{"id":2385,"date":"2016-06-03T11:21:18","date_gmt":"2016-06-03T09:21:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2385"},"modified":"2016-06-07T15:44:10","modified_gmt":"2016-06-07T13:44:10","slug":"01-06-2016-german-railroads","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2016\/06\/03\/01-06-2016-german-railroads\/","title":{"rendered":"01.06.2016: German Railroads"},"content":{"rendered":"<p>Die Schleuder ist besser als das Ziel (Lettisch)<br \/>\nDas Halsband ist besser als der Hund. (Persisch)<br \/>\nDas Futter ist teurer als das Kleid (T\u00fcrkisch)<br \/>\nDie Braut ist die Kosten der Hochzeit nicht wert. (Neugriechisch)<br \/>\nDie Br\u00fche ist mehr wert als der Fisch. (Sardisch)<br \/>\nThe play won&#8217;t pay the candles. (Englisch)<\/p>\n<p><strong>1. &#8221; German Railroads&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Unser Freund Helmut Ohley (und Leonhard Orgler) als Autor, Hans im Gl\u00fcck als Verlag, Eisenbahnen, eine Erweiterung der \u201eRussian Railroads\u201c, die 2014 den deutschen Spielepreis gewonnen hat, bei diesen Tatsachen k\u00f6nnen wir doch nicht abseits stehen. Schon zu den letzten drei Spielabenden brachte G\u00fcnther dieses Spiel mit, heute wurde es endlich ausgepackt.<\/p>\n<p>Was ist anders gegen\u00fcber der \u201eRussian Railroads\u201c (siehe Session-Report vom 21.11.2013)? Fragen wir lieber: Was ist gleichgeblieben? Geblieben ist die gewaltige Worker-Placement-Szenerie, in der wir unsere sechs (sieben oder acht) Arbeiter in Konkurrenz zueinander an 25 bis 30 verschiedenen Arbeitspl\u00e4tzen unterbringen, um mit dem Ertrag ihrer Arbeit hinterher doch nur unser eigenes S\u00fcppchen zu kochen. Statt von Moskau nach Wladiwostok, Kiew oder Sankt Petersburg fahren wir von N\u00fcrnberg nach F\u00fcrth, M\u00fcnchen oder Dresden. Im Gegensatz zu den 18xx-Spielen geht es nicht darum, \u00fcber ein gro\u00dfes Streckennetz m\u00f6glichst viele lukrative St\u00e4dte zu verbinden. Auch Geld spielt hier nur eine kleine Nebenrolle. Es geht darum, relativ kurze Strecken mit immer h\u00f6herwertigeren Schienen auszup\u00e4ppeln und allein f\u00fcr den Schienenluxus Siegpunkte zu erhalten. Von der \u201eRussian\u201c ist auch \u00fcbernommen, dass man auf den Gleisbau total verzichten kann und sich auf eine Industrielinie konzentriert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2390\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/RussianRailroads2.jpg\" alt=\"RussianRailroads\" width=\"600\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/RussianRailroads2.jpg 600w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/RussianRailroads2-150x112.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/RussianRailroads2-300x224.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>Alles funktioniert, alles ist rund und sch\u00f6n. Es gibt viele verschiedene Entwicklungslinien, nach denen eine Spieler seine Siegpunktquellen erschlie\u00dfen kann. Vielleicht ist es sogar m\u00f6glich, Gemischt-Strategien zu fahren und im Laufe der Spieles von einer Strategie auf die andere umzuschalten. Vielleicht. Wohl besser aber nicht.<\/p>\n<p>Die Ertr\u00e4ge verdoppeln sich mehr oder weniger von Runde zu Runde. Man k\u00f6nnte damit meinen, auch als Nachz\u00fcglicher am Ende noch einen gewaltigen Satz nach vorne machen zu k\u00f6nnen. Doch das tr\u00fcgt. Nach vorne kommt man wohl, aber die F\u00fchrenden kommen noch weiter nach vorne. Die ersten Fr\u00fcchte sind nicht madig, sie f\u00fcllen den Siegpunktmagen von Runde zu Runde mit wachsenden Gen\u00fcssen.<\/p>\n<p>G\u00fcnther nahm sich aus Erfahrung und zu seiner Herausforderung wieder der Industrie an. In einer Dreierrunde bekam er dabei fast keine Konkurrenz. Sehr schnell zog er davon. Jetzt legte er seinen ganzen Ehrgeiz darein, seine Mitspieler (mehrfach!) zu \u00fcberrunden. F\u00fcr ihn war es spannend, die Mitspieler sahen es eher mit stoischer Gelassenheit. Sie freuten sich \u00fcber ihre eigene Entwicklung, ohne mit viel Emotion auf die Kunstst\u00fccke des Meisters zu schielen.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr die Mitspieler nur etwas l\u00e4stig, zuzuschauen, wie sich ein Industrieller mit einem einzigen Zug weitere Z\u00fcge freischaufelt und damit einen ganze Kette von Einzelz\u00fcgen hintereinander ausf\u00fchren darf. In der \u201eGerman\u201c ist diese Technik noch ausgebaut. Das h\u00e4tte es alles nicht gebraucht. Es verlangsamt nur den Spielfluss (f\u00fcr die Zuschauer) und es erh\u00f6ht das autistische Element.