{"id":2477,"date":"2017-01-20T15:17:12","date_gmt":"2017-01-20T14:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/?p=2477"},"modified":"2017-01-25T18:33:26","modified_gmt":"2017-01-25T17:33:26","slug":"18-01-2017-aarons-insel-und-martins-schiffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/20\/18-01-2017-aarons-insel-und-martins-schiffe\/","title":{"rendered":"18.01.2017: Aarons Insel und Martins Schiffe"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man das letzte Spiel aus dem Eigenverlag des begnadeten Martin Wallace in der Hand hat, und wei\u00df, dass der Autor seine Zelte in Europa abgebrochen und sich f\u00fcr immer nach Neuseeland begeben hat, dann ist das doch ein Grund, mal etwas \u00fcber Neuseeland nachzulesen.<\/p>\n<p>Es ist ein Inselstaat im s\u00fcdlichen Pazifik, bestehend neben vielen kleineren Inseln aus einer n\u00f6rdlichen und einer s\u00fcdlichen Hauptinsel, die von Touristen gew\u00f6hnlich in einer Achter-Schleife durchreist werden. Die Amtssprache ist Englisch (wer h\u00e4tte das gedacht?), daneben Maori, aber auch noch die neuseel\u00e4ndische <strong>Geb\u00e4rdensprache<\/strong>! Damit k\u00f6nnen alle gleichzeitig reden, ohne sich ins Wort zu fallen.<\/p>\n<p>Staatsoberhaupt ist K\u00f6nigin Elisabeth.<\/p>\n<p>Neuseelands \u201eHuman Development Index\u201c (Index der menschlichen Entwicklung, HDI) betr\u00e4gt 0.913 &#8230; Hoppla, was ist denn der HDI?<br \/>\nHier die Formel:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/20\/18-01-2017-aarons-insel-und-martins-schiffe\/formelhdi\/\" rel=\"attachment wp-att-2481\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2481 alignnone\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/FormelHDI.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"80\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/FormelHDI.jpg 369w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/FormelHDI-150x33.jpg 150w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/FormelHDI-300x65.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/a><br \/>\nDabei ist:<br \/>\nLE = Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt<br \/>\nBNEpk: Bruttonationaleinkommen pro Kopf<br \/>\nDSD = Durchschnittliche-Schulbesuchsdauer<br \/>\nVSD: Voraussichtliche Schulbesuchsdauer<\/p>\n<p>Man sieht auf den ersten Blick, wenn die Menschen eines Landes durchschnittlich 85 Jahre alt werden, eine Kaufkraft von 75 Tausend Dollar pro Jahr in der Hand haben, in ihrer Jugend 15 Jahre zur Schule gegangen sind, und als heute gerade schulpflichtig gewordenes Kind 18 Jahre lang gehen m\u00fcssten, so hat das Land den HDI von 1,0.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Deutschland hat einen HDI von 0,915 und liegt damit ganz knapp vor Neuseeland<\/p>\n<p><strong>1. &#8220;Loot Island&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Aaron wollte mal wieder die vorletzte Version seiner Eigenentwicklung vor der Vorstellung auf der Messe in N\u00fcrnberg am Westpark testen lassen. Alle machten ohne Z\u00f6gern bereitwillig mit.<\/p>\n<p>Wir graben immer noch nach Sch\u00e4tzen. Wie im richtigen Leben finden wir immer noch gro\u00dfe oder kleine Sch\u00e4tze, wie im M\u00e4rchen sind viele unsere Sch\u00e4tze immer noch verflucht, und wir m\u00fcssen einen Teil unserer Energie daf\u00fcr aufwenden, diese Fl\u00fcche zu bannen.