{"id":242,"date":"2009-08-13T10:52:22","date_gmt":"2009-08-13T10:52:22","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=242"},"modified":"2009-12-01T17:49:14","modified_gmt":"2009-12-01T16:49:14","slug":"12082009-zweimal-gift-am-westpark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/08\/13\/12082009-zweimal-gift-am-westpark\/","title":{"rendered":"12.08.2009: Zweimal Gift am Westpark"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Es ist ein sch\u00f6ner Zug der neueren Zeit, da\u00df man in den gr\u00f6\u00dferen Zirkeln eingesehen hat, da\u00df das Spiel eigentlich nur eine Schulkrankheit oder ein modischer Deckmantel f\u00fcr Geistesarmut ist. Man hat daher Whist, Tarock, Pharao und dergleichen den \u00e4lteren Herren und einigen Damen \u00fcberlassen, die nun einmal die Konversation nicht machen k\u00f6nnen.<br \/>In Frankreich freilich spielen in Gesellschaften Herren von zwanzig bis drei\u00dfig Jahren, es sind aber nur die armseligen Wichte, die sich nach einem englischen Dandy gebildet haben, oder die selbst f\u00fchlen, da\u00df ihnen der Witz abgeht, den sie im Gespr\u00e4ch notwendig haben m\u00fc\u00dften.&#8221;<br \/>Das schrieb der sterbliche Dichter des unsterblichen &#8220;Kleinen Muck&#8221;. Von M\u00e4rchen hat er mehr verstanden!<br \/>(Gralsfrage: Wurde damals etwa schon &#8220;Monopoly Deal&#8221; gespielt?)<br \/><strong>1. &#8220;Veleno&#8221;<\/strong><br \/>Das Spielbrett sieht aus wie das Innere eines Halmaspieles (oder wie ein &#8220;Abalone&#8221; bzw. ein &#8220;Einfach Genial&#8221;). Auf jedem Schnittpunkt der Linien liegt eine Glaslinse in den Farben wei\u00df, rot, gr\u00fcn, gelb oder blau. Eine davon ist der &#8220;Beweger&#8221;. Jeder Spieler darf in seinem Zug diesen Beweger auf ein benachbartes Feld schieben und die dort liegende Glaslinse an sich nehmen. Wenn in der unmittelbaren Nachbarschaft des Bewegers keine Linse mehr liegt, ist das Spiel zu Ende.<br \/>Die Wertung ist einfach, aber doch bemerkenswert: F\u00fcr jede wei\u00dfe Kugel bekommt man 10 Siegpunkte, f\u00fcr jede andere Farbe bekommt man das Quadrat der Linsen-Anzahl, die man hiervon gesammelt hat. Doch das total Neue innerhalb der Abrechnung ist: F\u00fcr jeden Spieler z\u00e4hlen die eigenen Siegpunkte <strong>plus<\/strong> die Siegpunkte des rechten Nachbarn. Es geht also nicht nur darum, selber die lukrativsten Glaslinsen zu ernten, man mu\u00df auch seinem n\u00e4chsten Mitspieler m\u00f6glichst viel g\u00f6nnen und allen anderen nicht. Der n\u00e4chste Mitspieler wiederum nimmt nicht einfach, was ihm zugeschustert wird, sondern er versucht seinerseits die eigene Ausbeute plus die des rechten Nachbarn zu maximieren.<br \/>Drei Spieldurchg\u00e4nge zu je drei Minuten Spielzeit spielten wir mit wachsenden taktischen \u00dcberlegungen: immer mehr Altruismus f\u00fcr die Rechten und immer mehr Miesnickeligkeit f\u00fcr die Linken. Wenn Hans dabeigewesen w\u00e4re, h\u00e4tte er sicherlich das Matt in 10 Z\u00fcgen berechnen wollen. (Und vielleicht k\u00f6nnen.)<br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (&#8220;einfache Regeln, originelle Partnerschaft&#8221;), Moritz: 5 (&#8220;Das Spiel ist zu kurz. Es sollte auch bin bi\u00dfchen komplexer sein.&#8221;), Walter: 5 (&#8220;Die K\u00fcrze ist ein Vorteil, das Deterministische ein Nachteil&#8221;)<\/em><br \/><strong>2. &#8220;Cosmic Encounter&#8221;<\/strong><br \/>Neueste Version: Ver\u00e4nderte Zielvorgaben, neue Kampfkarten, ganz neue Technologie-Karten. Moritz konnte zudem noch mit unserer aktuellen Spieleranzahl locken: &#8220;Zu dritt ist das chaotische Element deutlich reduziert.