{"id":2394,"date":"2016-06-17T23:53:05","date_gmt":"2016-06-17T21:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2394"},"modified":"2016-06-20T16:13:20","modified_gmt":"2016-06-20T14:13:20","slug":"16-06-2016-brettspiel-statt-kartenspiel-und-umgekehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2016\/06\/17\/16-06-2016-brettspiel-statt-kartenspiel-und-umgekehrt\/","title":{"rendered":"16.06.2016: Brettspiel zu Kartenspiel und umgekehrt."},"content":{"rendered":"<p>Schon bevor das erste Spiel auf den Tisch kam, fragte G\u00fcnther: \u201eWelche Spielregel kann Walter partout nicht ausstehen?\u201c<\/p>\n<p>Schnell war Aaron mit einer richtigen Antwort da: \u201eWenn [in einem ansonsten friedlichen Aufbauspiel] ein Spieler einem anderen etwas wegnehmen darf.\u201c Das wurde ja gerade letzte Woche wieder im Spielbericht zu \u201eHaithabu\u201c deutlich.<\/p>\n<p>Doch auch eine zweite richtige Antwort lie\u00df nicht lange auf sich warten: \u201eWenn ein Spieler seine Z\u00fcge so spielen kann, dass die Mitspieler nicht \u2013 mehr oder weniger selbstverst\u00e4ndlich \u2013 feststellen k\u00f6nnen, ob er richtig oder falsch spielt.\u201c Stellt euch vor, beim Skat (Schafkopf, Bridge) k\u00f6nnte man nicht nachpr\u00fcfen, ob ein Spieler eine Farbe getrumpft hat, obwohl er h\u00e4tte bedienen m\u00fcssen? Ein Unding, ein total anderes Spiel! Aber so etwas kommt vor. T\u00e4glich. In jedem Bridge-Turnier. Aber bei Brettspielen scheinen manche Autoren auf so ein wichtiges Grundprinzip keine Designer-Gedanken zu verschwenden. Z.B. in &#8230;<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Roll for the Galaxy&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Da hat man unter \u201cEtikette\u201d den Hinweis angebracht: <strong>\u201cDa es nicht m\u00f6glich ist, die Handlungen eines Spielers hinter seinem Sichtschirm zu \u00fcberpr\u00fcfen, ist es wichtig, dass die Spieler in diesen Schritten sorgf\u00e4ltig sind und keine Fehler machen.\u201d<\/strong> &#8211; So ein Spiel w\u00e4re <strong>NIEMALS<\/strong> in meinen Einkaufskorb gelangt. Der Rest der Westparker nahm es gelassener &#8230;<\/p>\n<p>&#8220;Roll for the Galaxy&#8221; ist eine Variation des bereits 2007 erschienenen, hochgeehrten \u201eRace for the Galaxy&#8221; von Tom Lehmann. Beim Vorl\u00e4ufer hatten wir angemerkt, dass das in einer ausgewachsenen Brettspielschachtel daherkommende Spiel eigentlich nichts anderes als ein Kartenspiel ist. Das k\u00f6nnen wir jetzt nicht mehr sagen. Un\u00fcbersehbar sind die 111 Spezialw\u00fcrfel, die 5 bunten W\u00fcrfelbecher und eine Menge dickkartoniges Spielmaterial.<\/p>\n<p>Jeder bekommt als Startausstattung f\u00fcnf W\u00fcrfel, die er pro Runde verdeckt w\u00fcrfelt und verdeckt den Aktionen zuordnet, die er gerne durchf\u00fchren m\u00f6chte. (Designschw\u00e4che: siehe oben unter Etikette!) Aktionen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Erkunden, d.h. Aufbaupl\u00e4ttchen verdeckt aus einem S\u00e4ckchen ziehen, mit denen man sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck eine Privatregion zusammenstellt.<\/li>\n<li>Entwickeln, d.h. W\u00fcrfel zu bereits gezogenen Entwicklung-Aufbaupl\u00e4ttchen legen, solange bis die geforderte Anzahl erreicht ist, und die speziellen Entwickler-Eigenschaften des Pl\u00e4ttchen genutzt werden d\u00fcrfen, z.B. zus\u00e4tzliche W\u00fcrfel in den W\u00fcrfelset aufnehmen, W\u00fcrfel beliebig verschieben d\u00fcrfen, und vieles mehr.<\/li>\n<li>Siedeln, d.h. W\u00fcrfel zu bereits gezogenen Siedlungs-Aufbaupl\u00e4ttchen legen, solange bis die geforderte Anzahl erreicht ist, und die speziellen Produktionseigenschaften der Siedlung genutzt werden d\u00fcrfen, z.B. mehr Produkte, mehr Erl\u00f6s, billigere Einkaufspreise, kostenloses Verladen, und vieles mehr.<\/li>\n<li>Produzieren, d.h. W\u00fcrfel auf bereits ausreichend besiedelte Siedlung-Pl\u00e4ttchen legen, die sich somit in \u201cWaren\u201d verwandeln.