{"id":245,"date":"2009-09-24T15:20:46","date_gmt":"2009-09-24T15:20:46","guid":{"rendered":"http:\/\/westpark-gamers.de\/blog\/?p=245"},"modified":"2009-12-01T17:45:57","modified_gmt":"2009-12-01T16:45:57","slug":"23092009-weiche-landung-bei-prinzessinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/09\/24\/23092009-weiche-landung-bei-prinzessinnen\/","title":{"rendered":"23.09.2009: Weiche Landung bei Prinzessinnen"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt Tage, da kann ein beliebig-mieses Spiel auf den Tisch kommen, trotzdem ist die Stimmung gel\u00f6st, locker, konstruktiv und der Abend hinterl\u00e4\u00dft eine spielerische und emotionale Befriedigung. Es gibt aber auch Tage, da liegt Spannung, Kratzb\u00fcrstigkeit und Aggressivit\u00e4t in der Luft, die Spiele werden abgebrochen und bekommen schlechte Noten. Wenn dann die Gummib\u00e4rchen nicht so nahrhaft w\u00e4ren, w\u00fcrde ein jeder hungrig nach Hause gehen.<br \/>Woran das liegt, das ist noch nicht ermittelt. Sicherlich spielt die individuellen Zusammensetzung der Runde eine gewisse Rolle. Doch weitere Details bed\u00fcrfen noch einer gr\u00fcndlicheren Analyse. Packen wir&#8217;s an.<br \/><strong>1. &#8220;Genji&#8221;<\/strong><br \/>Autorenname Dylan Kirk und Verlag Z-Man Games sind amerikanisch, doch das Thema, in dem sich &#8220;Genji&#8221; tummelt, ist absolut japanisch: &#8220;Eine romantische Flamme aus der Hochzeit der Heian Epoche&#8221;, so lautet der Untertitel in der Spielregel.<br \/>Wir m\u00fcssen an 12 H\u00f6fen die Prinzessinnen mit Gedichten becircen. Dazu erh\u00e4lt jeder Spieler pro Runde 5 Karten mit Gedicht-Anf\u00e4ngen oder Gedicht-Enden. Lesen k\u00f6nnen wir die japanischen Zeichen nat\u00fcrlich nicht, und auch die amerikanischen \u00dcbersetzungen sind beim Spielen nicht von Bedeutung. Wichtig ist, da\u00df die Gedichte zur gerade herrschenden Jahreszeit und zu den Vorlieben der jeweiligen Dame passen, und das ist an entsprechenden Piktogrammen eindeutig abzulesen. Manche Damen bevorzugen Melancholie, andere Romantik oder Naturliebe.<br \/>Jeder Spieler zieht mit seinem P\u00f6ppel von Hof zu Hof und legt seiner Dame entweder eine Karte mit einem halben Gedicht oder zwei Karten mit einem ganzen Gedicht zu F\u00fc\u00dfen. Er kann dabei auch mit einem besser passenden Gedicht die Gedichtskarten seinen Vorg\u00e4nger verdr\u00e4ngen. Man braucht nicht alle H\u00f6fe zu besuchen, sondern darf weniger attraktive oder unp\u00e4\u00dfliche Objekte \u00fcberspringen. Sobald der erste Spieler wieder an seinem Ausgangshof angekommen ist, ist eine Runde zu Ende und die ausliegenden Gedichte werden gewertet. Der Besitzer des besten Gedichtes bekommt 2 Siegpunkte; Gedichte, mit denen man die Kirschen in Nachbars Garten pfl\u00fccken konnte, bringen je 1 Siegpunkt ein. Wer vom Rest noch die meisten Gedichte bei seinen Favoritinnen unterbringen konnte, bekommt sogar 3 Siegpunkte.<br \/>Vier M\u00e4nner mit einem Gesamtalter von \u00fcber 200 Jahren lassen bei diesem Thema nat\u00fcrlich ihrer Phantasie freien Lauf. Flachlegen, beschlafen, beischlafen und H\u00f6rner aufsetzen stammen noch aus dem Sprachgebrauch der Gebr\u00fcder Grimm. Doch auch das weitaus modernere Poppen wurde weidlich zitiert. &#8220;Ist eine Runde zu Ende, wenn man alle gepoppt hat?&#8221; Diese Frage mu\u00df nat\u00fcrlich mit &#8220;Nein&#8221; beantwortet werden, man darf ja einige H\u00f6fe auslassen. &#8220;Dreimal gut gepoppt ist besser als viermal schlecht!&#8221; Diese Lebensweisheit gilt auch in &#8220;Genji&#8221;.<br \/>Die Spielregel fordert im Gedenken an gute japanische Kulturtradition auf, den Pinsel in die Hand zu nehmen, um eine wankelm\u00fctige Prinzessin rumzukriegen. Im alten Europa scheint das ebenfalls eine lange Tradition zu haben. Ansonsten sind bei uns die Anforderungen an den &#8220;Master of the Quickies&#8221; schon etwas h\u00f6her. &#8220;Genji&#8221; weist in bezug auf Ausgewogenheit doch erhebliche Defizite auf.