<\/p>\n<p>In Zusammenarbeit mit \u201eWhat\u2019s Your Game\u201c, dessen Devise es ist, Spielerfrust bereits beim Design m\u00f6glichst zu vermeiden, hat Aaron eine ganze Reihe von Spielelementen eingef\u00fchrt, wie den Fl\u00fcchen besser beizukommen ist. Sie sind heute schon eher so etwas wie Handelsware, die man nur richtig behandeln muss, damit sie sich unter unseren H\u00e4nden in Gold verwandelt.<\/p>\n<p>Im jetzigen Zustand bietet \u201eLoot Island\u201c mal wieder eine gerade richtige Mischung aus Mitspielerchaos und Planungsm\u00f6glichkeiten resp. Planungsanforderungen. Es gab eine Menge Spielspa\u00df, nicht zuletzt durch die Super-Sch\u00e4tze, die wir selber gefunden haben und durch die relativen Semi-Nieten, die den Mitspielern zufielen.<\/p>\n<p>Eine Stunde lockeres Denken, lockeres Agieren, lockeres Gl\u00fcck.<\/p>\n<p><em>Noch keine WPG-Wertung f\u00fcr ein Spiel in der Entstehungsphase.<\/em><\/p>\n<p><strong>2. &#8220;Ships&#8221;<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2482\" aria-describedby=\"caption-attachment-2482\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/2017\/01\/20\/18-01-2017-aarons-insel-und-martins-schiffe\/aaronshandinships\/\" rel=\"attachment wp-att-2482\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2482\" src=\"http:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/AaronsHandInShips.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"556\" srcset=\"https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/AaronsHandInShips.jpg 500w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/AaronsHandInShips-135x150.jpg 135w, https:\/\/www.westpark-gamers.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/AaronsHandInShips-270x300.jpg 270w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2482\" class=\"wp-caption-text\">Sheep-Pulk in \u201eShips\u201c zwischen dem Zeitalter der Wickinger und der Hanse<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit diesen Spiel wollte Marin Wallace die Geschichte der Schifffahrt zu spielerischem Leben erwecken. Sehr h\u00fcbsch hat er deshalb um den Spielfeldrand herum Bilder von typischen Schiffen ihrer Zeit drapiert, angefangen von ph\u00f6nizischen Galeeren bis zum Schlachtschiff \u201eLexington\u201c. Doch das ist fast alles, was uns an Schifffahrtshistorie mitgeben wird. Mit diesem Thema gibt er uns sogar ein falsches Bild vom Spielablauf und den Aktionen, die wir durchf\u00fchren k\u00f6nnen und m\u00fcssen, um ein gutes Spiel zu machen.<\/p>\n<p>Eher haben wir es hier mit einer Herde von Schafen zu tun. Alle unsere Schafe bewegen sich in einem einzigen Pulk, in dem gekennzeichnet ist, wem welches Schaf geh\u00f6rt. Gemeinsam, mehr oder weniger dicht beieinander, ziehen wir den vorgezeichneten Kreislauf. Wir Spieler sind die Hunde und dr\u00e4ngen unsere Schafe auf immer neue und bessere Weidegr\u00fcnde. Die vorderen Schafen m\u00fcssen zuweilen Weidez\u00e4une durchbrechen, bekommen dann allerdings als Erster die saftigsten neuen Gr\u00e4ser zum Fressen. Die Hinteren m\u00fcssen sich schicken, den Anschluss nicht zu verpassen. Den Letzten bei\u00dfen die Hunde, oder er wird einfach geschlachtet.<\/p>\n<p>Verlassen wir also die Ships-Terminologie und bleiben wir weiter bei der Sheep-Terminologie, so geb\u00e4ren unsere Schafe immer wieder neue Schafe auf dem aktuellen Weidegrund, bis sich das erste dazu entschlie\u00dft, den Zaun zu durchbrechen und den n\u00e4chsten Weidegrund zu betreten. Das Durchbrechen kostet Energie (in Form von \u201eNavigationsmarkern\u201c), aber wenn auf dem aktuellen Weidegrund bereits viele Schafe beisammen sind, erzeugen sie einen solche Druck, dass die Z\u00e4une schon fast von selber umfallen. Nur wer einsamer und extremer Vorreiter sein will, muss sich daf\u00fcr mit reichlich Innovations-Energie ausstatten.