{"id":2412,"date":"2016-07-23T16:08:47","date_gmt":"2016-07-23T14:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2412"},"modified":"2016-07-24T12:29:47","modified_gmt":"2016-07-24T10:29:47","slug":"20-07-2016-summenraterei-plus-gold-west","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2016\/07\/23\/20-07-2016-summenraterei-plus-gold-west\/","title":{"rendered":"20.07.2016: Summenraterei plus \u201eGold West\u201c"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die \u201e<strong>spielerische<\/strong> Linie\u201c eines Spiels gibt es wohl keine eindeutige Messlatte. Zu stark gehen hier die Vorlieben und sogar die Charaktereigenschaften eines Spielers ein. Um hier wenigstens ann\u00e4hernd einen sachlichen Anhaltspunkt daf\u00fcr zu haben, m\u00f6chte ich hier mal anf\u00fchren, was das Internet hierzu liefert:<\/p>\n<p>Synonyme f\u00fcr \u201e<strong>spielerisch<\/strong>\u201c sind:<br \/>\nl\u00e4ssig, locker, leicht, sorglos, problemlos, zwanglos, unbek\u00fcmmert, entspannend, unbeschwert, unernst, ungezwungen, unverkrampft.<\/p>\n<p>Weiteres siehe unten.<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Delta Sigma&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Das ist noch kein fertiges Spiel, vielleicht wird es auch nie eines. Auch der Spiel-Name ist nur eine Hilfskonstruktion. Aaron wollte uns lediglich die Idee eines jungen (?) Autors vorsetzen und pries dieses Vorkosten nicht als \u201ePrototyp testen\u201c an (eingedenk von Wilhelms Aussage: \u201eMein Leben ist zu kurz, um Prototypen zu testen\u201c), sondern als einen \u201eTest\u201c. Was jetzt getestet werden sollte, die Spielidee oder unser Geisteszustand, das lie\u00df er offen. Aber Tests des Letzteren sind ja allgemein beliebt, und f\u00fcr Ersteres sollte eine 30 Minuten-Lebenszeit-Investition auch f\u00fcr Prototyp-Ver\u00e4chter zumutbar sein.<\/p>\n<p>Auf einer karierten Fl\u00e4che mit einem definierten Ausgangsquadrat legen die Spieler reihum jeweils ein quadratisches Pl\u00e4ttchen an. Das Anlegen ist reglementiert: die Pl\u00e4ttchen m\u00fcssen im Uhrzeigersinn und benachbart zum Vorg\u00e4nger-Pl\u00e4ttchen angelegt werden. Das Vorg\u00e4nger-Pl\u00e4ttchen darf ganz oder teilweise \u00fcberdeckt werden. Jeder Spieler legt insgesamt zwei Pl\u00e4ttchen, dann ist das Spiel zu Ende. Wer hat gewonnen?<\/p>\n<p>Bei Spielende liegen an jeder Seitenkante des Ausgangsquadrates unterschiedlich viele Pl\u00e4ttchen. In jeder Ecke jedes Pl\u00e4ttchens steht eine unterschiedliche einstellige Zahl. Diese Zahlen sind eindeutig einer Ecke des Ausgangsquadrates zugeordnet. Aufgabe ist es, f\u00fcr jede des Ecke des Ausgangsquadrates zu sch\u00e4tzen, wie hoch die Summe dieser anliegenden Zahlen ist. Diese Sch\u00e4tzung wird aber nicht erst jetzt, oder irgendwann mal im Laufe des Spiel abgegeben, sondern alle Spieler m\u00fcssen ihre vier Summen-Sch\u00e4tzungen bereits zu Spielbeginn geheim in ein Tableau eintragen. Wer hier dann am Ende nach einem oder mehreren Durchg\u00e4ngen die geringsten Abweichungen aufweist, hat gewonnen. Ein bisschen Kokolores mit Zahlen-Verdopplern und Minuspunkt-Erlassen ist auch bereits angedacht.