&#8221; Bei den Monopoly-Deal-gest\u00e4hlten Chaoten regte sich keinerlei Widerspruch.<br \/>Jeder Spieler siedelt mit seinen 20 P\u00f6ppeln auf einer eigenen Galaxie und hat gewonnen, wenn er auf fremden Galaxien insgesamt f\u00fcnf P\u00f6ppel-Basen errichtet hat. Diese Fremd-Basen bekommt man durch Kampf, den man pro Zug ganz willk\u00fcrlich vom Zaune bricht und dabei Mitspieler einl\u00e4dt, sich an der Aggression zu beteiligen. Der Angegriffene kann ebenfalls Mitspieler zur Verteidigung einladen. Sind die Truppenst\u00e4rken auf beiden Seiten festgelegt, wird der Ausgang des Kampfes ermittelt. Entscheidend f\u00fcr Sieg oder Niederlage sind die Kampfkarten, die das Schicksal ganz zuf\u00e4llig unter den Spielern ausgeteilt hat. Wer Gl\u00fcck hat, bekommt die K\u00e4mpfst\u00e4rke 40, wer Pech hat, nur eine Kampfst\u00e4rke von 0 (in Worten: Null!). Durch weitere zuf\u00e4llige Zusatzkarten kann man anschlie\u00dfend den eigenen Kampfeinsatz leicht erh\u00f6hen, durch besondere, ebenfalls zuf\u00e4llige Technik-Karten die Kampfst\u00e4rke des Gegners gravierend dezimieren.<br \/>Moritz als alter Haudegen, der schon tausende von &#8220;Cosmic Encounter&#8221;-Partien absolviert hat, wu\u00dfte nat\u00fcrlich, &#8220;Man mu\u00df darauf achten, welche Karten die anderen haben.&#8221; Das ist aber keine Ged\u00e4chtnisleistung, das ist ein intuitiver Geniestreich, den nur erfahrene Cosmictiker im Repertoire haben.<br \/>F\u00fcr den Spielausgang sind weiterhin die individuellen Charaktere bestimmend, die jedem Spieler zuf\u00e4llig zugeteilt werden und Vorteile verschiedenster Art mit sich bringen. Walter war z.B. Nekromant und konnte als solcher jeden verstorbenen P\u00f6ppel zur eigenen Truppenst\u00e4rke hinzuz\u00e4hlen. Nachdem sich Walhall schon sehr fr\u00fch mit ganzen Heerscharen erschlagener Krieger angef\u00fcllt hatte, war er im Kampf praktisch nicht mehr zu schlagen. Frohgemut machte er sich auf ins letzte Gefecht, da hatte G\u00fcnther eine Technik-Karten gezogen, die Walters Nekromantie neutralisierte und nix wars. Moritz zog unmittelbar darauf auch noch die Wiederauferstehungskarte, die alle Toten wieder zum Leben erweckte und damit war &#8211; in Verbindung mit lauter Luschen als Kampfkarten in Walters Hand &#8211; der Spielausgang nochmals offen.<br \/>Moritz bekam jetzt Oberwasser. Nach einem deprimierenden Start, bei dem er nahezu keinen einzigen Kampf gewinnen konnte, und den nur er dank seiner tausendfachen Erfahrung \u00fcberhaupt mental verkraften konnte, errichtete er jetzt erfolgreich Basis f\u00fcr Basis und lud zum Schlu\u00df sogar G\u00fcnther in einem ungewohnten Kampfgenossen-Schulterschlu\u00df dazu ein, gemeinsam die f\u00fcnfte und letzte Basis zu errichten. Vielleicht hatte er auch Walters Luschen nicht hundertprozentig ausz\u00e4hlen k\u00f6nnen.<br \/>In jedem Fall war es ein &#8220;entspanntes, interaktives Dreierspiel&#8221;! Kein Kampf um Leben und Tod, sondern lustiges Ringen mit dem Zufall. Im Gegensatz zu &#8220;Monopoly-Deal&#8221; bewirken die m\u00e4chtigsten Zufallskarten in &#8220;Cosmic Encounter&#8221; ja auch nicht, da\u00df einer sofort gewinnt, sondern da\u00df ein anderer Spieler sofort nicht gewinnt. Und das ist qualitativ doch etwas ganz anderes!