<\/p>\n<p>Wer einen Weidezaun durchbricht, bekommt eine recht hohe Siegpunkt-Belohnung, anschlie\u00dfend erfolgt eine Bilanzierung des gesamten Herdenbestandes. Die Schafe auf dem noch aktuellen Weidegrund bleiben ungeschoren; f\u00fcr Schafe auf einem Weidegrund zur\u00fcck muss der Besitzer einen Siegpunkt bezahlen (\u201eHundeobolus\u201c). F\u00fcr Schafe auf zwei Weidegr\u00fcnden zur\u00fcck, sind sogar zwei Siegpunkte Strafe f\u00e4llig, anschlie\u00dfend werden diese Schafe von den wilden Tieren der Umgebung gefressen.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass sich den Spielekennern von Wallace\u2019 &#8220;Ships&#8221; bei dieser Ver-Schaf-ung jetzt nicht die Haare str\u00e4uben. Ich will diese Projektion auch nicht weiter treiben, selbst wenn f\u00fcr die weiteren, recht abstrakten Aktionen und Abl\u00e4ufe, die in \u201eShips\u201c pr\u00e4sentiert sind, mindestens genauso gut auch korrespondierende Elemente aus der Schafzucht passen w\u00fcrden. Also zur\u00fcck zur Original-Terminologie.<\/p>\n<p>F\u00fcr jedes neu gebaute oder bewegte Schiff darf der Spieler entscheiden, ob es ein Handels- oder ein Kriegsschiff ist (Futterschaf oder Wollschaf!). Der einzige Unterschied zwischen beiden ist, dass der Spieler hinterher im einen Fall einen eckigen Handelsstein, im anderen Fall eine runde Eroberer-Scheibe auf ein definiertes Feld im aktuellen Wirtschaftsgebiet legen darf. F\u00fcr die Handelssteine erh\u00e4lt er Waren (Korn, \u00d6l, Wein, Metall oder Tuch), f\u00fcr die Scheiben bekommt er Geld, Siegpunkte, Zusatzaktionen und andere Verg\u00fcnstigungen.<\/p>\n<p>Waren m\u00fcssen in der privaten Vorratskammer platziert werden. Wer hier keinen Platz hat, muss sie augenblicklich f\u00fcr einen Spottpreis verscherbeln. Geld kommt in den Tresor; wer hier keinen Platz hat, muss es augenblicklich zum relativ reelen Kurs von 2:1 in Siegpunkte verwandeln. Indirekt wirkt sich hier ein weiterer Unterschied zwischen der Wahl von Handels- oder Kriegsschiff aus: bei jedem Kriegsschiff wird das Fassungsverm\u00f6gen von Vorratskammer bzw. Tresor um eine Einheit vergr\u00f6\u00dfert, bei einem Handelsschiff tut sich in dieser Beziehung nichts.<\/p>\n<p>Eine sehr pfiffige Idee in \u201eShips\u201c ist die Verwendung der Handelssteine. Sie sind n\u00e4mlich nicht nur zum Ablegen innerhalb der Wirtschaftsgebiete gedacht, sie markieren auch die Aktionen, die ein jeder Spieler ausf\u00fchren darf. Und wenn die Steine f\u00fcr Aktion oder Handel erst einmal platziert sind, dann bleiben sie an Ort und Stelle liegen, bis sie explizit wieder zur\u00fcckgeholt werden. Das muss man rechtzeitig tun. Wer n\u00e4mlich am Zug ist und alle seine eckigen Steine \u201everspielt\u201c hat, dem bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als einen \u201efreien\u201c Zug zu opfern, um die Steine eines Gebietes wieder zur\u00fcck in seine Verf\u00fcgungsmasse zu holen; der restliche Aktionsspielraum geht verloren.<\/p>\n<p>Was kann man in \u201eShips\u201c noch alles tun?<\/p>\n<ul>\n<li>eine der ausliegenden Sonderkarten nehmen, die \u00e4hnliche Verg\u00fctungen erbringen bzw. Aktionen erlauben, wie sie auch sonst im Spiel gegeben sind, nur etwas mehr, etwas billiger, etwas m\u00e4chtiger.