<\/p>\n<p>Ist das Spiel beherrschbar, im Sinne von berechenbar? Wer\u2019s glaubt wird selig! Welche Ambitionen die Mitspieler f\u00fcr die vier Eck-Summen haben, ist a priori unbekannt, und wenn man nach dem ersten gelegten Pl\u00e4ttchen zum ersten Mal ahnen kann, ob ein Mitspieler hier auf \u201ehoch\u201c oder \u201eniedrig\u201c gesetzt hat, ist der Zug bereits abgefahren. Der letzte Spieler kann die Bilanz f\u00fcr zwei Eckpunkte sowieso noch einmal massiv ver\u00e4ndern, ohne dass die Mitspieler hier noch reagieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Aaron lie\u00df uns erst drei Durchg\u00e4nge lang das erste von zwei Anlege-Reglements testen, dann das zweite. Hier warf sich aber bereits nach dem ersten Durchgang Wilhelm auf die Knie und flehte: <em>\u201eMach\u2019 End\u2019, o Herr, mach\u2019 Ende, mit aller dieser Not!\u201c<\/em> Der Herr hatte ein Einsehen: alle waren mit einem Abbruch einverstanden! Soviel zu Aarons zweiter Frage, ob das Spiel Spa\u00df gemacht hat und einen Wiederspielreiz besitzt. Das Spiel ist nur dann <strong>spielerisch<\/strong>, wenn man jegliche ernsthafte Ambitionen f\u00fcr treffende Vorhersagen aufgegeben hat, f\u00fcr alle Sch\u00e4tzwerte die leicht zu ermittelnden durchschnittlichen Zahlenwerte ins Tableau eintr\u00e4gt und den Rest abwartet wie den n\u00e4chsten Regenschauer im deutschen Sommer.<\/p>\n<p>Im innersten Kern dieser Spielidee liegt vielleicht noch ein gewisser Pfiff, doch das Drum-Herum ist mehr oder weniger reine Lotterie. Selbst f\u00fcr einen Apr\u00e9s Ski an der Hotelbar ist es nicht geeignet. Da gibt es erstens keine karierte Fl\u00e4che, und zweitens kann man im erforderlichen anges\u00e4uselten Zustand die jeweils zwei bis vier zugeh\u00f6rigen Pl\u00e4ttchen-Zahlen auch nicht mehr sicher zusammenz\u00e4hlen. Ach ja, f\u00fcr Erstkl\u00e4sser-\u00dcbungen im Zahlenraum von 0 bis 50 durchaus geeignet.<\/p>\n<p><em>Keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Noch-Nicht-Spiel.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Gold West&#8221;<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_2417\" aria-describedby=\"caption-attachment-2417\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2016\/07\/23\/20-07-2016-summenraterei-plus-gold-west\/goldwest\/\" rel=\"attachment wp-att-2417\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/GoldWest.jpg\" alt=\"Gold West \u2013 Wilhelm demonstriert seine \u00fcberlegene Nischen-Strategien\" width=\"550\" height=\"327\" class=\"size-full wp-image-2417\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/GoldWest.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/GoldWest-150x89.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/GoldWest-300x178.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2417\" class=\"wp-caption-text\">Gold West \u2013 Wilhelm demonstriert seine \u00fcberlegene Nischen-Strategie<\/figcaption><\/figure>Boomtown irgendwo im Wilden Westen. Donald Trump war schon da und hat sein Wahlversprechen eingel\u00f6st, die Gegend stolz zu machen. Und reich! \u00dcberall sprudeln reiche Siegpunktquellen und sch\u00fctten ihr F\u00fcllhorn \u00fcber uns aus. \u00dcberall lauern Fr\u00fcchte, die mit ehrlicher H\u00e4nde Arbeit geerntet oder ganz selbstverst\u00e4ndlich gestohlen werden wollen.