{"id":2476,"date":"2017-01-13T22:35:58","date_gmt":"2017-01-13T21:35:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2476"},"modified":"2017-01-13T23:00:18","modified_gmt":"2017-01-13T22:00:18","slug":"11-01-2017-great-western-trail","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/13\/11-01-2017-great-western-trail\/","title":{"rendered":"11.01.2017: Great Western Trail"},"content":{"rendered":"<p>Was macht Spa\u00df? Lassen wir die von der Evolution herausgearbeiteten biologischen Sp\u00e4\u00dfe wie Flirten, Liebelei und Sex mal au\u00dfen vor, so werden von einigen Westpark-Gamers mindestens noch Sport, Musik, Fotografieren, Kochen, Lesen, Analysieren und Forschen, sowie PC-Spielereien als Freude bzw. Spa\u00df bringende Freizeitgestaltung praktiziert.<\/p>\n<p>Und was macht beim Brettspielen Spa\u00df? Hier hat nat\u00fcrlich jedes Individuum seine eigenen Vorlieben. Die Welt spielt Monopoly, Moritz mag Spiele mit Themen, G\u00fcnther mag Planung und Organisation, Horst W\u00fcrfeln und Wuseln und Peter \u201egutes deutsches Spielgut\u201c. Aaron und Walter mochten vor drei\u00dfig Jahren die neuen abendf\u00fcllenden Spiele, f\u00fcr die Avalon Hill ein Pionier war. Und alle zusammen m\u00f6gen wir Eisenbahnspiele mit Aktien.<\/p>\n<p>Die heutigen komplexen Workerplacement-Spiele machen aber zumindest den beiden Senioren keinen Spa\u00df mehr. Wir sind doch schon in Rente! Wir m\u00f6chten am Spieltisch doch keine Arbeiter mehr beauftragen, keine Erbsen mehr z\u00e4hlen, und keine umfangreichen Excel-Tabellen mehr im Kopf durchrechnen. Kein Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen sind angesagt. Eine spritzige Spielidee und die Interaktion miteinander, das macht Spa\u00df.<\/p>\n<p>Bei Wikipedia findet man den Satz: <em>\u201eEin h\u00e4ufiger Begleiter des Spa\u00dfes ist die Forderung, ihn zu vermeiden.\u201c<\/em> K\u00f6nnte das denn das Motto der heutigen Generation von Spieleautoren sein? (Hallo Ihr Autorenfreunde, Ihr seid alle explizit davon ausgenommen!)<\/p>\n<p>Jetzt also Spa\u00df beiseite!<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Great Western Trail&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2478\" aria-describedby=\"caption-attachment-2478\" style=\"width: 550px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/13\/11-01-2017-great-western-trail\/greatwesterntrail\/\" rel=\"attachment wp-att-2478\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2478\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GreatWesternTrail.jpg\" alt=\"\" width=\"550\" height=\"738\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GreatWesternTrail.jpg 550w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GreatWesternTrail-112x150.jpg 112w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GreatWesternTrail-224x300.jpg 224w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/GreatWesternTrail-477x640.jpg 477w\" sizes=\"auto, (max-width: 550px) 100vw, 550px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2478\" class=\"wp-caption-text\">\u201eGreat Western Trail\u201c : Was soll ich jetzt tun?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Spiel hat 2016 in Essen riesigen Anklang gefunden und bekam innerhalb der Spielbox-Spielergemeinde sensationell gute Noten. Es ist auch alles rund und sch\u00f6n, professionell designed, gut ausbalanciert, h\u00fcbsch ausgef\u00fchrt und gef\u00e4llig produziert.<\/p>\n<p>Dem Thema nach sind wir Viehz\u00fcchter, treiben unsere Rinderherden von Texas nach Kansas City, wo wir sie in Waggons aufladen und auf die Reise zu den Verbrauchsst\u00e4dten im Westen senden. Durchschnittlich sieben mal pro Kopf und Spiel, bringen wir unsere Herde in Kansas City an, immer wieder auf dem gleichen Weg, f\u00fcr den es abschnittsweise immer zwei Alternativen gibt.