<br \/>1) Pro Runde erh\u00e4lt jeder Spieler ganze f\u00fcnf halbe Gedichtkarten. Wenn sie nicht zur aktuellen Jahrezeit passen oder gar nur Gedicht-Anf\u00e4nge aber kein einziges Gedichte-Ende enthalten, wird man damit wohl keinen Stich machen. Hier unterscheiden sich die zuf\u00e4lligen Grundausstattungen der verschiedenen Mitspieler in ihrem Stichpotential leicht um mehrere 100 Prozent.<br \/>2) Der Startspieler hat die gr\u00f6\u00dften Chancen, sich als erster durch alle H\u00f6fe gepoppt zu haben. Jetzt wird sofort gewertet, ohne da\u00df die anderen Spieler noch zum Zug kommen d\u00fcrfen. Ist das gerecht? Doch widersinnig ist geradezu, da\u00df der Startspieler nicht reihum wechselt, sondern da\u00df derjenige, der die Runde als erster beendet, auch noch bestimmen kann, wer der n\u00e4chste Startspieler wird. Mu\u00df das sein? H\u00e4tte nicht problemlos jede Runde zu Ende gespielt werden k\u00f6nnen?<br \/>Es gibt viele M\u00f6glichkeiten, bei &#8220;Genji&#8221; punkten zu wollen. Doch alle diese Vorgehensweisen sind weitgehend zufallsabh\u00e4ngig und risikoreich-unkalkulierbar. Die einzige plausible Technik ist, immer hinter einem Spieler her zu gehen, denn gemachte Betten sind w\u00e4rmer. Hans wurde Sieger. Er hatte nach seinen eigenen Worten &#8220;unumstrittene Frauen gesucht und ihnen halbseidenen Gedichte vorgesetzt&#8221;.<br \/>Aaron tr\u00e4umte von einer Erwachsenen-Version. Sicherlich in Wort und Bild mit aller Sch\u00e4rfe unseres libertinistischen Kontinents.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (nix kalkulierbar), Hans: 5 (weil er&#8217;s hat), Moritz: 4 (einschlie\u00dflich Graphik-Bonus), Walter: 3 (Zeitvertreib). <\/em><br \/><strong>2. &#8220;Soft Landing&#8221;<\/strong><br \/>Aaron hat sich das Spielbrett aus dem Internet beim &#8220;Blacksbury Tactical Research Center&#8221; runtergeladen. Selbst f\u00fcr hunderte von P\u00f6ppeln gab es Vordrucke, doch hier hat sich Aaron die Schneide- und Klebearbeit gespart und die Steine vom Flohspiel als Anleihe genommen.<br \/>Jeder Spieler ist Herrscher \u00fcber einen eigenen Teil der Welt und mu\u00df durch Produzieren, Handeln, Investieren und Planen den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gegen\u00fcber seinen Mitspielern bestehen. Es gibt einen gemeinsamen Markt mit gemeinsamen Preisen, die sich auf Grund von K\u00e4ufen und Verk\u00e4ufen systematisch verschieben. Man kann auch auf &#8220;Markt-Manipulation&#8221; setzen und darf dann willk\u00fcrlich an der Preiseschraube drehen.<br \/>Jeder Weltteil hat unterschiedliche wirtschaftliche F\u00e4higkeiten: den einen f\u00e4llt die Produktion fast von alleine in den Scho\u00df, die anderen m\u00fcssen gut w\u00fcrfeln, um Industrie, Technik, Lifestyle, Ressourcen und Reserven in Schwung zu halten. Die Schw\u00e4chen in der Produktion werden durch erhebliche Vorspr\u00fcnge auf der Siegpunktskala ausgeglichen. Z.B. f\u00e4ngt Westeuropa mit 3 Siegpunkten an, Indien bekommt gleich 16 St\u00fcck davon. Bei einem erwarteten Finale in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 30 Siegpunkten ist das mehr als die H\u00e4lfte. Im Gro\u00dfen und Ganzen sind die Vor- und Nachteile zwar ausbalanciert, doch wer mit einer hohen Punktzahl anf\u00e4ngt, hat so wenig Handelsfreiheiten, da\u00df das Spielgeschehen im Wesentlichen an ihm vorbeigeht: keine Produktion, kein Handel, nur Beteiligung an den unausweichlichen Katastrophen.<br \/>Nach drei Runden hatte sich Indien von 16 auf gerade mal 19 Siegpunkte hochgearbeitet, w\u00e4hrend Westeuropa von 3 Startpunkten ausgehend bereits bei 13 Punkten angelangt war. \u00c4hnlich lagen die Verh\u00e4ltnisse in Osteuropa. Bei jeglicher Art von Umweltkatastrophen waren sie mit Mehrheit beteiligt. In den nachfolgenden vier Runden schwankten alle Spieler zwischen 17 und 20 Punkten: Was \u00fcber Milit\u00e4reins\u00e4tze gewonnen wurde, ging durch die Katastrophen wieder verloren.