<\/p>\n<p>Offiziell sind wir &#8220;Prospectors&#8221;. Mein LEO \u00fcbersetzt das mit \u201eGoldgr\u00e4ber\u201c, aber wir sind garantiert keine dreckigen Burschen, die 20 Yards unter der Grasnarbe ihre Schaufel schwingen. Wir sind Unternehmer und bauen Siedlungen, bescheidenerweise auch mal nur Zeltst\u00e4dte, deren Sch\u00f6nheit in L\u00e4nge und Breite und Lage bei Spielende pr\u00e4miert wird. Falls wir daf\u00fcr optiert haben. Wir lassen unsere Postkutschen auf den Linien Gold, Silber oder Bronze um die Wette fahren, und bekommen unterwegs abh\u00e4ngig von unserer Rennposition gro\u00dfe Zwischenlorbeeren und\/oder kleine Trostpreise. Wir bauen unseren Einfluss innerhalb der vier Goldgr\u00e4ber-Gewerkschaften aus und kassieren daf\u00fcr bei Spielende dicke Di\u00e4ten. Alles bringt Siegpunkte, manches mehr, manches weniger.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe, und sehr h\u00fcbsche Motor des Spiels ist ein Kalah-artiger Zugmechanismus. Die Fr\u00fcchte (Baustoffe und Erze), die uns nach jedem Zug als Nebenprodukt regelm\u00e4\u00dfig in den Scho\u00df fallen (wir k\u00f6nnen aus ca. 20 Arrangements &#8211; mit gewissen Nebeneffekten &#8211; beliebig w\u00e4hlen), m\u00fcssen wir auf einem von vier Feldern unserer privaten Zugbahn ablegen. Beim n\u00e4chsten Zug r\u00e4umen wir ein beliebiges dieser Felder ab, laden auf jedem Feld der Zugbahn bis zum Ziel eine Frucht ab, und bestreiten mit den am Ende \u00fcbersch\u00fcssigen Fr\u00fcchten die Kosten unseres Zuges. Die Art der \u00fcbersch\u00fcssigen Fr\u00fcchte entscheidet auch dar\u00fcber, ob wir unsere n\u00e4chsten Fr\u00fcchte ehrlich erwerben oder stehlen. Stehlen wird am Ende bestraft. Aber nur ganz milde. Es scheint sich zu lohnen, grunds\u00e4tzlich auf Ehrlichkeit zu verzichten, wenn man damit in Anzahl und Art der neu hinzukommenden Fr\u00fcchte Einbu\u00dfen hinnehmen muss. Zumindest lagen unsere beiden Meisterdiebe Moritz und Wilhelm bei Spielende weit vorne. Wer von beiden schlussendlich gewonnen hat, h\u00e4ngt davon ab, ob wir einem der beiden Sieger erlauben, einen Spielzug, der mangels Regelverst\u00e4ndnis nur suboptimal gemacht wurde, nachtr\u00e4glich durch einen optimalen Spielzug zu ersetzen.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 7 (es hat gefallen, ist aber zu fummelig; mit seinen vielf\u00e4ltigen siegpunkt-tr\u00e4chtigen Konstruktionen spielt es sich \u00e4hnlich wie \u201eRussian Railroads\u201c), Moritz: 7 (gutes Design, leider viel Rechnerei, man muss die gegebenen Gelegenheiten f\u00fcr eine Nischenstrategie nutzen), Wilhelm 8 (fast neun, man muss\/kann \u00fcberlegen, entscheiden, hat einen gro\u00dfen Handlungsspielraum mit mehreren m\u00f6glichen Gewinnstrategien; eine anspruchsvolle Aufgabe, die in relativ kurzer Zeit \u2013 90 Minuten \u2013 erledigt wird), Walter 7 (runde Ingenieursleistung mit einer \u00fcppigen Fummelei um Punkte, nicht sehr spielerisch [leichter Einspruch von Wilhelm]).<\/em><\/p>\n<p>Hallo Wilhelm, welche der oben aufgef\u00fchrten Synonyme von <strong>spielerisch<\/strong> w\u00fcrdest Du f\u00fcr \u201eGold West\u201c vergeben? Wer hier l\u00e4ssig, locker, leicht und unbek\u00fcmmert vorgeht, wird garantiert Letzter. Es sei denn, alle gehen so vor.