<\/p>\n<p>Pro Zug d\u00fcrfen wir mit unserer \u201eHerde\u201c ein bis vier Felder vorw\u00e4rts gehen, wobei die Anzahl der zur\u00fcckzulegenden Felder auf dem Spielbrett von Runde zu Runde w\u00e4chst. Bei Spielbeginn gibt es nur ein paar wenige \u00f6ffentliche Felder (Dorf-Pl\u00e4ttchen) auf dem Spielplatz, wo wir anhalten und unsere gro\u00dfen oder kleinen Gesch\u00e4fte erledigen k\u00f6nnen. Im Spielverlauf bauen (legen) alle Spieler weitere Dorf-Pl\u00e4ttchen an beliebigen Stellen der Gesamtstrecke, die dem jeweiligen Besitzer eigene Gesch\u00e4fte erm\u00f6glichen, insgesamt aber die zur\u00fcckzulegende Felderanzahl erh\u00f6hen und damit das Vorw\u00e4rtskommen f\u00fcr alle Spieler verlangsamen.<\/p>\n<p>Als \u201eGesch\u00e4fte\u201c d\u00fcrfen wir auf jedem Feld feldspezifische Aktionen durchf\u00fchren:<\/p>\n<ul>\n<li>Rinder kaufen (f\u00fcnf verschiedene \u201cteure\u201d Rinderrassen stehen zur Auswahl)<\/li>\n<li>Rinder verkaufen (auf jedem Feld wird eine bestimmte Rasse verlangt)<\/li>\n<li>Mitarbeiter (Cowboys, Handwerker oder Ingenieure) einstellen<\/li>\n<li>D\u00f6rfer bauen<\/li>\n<li>die Eisenbahnstrecke von Kansas-City zu den Verbrauchst\u00e4dten ausbauen<\/li>\n<li>Zertifikate erwerben (die \u00fcber gewisse Engp\u00e4sse hinweghelfen)<\/li>\n<li>Gefahrenstellen beseitigen (bringt Siegpunkte ein und r\u00e4umt l\u00e4stige Felder innerhalb der Wegstrecke nach Kansas City ab)<\/li>\n<li>Handel mit den Indianern treiben (bringt Siegpunkte und hilft beim Erf\u00fcllen von Auftr\u00e4gen)<\/li>\n<li>Hilfsaktionen durchf\u00fchren (Das besteht anfangs nur darin, einen Dollar von der Bank einzustreichen. Pro Rinder-Lieferung in Kansas City k\u00f6nnen wir unser Repertoire an Hilfsaktionen aber erweitern, was sp\u00e4ter eine gewisse Unabh\u00e4ngigkeit von den feldspezifisch vorgesehenen Aktionen einbringt).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein wesentliches Spielelement ist die Kartenhand, mit der jeder Spieler auf die Reise geht. Aus seinem Kartendeck, das zu Spielbeginn aus vierzehn \u201ebilligen\u201c Rindern von vier verschiedenen Rassen besteht, nimmt sich jeder Spieler f\u00fcr seinen n\u00e4chsten Zug vier Karten auf die Hand. Damit bestreitet er seinen Zug, insbesondere das lokale Verkaufen von Rindern, um zu Geld zu kommen. Man muss f\u00fcr seinen Zug keine Rinderkarten aus der Hand verbrauchen, aber es schadet in der Regel nicht, sie auszugeben, weil man umgehend nach jedem Zug seine Kartenhand wieder auf vier auff\u00fcllen darf. Ganz im Gegenteil, durch geschicktes Abgeben und Nachziehen von Rinderkarten kann \/ sollte man daf\u00fcr sorgen, dass die \u201eHerde\u201c, die man in Kansas City abliefert, einen m\u00f6glichst hohen Wert hat. Und den hat sie, wenn alle Rinderkarten in der Hand unterschiedlich sind. Nur unterschiedliche Rassen werden gez\u00e4hlt und bestimmen die Reichweite gegen Westen, bis wohin unsere Rinder im Waggon maximal transportiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Je gr\u00f6\u00dfer die Entfernung, desto mehr Siegpunkte wirft unsere Herde ab. Dabei gibt es kleine Randbedingungen zu beachten: Jede Westernstadt darf nur einmal beliefert werden. Und wenn die Zugstrecke, die wir inzwischen gebaut haben, nicht bis zu unserem Zielbahnhof reicht, m\u00fcssen wir f\u00fcr den letzten Teil der Reise auch noch Weggeb\u00fchren an die Bank zahlen.<\/p>\n<p>So drehen wir also gleichm\u00e4\u00dfig mit unseren Rindern unsere Runden vom Start zum Ziel und zur\u00fcck, bauen D\u00f6rfer, heuern Mitarbeiter an, verl\u00e4ngern unsere Eisenbahnstrecke, pflegen unsere Rinderkartenhand und liefern m\u00f6glichst hohe, oder zumindest passende Rindermengen ab. Wir k\u00f6nnen langsam gehen um die Aktionen m\u00f6glichst vieler Zwischenfelder zu nutzen, oder schnell, wenn die Herde in unserer Kartenhand bereits optimal besetzt ist.