hat seine Unschuld verloren. Auch wenn sich die Kulturphilosophie einig ist, da\u00df Elemente des Spiels alle Ebenen unserer Gesellschaft durchdringen, ja da\u00df Kulturgeschichte an sich ohne Spiel nicht m\u00f6glich ist, erleben wir gleichzeitig, wie das Spiel immer mehr instrumentalisiert wird. Wir leben in einer dem Spiel als Massenph\u00e4nomen unterworfenen Zeit. 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