<br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 6 (nicht mein Freakspiel), Moritz: 10 (ein Mu\u00df), Walter: 6 (gelungenes Chaos)<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Poison&#8221;<\/strong><br \/>Das Spiel besteht aus 50 Karten in 3 Farben mit Zahlenwerten zwischen 1 und 7, und einer weiteren Jokerfarbe mit lauter Vierern. Die Karten werden unter die Spieler verteilt und anschlie\u00dfend spielt jeder reihum jeweils eine Karte aus.<br \/>Liegen bereits Karten der ausgespielten Farbe auf dem Tisch, so mu\u00df die Karte hier angelegt werden, liegt noch keine Karte davon aus, wird damit ein neuer Stapel angefangen. Eine Karte von der Jokerfarbe darf an jeden der ausliegenden Farbstapel angelegt werden.<br \/>\u00dcberschreitet die Summe der ausgelegten Zahlenwerte eines Stapels den Wert 13, so mu\u00df der Spieler diesen Stapel einstreichen. (Leichte \u00c4hnlichkeit mit &#8220;6-nimmt&#8221;.) Am Ende z\u00e4hlt hier jede Karte einen Minuspunkt, jede Jokerkarte sogar zwei Minuspunkte. Ausnahme: Wer von einer Kartenfarbe mehr Karten als die Mitspieler einstecken mu\u00dfte, bekommt daf\u00fcr \u00fcberhaupt keine Minuspunkte.<br \/>Das Bestreben eines jeden Spielers mu\u00df es demnach sein:<br \/>a) M\u00f6glichst gar keine Karten zu bekommen.<br \/>b) Wenn sich Ziel a) nicht erf\u00fcllen l\u00e4\u00dft, dann die meisten Karten einer Farbe zu bekommen (und darunter m\u00f6glichst keine Jokerkarten zu haben).<br \/>Zun\u00e4chst wirkt der Spielmechanismus ziemlich einfach und im wesentlichen von der ausgeteilten Kartenhand bestimmt. Moritz schlug zur W\u00fcrze sogar vor, einen Dummy-Spieler einzuf\u00fchren, der regelm\u00e4\u00dfig eine zuf\u00e4llige Karte dazugibt und damit die Entwicklung der Kartenstapel auf dem Tisch etwas aufmischt. Doch ganz schnell kamen wir darauf, der Ablauf &#8220;ist gar nicht so dumm&#8221;, und keiner wollte mehr von Moritz&#8217; Modifikationsw\u00fcrze etwas wissen.<br \/>Jeder mu\u00df seine ausgeteilte Kartenhand bewerten und dabei abw\u00e4gen, in welcher Farbe er wohl unvermeidlich mindestens einen Stich bekommt. In dieser Farbe sollte er dann gleich die Mehrheit an Karten anstreben. Doch darf er seine Lieblingsfarbe nicht zu fr\u00fch verraten, damit ihm die Mitspieler hier nicht alle Joker-Minuspunkte hineinhauen. Den strategischen Ambitionen sind nach oben hin keine Grenzen gesetzt.<br \/><em>WPG-Wertung: G\u00fcnther: 8, Moritz: 7, Walter: 7. <\/em><br \/><strong>4. &#8220;Rumis&#8221;<\/strong><br \/>Kurz vor Mitternacht eine erneute Begegnung mit dem zweiten &#8220;Spiel des Monats&#8221; in der Geschichte der Westpark-Gamer. Erstmals hatten wir alle Schwierigkeiten, die Baukl\u00f6tzchen ineinander zu legen, ohne das dabei entstehende Gebilde umzuwerfen. Schlie\u00dflich sind wir alle f\u00fcnf Jahre \u00e4lter geworden und die Feinmotorik hat nachgelassen. Vielleicht lag das aber auch an den Temperaturen drau\u00dfen auf der Terrasse am Westpark.<br \/>Weiterhin Freude und Entspannung. Unsere Wahl aus dem Jahre 2004 bekommt immer noch die volle Zustimmung.<br \/><strong>5. &#8220;Monopoly Deal&#8221;<\/strong><br \/>G\u00fcnther hat endlich bekannt, warum er diesem geilen Spielderivat ein paar Wertungspunkte gegeben hat: &#8220;Man kann Monster plattmachen!&#8221; Geg\u00f6nnt haben wir ihm und uns diese Freude allerdings nicht mehr.<br \/><em>Keine neue WPG-Wertung f\u00fcr ein Nullsummenspiel. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Es ist ein sch\u00f6ner Zug der neueren Zeit, da\u00df man in den gr\u00f6\u00dferen Zirkeln eingesehen hat, da\u00df das Spiel eigentlich nur eine Schulkrankheit oder ein modischer Deckmantel f\u00fcr Geistesarmut ist. 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