<\/p>\n<p>Und wof\u00fcr brauchen wir die Mitarbeiter?<br \/>\nCowbows schaffen uns erhebliche Preisnachl\u00e4sse beim Rinderkauf, mit Handwerkern k\u00f6nnen wir schneller bessere D\u00f6rfer bauen, und mit Ingenieuren beschleunigt sich der Ausbau unserer Eisenbahnstrecke.<\/p>\n<p>\u201eGreat Western Trail\u201c bietet eine Menge Strategien, nach denen wir unser Spiel gestalten k\u00f6nnen, z.B.<\/p>\n<ol>\n<li>mittels Cowboys die reichsten Rinderherden in unserer Kartenhand zu haben;<\/li>\n<li>mittels Handwerkern alle unsere D\u00f6rfer gebaut und hochger\u00fcstet zu haben;<\/li>\n<li>mittels Ingenieuren die gewaltigen Punktesummen ganz am Ende der Eisenbahnstrecke einzustreichen;<\/li>\n<li>mit Auftr\u00e4gen zu spekulieren und die Auftragsbedingungen (Indianerhandel \/ Gefahrenstellen) zu erf\u00fcllen suchen;<\/li>\n<li>mit wenigen Zwischenstops schnelle Runden zu drehen, um durch die damit hinzugewonnen Hilfsaktionen eine deutlich gesteigerte Spielpotenz zu gewinnen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Beim ersten Spielen ist nat\u00fcrlich noch nicht klar, welche dieser Strategien am erfolgversprechendsten ist. Nach dem ersten Augenschein zu urteilen, scheint das Spiel aber gut ausbalanciert zu sein, d.h. alle Strategien k\u00f6nnten den Sieg bringen. Wichtig ist nur, dass man sich auf bestimmte Richtungen konzentriert, weil die progressive Siegpunktaussch\u00fcttung den Zuwachs am Ende jeder Fahnenstange besonders belohnt. Wer \u00fcberall ein bisschen dabei ist, landet auch bei der Siegpunktaussch\u00fcttung, in der 11 (<strong> ELF<\/strong>) verschiedene Besitz- und Ausbaust\u00e4nde bewertet werden, im Mittelma\u00df.<\/p>\n<p>Alles ist sch\u00f6n, alles ist gut durchdacht, alles ist konstruktiv an diesem Spiel. Der Hype in Essen und gem\u00e4\u00df der Spielbox-Wertung ist durchaus verst\u00e4ndlich. Wir haben aber leider auch ein paar gewichtige Haken gefunden. Z.B. besitzt das Spiel fast keinerlei Interaktion. Sehr gut kann es ein Spieler ganz alleine spielen, dabei beliebig viele Mitspieler simulieren, und f\u00fcr jeden eine eigene Strategie w\u00e4hlen. Hinterher kann er sich an der Erkenntnis freuen, welches die beste Strategie war.<\/p>\n<p>Was bei uns aber am wenigsten angekommen ist, war der ungeheure Zeitverbrauch. Eine Stunde dauerte allein der Spielaufbau mit der Erkl\u00e4rung der Elemente. Eine knappe weitere Stunde brauchten wir f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der weiteren Elemente und des Spielablaufs insgesamt. Immerhin gilt es, ein Regelheft mit 16 Seiten didaktisch wundersch\u00f6n aufgebauten Regeln zu erarbeiten. Zweieinhalb Stunden dauerte dann unser Spiel, was ziemlich genau der Angabe auf der Spielschachtel entspricht, was f\u00fcr das sich wiederholende Spielgeschehen aber doch recht happig ist. Eine weitere halbe Stunde dauerte das Wegr\u00e4umen des vorz\u00fcglichen Spielmaterials zur\u00fcck in die Schachtel. Ersteres und Letzteres wird auch nicht bedeutend k\u00fcrzer, wenn man das Spiel schon ganz genau kennt. Heute also insgesamt 5 Stunden Western-Unterhaltung. In dieser Zeit h\u00e4tten wir schon ein komplettes \u201e1830\u201c \u00fcber die B\u00fchne gebracht.<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 6 ([bis 7], wegen der langen Dauer, ein braves Spiel, das keine Fehler bestraft), G\u00fcnther: 7 ([bis 6], es hat Spa\u00df gemacht, ich k\u00f6nnte es noch ein paarmal spielen, weil man hier vieles ausprobieren kann), Horst: 8 ([und ab zur letzten U-Bahn]), Walter: 7 (es gibt viele Schienen, auf denen man gut fahren kann, aber zum Gewinnen erfordert jede eine elende Optimierung, w\u00fcrde es \u2013 mit Spa\u00df \u2013 allein deshalb noch einmal spielen, um extreme Spielweisen zu testen).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was macht Spa\u00df? 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