<\/p>\n<p><strong>3. &#8220;Divinare&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Vor gut drei Jahren, am 8. 5. 2013 haben wir das Spiel zum bisher ersten und einzigen Mal gespielt und allesamt einen sehr guten Eindruck gewonnen. Im damaligen Session-Report steht:<br \/>\n<em>\u201eVon den vier Farben rot, gr\u00fcn, gelb und blau gibt es insgesamt 36 Karten. Die Karten werden gemischt und 12 davon zur Seite gelegt. Jetzt gilt es zu erraten, wieviele Karten von jeder Farbe \u00fcbrig geblieben sind.\u201c<\/em><br \/>\nIm Grund ist die Vorhersage einer zuk\u00fcnftigen mathematischen Gegebenheit ganz \u00e4hnlich wie im obigen \u201eDelta-Sigma\u201c, aber welch ein Unterschied in der Pr\u00e4sentation und der daraus resultierenden Spielfreude!<\/p>\n<ul>\n<li>Wir m\u00fcssen nicht nur einmal und zwar gleich zu Spielbeginn die finalen Werte raten, sondern wir d\u00fcrfen unseren Sch\u00e4tzwert im Laufe des Spiels je nach den Geboten der Mitspieler anpassen. Zwischendurch d\u00fcrfen wir auch einmal bluffen.<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Die m\u00f6glichen Zahlenwerte besitzen nicht die enorme Schwankungsbreite zwischen 0 und ungef\u00e4hr 50, die noch dazu der Spielerwillk\u00fcr \u00fcberlassen ist, sondern sie bewegen sind selbst im extremsten Extremfall nur zwischen 0 und 11, und liegen in der Regel nahe an wohlbekannten Mittelwerten mit geringen statistischen Schwankungen.<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Wir erfahren im Laufe des Spiel immer mehr \u00fcber die tats\u00e4chliche Kartenverteilung, es kommt nicht so sehr darauf an, die richtigen Zahlen zu wissen, sondern den richtigen Zeitpunkt f\u00fcr seine endg\u00fcltige Vorhersage zu w\u00e4hlen.<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Mit den letzten zu verteilenden Karten wird an den ausliegenden Stimmkarten nicht mehr viel ver\u00e4ndert, aber man kann einen Mitspieler noch zwingen, eine supergute Sch\u00e4tzwert-Position aufzugeben. Eine h\u00fcbsche Quelle <strong>spielerischer<\/strong> Schadenfreude. Wobei jeder Spieler aber auch gewisse M\u00f6glichkeiten hat, sich hiergegen noch abzusichern.<\/li>\n<p><\/p>\n<li>Das Spiel ist an keinem Punkt eine \u00f6de Rechnerei, sondern immer nur ein lustiges Erahnen und Ausz\u00e4hlen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Garantiert gibt es noch viel mehr Unterschiede zugunsten der <strong>spielerischen<\/strong> Qualit\u00e4ten von \u201cDivinare\u201d. Diese aufzuz\u00e4hlen wird unsere Leserschaft hiermit aufgerufen.<\/p>\n<p><em> WPG-Wertung: Der bisherige Durchschnitt von 7 Punkte blieb erhalten, Moritz war mit 8 Punkten dabei (locker, spannend), w\u00e4hrend Wilhelm mit 6 Punkte Ansto\u00df an der Gl\u00fcckslastigkeit nahm. Walter ist eher geneigt, wegen der absolut spielerischen Linie von \u201eDivinare\u201c einen Punkt zuzulegen, aber daf\u00fcr ist das Spiel wohl doch nicht \u201ef\u00fcllig\u201c genug.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die \u201espielerische Linie\u201c eines Spiels gibt es wohl keine eindeutige Messlatte. Zu stark gehen hier die Vorlieben und sogar die Charaktereigenschaften eines Spielers ein. 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