<\/li>\n<li>\u00a0Geld von der Bank einziehen. Einer der schlechtesten Z\u00fcge \u00fcberhaupt.<\/li>\n<li>\u00a0Navigationsmarker nehmen. Ein damit gef\u00fclltes Portemonnaie ist Gold wert.<\/li>\n<li>\u00a0Waren verkaufen. Alles hat seinen Preis: Tuch bringt das meiste Geld, Gew\u00fcrze die meisten Siegpunkte, und \u00d6l schmiert einen Zusatzzug.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist alles rund und sch\u00f6n, was in \u201eShips\u201c zusammengebastelt ist. Alles kann konstruktiv gespielt, aber viel mehr noch als eine gro\u00dfe planerische Herausforderung angesehen werden, denn \u00fcberall st\u00f6\u00dft man auf Engp\u00e4sse. Mal hat man keinen Platz in der Vorratskammer, mal fehlt das Korn f\u00fcr ein Kriegsschiff oder ein Navigationsmarker f\u00fcr den n\u00e4chsten Fortschritt. F\u00fcr bestimmte Aktionen muss man Geld bezahlen, auch das ist immer knapp, besonders da der eigene Tresor nur ein geringes Fassungsverm\u00f6gen hat. Und nat\u00fcrlich gehen die eckigen Handels-\/Aktionssteine aus und man muss Z\u00fcge verpulvern, um sie wieder zur\u00fcckzuholen.<\/p>\n<p>Alles ist perfekt ausbalanziert. Alles funktioniert. Alles ist gut. Wer sich zwei bis drei Stunden lang an einem einzigen Spiel mit Ackerbau und Schiffzucht laben m\u00f6chte, ist mit \u201eShips\u201c bestens bedient.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das Spiel eine zu gro\u00dfe intellektuelle Herausforderung. Ich kann weder die Formel l\u00f6sen: Ist (n \u2013 delta) Runden vor Schluss das Reaktivieren von e1 toten Ecksteinen aus dem Handelsgebiet A besser als das Reaktivieren von e2 zirkulierenden Ecksteinen aus meine Aktionskeller, noch kann ich beurteilen, ob der Platz in meiner Vorratskammer oder in meinem Tresor mehr wert ist, und ob ich in n\u00e4chster Zeit Wein besser verwenden kann als \u00d6l. Drei Stunden lang. Und drei Stunden lang denen hinterherlaufen, die das besser verstehen, ist auch nicht gerade mein Fall.<\/p>\n<p>Die Industrie mit ihrem Segen wurde von keinem von uns gesch\u00e4tzt. Wir haben ihren Effekt alle noch nicht verstanden. Auf die N\u00fctzlichkeit der Tauschb\u00f6rse, ein weiteres sehr h\u00fcbsches Spielelement, sind wir auch erst in den letzten Z\u00fcgen gekommen. OK, OK, Wallace schreibt selber: &#8220;it will take a few plays to master&#8221;. \u201eShips\u201c bietet au\u00dferordentlich viel. Grabt nur danach!<\/p>\n<p><em>WPG-Wertung: Aaron: 8 (es hat mir von Stunde zu Stunde besser gefallen, eine h\u00fcbsche Mischung aus Planung &amp; Aufbau mit Interaktion bzw. Konkurrenz), G\u00fcnther: 7 ([ohne Worte; was hat ihn wohl gehindert, 8 oder gar 9 Punkte zu vergeben?]), Walter: 7 (fast ein 8 oder 9 Punkte-Spiel, eine gro\u00dfe Herausforderung an ein st\u00e4ndiges Balanzieren von Optionen, Notwendigkeiten und Mitteln, aber die lange Spieldauer ist f\u00fcr die zwar vielseitigen, schlussendlich\u00a0aber doch repetitiven Spielz\u00fcge ein erhebliches Manko).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man das letzte Spiel aus dem Eigenverlag des begnadeten Martin Wallace in der Hand hat, und wei\u00df, dass der Autor seine Zelte in Europa abgebrochen und sich f\u00fcr immer nach Neuseeland begeben hat, dann ist das doch ein Grund, mal etwas \u00fcber Neuseeland nachzulesen. 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