<\/p>\n<p>Das ist ja einer der Ansatzpunkte f\u00fcr Kritik an den \u201eRailroads\u201c, an den russischen wie an den deutschen: Jeder spielt viel zu viel f\u00fcr sich alleine. Man kann dem F\u00fchrenden in seiner Privat-Schiene kaum an den Wagen pinkeln. Es gibt f\u00fcr ihn auch keine Herausforderung wie z.B. die Einf\u00fchrung der Dieselloks bei \u201e1830\u201c, bei denen der Monopolist gewaltig aufpassen muss, damit er trotz oder gerade wegen seines gro\u00dfen Imperiums nicht pleite macht. In den Railroads geht alles unaufh\u00f6rlich nach oben. Sch\u00f6n, dabei zu sein, aber mit gebremster Spannung.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind es unbestritten gro\u00dfe Werke. Gro\u00dfartige Werke. Im Verh\u00e4ltnis zueinander sind die \u201eRussians\u201c so etwas wie der Dom zu Speyer und die \u201eGermans\u201c der Dom zu K\u00f6ln. Laienhaft ausgedr\u00fcckt: an jeder gr\u00f6\u00dferen ebenen Fl\u00e4che noch ein H\u00e4ubchen draufgesetzt. Dabei kommen wir in unseren schn\u00f6rkellosen Reihenh\u00e4uschen des 20. Jahrhunderts schon bei kleineren Sakralbauten nicht aus dem Staunen heraus.<\/p>\n<p>Ein Schmankerl der \u201eGerman Railroads\u201c muss aber unbedingt noch erw\u00e4hnt werden. Es gibt eine <strong>Solo-Version<\/strong>. Ein Einzelspieler bekommt einen (primitiven) Gegenspieler zu Seite gesetzt, der seine Arbeiter nach einer einfachen Zufallsauswahl auf den verschiedenen Arbeitspl\u00e4tzen einsetzt und so dem Einzelspieler ab und zu mal Steine in seinen Idealweg legt. Offensichtlich gibt es heutzutage gen\u00fcgend Spielefreaks, deren Herz und Sinn nach der Auseinandersetzung mit solchen h\u00fcbschen Brettspielkomplexen steht, die aber keine Mitspieler finden. Ja, die heutige Jugend, sie spielt lieber Poker oder schaut sich den Fussball vom FC Bayern bis zu Fortuna D\u00fcsseldorf an!<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (das Spielgef\u00fchl ist absolut das gleiche wie bei \u201eRussian Railroads\u201c; ich stimme der \u201eSpielbox\u201c voll zu, die geschrieben hat: \u201edas Spiel ist f\u00fcr Spieler, die Russian Railroads bereits einhundertmal gespielt haben, und hier mal wieder eine Variation aufgetischt bekommen m\u00f6chten\u201c), G\u00fcnther: 9 (HiG minded, Railroad Freak), Walter: 7 (eine Super-Konstruktion, ohne Haken und \u00d6sen; f\u00fcr mich reicht es aber, das Spiel kennenzulernen; f\u00fcr eine weitere Auseinandersetzung mit den tausend R\u00e4dchen fehlt mir einfach der Ehrgeiz)<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Diggers&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem ausgiebigen Schwelgen auf der Schw\u00e4bschen Eisenbahne legte Aaron nochmals seine Digger-Legende auf. In Zusammenarbeit mit dem Verlag wurde nur noch ein wenig an einzelnen R\u00e4dchen gedreht. Dreh- und Angelpunkt f\u00fcr den Sieg ist ja &#8211; vom Spieldesign her gewollt &#8211; der Zufall bei der Wertigkeit der Sch\u00e4tze, die ein jeder Spieler bei seinen Aktivit\u00e4ten an Land zieht. Viele Sch\u00e4tze sind nat\u00fcrlich besser als wenige Sch\u00e4tze, doch ist hier die Klasse der Masse haushoch \u00fcberlegen. Wertvolle Sch\u00e4tze sind leider alle \u201efluchbeladen\u201c und bei Spielende \u00fcberhaupt nichts wert, wenn sie nicht durch aufw\u00e4ndige Zwischenz\u00fcge &#8220;entflucht&#8221; wurden. An der Balance innerhalb der Siegpunkte f\u00fcr die einzelnen Sch\u00e4tze, an der Anzahl von Fl\u00fcchen, mit denen sie beladen sind, und an den M\u00f6glichkeiten, diese Fl\u00fcche zu beseitigen, wird noch gearbeitet. Die Grundsubstanz des Spiels steht aber. Festgemauert in der Erden. Und er sah, dass es gut war.<\/p>\n<p><em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entwicklungsphase.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schleuder ist besser als das Ziel (Lettisch) Das Halsband ist besser als der Hund. (Persisch) Das Futter ist teurer als das Kleid (T\u00fcrkisch) Die Braut ist die Kosten der Hochzeit nicht wert. (Neugriechisch) Die Br\u00fche ist mehr wert als der Fisch. (Sardisch) The play won&#8217;t pay the candles. 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