<\/li>\n<li>Verladen, d.h. produzierte Produkte in Geld oder Siegpunkte verwandeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einen seiner W\u00fcrfel darf jeder Spieler einer frei w\u00e4hlbaren Haupt-Aktion zuordnen; die anderen W\u00fcrfel m\u00fcssen genau entsprechend der erw\u00fcrfelten Aktion zugeordnet werden. Allerdings gibt es beim Zuordnen einige sehr sinnvolle Weichmacher, die das Agieren recht flexibel gestaltet:<\/p>\n<ul>\n<li>Joker-Aktionen d\u00fcrfen einer beliebigen Aktion zugeordnet werden.<\/li>\n<li>Einzelne W\u00fcrfel d\u00fcrfen \u2013 je nach Entwicklungsstand &#8211; ebenfalls zu beliebigen Aktionen versetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>In der Regel ist niemand durch einen ungl\u00fccklichen W\u00fcrfelwurf in seinem Fortschritt blockiert. Nicht einmal unser notorisch schlecht w\u00fcrfelnder Aaron konnte sich \u00fcber schlechtes W\u00fcrfeln beklagen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-2399\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/GalaxyTrio.jpg\" alt=\"GalaxyTrio\" width=\"450\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/GalaxyTrio.jpg 450w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/GalaxyTrio-150x102.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/GalaxyTrio-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/>Wie bei \u201eRace for the Galaxy\u201c kommt nach dem Zuordnen der W\u00fcrfel jetzt der Knackpunkt des Spiels: Man darf nur solche Aktionen ausf\u00fchren, die man selber oder die mindestens ein Mitspieler als Haupt-Aktion gew\u00e4hlt hat. Alle anderen W\u00fcrfel verfallen. Es ist ein hohes Risiko, hier auf die zuf\u00e4lligen Interessen der Mitspieler zu hoffen. Wer z.B. viermal Erkunden kann und will, der sollte Erkunden auch als Haupt-Aktion w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Was passiert mit den \u201everbrauchten\u201c W\u00fcrfeln? Sie werden in einem Pool gesammelt und m\u00fcssen zum W\u00fcrfeln in einer der n\u00e4chsten Runden daraus freigekauft werden. Nur einen einzigen W\u00fcrfel bekommt jeder Spieler als Gratisration. Es ist also auch wichtig, sich durch Verkaufsaktionen rechtzeitig mit Geldmitteln einzudecken, damit man in den n\u00e4chsten Runden auch ausreichend Moos in seinem W\u00fcrfelbecher hat.<\/p>\n<p>Durch geschicktes W\u00fcrfeln, Agieren, Entwickeln, Siedeln, Produzieren, Geldmittel (f\u00fcr neue W\u00fcrfel) Besorgen und Siegpunkte Hinheimsen gewinnt man das Spiel. Ganz einfach. Auf die Mitspieler braucht man eigentlich nicht zu achten. Zwar kann man sich von deren gew\u00e4hlter Haupt-Aktion abh\u00e4ngig machen, man kann diese Abh\u00e4ngigkeit aber auch weitgehend reduzieren, indem man pro Zug gegebenenfalls nur eine, und zwar die eigene effizienteste Haupt-Aktion durchf\u00fchrt. Das flexible Handhaben der W\u00fcrfel erlaubt ein solches Vorgehen. Eindecken mit Aufbaupl\u00e4ttchen was die W\u00fcrfelschwarte hergibt, in der n\u00e4chsten Runde Aufbaupl\u00e4ttchen besiedeln oder entwickeln, was die n\u00e4chste Schwarte hergibt! Damit verliert man weder Potenz noch Tempo. \u201eLeider\u201c m\u00f6chte man fast sagen, denn ohne diese Abh\u00e4ngigkeit ist \u201eRoll for the Galaxy\u201c doch ziemlich autistisch.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 5 (mir macht das \u201eMaschinenbauen\u201c [via der Spezialeigenschaften der verschiedenen Entwicklungs- und Siedlungspl\u00e4ttchen] keinen Spa\u00df. [6 Punkte f\u00fcr \u201eRace &#8230;\u201c]), G\u00fcnther: 8 (durch die W\u00fcrfel wird der Spielablauf bedeutend lockerer als das doch etwas verbissene Originalspiel. [6 Punkte f\u00fcr \u201eRace &#8230;\u201c]), Moritz: 7 (es gef\u00e4llt mir gut, \u201eich hatte einen Plan\u201c, das Design bekommt 8 Punkte, ein Minuspunkt f\u00fcr das Autistische. [noch keine Punkte f\u00fcr \u201eRace &#8230;\u201c]), Walter: 4 (die Flexibilit\u00e4t beim W\u00fcrfel-Zuordnen ist gut gelungen, die dabei notwendige \u201eEtikette\u201c ist nicht tragbar, minimale Interaktion. [6 Punkte f\u00fcr \u201eRace &#8230;\u201c]).