<br \/>Unser indischer Moritz fiel immer mehr aussichtslos zur\u00fcck. Doch er pl\u00e4dierte nicht f\u00fcr einen Spielabbruch. Schon aus Prinzip spielt er jedes Spiel ohne Murren zu Ende. Diesmal war von ihm nur ab und zu ein leichtes verlangendes St\u00f6hnen nach der letzten erl\u00f6senden Katastrophe zu h\u00f6ren. Doch als sie dann endlich eintrat und die Schlu\u00dfrunde einl\u00e4utete, wurde er mit einem Schlag in eine unanfechtbare Siegesposition gehievt: Er hatte jegliche Produktion in die &#8220;New Era Research&#8221; gepumpt und bekam daf\u00fcr in der Schlu\u00dfabrechnung 9 zus\u00e4tzliche Siegpunkte gutgeschrieben. Gut gebr\u00fcllt, L\u00f6we! &#8220;Aber das Spiel war f\u00fcr mich total langweilig. Diese Strategie h\u00e4tte auch ein 3-J\u00e4hriger verfolgen k\u00f6nnen.&#8221;<br \/>Es war aber auch ein bi\u00dfchen Gl\u00fcck dabei. Westeuropa h\u00e4tte das Spielende auch durch zwei Mega-Katastrophen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Dann w\u00e4re der &#8220;New Era Research&#8221;-Bonus erst gar nicht nicht mehr ausgezahlt worden. War das ein noch kalkulierbares Risiko?<br \/>Bleibt noch zu sagen, da\u00df Aaron durch einen Versto\u00df gegen die Spielregel deutlich benachteiligt wurde: Seine unzureichenden Produktionskapazit\u00e4ten zwangen ihn unaufh\u00f6rlich, Flohsteine in die Katastophenerwartungsgebiete abzugeben, so da\u00df er schnell \u00fcberall die Mehrheit hatte und von den ausgew\u00fcrfelten Katastrophen st\u00e4ndig als Hauptschuldiger betroffen wurde. Er h\u00e4tte aber pro Katastrophe einen Flohstein wieder zur\u00fccknehmen d\u00fcrfen und so deutlich gr\u00f6\u00dfere Chancen aufs \u00dcberleben gehabt. Er trug&#8217;s mit Fassung.<br \/>Das Spiel hat ein paar gute Ideen, aber es holpert noch. Der W\u00fcrfel, der zu 80% die Produktionsvorg\u00e4nge bestimmt, macht aus dem Wirtschaftsplanspiel ein Roulette. Die Handelsphase braucht mehr Bewegungsfreiheit und die Fesseln im Markt-Lager-Mechanismus m\u00fc\u00dften gelockert werden. Immerhin hat der Autor Greg Porter auf der notwenigen Strecke von 99% Transpiration zu einem guten Spiel schon ein erhebliches St\u00fcck erfolgreich zur\u00fcckgelegt.<br \/><em>WPG-Wertung: Aaron: 4 (Abwertung wegen W\u00fcrfelgl\u00fcck), Hans: 3 (f\u00fcr jedes Foul 1 Punkt weniger), Moritz: 5 (er steht \u00fcber der Langeweile), Walter: 5 (f\u00fcr die guten Ans\u00e4tze).<\/em><br \/><strong>3. &#8220;Bluff&#8221;<\/strong><br \/>Nein, heute kein Bluff. Moritz mu\u00dfte mit seinem Radl noch durch die Bierleichen vom Oktoberfest kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Tage, da kann ein beliebig-mieses Spiel auf den Tisch kommen, trotzdem ist die Stimmung gel\u00f6st, locker, konstruktiv und der Abend hinterl\u00e4\u00dft eine spielerische und emotionale Befriedigung. Es gibt aber auch Tage, da liegt Spannung, Kratzb\u00fcrstigkeit und Aggressivit\u00e4t in der Luft, die Spiele werden abgebrochen und bekommen schlechte Noten. Wenn dann die Gummib\u00e4rchen nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2009\/09\/24\/23092009-weiche-landung-bei-prinzessinnen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">23.09.2009: Weiche Landung bei Prinzessinnen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[26,13],"class_list":["post-245","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-spieleabende","tag-genji","tag-soft-landing"],"views":2083,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=245"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=245"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=245"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=245"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}