<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Peloponnes &#8211; das Kartenspiel&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Bernd Eisenstein hat sein 2009 erfolgreich herausgebrachtes Brettspiel gleichen Namens letztes Jahr zu einem Kartenspiel umgeformt. Wie beim Brettspiel repr\u00e4sentieren wir Zivilisationen, bieten um Pl\u00e4ttchen, die jeder Spieler in seine Landschaft einbaut, und damit seine Potenz als Gro\u00dfgrundbesitzer erweitert.<\/p>\n<p>Wie beim Brettspiel gibt es einen Verdr\u00e4ngungswettbewerb beim Ersteigern der Pl\u00e4ttchen: ein Spieler darf sein Gebot nicht mehr erh\u00f6hen, er kann sich damit nur um ein anderes Pl\u00e4ttchen bem\u00fchen, dessen Mindestpreis sein aktuelles Gebot nicht \u00fcbersteigt. Dieses Prinzip ist und bleibt gelungen, h\u00e4lt das Bieten unter einer wohldosierten Spannung, und l\u00f6st hin und wieder eine konstruktive Schadenfreude bei den Nicht-Betroffenen aus.<\/p>\n<p>Wie beim Brettspiel brechen zu unvorhersehbaren Zeiten Naturkatastrophen aus, die unser Besitztum schm\u00e4lern. Wir k\u00f6nnen versuchen, uns dagegen zu sch\u00fctzen, indem wir die richtigen Pl\u00e4ttchen in der richtigen Zeit ersteigern; doch sind hierbei nat\u00fcrlich unsere Mitspieler unsere Konkurrenten. Gegen alle Katastrophen gelingt es nicht, so m\u00fcssen wir uns halt mit ihnen einrichten.<\/p>\n<p>Wer bei Spielende seine Siepunkte-Pl\u00e4ttchen und die Bev\u00f6lkerungs-Pl\u00e4ttchen in eine optimale Korrelation gebracht hat, ist Sieger. Wie beim Brettspiel.<\/p>\n<p>Wer bei den verschiedenen Fallen, die es innerhalb des Spielablaufes gibt, nicht aufpasst, kann leicht ins Hintertreffen geraten: keine Landschaft, keine Bev\u00f6lkerung, kein Einkommen, keine Entwicklung \u2013 nur noch Katastrophen. \u201eSelber schuld\u201c k\u00f6nnte man sagen, aber ein bisschen Barmherzigkeit im Spieldesign h\u00e4tte hier gut getan. Gl\u00fccklicherweise muss der arme Tropf nur 45 Minuten aushalten. Selbst am Westpark.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 (das Brettspiel war vom Handling her besser, kein Spannungsbogen. [8 Punkte f\u00fcr das Brettspiel]), G\u00fcnther: 6 (das Spiel ist OK. [7 Punkte f\u00fcr das Brettspiel]), Moritz: 7 (das Spiel funktioniert. [noch keine Punkte f\u00fcr das Brettspiel]), Walter: 7 (klar, sauber, h\u00fcbsche Mechanismen. [9 Punkte f\u00fcr das Brettspiel]).<\/em><\/p>\n<p>Warum [f\u00fcr mich] \u201ePeloponnes\u201c wesentlich besser ist als \u201eRoll for the Galaxy\u201c. Einige Punkte<\/p>\n<ol>\n<li>Die notwendigen \u201dEtikette\u201d der Galaxy\u2013 dar\u00fcber sind schon genug Worte gefallen<\/li>\n<li>Reichlich Interaktion und Konkurrenz beim Aneignen der Peloponnes-Pl\u00e4ttchen. Hierzu Fehlanzeige bei Galaxy.<\/li>\n<li>M\u00f6gliche Planung beim Ersteigern der ausliegenden Pl\u00e4ttchen bei Peloponnes, gegen\u00fcber zuf\u00e4lligem Ziehen aus einem S\u00e4ckchen bei Galaxy.Einhundertundzehn unbekannte, un\u00fcberschaubare Sondereffekt der Pl\u00e4ttchen bei Galaxy, die \u2013 f\u00fcr den Sieg \u2013 zu einer funktionierenden Maschine zusammengebaut werden m\u00fcssen, gegen\u00fcber wenigen \u00fcberschaubaren Eigenschaften der Landschaftspl\u00e4ttchen in Peloponnes.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon bevor das erste Spiel auf den Tisch kam, fragte G\u00fcnther: \u201eWelche Spielregel kann Walter partout nicht ausstehen?\u201c Schnell war Aaron mit einer richtigen Antwort da: \u201eWenn [in einem ansonsten friedlichen Aufbauspiel] ein Spieler einem anderen etwas wegnehmen darf.\u201c Das wurde ja gerade letzte Woche wieder im Spielbericht zu \u201eHaithabu\u201c deutlich. 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